Wednesday, October 04, 2017

Bibliothekarische Einstellungsvoraussetzung: Glaube ;-)

Der Hinweis auf die Stellenausschreibung mit dieser wunderbaren Formulierung kommt aus der großartigen Facebook-Gruppe "Troublesome Catalogers and Magical Metadata Fairies":

Conditions of Employment: Must believe in cataloging

CfP LIBREAS. Library Ideas #33: Ortstermin. Reportagen aus der tatsächlichen Bibliotheksarbeit

Für die Ausgabe 33 von "LIBREAS. Library Ideas" gibt es ein bemerkenswertes Thema: "Ortstermin. Reportagen aus der tatsächlichen Bibliotheksarbeit". Gute Idee! Ich hoffe, ich kann etwas beitragen. "Neue Projekte, innovative Veranstaltungen, erstaunliche Bauten finden immer wieder Platz in den bibliothekarischen Zeitschriften, [...] aber das, was nicht sofort als innovativ, verändernd oder erstaunlich beschrieben werden kann, ist in der Literatur fast unsichtbar". Mich erinnert das an eine Diskussion mit einer Berufskollegin über Prämien und Remunerationen - die gibt es fast immer nur für die Mitarbeit an besonderen Projekten. Die Personen, die jahraus jahrein ihre Alltagsarbeit so zufriedenstellend erledigen, dass andere überhaupt Projekte machen können, kommen dabei oft zu kurz.


Ortstermin. Reportagen aus der tatsächlichen Bibliotheksarbeit

Die bibliothekarische Literatur hat einen erstaunlichen Bias: Der Alltag, also das, was in Bibliotheken Tag für Tag, Woche für Woche gemacht wird, kommt in ihr kaum vor. Neue Projekte, innovative Veranstaltungen, erstaunliche Bauten finden immer wieder Platz in den bibliothekarischen Zeitschriften, Überlegungen zur Zukunft der Bibliotheken und Medien erst Recht; aber das, was nicht sofort als innovativ, verändernd oder erstaunlich beschrieben werden kann, ist in der Literatur fast unsichtbar. Dabei ist es diese alltägliche Arbeit, die überhaupt erst die Basis für alle neuen Projekte bietet; es ist auch diese Arbeit, die von den Nutzerinnen und Nutzern wahrgenommen wird. Zu vermuten ist, dass sie die Bibliotheken vor allem wegen diesem alltäglichen Funktionieren als Institution, als Raum, als Idee besuchen – und nur zu einem kleinen Teil wegen der so oft beschriebenen Innovationen. (Und selbst diese Innovationen werden schnell zum Alltag, wenn sie funktionieren.) Auch das Personal in den Bibliotheken ist vor allem mit dem Alltag befasst. Nur eben die bibliothekarische Literatur (und bibliothekswissenschaftliche Forschung) selten.

Ausstempeln am Ende des Arbeitstages. CC-BY-SA

Ein Grund dafür ist selbstverständlich, dass das Neue, Innovative, Verändernde oft erst einmal interessanter klingt und dadurch für die Publikation geeigneter. Aber der Alltag ist eher das, was interessant ist, wenn man verstehen will, warum Bibliotheken funktionieren, wie sie funktionieren, warum sie bestimmte Entscheidungen treffen, warum sie so beliebt sind bei einer doch erstaunlich großen Anzahl von Menschen. Mit dem Fokus auf Innovationen und Veränderungen entsteht oft der Eindruck, der bisherige Alltag wäre rückständig, mitunter falsch und vor allem zu überwinden. Während es auch nicht richtig wäre, Veränderungen abzulehnen, scheint dieser Fokus doch auch viel zu übersehen. Es wird Gründe geben, warum Bibliotheken bestimmte Dinge immer und immer wieder tun. Diese werden jedoch nur sichtbar, wenn man sich den Alltag anschaut. Es gibt in den Bibliotheken immer wieder lokale Lösungen, die an diesen konkreten Orten besonders sinnvoll sind und auch etwas darüber sagen, wie Bibliotheken in ihren jeweiligen Communities funktionieren. Und es gibt immer wieder Veränderungen in Bibliotheken, die weniger sichtbar sind, auch weil sie kleinteilig oder natürlich oder trivial erscheinen. Aber dass Bibliotheken heute viel offener erscheinen, als vor einigen Jahrzehnten ist nicht nur das Ergebnis von radikalen Veränderungen, sondern von zahllosen so kleinen wie wirksamen Schritten. Auch das wird nur sichtbar, wenn man den Blick auf den Alltag der Bibliotheken lenkt.

