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Wednesday, August 21, 2019

Library Mistress und Frau von Wald

2019 wird das Jahr mit den wenigsten Einträgen in diesem Blog. Das hat viele Gründe - einer davon ist ein neues Projekt: "Frau von Wald" gibt es mittlerweile als Blog, auf Instagram, Facebook und Twitter.

Frau von Wald ist eine Wortspielerei mit Frau von Welt. Unter diesem Label bündle ich meine Aktivitäten rund um Wald, Forst und Holz. Wie ist es dazu gekommen? Meine Großeltern haben ein Sägewerk betrieben – wer weiß, vielleicht ist mein Interesse erblich bedingt? Und als Bibliothekarin möchte ich natürlich wissen, wo das Papier herkommt. Ich versuche, mich vielseitig auf diesem Gebiet fortzubilden. Die Liste der absolvierten Kurse und Lehrgänge reicht von der Waldwirtschaft für Einsteiger_innen über Wald als Therapeutikum in der Gerontologie bis zur Waldameisenhegerin, von der Forstkultur über die Heilkraft von Wildtierfett bis zur Speisekammer Natur. Seit heuer habe ich auch Forstwirtschaft auf der BOKU inskribiert und schon zwei Prüfungen absolviert. Außerdem werde ich im Herbst meine Ausbildungen zur Waldpädagogin und zur Waldbaden-Trainerin abschließen.

Der Vorläufer von Frau von Wald, das Weblog "Buckelholz. Wald, Forst, Holz in der Buckligen Welt" war im Jahr 2015 Teil meiner Projektarbeit zum Zertifikatslehrgang Forst+Kultur. Buckelholz begleitete die Konzeptionierung und Recherche für eine Wanderausstellung, die die Bedeutung von Wald und Forst(wirtschaft) und die vielseitige Verwendung des Werkstoffs Holz in der ehemaligen "Waldmark" zum Thema hat. Mit der Zeit hatte ich den Wunsch, das Blog thematisch und geographisch weiterzuentwickeln. Frau von Wald war geboren – zunächst als Instagram-Account, seit Oktober 2017 auch als Blog, mittlerweile auch auf Twitter und Facebook. Das Logo hat mir Christoph Gratzer entworfen.

Mein Interesse erstreckt sich von der Forstwirtschaft über Bäume und den Holzhandel bis zur Holzverarbeitung – beispielhaft: historische und moderne Handwerksberufe wie Fassbinderei, Wagnerei, Zimmerei und Tischlerei; sozialgeschichtliche Aspekte wie das Leben der Holzknechte; bäuerliche Nutzungen wie Waldweide; Köhlerei und Pecherei; energetische Nutzung von Holz; Industriezweige wie Papiererzeugung und Sägewerke; künstlerische und volkskulturelle Ausdrucksformen wie Holzschnitte, Holzschnitzerei und Drechselarbeiten; Jagd und Sammeln von Kräutern, Wurzeln und Schwammerln.

Saturday, September 15, 2018

Wichtige Kenngröße für Prokrastiniererinnen

Ich rechne lieber nicht aus, welche Omissi-Zahl mein letzter Artikel hatte...

Tuesday, August 14, 2018

Die Bibliothek vor ... Jahren. Kolumne 2/2017: Bibliotheken im Ersten Weltkrieg (Preprint)

Ich schreibe ja mittlerweile seit etlichen Jahren eine Kolumne für die Büchereiperspektiven. In 99 Prozent der Fälle sind die von der Redaktion angeregten Änderungen eine deutliche Verbesserung. Bei einer Kolumne mochte ich meine erste Version aber auch, deswegen möchte ich sie hier auch veröffentlichen. Mir ging es gerade um diese kommentarlose Nebeneinanderstellung. Das abgedruckte Endprodukt, das sich davon deutlich unterscheidet (und das ich auch mag), ist hier nachzulesen.

Mehl-Bezugskarte. Wienbibliothek im Rathaus,
Weltkriegskonvolut Nr. 110
Herzlich willkommen zum Nachrichtenüberblick. Wir bringen internationale Meldungen aus der Bibliothek vor 100 Jahren.Königsberg, Stadtbibliothek. Der Bibliothekar Dr. Wilhelm Pelka fiel auf dem östlichen Kriegsschauplatz.

Wien. Die Wiener Hochschulen bitten um Bücher, Zeitungen und Geldmittel, um die Soldaten an der Front mit Literatur zu versorgen: "Ihre Lage auf jede mögliche Art zu erleichtern, ist erste Pflicht aller, die das Glück haben, den Winter in der gesicherten Ruhe ihres Hauses zu verleben. Jeder, dem einmal ein gutes Buch oder eine Zeitung über eine schwere Stunde hinweghalf, wird uns zur Seite stehen müssen", heißt es in dem Aufruf.

Gießen, UB. Der Hilfsarbeiter Dr. Theodor Hildenbrand ist als Leutnant der Reserve in einem bayerischen Fußartillerie-Regiment am 6. September im Westen gefallen.

Leipzig. Trotz des Krieges und der mancherlei Schwierigkeiten, die er für die Bearbeitung mit sich brachte, ist der neue Jahrgang von Kürschners Deutschem Literatur-Kalender auf das Jahr 1916 pünktlich erschienen.

Berlin, Königliche Bibliothek. Der Abteilungsdirektor Geheimer Regierungsrat Dr. Hans Paalzow und die Hilfsarbeiterin Fräulein Lisbeth Kienzl erhielten die Rote-Kreuz-Medaille III. Klasse.

Berlin, Königliche Bibliothek. Den fahrbaren Kriegsbüchereien ist ein Unterstand im Bibliotheksgebäude eingeräumt worden. Es ist beabsichtigt, jede Division mit einer fahrbaren Bibliothek von 1500-2000 Bänden auszustatten.

Paderborn, Stadtbibliothek. Die 2 Beamtinnen beteiligen sich außerdienstlich an sozialer Arbeit.

Wien, Hofbibliothek. Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern mit Sohn Prinz Konrad und Tochter Frau Erzherzogin Auguste mit ihrem Sohn Erzherzog Josef Franz und Tochter Frau Erzherzogin Sophie erschienen heute vormittags in der Hofbibliothek, um die zugunsten der Aktion "Bücher ins Feld" veranstaltete Buchkunstausstellung zu besichtigen. Direktor Hofrat Dr. Ritter von Karabacek empfing und geleitete die Gäste bei ihrem Rundgang.

