Friday, March 27, 2015

Von Bücherfeen und Bibliotheksvampiren, Kolumne 1/2014

"Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt", lautet eine häufig zitierte Textpassage des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges. Ist umgekehrt die Bibliothek auch eine Art Paradies? Sicher, die Parallelen sind ja unübersehbar: Männlein und Weiblein laufen nackig herum und kommen einander auf der Suche nach Obst näher und näher... Sie meinen, das hätte doch gar nichts mit Bibliotheken zu tun? Falsch gedacht! Hätte die Vielzahl erotischer Geschichten, die in Bibliotheken und/oder mit Bibliothekspersonal spielen, einen wahren Kern, wäre es geradezu ein Wunder, dass bei uns überhaupt noch irgendeine richtige Arbeit erledigt wird.

Den "Entfessle die Bibliothekarin"-Moment in Romanen gibt es schon seit Jahren immer wieder: Die als zugeknöpft und prüde geltende Bibliothekarin legt den Stempel zur Seite, nimmt die Brille ab, löst den Dutt, öffnet die Bluse und entpuppt sich als Vamp – sobald endlich der richtige Mann (oder, seltener, die richtige Frau) die Bibliothek betreten hat.

Seit die zunehmende Verbreitung von E-Books es viel einfacher und billiger macht, im Selbstverlag zu veröffentlichen, komme ich aber als Bibliografin fiktiver Bibliothekarinnen kaum mehr nach. Paradiesische Zustände in Bibliotheken sind offenkundig ein Verkaufsschlager – zumindest hoffen die fleißigen Hobby-SchriftstellerInnen das.
Bei genauerer Schilderung der Inhalte würde diese Kolumne sicher mit einem Jugendverbot belegt. So setze ich auf die Fantasie meiner Leserinnen und Leser und beschränke mich auf einige (von mir übersetzte) Titel, die ich bei einem unaussprechlichen Online-Buchhändler gefunden habe: "Verführt von der Bibliothekarin", "Die wilde Sharon", "Geständnisse einer Kleinstadtbibliothekarin", "Die asiatische Bibliothekarin und die dämonischen Tentakel", "Die Beine der Bibliothekarin", "Unartige Bibliothekarinnen", "Die nymphomanische Bibliothekssklavin", "Die Bibliothekarin und die Cowboys", "Geheime bibliothekarische Fantasien", "Quickie mit der abartigen Bibliothekarin", "Perlen der Leidenschaft", "Jedermann liebte die Bibliothekarin", "Das geheime Leben der Bibliothekarinnen", "Das erste Mal der jungfräulichen Bibliothekarin", "Die sündhafte Bibliothekarin" und – mein Favorit – "Sie bezahlte ihre Strafe für überfällige Lust".

Hier alle bisher erschienenen Kolumnen zum Nachlesen:

  • Bibliothek als...: 4/2014 (Bibliothek als Treffpunkt, S. 21), 3/2014 (Bibliothek als Arbeitsplatz, S. 59), 2/2014 (Bibliothek als Tatort, S. 61), 1/2014 (Bibliothek als Paradies, S. 63).
  • Film und Fernsehen: 4/2013 (Science Fiction, S. 45), 3/2013 (Krimiserien, S. 53), 2/2013 (Horror, S. 65), 1/2013 (Komödien, S. 59).
  • Belletristik: 4/2012 (Krimis, S. 59), 3/2012 (Comics, S. 57), 2/2012 (Horror, S. 71), 1/2012 (Liebesromane, S. 53).

Wednesday, March 25, 2015

Treffende Beschreibung von Frauenzeitschriften

Thursday, March 19, 2015

CfP Bibliothekar*tag: Beiträge zu Berufsbild, Gender & Diversity gesucht

Im September 2015 findet an der Universität Wien der Österreichische Bibliothekar*tag statt. Ich bin im Programmkomitee für meine "Leib- und Magenthemen" wie Berufsbild, Ausbildung, Personalentwicklung und Genderfragen zuständig. Insgesamt gibt es sechs Themenbereiche (siehe unten). Bei allen läuft der Call for Papers noch bis 31. März. Bitte verbreiten! Die Posterausstellung im Arkadenhof der Uni Wien läuft unter "Junge Schiene" und richtet sich speziell an Menschen in Ausbildung. Also keine Scheu, Euer Abschlussarbeitsthema einzureichen. Die Einreichung selbst erfolgt online - das erspart uns und Euch bürokratischen Aufwand bei der Anmeldung zur Tagung, wenn das Paper einmal angenommen ist.