Nicht zuletzt aber ist es der Alltag, der viele Kolleginnen und Kollegen dazu bringt, Tag für Tag und Jahr für Jahr weiter aktiv und begeistert in ihrer Bibliothek zu arbeiten und nicht die Stelle oder das Feld zu wechseln. Es gibt auch immer persönliche Erfolgsgeschichten, es wird immer auch ein Sinn in der eigenen Arbeit gesehen.

Christchurch City Libraries: Shirley Lindsay reading. Appeared in the Christchurch Star 29 May 1970. From the collection of the Christchurch Star, CC-BY-NC-ND

LIBREAS. Library Ideas möchte in ihrer Ausgabe #33 vor allem diesem Alltag auf die Spur kommen. Uns interessieren Berichte aus diesem Alltag: Was passiert da eigentlich Tag für Tag in der Bibliothek? Was machen die Menschen sowie die Kolleginnen und Kollegen vor Ort wirklich? Dabei geht es nicht um die großen Geschichten, die massiven Veränderungen, sondern um das vermeintlich Kleine, Nebensächliche, Alltägliche. Also das, was passiert, wenn die Türen geöffnet werden, wenn Veranstaltungen, welche die Bibliothek regelmässig durchführt, stattfinden, wenn die Schulklassen in die Öffentliche Bibliothek kommen oder die neuen Studierenden in die Wissenschaftliche Bibliothek. Wie ist das in Ihrer Bibliothek, wenn das Wetter wechselt und die Tage länger oder kürzer werden? Wie ist das, Medien einzustellen am Morgen oder am Informationspult zu sitzen am Nachmittag oder die Bibliothek am Abend zu schließen und die letzten Personen in den Abend zu entlassen?

Es geht um persönliche Erfahrungen und Berichte, um Reportagen – gerne auch improvisiert, gerne auch mit vielen Bildern und wenig Text –, um Interviews über die persönliche Motivation von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren (zum Beispiel Ihren direkten Kolleginnen und Kollegen oder auch gerade Ihnen selber). Nichts ist zu klein, zu unwichtig oder zu wenig relevant, sondern gerade das, was oft als normaler Alltag in der Bibliothek angesehen wird, interessiert uns. Die Ausgabe #33 "Ortstermine" soll genau das sein: Besuche vor Ort, in den Bibliotheken, großen und kleinen, Öffentlichen und Wissenschaftlichen, auf dem Land und in der Stadt. Jede Bibliothek glänzt mit ihrem Alltag, nicht nur mit ihren Innovationen.

Canton Public Library: Out to the stacks, 19. März 2008, CC-BY-NC-ND

Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken auf, solche Reportagen einzureichen. Gerne unterstützen wir Sie beim Verfassen der Texte oder diskutieren Ideen für Beiträge. Einreichungsschluss ist der 31.01.2018.

Monday, September 25, 2017

Monday, September 18, 2017

Rückblick auf den Libraryzine-Workshop am Bibliothekartag in Linz #oebt17

Ich habe schon länger überlegt, ein ganz analoges Libraryzine zu gestalten. Für den Bibliothekar*tag in Linz habe ich diesmal einen Workshop dazu angeboten. Ich dachte, eine kreative Session zwischen den vielen Vorträgen und Sitzungen wäre einmal ganz angenehm! Das Programmkomitee ist erfreulicherweise auch gleich darauf eingestiegen. Fünf Kolleginnen haben teilgenommen - ich bin für den ersten Versuch recht zufrieden, es gab sehr harte Konkurrenz (Stichwort Alma) um diese Uhrzeit, und die Atmosphäre war sehr angenehm. Ich möchte diesen Workshop beim nächsten Bibliothekar*tag auf alle Fälle wieder anbieten, habe aber auch einige Verbesserungsideen mitgenommen.