Stuttgart, Landesbibliothek. Zum Heeresdienst wurden einberufen Bibliothekar Dr. Leuze und Hilfsbibliothekar Dr. Gaub.

Wien, Städtische Sammlungen. Auf Betreiben des Bürgermeisters Richard Weiskirchner wird eine "Kriegssammlung" angelegt. Er selbst sammelt Objekte bei seinen Reisen an die Front. Von den Wohltätigkeitsveranstaltungen kommen Bildpostkarten, Kokarden, Lesezeichen, Vivatbänder, Medaillen, Verschlussmarken und Kunsthandwerk in die Bestände, außerdem werden Brot-, Kaffee- oder Kartoffelkarten aufgenommen.

Quellen: Centralblatt für Bibliothekswesen; Neue Freie Presse; Wienbibliothek im Rathaus.

Saturday, August 04, 2018

Ein Jahrhundert Bibliothek. Kolumne 1/2018: Lesehefte

Im neuen Jahrgang dieser Kolumne [heuer unter dem Titel "Ein Jahrhundert Bibliothek"] werfen wir wieder einen Blick in die Geschichte: Welche Werkzeuge spielten im letzten Jahrhundert eine wesentliche Rolle für die bibliothekarische Arbeit? In der ersten Ausgabe steht ein Objekt im Mittelpunkt, bei dessen bloßer Erwähnung ich ein sentimentales "Oooh" von Ihnen zu hören glaube: das Leseheft. Denke ich an meine regelmäßigen Besuche mit meinen Eltern in der Stadtbücherei zurück, darf eine Szene nie fehlen: das sorgfältige Ausfüllen des Leseheftes zu Hause, in dem wir neben die gestempelte Signatur AutorIn und Titel eintrugen.

Die Idee des Lesehefts geht auf den deutschen Volksbibliothekar Walter Hofmann zurück. Es diente in den Zeiten, als es noch keine Freihandbereiche gab, als "künstliches Gedächtnis des Ausleihbeamten" und ermöglichte die individuelle Beratung der BenutzerInnen. Neben der bloßen Auflistung der Ausleihen notierten die BenutzerInnen eine persönliche Bewertung des Gelesenen und Buchwünsche. Anhand der gesammelten Lesehefte wurde die Lektüre bestimmter sozialer Gruppen wissenschaftlich analysiert. Das 1926 gegründete Institut für Leser- und Schrifttumskunde entwickelte daraus zum Beispiel eine "Lesertypologie nach Lebenskreisen" und eine "Lehre von den Leseantrieben". Für seine 1931 veröffentlichte Leserinnenstudie "Die Lektüre der Frau" wurde Hofmann mit dem Ehrendoktorat der Universität Leipzig ausgezeichnet. Der Bibliotheksschuldirektor Erich Thier veröffentlichte 1939 die nationalsozialistisch gefärbte) Arbeit "Der Gestaltwandel des Arbeiters im Spiegel seiner Lektüre".

Neben der Beratung der LeserInnen diente das Leseheft aber auch der Kontrolle. Edeltraut Milius notierte in einem Aufsatz über Walter Hofmanns Handhabung des Lesehefts: "Familienangehörigen ist die Mitbenutzung der Bücher nicht gestattet, weil dann die Bildungskontrolle im individuellen Sinne verloren geht." Was hätte Hofmann wohl zu den heutigen E-Readern gesagt, auf denen das Leseverhalten auf Sekunde und Absatz genau registriert werden kann?

Leseheft. Bild: Ursula Tichy, Gemeindebücherei Wimpassing

Übrigens: Ganz in die Vergangenheit können Lesehefte und Fristzettel auch in Zeiten von Lektüreblogs und "Social Reading" nicht verbannt werden. Just am Tag des Redaktionsschlusses für diese Kolumne fragte jemand in der Facebook-Gruppe Biblioadmin: "Es ist doch etwas Besonderes, wenn man eintragen kann und sieht, was man schon gelesen hat. Gibt es so was noch irgendwo zu kaufen?" Ja! Sie sind auch heute noch in 100er-Packs bei verschiedenen Bibliotheksausstattern erhältlich. In Design und Größe haben sie sich seit Hofmanns Zeiten kaum verändert.

Quellen

Wednesday, July 18, 2018

CFP: Libraries, Archives, Museums, and Popular Culture

CFP: Libraries, Archives, Museums, and Popular Culture area at Popular Culture Association Annual Conference (April 2019 - Washington DC)

The Popular Culture Association annual conference will be held April 17-20, 2019, at the Washington Marriott Wardman Park in Washington, DC. Scholars from a wide variety of disciplines will meet to share their Popular Culture research and interests.
The Libraries, Archives, Museums, and Popular Culture area is soliciting papers dealing with any aspect of Popular Culture as it pertains to libraries, archives, museums, or research. Possible topics include:

  • Descriptions of research collections or exhibits
  • Studies of popular images of libraries, librarians, archives, or museums
  • Analyses of social networking or web resources
  • Popular Culture in library education/information literacy
  • The future of libraries and librarians
  • Developments in technical services for collecting/ preserving Popular Culture materials

Organisational things
Papers from graduate students are welcome. The deadline for submitting a proposal is October 1, 2018. Proposals may be submitted on the conference website.

Questions
Please direct any questions to the area chair or co-chair for Libraries, Archives, Museums, and Popular Culture:

Allen Ellis
Professor of Library Services
W. Frank Steely Library
Northern Kentucky University
Highland Heights, KY 41099-6101
859-572-5527
ellisa@nku.edu

Co-chair: Casey Hoeve
Associate Professor
509A Hale Library
Kansas State University
Manhattan, KS 66506
785-532-7672
achoeve@ksu.edu

Hinweis aus: The library writer's blog.