1. Openness: Open Access, Open Data, Forschungsunterstützung (Publikationsdienste, Bibliometrie, Forschungsdokumentation usw.), Forschungsdaten, Urheberrecht, E-Science, Science 2.0, e-Infrastructures Austria

2. Zukunft gestalten: Bibliotheksmanagement, Bibliotheksmarketing, Qualitätsmanagement, Strategien und Visionen, Innovationsmanagement, Organisationsentwicklung, Produktmanagement, Entwicklung von Bibliothekssystemen

3. Offensive BibliothekarInnen: Berufsbild im Wandel, Aus-, Fort- und Weiterbildung, Personalentwicklung, Genderfragen, Learning Library - mein Bereich. Für Fragen stehe ich gerne unter monika.bargmann (at) wienbibliothek.at, auf Facebook und Twitter zur Verfügung.

4. Bewahren & präsentieren: Kooperationen und EU-Projekte, Bestandserhaltung, kulturelles Erbe bewahren, Buch- und Bibliotheksgeschichte, Sammlungen, Provenienzforschung (NS et al.), Digitalisierung, Langzeitarchivierung, neue Präsentationsformen

5. Erwerben & sichtbar machen: neue Erwerbungs- und Lizenzierungsmodelle, Erschließung analoge und digitale Bibliothek, Regelwerke und -formate, Search and Discovery, Suchmaschinentechnologie, Data Management Planning

6. Masse und Individualität: (neue) Services, Kundenorientierung und Servicepolitik, Nutzerforschung, Webauftritt, Social Networks, Tagging, Blogging, Teaching Library, Informationskompetenz, Vorwissenschaftliche Arbeiten

Wednesday, March 04, 2015

Beim nächsten Mann wird alles anders ;-)

Ich liebe solche Zufälle: Beim Müllraustragen in unserem neuen Büro sind mir Bücher im Altpapiercontainer aufgefallen. Da konnte ich natürlich nicht NICHT hinschauen ;-) Ich hab mir unter anderem den Roman "Beim nächsten Mann wird alles anders" von Eva Heller herausgefischt, weil ich mit der Fischer-Reihe "Die Frau in der Gesellschaft" schon öfters gute Erfahrungen gemacht habe. Und was lese ich da? :-))
Coverbild des Romans Beim naechsten Mann wird alles anders von Eva Heller"Birgit sei Angestellte in der Stadtbücherei. Ansonsten sitze sie zu Hause und warte darauf, daß der Mann ihrer Träume ab ein Fenster ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung im dritten Stock klopft. Aber Birgit sei trotzdem sehr nett" (S. 67).

"Ich war überrascht von Birgit. Man sah ihr überhaupt nicht an, daß sie in der Stadtbücherei arbeitete" (S. 67/68).

"Birgit ist in der Stadtbücherei zuständig für die Kontrolle der Ausleihe. Dauernd müsse sie Überstunden machen, klagte sie, die Leute würden zu viele Bücher ausleihen. Jeder würde zehn Bücher mitnehmen, aber sie könnte schwören, daß die Leute höchstens eins lesen, obwohl sie den Abgabetermin noch um drei Wochen überziehen. Man müßte ein System einführen, meinte Birgit, mit dessen Hilfe die sogenannten Leser von den Bibliotheksangestellten geprüft werden könnten, ob sie die ausgeliehenen Bücher nicht nur gelesen, sondern auch verstanden hätten. Nur wenn dies der Fall sei, dürfte der Leser wieder Bücher mitnehmen, und zwar nur so viele, wie er nachweisbar wirklich gelesen hätte" (S. 68).

Friday, February 20, 2015

Fifty Shades of Secreta

Sunday, February 01, 2015

If my life were a book...

"If my life were a book, I would have masking tape holding my hinges together. My pages would be loose, my edges tattered and my boards exposed, the front flyleaf torn and the leather mottled and moth-eaten. I'd have to take myself apart and put myself back together, as any good book restoration expert would do".

Aus: "If Books Could Kill" von Kate Carlisle. Im Mittelpunkt der Reihe "Bibliophile Mysteries" steht die Buchrestauratorin Brooklyn Wainwright, die - ganz nebenbei bemerkt - Bibliothekswesen UND bildende Kunst studiert hat. Sie hat eine Gabe dafür, über Leichen zu stolpern und des öfteren auch eine naheliegende Verdächtige zu sein. Ich hab 2013 die ersten zwei Bände gelesen und in den letzten Tagen mehrere weitere Bände verschlungen.