Meine Katze Minerva hat überprüft, ob ich auch alles eingepackt habe - Schreibmaschine, Buntstifte, Wasserfarben, Scheren... Nach dem Materialeinkauf weiß ich, wie sich Eltern am Schulanfang fühlen ;-) Wichtige Erkenntnis: In Wiener Neustadt gibt es das traditionsreiche Papiergeschäft Kuderna, in dem die Antwort auf die Frage nach dem Vorhandensein von Schreibmaschinen-Farbbändern nicht "prust - sicher nicht", sondern "natürlich - welches Modell? Schwarz-rot oder nur schwarz?" lautet. Hiermit wärmstens empfohlen!

Lessons learned

Was ich beim nächsten Mal anders machen werde:
* Kurzen, strukturierten Input mit Beispielen liefern.
* konkrete Themenvorschläge einbringen. Ich habe zwar bewusst kein Thema vorgegeben, aber manchen fiel es anfangs schwer, sich etwas einfallen zu lassen.
* mehr Scheren mitnehmen. Alle wollten Zeitungsbuchstaben/-bilder ausschneiden, das habe ich unterschätzt! Gut, dass wir uns noch Zusatz-Scheren besorgen konnten :-)
* Graphic Facilitation-Bücher mitnehmen. Ich habe mir nach einem "Graphic Facilitation"-Workshop im vergangenen Jahr mehrere Bücher gekauft, die eine Auswahl an Symbolen, Bildern, zum Nachzeichnen beinhalten, z.B. "Sketchnotes & Graphic Recording", "Bikablo: Das Trainerwörterbuch der Bildsprache" und "You Can Doodle: Building Your Visual Vocabulary". Das ist mir erst nach dem Workshop eingefallen.

Was ich genauso machen werde:
* die Schreibmaschine mitnehmen, auch wenn sie sauschwer ist. Das hat mir - und den anderen, wage ich zu sagen - Spaß gemacht!

Alles angerichtet - jetzt warten auf die Teilnehmer_innen.

Ankündigungstext zum Nachlesen

Vorträge, Sitzungen, Firmengespräche - zwischendurch habt Ihr die Gelegenheit, Eure kreative Seite auszuleben! Wir machen ein gemeinsames Bibliotheks-Zine. Zines (Kurzform von Magazines) sind Amateurpublikationen, die außerhalb des kommerziellen Verlagswesens und üblicherweise in kleinen bis kleinsten Auflagen erscheinen, und sind Teil der Do-it-yourself-Kultur. Sie erscheinen zu unterschiedlichsten Themen, drücken die Persönlichkeit der GestalterInnen aus und sind eine Alternative zum publizistischen Mainstream.
Wie gestalten wir die Seiten? …schreiben, zeichnen, malen, dichten, ausschneiden und aufkleben (das ursprüngliche cut & paste sozusagen), Zeitungsbuchstaben verwenden, Bilder auswählen, mit der Schreibmaschine tippen… Die fertigen Seiten werden kopiert und zu einem Zine zusammengebunden. Alle, die eine Seite gestaltet haben, bekommen kostenlos ein Exemplar, alle anderen können es zum Selbstkostenpreis erwerben. Die Auflage ist streng limitiert.
Material zur Inspiration und zum Verarbeiten ist vorhanden. Ihr braucht nur Euch selbst mitzubringen. Ein- und Aussteigen jederzeit möglich!