Monday, April 23, 2018

Unerwartetes Interesse an Hofnamen - die Geschichte eines Plagiats

Ich habe entdeckt, dass ein Text auf einer (professionell geführten) Website zu 95% von einem meiner Texte abgeschrieben ist, nämlich von meiner Seminararbeit über Hofnamen in der Buckligen Welt. Es wurden nur wenige verbindende Worte geändert und sogar Fehler eingebaut - "von altersher" wurde zu "von älteren Menschen". Auch bei mir korrekt angeführte Zitate wurden ungekennzeichnet übernommen. Bei einem Satz fehlen sogar mittendrin Wörter, die wohl beim Kopieren nicht mitkopiert wurden. Ich habe am 17. Jänner 2018 an die dahinterstehenden Organisationen genaue Belege geschickt und angefügt, dass ich das interessante Projekt gerne unterstützen möchte, sie den Text daher so stehen lassen können, aber eine Quellenangabe einfügen sollen und die Fehler korrigieren. Eine Antwort mit der Zusicherung, die Quelle richtig zu benennen, kam allerdings erst nach meiner Nachfrage am 30. Jänner. Nach drei Monaten ist der Text immer noch online ohne Hinweis auf meine Autorinnenschaft. Daher mache ich das jetzt hier öffentlich, was ich aufgrund meiner grundsätzlichen Sympathie zum Projekt "Kulturgut Vierkanter" eigentlich nicht geplant hatte. Der Link zum Plagiat: http://www.vierkanthof.info/content/de/kulturgut_vierkanter-hofnamen/.

Gegenüberstellung

Mein eigener Text inkl. gekennzeichneter ZitateDer fremde Text
Die Bildung der Hofnamen geschieht auf vielfältige Weise. Die Bildung der Hofnamen geschah früher auf vielfältige Weise.
In der Buckligen Welt treten häufig Hofnamen auf, die mit Bäumen oder Sträuchern zu tun haben: Aichhof, Aichleitner, Eichbauer (Eiche), Birbaumhof (Birnbaum), Biribauer (Birke), Felberbauer (Bachweide), Haslbauer (Haselstrauch), Hollerbauer (Holunder), Lindenbauer (Linde), Tann(hof)bauer (Tanne), Tribamer bzw. Tripamer (bei den drei Bäumen), Weidenhof (Weide), Bramberhof (Brombeere), Gstaudenbauer (Gesträuch), Hündl- bzw. Hindlhof (Hindlbia = Himbeere), Nußbaumer (Nussbaum). Meistens standen spezielle Fähigkeiten des Betriebes, Landschaftsformen, o.ä. in Verbindung mit dem Hofnamen. So entstanden Hofnamen in Verbindung mit Bäumen oder Sträuchern: z.B. Aichhof, Aichleitner, Eichbauer (Eiche), Felberbauer (Bachweide), Haslbauer (Haselstrauch), Tribamer bzw. Tripamer (beiden drei Bäumen), Gstaudenbauer (Gesträuch), Hündl- bzw. Hindlhof (Hindlbia = Himbeere), Nußbaumer (Nussbaum).
Hofnamen beziehen sich auch häufig auf die Lage eines Gebäudes – auf dem Berg, im Tal, an einem Gewässer, nahe einem Wald

Naturnamen, die die "Lage, Beschaffenheit und besonderen physischen Eigenschaften des Gehöftes" beschreiben [Zitat aus: Knapp, Saelde: Hofnamen des Kärntner Zollfeldes, S. 34!]

Hofnamen beziehen sich auch häufig auf die Lage eines Gebäudes. Naturnamen, die die Lage, Beschaffenheit und besonderen physischen Eigenschaften des Gehöftes beschreiben (auf dem Berg, im Tal, an einem Gewässer, nahe einem Wald).
"Geographische Gegebenheiten spielen bei der Orientierung in einer Umwelt notwendigerweise eine außerordentlich große Rolle. Dementsprechend werden sie auch von altersher gern zur raschen und sicheren Verständigung über die in der Umgebung lebenden Mitbewohner benutzt". [Zitat aus: Seibicke, Wilfried: Die Personennamen im Deutschen!] Geographische Gegebenheiten spielten früher bei der Orientierung in der Umwelt eine wesentliche Rolle. Dementsprechend werden sie auch von älteren Menschen [von altersher /= von älteren Menschen, Anm.] gern zur raschen und sicheren Ver[ständigung über die in der Umgebung lebenden M, Anm.]itbewohner benutzt
Hoflage (Bergbauer, Wastl auf der Höh), Höhen- und Neigungsverhältnisse (Leitenbauer), Reitbauer bzw. Reithofer (Hof an einem "Reut", an einer Kleinrodung), Winterleitner (auf der Schattenseite); Sonnleitner (an einer sonnigen Leite = abschüssigen Wiese) z.B. Wastl auf der Höh (Bergbauer), Leitenbauer (Höhen und Neigungsverhältnisse), Reitbauer bzw. Reithofer (Hof an einem "Reut", an einer Kleinrodung), Winterleitner (auf der Schattenseite), Sonnleitner (an einer sonnigen Leite = abschüssigen Wiese).
Krässinghof (Name Krähschink – Schenkel wie eine Krähe = x-beinig); Wachabauer (zu Wächer = jemand, der viel auf schöne Kleidung hält)

Feld-Lipp bzw. Bach-Lipp (Vorname Philipp); Geberthof (Vorname Gebhard); Kruntnalipü (Familienname Grundner und Vorname Philipp), Hansmichl, Hanipoldl (Vornamen Johann und Leopold); Hieselbauer (Vorname Matthias); Riegelgreier (Vorname Gregor); Jockl am Eck (Vorname Jakob); Glöckl auf der Haid (Vorname Georg)