Taylor Library: "Chewed Book", 28. Juli 2011, via Flickr, Lizenz CC-BY-NC-SA

Monday, January 26, 2015

Von Bücherfeen und Bibliotheksvampiren, Kolumne 4/2013

In "unendliche Weiten" begeben wir uns in dieser Ausgabe. Bibliotheken tauchen in Science-Fiction-Filmen unter anderem als Bedrohung für die Mächtigen, als Gedächtnis verschwundener Kulturen und als Übergang zwischen Wirklichkeit und Fiktion auf. Technische Entwicklungen wie Suchmaschinen und Computernetze werden vorweggenommen. BibliothekarInnen treten als Roboter, als Klone, als Hologramme auf, die sich allerdings zum Großteil gewisse Klischees aus der Gegenwart über die Jahrhunderte bewahren. Bleibt die Frage, welche der futuristischen Datenspeicher wir wirklich noch "Bibliothek" nennen können.

Nehmen wir zwei der langlebigsten und erfolgreichsten Science-Fiction-Welten überhaupt – "Star Wars" und "Star Trek" – als Beispiele. 2002 kam der Film "Angriff der Klonkrieger" in die Kinos. In der inhaltlich zweiten, als fünfte gedrehten Episode der "Star Wars"-Saga wird die Bibliothek als (vermeintlich) universeller Speicher dargestellt. Der Jedi-Meister Obi Wan Kenobi sucht nach einem Planetensystem, das sich im Katalog als unauffindbar erweist. Als er Zweifel an der Vollständigkeit der Archive anmeldet, wird er von der leitenden Bibliothekarin Jocasta Nu belehrt: "If an item doesn't appear in our records, it does not exist!" – "Wenn etwas nicht in unseren Akten steht, existiert es nicht!" Später wird Nu allerdings zugeben müssen, dass die Welt doch einiges beinhaltet, was in ihrer Sammlung nicht vorkommt.

In der sechs Serien mit 726 Episoden und zwölf Kinofilme umfassenden "Star Trek"-Welt spielen Lesen, Bücher und Bibliotheken immer wieder eine Rolle. Noch im 24. Jahrhundert nennt Captain Jean-Luc Picard "richtige" Bücher sein eigen, auch wenn zu dieser Zeit im Alltag auf sogenannten "PADDs" gelesen wird, die mit unseren Tablets oder E-Book-Lesegeräten vergleichbar sind. In der 1969 gedrehten Folge "Portal in die Vergangenheit" landet die Raumschiffbesatzung auf einem entvölkerten Planeten, auf dem nur eine einzige Person zurückgeblieben ist: der Bibliothekar Atoz (welch passender Name: A-to-Z). Da der Planet in naher Zukunft durch eine Supernova zerstört werden wird, sind alle BewohnerInnen in die Vergangenheit zurückgereist. Atoz legt dafür Silberscheiben in das sogenannte Atavachron ein, auf denen die gewünschte Epoche gespeichert ist – und die sehen genauso aus wie unsere CDs. Fehlt also nur noch die Zeitmaschine, das Speichermedium hätten wir schon!

Weitere Empfehlungen: Fahrenheit 451 (1966); Zardoz (1974); Rollerball (1975); Logan's Run (1976); Computercide (1982); Die Zeitmaschine (2002). - Dank für einige Filmtipps und Anregungen gebührt Robert Buchschwenter, mit dem ich im Jahr 2009 einen "Lesen auf der Enterprise"-Abend in der Wienbibliothek gestaltete.


Jedi Archives Tour on Disney Video

Hier alle bisher erschienenen Kolumnen zum Nachlesen:

  • Bibliothek als...: 4/2014 (Bibliothek als Treffpunkt, S. 21), 3/2014 (Bibliothek als Arbeitsplatz, S. 59), 2/2014 (Bibliothek als Tatort, S. 61), 1/2014 (Bibliothek als Paradies, S. 63).
  • Film und Fernsehen: 4/2013 (Science Fiction, S. 45), 3/2013 (Krimiserien, S. 53), 2/2013 (Horror, S. 65), 1/2013 (Komödien, S. 59).
  • Belletristik: 4/2012 (Krimis, S. 59), 3/2012 (Comics, S. 57), 2/2012 (Horror, S. 71), 1/2012 (Liebesromane, S. 53).