Monday, September 11, 2017

Der Stuttgarter Tatort im Tweet

Sunday, September 03, 2017

BBB News. Neue Einträge in der Bibliographie Berufsbild Bibliothekar_in

Die neuesten Einträge in meiner Bibliographie Berufsbild Bibliothekar_in: diesmal mit Schwerpunkt Belletristik vom Krimi über das Bilderbuch bis zum Kindersachbuch.
Susan Mann: The librarian and the spy. New York: Zebra Books 2017 (A Zebra Shout Fresh New Romance)

Dee Ready: Librarians help. Capstone Press 2013

Mark Pryor: The Paris librarian. Amherst: Seventh Street Books 2016 (A Hugo Marston Novel)

Jessica Spanyol: Clive is a librarian. Swindon: Child's play 2017

Marc Crabtree: Meet my neighbour, the librarian. Crabtree 2012

Rita Marcella / Hayley Lockerbie / Lyndsay Bloice / Caroline Hood / Flora Barton: "The effects of the research excellence framework research impact agenda on early- and mid-career researchers in library and information science". In: Journal of Information Science, 4. August 2017

Thursday, August 31, 2017

KRIBIBI goes Verein

Der Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare wird zu einem Verein. Hier die wichtigsten Informationen:

// Werte Kolleginnen & Kollegen,
der "Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (KRIBIBI)" wird zum Verein. Die von den Gründer*innen Ulrike Retschitzegger und Nikolaus Hamann bei der Vereinsbehörde eingereichten Statuten wurden genehmigt, der "Verein kritischer Bibliothekare und Bibliothekarinnen (KRIBIBI)" kann daher mit der Gründungsversammlung im Rahmen der Jahrestagung 2017 am 03. und 04.11.2017 seine Arbeit aufnehmen. Nähere Informationen folgen.

Teil von KRIBIBI können als ordentliche Mitglieder alle physischen Personen sein, die mit den Vorschlägen von KRIBIBI für eine Verbesserung des österreichischen Bibliothekswesens übereinstimmen. Als außerordentliche Mitglieder können auch juristische Personen wie Bibliotheken und bibliothekarische Serviceeinrichtungen beitreten.
Bis jetzt haben bereits 26 physische und 4 juristische Personen ihre Bereitschaft, Mitglied bei KRIBIBI werden zu wollen, durch Ausfüllen eines Beitrittsformulars (siehe Beilage) kundgetan. Der Beitrag für ordentliche Mitglieder wird (nach Vorschlag der Gründer*innen) 30 Euro jährlich betragen, für außerordentliche Mitglieder 50 Euro.

Die Vereinsgründung wurde notwendig, weil uns das Karl-Renner-Institut, dem wir die Finanzierung seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren verdanken, diese auf Grund einer notwendig gewordenen Budgetstraffung nicht mehr leisten kann. Ohne die Beiträge der Mitglieder könnten wir daher keine Tagungen mehr organisieren. Der Vorteil für uns ist, dass KRIBIBI nicht mehr als SPÖ-Organisation (was wir de facto nie waren, auch wenn uns mit der SPÖ nach wie vor verbindet, dass sie als einzige Partei ein Bibliotheksprogramm vorweisen kann, an dem KRIBIBI-Leute mitgewirkt haben) missinterpretiert werden kann.

Wir freuen uns natürlich auf viele weitere Mitglieder. Je stärker wir werden, desto besser können wir das österreichische Bibliothekswesen und die Politik im Sinne unserer Ziele beeinflussen.

Herzliche Grüße
Ulrike Retschitzegger
Nikolaus Hamann //

Economics to Sociology Phrasebook

Das wäre etwas für meine Wörterbuchsammlung: Das Economics to Sociology Phrasebook. Beispiel: low wage jobs vs. low productivity workers; discrimination vs. wage differential. Die handliche Übersicht wurde 1990 von zwei Doktoranden, Jeffrey A. Smith und Kermit Daniel, zusammengestellt.

Mehran Heidarzadeh: I Love Sociology", 3. April 2007, Flickr, CC-BY

Mehr dazu im Blog "Economic Sociology and Political Economy". Hinweis auf Twitter entdeckt.

Monday, August 28, 2017

Libraryzine-Workshop am Bibliothekar*tag - herzliche Einladung

Kreativ sein am Bibliothekar*tag - ich lade Euch herzlich zu meinem Workshop ein!