Des weiteren entstanden Hofnamen aus den Familiennamen des Besitzers oder den Übernamen des Besitzes, z.B. Krähschink-Schenkel wie eine Krähe, x-beinig, Wachabauer - zu Wächer, jemand, der viel auf schöne Kleidung hält, oder den Vornamen des Besitzers, z.B.: Feld-Lipp bzw. Bach-Lipp (Vorname Philipp), Geberthof (Vorname Gebhard), Hieselbauer (Vorname Matthias), Riegelgreier (Vorname Gregor), Glöckl auf der Haid (Vorname Georg).
Schafferbauer (zu schaffaere = Aufseher, Verwalter); Schuster; Hannisl-Zimmermann; Kramer (Kaufhaus seit 1850); Krechzenbauer (Krechzen = geflochtener Korb > Korbflechter?) Auch der Beruf des Besitzes spielte bei der Findung des Hofnamens eine Rolle, z.B. Schafferbauer (zu schaffaere = Aufseher, Verwalter), Schuster, Kramer, Krechzenbauer (Krechzen = geflochtenerKorb > Korbflechter).
Schmalzpatriz (Schmalz = ergiebig, wohlhabend); Schöngrundner (schöner = fruchtbarer Grund); Elmbauer (von Ellend = unfruchtbare Felder); Stadelbauer (Hof mit besonders großem Stadel); Thurmhof "Hof mit oder bei einem alten Wehrturm"; Steinkellerhof (Haus mit gemauertem Keller) Neben den Eigenschaften des Hofes spielten manches Mal auch bauliche Besonderheiten mit, z.B. Schmalzpatriz (Schmalz = ergiebig, wohlhabend), Schöngrundner (schöner = fruchtbarer Grund), Oedhof oder Elmbauer (von Ellend = unfruchtbare Felder), Stadlbauer (Hof mit besonders großem Stadl), Thurmhof (Hof mit einem alten Wehrturm), Steinkellerhof (Haus mit gemauertem Keller).

Fragen

Auf Facebook habe ich dazu mehrere Nachfragen bekommen, die ich gerne auch hier beantworten will:
  • "erreicht Dein Text überhaupt die Werkhöhe?" Ja.
  • "zufällig wortgleich": Es besteht keine Möglichkeit, dass wir zufällig denselben Text geschrieben haben. Nehmen wir einmal die Beispiele für Hofnamen: die sind alle aus der Buckligen Welt und von mir aufwendig zusammengesucht. Dass ein oberösterreichisches Projekt zufällig dieselben Beispiele in derselben Reihenfolge findet, ist doch sehr unwahrscheinlich.
  • "die haben Dich halt zitiert": Eine 95%ige Übernahme _ohne Quellenangabe_ ist nach keiner Definition, die ich kenne, ein Zitat. Außerdem: Selbst Dinge, die vielleicht urheberrechtlich okay sind, können der wissenschaftlichen Ethik widersprechen.
  • "freie Lizenz": Ich stelle fast alle meine Texte unter eine CC-BY-Lizenz. Das ist bei dieser Seminararbeit allerdings nicht der Fall, wie ich überprüft habe. Und selbst wenn ich das getan hätte, fehlt das "BY".

Resümee

Hätten die gefragt, hätte ich auf alle Fälle der Verwendung zugestimmt (ich freue mich, wenn die Arbeit Verwendung findet) und sogar auf Wunsch gerne einen an Oberösterreich angepassten Text geschrieben. Aber diese Vorgangsweise geht gar nicht. Jedenfalls möchte ich die Seite http://library-mistress.net/hofnamen weiter ausbauen. Ich bekomme immer wieder Anfragen dazu - das ist vielleicht meine am meisten beachtete wissenschaftliche Arbeit (zumindest außerhalb eines Fachpublikums) :-)

Komplettübernahme der Arbeit auf mehreren Websites

Bei der Weitersuche ist mir auch aufgefallen, dass die vollständige Arbeit auf Seiten wie docplayer und doczz hochgeladen wurde. Ich habe das bei docplayer.org gemeldet, und innerhalb von einer dreiviertel Stunde war das Dokument herunten. Auf doczz.net ist das viel schwieriger. Es gibt keinerlei Impressum oder Hinweis, wer die Seite betreibt. Die Seite doczz.net/abuse, wo ich das melden wollte, hat seit Wochen ein time-out. Auf whois.net ist die anonyme Mailadresse 16cc29.Ra2Zk8Nte6Nf@digitalprivacy.co angegeben, die aber nicht funktioniert ("Your message wasn't delivered to 16cc29.Ra2Zk8Nte6Nf@digitalprivacy.co because the address couldn't be found or is unable to receive email"). Ich habe dann an die Abuse-Seite des Domain-Verwalters geschrieben: "The document on [...] is MY paper. I did neither upload it myself nor did I allow anyone to upload this here. I think it's a strange business model to simply harvest various documents without asking the author - and it's strange that there is no contact address, no real information about who runs this website, no terms, and no information about who uploaded my paper". Keine Antwort.

Tuesday, February 13, 2018

Die Bibliothek vor 2500 Jahren. Kolumne 4/2017

Eine bedeutende Bibliothek vor über zwei Jahrtausenden – da werden die meisten an die Bibliothek von Alexandria denken. Sie war schließlich die bedeutendste Schriftrollensammlung der Antike, gegründet im dritten Jahrhundert v. Chr. Wir reisen aber noch einige Jahrhunderte weiter zurück, in den heutigen Irak.

Von weniger Mythen umrankt, aber ebenso interessant wie ihr ägyptisches Pendant ist die Bibliothek von Ninive, die älteste überlieferte königliche Bibliothek der Welt. Ihr Begründer, Assurbanipal (Aššur-bāni-apli), war von 669 bis circa 627 v. Chr. König des Assyrischen Reiches. Assurbanipal war ein mehrsprachig gebildeter Mann mit ausführlicher literarischer Erziehung und historischem Interesse. Seine Vorgänger hatten bereits kleinere Bibliotheken und Archive anlegen lassen, aber Assurbanipal war ein besonders eifriger Sammler. Für seine Bibliothek in der assyrischen Hauptstadt Ninive sammelte er Keilschrifttafeln aus ganz Mesopotamien, auf denen didaktische, literarische, religiöse und astronomische Texte festgehalten waren. Er ließ außerdem von seinen Schreibern Kopien von Werken aus anderen Bibliotheken anfertigen. Auf seinen Feldzügen ließ er ganze Sammlungen beschlagnahmen und in seine Bibliothek integrieren. Vor allem Ritual- und Beschwörungstexten galt seine Aufmerksamkeit, erhoffte er sich doch, dadurch seine königliche Macht sichern zu können.

Cuneiform synonym list tablet from the Library of Ashurbanipal. Neo-Assyrian period (934 BC - 608 BC). Von Fæ (Eigenes Werk), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10938404.

Im Jahr 1853 wurde die Bibliothek mit vier Standorten vom britischen Gelehrten und Diplomaten Austin Henry Layard entdeckt. Bemerkenswert ist, dass die Werke thematisch geordnet und in einem Katalog verzeichnet waren. Die Bestände, über 30.000 Tontafeln, wurden nach London ins British Museum gebracht, wo sie noch heute erforscht und digitalisiert werden.