Sunday, January 25, 2015

Meine Lieblingstweets vom #Tatort in Kiel

Monday, January 19, 2015

Utopisch, universal, unendlich

Die neue Ausgabe der "Büchereiperspektiven" widmet sich dem Thema "Die imaginierte Bibliothek. Bücherwelten in Literatur und Film". Darin ist mein Beitrag "Utopisch, universal, unendlich" über Bibliotheken in der Science Fiction erschienen :-) Nachzulesen auf www.bvoe.at/epaper/4_14/!

Sunday, January 18, 2015

Von Bücherfeen und Bibliotheksvampiren, Kolumne 3/2013

Diese Kolumne sei den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren in Krimiserien gewidmet. Anlass: ein Zitat aus der US-amerikanischen Produktion "Criminal Intent". "Ich werde mein wichtigstes Ermittlungsinstrument einsetzen: meine Büchereikarte", sagt da der Ermittler Robert Goren, der Bibliotheken immer wieder zur Recherche nutzt. Eine größere Rolle spielt das bibliothekarische Umfeld in der Episode "Die Hormonfalle": Die mehrfache Mörderin und Betrügerin Nicole Wallace, der ihre Taten nie zweifelsfrei nachgewiesen werden konnten, arbeitet als Bibliothekarin in der Middleborough Community College Library. Zwei Sätze der gerissenen Verbrecherin sind mir dabei in Erinnerung geblieben: "Bibliotheken waren immer eine Zuflucht für mich. Ich liebe Bücher!" und "Es überrascht mich, dass Sie einer Bibliothekarin nicht vertrauen".


librarymistress: Polizeibibliothek in Berlin, aufgenommen am 30. April 2010, CC-BY-SA

Seit 1970 ist die Krimi-Reihe "Tatort" ein wöchentlicher Fixpunkt für ein Millionenpublikum. Neben kleineren Szenen in Polizeiarchiven und Bibliotheken gibt es immer wieder auch bibliothekarische Charaktere, zum Beispiel arbeitet die Lebensgefährtin des Düsseldorfer "Tatort"-Kommissars Bernd Flemming als Bibliothekarin. In der Episode "Abschaum" spielt Monica Bleibtreu eine Bibliothekarin, die dem Bremer Ermittlerduo durch Informationen über die satanistische Szene wichtige Hinweise für die Aufklärung eines Mordfalls liefert. Dass ihre Auskünfte von der Polizei nicht, wie zugesichert, vertraulich behandelt werden, kostet sie das Leben. Die saarländische Folge "Kein Feuer so heiß" der ARD-Hörspielreihe "Radio-Tatort" widmet sich einem Bibliotheksbrand mit Todesfolge: Bei einem Feuer in der Stadtbücherei Nehdorn finden die Feuerwehrleute unter den Trümmern des Gebäudes eine Leiche. Der Verdacht auf Brandstiftung bestätigt sich bald, aber die Identität des Toten gibt den Ermittlern Rätsel auf. Den Büchereileiter interessiert allerdings nur, ob die wertvollen alten Briefe in der Bibliothek den Brand heil überstanden haben.

In der Episode "Nymphen und Don Juans" der Serie "Der letzte Bulle" wird eine Bibliothekarin ermordet. In Verdacht geraten der Ehemann und die Mitglieder einer Sexualtherapie-Gruppe – das als zurückhaltend und unscheinbar beschriebene Opfer hatte sich als Nymphomanin entpuppt.

In der Folge "Malen mit Vincent" der Serie "Der Bulle von Tölz" hält Maler Vincent Föhrenbacher in Bad Tölz Malkurse ab. Die teilnehmende Bibliothekarin echauffiert sich sehr darüber, dass sich eine Kollegin doch glatt an den Kursleiter heranmacht.

Von mörderisch bis sittenwächterisch – so sind sie, die fiktiven BibliothekarInnen...

Hier alle bisher erschienenen Kolumnen zum Nachlesen:

  • Bibliothek als...: 4/2014 (Bibliothek als Treffpunkt, S. 21), 3/2014 (Bibliothek als Arbeitsplatz, S. 59), 2/2014 (Bibliothek als Tatort, S. 61), 1/2014 (Bibliothek als Paradies, S. 63).
  • Film und Fernsehen: 4/2013 (Science Fiction, S. 45), 3/2013 (Krimiserien, S. 53), 2/2013 (Horror, S. 65), 1/2013 (Komödien, S. 59).
  • Belletristik: 4/2012 (Krimis, S. 59), 3/2012 (Comics, S. 57), 2/2012 (Horror, S. 71), 1/2012 (Liebesromane, S. 53).