Wir machen ein Zine! Kreativ sein am Bibliothekartag


Vorträge, Sitzungen, Firmengespräche - zwischendurch habt Ihr die Gelegenheit, Eure kreative Seite auszuleben! Wir machen ein gemeinsames Bibliotheks-Zine. Zines (Kurzform von Magazines) sind Amateurpublikationen, die außerhalb des kommerziellen Verlagswesens und üblicherweise in kleinen bis kleinsten Auflagen erscheinen, und sind Teil der Do-it-yourself-Kultur. Sie erscheinen zu unterschiedlichsten Themen, drücken die Persönlichkeit der Gestalter_innen aus und sind eine Alternative zum publizistischen Mainstream.

Wie gestalten wir die Seiten? …schreiben, zeichnen, malen, dichten, ausschneiden und aufkleben (das ursprüngliche cut & paste sozusagen), Zeitungsbuchstaben verwenden, Bilder auswählen, mit der Schreibmaschine tippen... Die fertigen Seiten werden kopiert und zu einem Zine zusammengebunden. Alle, die eine Seite gestaltet haben, bekommen kostenlos ein Exemplar, alle anderen können es zum Selbstkostenpreis erwerben. Die Auflage ist streng limitiert.

Chattanooga Public Library: Chattanooga ZineFest & Opening day of the Chattanooga Zine Library, Flickr, 10. Mai 2014, CC-BY-NC-ND

Material zur Inspiration und zum Verarbeiten ist vorhanden. Ihr braucht nur Euch selbst mitzubringen (außer Ihr _wollt_ eigenes Material mitbringen). Ein- und Aussteigen jederzeit möglich!

Ort und Zeit: Donnerstag, 14. September, 11.15 bis 13 Uhr, Seminarraum 224B, Keplergebäude.

Tuesday, August 22, 2017

Bones sieht aus wie eine Bibliothekarin

Booth zu Bones: "Brennan, Du musst jetzt die Brille abnehmen, die Haare öffnen und sagen: 'Mr Booth, wissen Sie eigentlich, was die Strafe für zu spät zurückgebrachte Bücher ist?'".
Bones: "Wieso?"

Bones, Folge "Die Hitze der Hölle im Himmel" (The Passenger in the Oven)

Thursday, August 17, 2017

Es ist, es ist... Brot!

Monday, August 07, 2017

Daten und Metadaten im Blitzlicht. Beitrag aus dem ZAMG-Newsletter

Für den neuen ZAMG-Newsletter (S. 24) habe ich einen kurzen Beitrag über das Datenmanagement geschrieben, den ich auch bloggen möchte. Der Titel ist "Daten und Metadaten im Blitzlicht" - seht Ihr, wie ich urgeschickt einen Wetterbezug hergestellt habe? ;-)
Weitere Beiträge im Bereich Datenmanagement / Bibliothek / Archiv:
  • "Dynamic Data Citation – für NetCDF Klimadaten" von Chris Schubert et al. (S. 22-23)
  • Digitalisierung historischer ZAMG-Jahrbücher von Anita Paul (S. 25)
  • Aktivitäten des Nationalen Datenzentrums [CTBT] von Ulrike Mitterbauer (S. 17)
Newsletter im PDF-Format.

Daten und Metadaten im Blitzlicht

Satellitenbilder, TAWES-Messungen, Seismogramme, Radardaten, Klimabögen, Ceilometerwerte, Meldungen von Citizen Scientists und vieles mehr... Daten (und das, was daraus gemacht wird) sind das Herzstück der Arbeit an der ZAMG. Im Arbeitsprogramm 2017-2021 nimmt das Datenmanagement daher einen besonderen Platz ein. Der Bereich umfasst den gesamten Lebenszyklus von Daten und Metadaten, von der Gewinnung, Aufbereitung, Speicherung und Sicherung, Veröffentlichung, Wiederverwendung und Langzeitarchivierung.
Um organisatorisch gerüstet zu sein, wurde im Bereich IKT die Abteilung "Infrastruktur, Security, Datenmanagement" mit einem sechsköpfigen Datenmanagement-Team eingerichtet und eine Datenmanagerin mit dem Fokus auf Koordination und Organisation eingestellt.