Die hier gefundenen zweisprachigen Wörterbücher und Wortlisten trugen wesentlich dazu bei, dass die Keilschrift entziffert werden konnte. Durch diesen Fund sind uns auch bedeutende Werke der Menschheit überliefert, zum Beispiel der babylonische Schöpfungsmythos "Enûma Elis" und das Gilgamesch-Epos als eine der ältesten schriftlich fixierten Dichtungen. Ein interessanter Aspekt: Während die Bibliothek von Alexandria der Legende nach durch ein Feuer vernichtet wurde, wurde die Bibliothek von Ninive vermutlich durch einen Brand erhalten – bei der Zerstörung der Stadt 612 v. Chr. wurden die Tontafeln gebrannt und überdauerten so die Jahrtausende.

Zum Weiterlesen


Kolumne erschienen in: Büchereiperspektiven 4/2017, S. 53 (gesamte Ausgabe als ePaper und als PDF)

Friday, December 22, 2017

Die Bibliothek vor 300, 200, 100 Jahren. Kolumne 3/2017: Leihbüchereien

"Der Leseverein in Aspang empfiehlt den P.T. Sommergästen die reichhaltige Bibliothek (2.000 Bände) zur Benützung. Gebühr per Saison K 3,-. Bibliotheksstunden jeden Montag von 2 bis 3 Uhr nachmittags". Dieser Text stammt aus einem Inserat in Eduard Nemeczeks "Führer und Chronik von Aspang mit Berücksichtigung des Wechselgebietes und der Buckligen Welt" (1912). Waren das noch Zeiten, als in Veröffentlichungen der Tourismuswirtschaft mit dem Vorhandensein einer Leihbücherei geworben wurde!

Apropos Leihbücherei – darunter versteht man nicht eine öffentliche Bibliothek im heutigen Sinne, sondern eine kommerzielle Einrichtung, in der Bücher gegen Gebühr verliehen wurden. Die Leihbibliotheken waren häufig an Buchhandlungen angeschlossen, wurden von verschiedenen gesellschaftlichen Schichten zur kostengünstigen Literaturversorgung genutzt und bestanden vom 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Die noch heute bestehenden Lesezirkel und Romantauschbörsen haben hier ihre Wurzeln.

Bildquelle: Inserat "Die grosse öffentliche Leih-Bibliothek von P. Rockenstein", Adolph Lehmann's allgemeiner Wohnungs-Anzeiger 1864, S. XXXI, www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/25908

Wie gestalteten diese Leihbüchereien ihre Öffentlichkeitsarbeit? Inserate standen an erster Stelle – in Reiseführern ebenso wie in Branchenblättern, in Tageszeitungen und Adressbüchern. Im Wiener Adressbuch "Lehmann" aus dem Jahr 1864 macht zum Beispiel "die grosse öffentliche Leih-Bibliothek von P. Rockenstein" mit 120.000 Bänden auf sich aufmerksam: "Alle Werke sind in den besten und schönsten Ausgaben vorhanden." Carl Armbruster gab 1811 in der "Wiener Zeitung" das Versprechen ab: "Meyn unausgesetztes Bestreben wird seyn, den Beyfall und die Zufriedenheit Aller zu verdienen, welche mein Institut zu ihrer Bildung oder zur Erholung benützen wollen."

Außerdem wurde mit gedruckten Katalogen geworben. Im "Verzeichniß der Bücher, welche bey Johann Georg Binz Buchhändler, auf dem Stephansfreydhof nächst dem Zwetlhof ausgeliehen werden" (1790) beispielsweise wird nicht nur der Bestand aufgelistet, sondern auch erläutert, wie eine Leihbücherei funktioniert:

Beim Empfang des ersten Buchs werden gegen einem gedrukten Schein 2 Gulden eingesetzt: wer aber zwey oder mehrere Bücher zugleich nihmt, setzt doppelt so viel ein. Für ein jedes Buch wird täglich ein Kreuzer bezahlt, welches geschieht, wenn ein Monath verflossen, oder aber auch alsdenn, wenn man vorhero zu lesen aufhört. Auf einen Tag werden keine Bücher ausgeliehen, wohl aber wenigstens auf 10 Täge. Wenn man zu Lesen aufhört, wird das eingelegte Geld gegen zurückgab des Buchs und Einlieferung des ausgestelten gedrukten Scheins zurückgegeben.


Kolumne erschienen in: Büchereiperspektiven 3/2017, S. 29 (gesamte Ausgabe als ePaper und als PDF)

Monday, September 18, 2017

Rückblick auf den Libraryzine-Workshop am Bibliothekartag in Linz #oebt17

Ich habe schon länger überlegt, ein ganz analoges Libraryzine zu gestalten. Für den Bibliothekar*tag in Linz habe ich diesmal einen Workshop dazu angeboten. Ich dachte, eine kreative Session zwischen den vielen Vorträgen und Sitzungen wäre einmal ganz angenehm! Das Programmkomitee ist erfreulicherweise auch gleich darauf eingestiegen. Fünf Kolleginnen haben teilgenommen - ich bin für den ersten Versuch recht zufrieden, es gab sehr harte Konkurrenz (Stichwort Alma) um diese Uhrzeit, und die Atmosphäre war sehr angenehm. Ich möchte diesen Workshop beim nächsten Bibliothekar*tag auf alle Fälle wieder anbieten, habe aber auch einige Verbesserungsideen mitgenommen.

Meine Katze Minerva hat überprüft, ob ich auch alles eingepackt habe - Schreibmaschine, Buntstifte, Wasserfarben, Scheren... Nach dem Materialeinkauf weiß ich, wie sich Eltern am Schulanfang fühlen ;-) Wichtige Erkenntnis: In Wiener Neustadt gibt es das traditionsreiche Papiergeschäft Kuderna, in dem die Antwort auf die Frage nach dem Vorhandensein von Schreibmaschinen-Farbbändern nicht "prust - sicher nicht", sondern "natürlich - welches Modell? Schwarz-rot oder nur schwarz?" lautet. Hiermit wärmstens empfohlen!

Lessons learned

Was ich beim nächsten Mal anders machen werde:
* Kurzen, strukturierten Input mit Beispielen liefern.
* konkrete Themenvorschläge einbringen. Ich habe zwar bewusst kein Thema vorgegeben, aber manchen fiel es anfangs schwer, sich etwas einfallen zu lassen.
* mehr Scheren mitnehmen. Alle wollten Zeitungsbuchstaben/-bilder ausschneiden, das habe ich unterschätzt! Gut, dass wir uns noch Zusatz-Scheren besorgen konnten :-)
* Graphic Facilitation-Bücher mitnehmen. Ich habe mir nach einem "Graphic Facilitation"-Workshop im vergangenen Jahr mehrere Bücher gekauft, die eine Auswahl an Symbolen, Bildern, zum Nachzeichnen beinhalten, z.B. "Sketchnotes & Graphic Recording", "Bikablo: Das Trainerwörterbuch der Bildsprache" und "You Can Doodle: Building Your Visual Vocabulary". Das ist mir erst nach dem Workshop eingefallen.

Was ich genauso machen werde:
* die Schreibmaschine mitnehmen, auch wenn sie sauschwer ist. Das hat mir - und den anderen, wage ich zu sagen - Spaß gemacht!

Alles angerichtet - jetzt warten auf die Teilnehmer_innen.

Ankündigungstext zum Nachlesen

Vorträge, Sitzungen, Firmengespräche - zwischendurch habt Ihr die Gelegenheit, Eure kreative Seite auszuleben! Wir machen ein gemeinsames Bibliotheks-Zine. Zines (Kurzform von Magazines) sind Amateurpublikationen, die außerhalb des kommerziellen Verlagswesens und üblicherweise in kleinen bis kleinsten Auflagen erscheinen, und sind Teil der Do-it-yourself-Kultur. Sie erscheinen zu unterschiedlichsten Themen, drücken die Persönlichkeit der GestalterInnen aus und sind eine Alternative zum publizistischen Mainstream.
Wie gestalten wir die Seiten? …schreiben, zeichnen, malen, dichten, ausschneiden und aufkleben (das ursprüngliche cut & paste sozusagen), Zeitungsbuchstaben verwenden, Bilder auswählen, mit der Schreibmaschine tippen… Die fertigen Seiten werden kopiert und zu einem Zine zusammengebunden. Alle, die eine Seite gestaltet haben, bekommen kostenlos ein Exemplar, alle anderen können es zum Selbstkostenpreis erwerben. Die Auflage ist streng limitiert.
Material zur Inspiration und zum Verarbeiten ist vorhanden. Ihr braucht nur Euch selbst mitzubringen. Ein- und Aussteigen jederzeit möglich!

Monday, August 07, 2017

Daten und Metadaten im Blitzlicht. Beitrag aus dem ZAMG-Newsletter

Für den neuen ZAMG-Newsletter (S. 24) habe ich einen kurzen Beitrag über das Datenmanagement geschrieben, den ich auch bloggen möchte. Der Titel ist "Daten und Metadaten im Blitzlicht" - seht Ihr, wie ich urgeschickt einen Wetterbezug hergestellt habe? ;-)
Weitere Beiträge im Bereich Datenmanagement / Bibliothek / Archiv:
  • "Dynamic Data Citation – für NetCDF Klimadaten" von Chris Schubert et al. (S. 22-23)
  • Digitalisierung historischer ZAMG-Jahrbücher von Anita Paul (S. 25)
  • Aktivitäten des Nationalen Datenzentrums [CTBT] von Ulrike Mitterbauer (S. 17)
Newsletter im PDF-Format.

Daten und Metadaten im Blitzlicht

Satellitenbilder, TAWES-Messungen, Seismogramme, Radardaten, Klimabögen, Ceilometerwerte, Meldungen von Citizen Scientists und vieles mehr... Daten (und das, was daraus gemacht wird) sind das Herzstück der Arbeit an der ZAMG. Im Arbeitsprogramm 2017-2021 nimmt das Datenmanagement daher einen besonderen Platz ein. Der Bereich umfasst den gesamten Lebenszyklus von Daten und Metadaten, von der Gewinnung, Aufbereitung, Speicherung und Sicherung, Veröffentlichung, Wiederverwendung und Langzeitarchivierung.
Um organisatorisch gerüstet zu sein, wurde im Bereich IKT die Abteilung "Infrastruktur, Security, Datenmanagement" mit einem sechsköpfigen Datenmanagement-Team eingerichtet und eine Datenmanagerin mit dem Fokus auf Koordination und Organisation eingestellt.

Der neue Datenmanagementplan, der bei den Entwicklungsprojekten 2018 erstmals zum Einsatz kommt, umfasst den gesamten Lebenszyklus von Daten. Quelle: ZAMG

Im Mai 2017 wurde ein Datenmanagementplan (DMP) für Projekte an der ZAMG eingeführt. Der DMP kommt erstmals bei den Entwicklungsprojekten 2018, deren Begutachtung und Auswahl gerade läuft, zum Einsatz. Sechs Bereiche werden damit abgedeckt: Daten; Dateiformate und Datenmengen; Metadaten und Dokumentation; Veröffentlichung und Nachnutzung; Verantwortlichkeit und Ressourcen; Speicherung und Langzeitarchivierung.
Die Planung und Umsetzung von Maßnahmen in diesen Bereichen – im besten Fall bereits, bevor überhaupt Daten erhoben werden – ist Teil der guten wissenschaftlichen Praxis, erhöht die Nachnutzung und Reproduzierbarkeit, spart langfristig Zeit, Geld und Mühe und wird zunehmend von FördergeberInnen und wissenschaftlichen Journals verlangt.

Die ZAMG stellt einen Teil ihrer Ergebnisse als offene Daten zur Verfügung. "Offen" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur, dass sie kostenlos bezogen werden können, sondern vor allem, dass sie unter einer Lizenz stehen, die das Weiterverarbeiten und Weitergeben erlaubt. Informationen über offene ZAMG-Daten finden sich unter anderem in unserem eigenen Datenkatalog, der derzeit auf eine neue Version umgestellt wird, auf data.gv.at, dem Portal für offene Verwaltungsdaten, im CCCA-Datenzentrum und bei Pangaea, einem Verlag für Daten aus den Erd- und Umweltwissenschaften.