Der neue Datenmanagementplan, der bei den Entwicklungsprojekten 2018 erstmals zum Einsatz kommt, umfasst den gesamten Lebenszyklus von Daten. Quelle: ZAMG

Im Mai 2017 wurde ein Datenmanagementplan (DMP) für Projekte an der ZAMG eingeführt. Der DMP kommt erstmals bei den Entwicklungsprojekten 2018, deren Begutachtung und Auswahl gerade läuft, zum Einsatz. Sechs Bereiche werden damit abgedeckt: Daten; Dateiformate und Datenmengen; Metadaten und Dokumentation; Veröffentlichung und Nachnutzung; Verantwortlichkeit und Ressourcen; Speicherung und Langzeitarchivierung.
Die Planung und Umsetzung von Maßnahmen in diesen Bereichen – im besten Fall bereits, bevor überhaupt Daten erhoben werden – ist Teil der guten wissenschaftlichen Praxis, erhöht die Nachnutzung und Reproduzierbarkeit, spart langfristig Zeit, Geld und Mühe und wird zunehmend von FördergeberInnen und wissenschaftlichen Journals verlangt.

Die ZAMG stellt einen Teil ihrer Ergebnisse als offene Daten zur Verfügung. "Offen" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur, dass sie kostenlos bezogen werden können, sondern vor allem, dass sie unter einer Lizenz stehen, die das Weiterverarbeiten und Weitergeben erlaubt. Informationen über offene ZAMG-Daten finden sich unter anderem in unserem eigenen Datenkatalog, der derzeit auf eine neue Version umgestellt wird, auf data.gv.at, dem Portal für offene Verwaltungsdaten, im CCCA-Datenzentrum und bei Pangaea, einem Verlag für Daten aus den Erd- und Umweltwissenschaften.


50 einfallsreiche Köpfe entwickelten am ersten Create Camp, das am 2. Februar 2017 an der ZAMG stattfand, innovative Ideen für die Verwendung offener Daten. Quelle: Open Data Portal / Georg Schütz, CC-BY-SA

Wie findige Köpfe solche offenen Daten nutzen können, zeigte sich am "Data Pioneers Create Camp", das im Februar 2017 bei uns im Haus stattfand. Drei der sieben an diesem Tag entwickelten Projektideen basieren auf ZAMG-Daten.
Patrick Wolowitz, Kerstin Zimmermann, Alexander Ostleitner und Jasmin Berghammer schufen mit "Botti for Klamotti" einen Chatbot für das Heimassistenzsystem Alexa, der mit Hilfe von ZAMG-Daten eine dem Wetter angepasste Kleidung empfiehlt. Beispiel: "Alexa, was soll ich heute anziehen?" "Es ist kalt. Nimm einen Schal und eine Haube".
Mit dem Datenformat netCDF befassten sich Julia Diessl, Dominika Heller und Franz Rinnerthaler. netCDF ist in unseren Fachbereichen üblich, aber außerhalb der Wissenschaft wenig bekannt und daher auf den ersten Blick nicht leicht zu verarbeiten. Mit dem netCDF-Viewer Panoply exportierte die Gruppe die Daten der Klimaindizes für Globalstrahlung in ein gängiges Format, damit sie auch in einfachen Scripts weiterverarbeitet werden können.
Das Projekt "Sentinel Wetland Monitoring" nutzt die Daten der europäischen Sentinel-Satelliten. Andreas Trawöger fand hier eine Möglichkeit, um Feuchtgebiete im Wiener Umland, vor allem die durch Dammbau verursachte Austrocknung im Randbereich, kontinuierlich zu beobachten. Diese Anwendung wird am Satellite Soil Moisture Validation and Application Workshop im September 2017 weiterentwickelt werden.