50 einfallsreiche Köpfe entwickelten am ersten Create Camp, das am 2. Februar 2017 an der ZAMG stattfand, innovative Ideen für die Verwendung offener Daten. Quelle: Open Data Portal / Georg Schütz, CC-BY-SA

Wie findige Köpfe solche offenen Daten nutzen können, zeigte sich am "Data Pioneers Create Camp", das im Februar 2017 bei uns im Haus stattfand. Drei der sieben an diesem Tag entwickelten Projektideen basieren auf ZAMG-Daten.
Patrick Wolowitz, Kerstin Zimmermann, Alexander Ostleitner und Jasmin Berghammer schufen mit "Botti for Klamotti" einen Chatbot für das Heimassistenzsystem Alexa, der mit Hilfe von ZAMG-Daten eine dem Wetter angepasste Kleidung empfiehlt. Beispiel: "Alexa, was soll ich heute anziehen?" "Es ist kalt. Nimm einen Schal und eine Haube".
Mit dem Datenformat netCDF befassten sich Julia Diessl, Dominika Heller und Franz Rinnerthaler. netCDF ist in unseren Fachbereichen üblich, aber außerhalb der Wissenschaft wenig bekannt und daher auf den ersten Blick nicht leicht zu verarbeiten. Mit dem netCDF-Viewer Panoply exportierte die Gruppe die Daten der Klimaindizes für Globalstrahlung in ein gängiges Format, damit sie auch in einfachen Scripts weiterverarbeitet werden können.
Das Projekt "Sentinel Wetland Monitoring" nutzt die Daten der europäischen Sentinel-Satelliten. Andreas Trawöger fand hier eine Möglichkeit, um Feuchtgebiete im Wiener Umland, vor allem die durch Dammbau verursachte Austrocknung im Randbereich, kontinuierlich zu beobachten. Diese Anwendung wird am Satellite Soil Moisture Validation and Application Workshop im September 2017 weiterentwickelt werden.

Friday, July 28, 2017

My year in first lines

In den letzten Jahren öfters gemacht: "My year in first lines", entdeckt bei Librarians Matter. Interessant, das Blogjahr Revue passieren zu lassen. 2016 war mein Jahr mit den wenigsten Einträgen, seit ich 2003 das Blog begonnen habe (*). Daher sind viele "erste Einträge" Tweets. Was mich offensichtlich mehrmals beschäftigt hat, war meine Ausbildung zur Waldameisenhegerin (Bild) und meine neue Kolumne in den Büchereiperspektiven.
(*) Heuer geht es aber wieder aufwärts! :-)


Dezember: Ein Tweet, der nicht von mir ist, den ich aber ausnahmsweise bringen will, weil ich ihn so mag: "'Du bist hässlich.' vs. 'Wegen Dir ist der Trojanische Krieg jedenfalls nicht ausgebrochen.' Mit Bildung disst man ja viel eleganter." (Quelle: Artefacta)

November: Meine zweite Kolumne in den Büchereiperspektiven zum Thema "Die Bibliothek vor ... Jahren" - dieses Mal geht es um Er-/Beleuchtung ;-)

Oktober: "Seit heuer heißt meine Kolumne in den Büchereiperspektiven 'Die Bibliothek vor ... Jahren'. Hier Ausgabe 1".

September: "Am 29. und 30. September 2016 findet 'mitSprache 2016. Literatur - Ideal & Gesellschaft. Enquete zur Literaturvermittlung in Österreich' im Odeon (1020 Wien, Taborstraße 10) statt. Eintritt frei"

August: Abwandlung eines Tweets von James Brackwell: "Me: I have so much to get done - I need to write a paper and a review, finally decide on the archives' tectonics, clean up the house, weed the garden, make chutney out of the tomatoes - but no time to do it. - Friend: You played FarmVille two hours today, read the newspaper, and watched TV. - Me: Not a second to spare."

Juli: Da ging es um "Ausstauben von Tüchern aus dem Fenster. Polizeiberichte im 19. Jahrhundert": "Die Wienbibliothek im Rathaus legt bei der Digitalen Bibliothek einen Schwerpunkt auf Verwaltungsliteratur. So können z.B. das 'Handbuch der Stadt Wien' und der 'Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch' online nachgelesen werden."

Juni: "Das Rote Kreuz versendet per eMail interessante und nützliche Erste-Hilfe-Tipps. Angesichts der heutigen Hitze wurde folgender Tipp versandt: 'Kühle oder klimatisierte Orte wie Kirchen, Büchereien, Schwimmbäder, Supermärkte, Einkaufszentren, Kinos, Plätze im Uferbereich von Gewässern oder auch einfach schattige Grünflächen oder Parks (Brunnen!) bieten sich für Abkühlung an'." (ab diesem Wochenende wieder aktuell!)

Mai: "Am Donnerstag und Freitag habe ich das zweite Modul der Ausbildung zur Ameisenhegerin in der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl besucht und verfüge damit über den 'Befähigungsnachweis zur Rettungsumsiedelung von Waldameisen' - sobald der Ausweis von der Naturschutzabteilung der Steiermärkischen Landesregierung eingetroffen ist :-)"

April: "Am Freitag habe ich das erste Modul der Ausbildung zur Waldameisenhegerin an der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl besucht :-)"

März: ein Tweet und ein Youtube-Video, kein eigener Beitrag.

Februar: "Im Lokalteil der Salzburger Nachrichten vom 29. Jänner und 5. Februar hab ich von einer reizenden Initiative gelesen: In den städtischen Seniorenheimen wurden 'Kurrentgruppen' initiiert, bei denen die Bewohner_innen den Bürger_innen beim Entziffern der Kurrentschrift helfen". Zuerst waren noch zwei Tweets.

Jänner: "Gender and sexuality organize much of social life". Zitat aus der Ankündigung des Gender & Sexuality in Information Studies Colloquium 2016 in Vancouver.

Bisherige Jahre: 2015, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2003.

Wednesday, July 26, 2017

Bibliographie Berufsbild Bibliothekar_in: wieder vollständig online und erweitert :-)

Krimireihen und Bibliothekserotika sind neue Unterseiten in meiner Bibliographie Berufsbild Bibliothekar_in. Bei einem Lernsonntag mit einer Freundin, an dem ich eigentlich jede Menge andere Dinge geplant hatte, habe ich mich an dieses mein langjähriges Lieblingsprojekt, das ich in letzter Zeit etwas aus den Augen verloren hatte, wieder erinnert. Im Juli 2015 hab ich dazu geschrieben:
"Nachdem der Server meines Webspace-Providers den Geist aufgegeben hatte, wollte ich mir dann doch lieber einen neuen Provider suchen und habe für diese Entscheidung geringfügig mehr Zeit als erwartet gebraucht. Dann war noch die Domain zu übersiedeln etc. pp. Es sind noch einige Ergänzungen und etliche Aktualisierungen vorzunehmen, zum Beispiel fehlen noch die meisten Links, und der Belletristik-Teil muss mittlerweile ordentlich erweitert werden, aber der Großteil der Listen ist nun wieder abruf- und durchsuchbar".
Gut, das hat jetzt wieder länger als erwartet gedauert ;-) Die vielen gespeicherten Artikel, die ich irgendwann einmal ergänzen wollte, werde ich in den nächsten Wochen/Monaten abarbeiten.

Die Adresse ist immer noch http://library-mistress.net/berufsbild/.

Abgedeckte Themen

Ausbildung, Außenwahrnehmung, Bezahlung, Berufsbezeichnungen, Berufsbild(er), Biographien, Darstellung in Literatur & Film, geschlechtsspezifische Unterschiede, Image, Jobaussichten, Karrierechancen, Klischees, Lebensverläufe, Recruiting, Selbstverständnis, Tätigkeiten, Zertifizierung.

Gliederung

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Tuesday, July 04, 2017

Die Bibliothek vor ... Jahren. Kolumne 1/2017: Privatbibliotheken

Begleiten Sie mich auf eine kleine Reise: Wir schreiben das Jahr 1660, wir befinden uns im obersteirischen Seckau. Die Stadt hat gerade das Marktrecht erhalten; das Kloster stellt das geistige und religiöse Zentrum des gesamten Herzogtums dar. Gehen wir ein paar Schritte zum Haus des Hofbindermeisters Blasius Peer. "Der Fassbinder", so erinnert heute eine Tafel, "verfügte damals schon über einen beachtlichen Bücherschatz von 16 Exemplaren". Welche Bücher Blasius sein Eigen nannte, verrät uns die Tafel an seinem Haus leider nicht. Eine Bibel und ein Almanach oder Kalender werden wohl darunter gewesen sein.

Begeben wir uns jetzt auf eine zweite Reise: vom Handwerker des 17. Jahrhunderts zum Herrscher des 18./19. Jahrhunderts, vom steirischen Dorf in die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Franz II. (I.). begründete bereits im Alter von siebzehn Jahren eine Bibliothek "bloß zum Privatgebrauche", die später als Fideikommissbibliothek ein Teil der Nationalbibliothek wurde. Die Privatbibliothek "enthält 40,000 Bände der kostbarsten Werke aus allen Fächern und Wissenschaften, auch mehre seltne Manuscripte, Incunabeln und andere bibliographische Seltenheiten", schreibt Karl August Schimmer im Jahre 1837.

Die letzte Etappe führt uns vom Kaiser des 18./19. zum Universitätsprofessor des 21. Jahrhunderts, von Wien nach Mailand. "Ich besitze fünfzigtausend Bücher. Wenn jemand eines aus dem Regal nimmt und es an anderer Stelle zurückstellt, geht es mir auf immer verloren", sagte Umberto Eco im Jahr 2010 in einem Gespräch mit Felicitas von Lovenberg für die FAZ. In einem Video mit mittlerweile über einer Million Zugriffen kann man sich staunend einen Einblick von der Zeit machen, die Eco benötigte, um seine Privatbibliothek zu durchschreiten – vom Lesen noch gar keine Rede.

Angesichts einer solchen Sammlung stellt sich auch die Frage, wie man mit einer häufigen, aber ungeliebten Frage ungläubiger BesucherInnen umgeht: Ob man die denn alle gelesen hätte? Eco empfiehlt als Erwiderung: "'Nein, das sind die, die ich bis nächsten Monat lesen muß, die anderen hab ich in der Uni'. Eine Antwort, die einerseits eine sublime ergonomische Strategie suggeriert und andererseits den Besucher veranlaßt, den Moment des Abschieds vorzuverlegen".

Einen Tipp für die inhaltliche Ausrichtung der eigenen Privatbibliothek – ob klein oder groß – gab Karl Preusker im Jahre 1840: "Sey sie von noch so beschränkter Bändezahl, so möge sie, neben der zu begünstigenden Geistesklarheit und Kenntnißvermehrung, wie der ebenso unerläßlichen Rücksicht auf Haus und Familie, Gemeinde und Staat, auch durch ansprechende Dichtungen zur Erheiterung und angeregten edlen Frohsinnigkeit mitwirken".

Kennzeichnung der Bücher aus der Privatbibliothek von Hiram A. Wilson (* 1812), Penn Libraries call number: AC8 G5415 846t. Flickr, C0 Public Domain.

Literatur
Umberto Eco: Wie man eine Privatbibliothek rechtfertigt. In: Sämtliche Glossen und Parodien. München / Wien: Hanser 2002, S. 336-338 (auch in: Wie man mit einem Lachs verreist und andere nützliche Ratschläge. München: dtv 1995
Felicitas von Lovenberg: Sind Sie der ideale Leser, Signor Eco? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Dezember 2010
Karl Preusker: Über öffentliche, Vereins- und Privat-Bibliotheken so wie andere Sammlungen, Lesezirkel und verwandte Gegenstände. Leipzig: Hinrichs 1839/40
Karl August Schimmer: Neuestes Gemälde von Wien in topographischer, statistischer, commerzieller, industriöser und artificieller Beziehung. Wien: Sollinger 1837, S. 100


Die bisher erschienenen Kolumnen in dieser Reihe: 4/2016 (Bildschirmtext), 3/2016 (Verhaltensvorschriften), 2/2016 (Beleuchtung), 1/2016 (Frauen in Bibliotheken). Zum Nachlesen im Original-Layout siehe Büchereiperspektiven.

Monday, July 03, 2017

Die Bibliothek vor ... Jahren. Kolumne 4/2016: Bildschirmtext

Ausgabe 4 meiner Kolumne "Die Bibliothek vor ... Jahren" in den Büchereiperspektiven befasste sich mit dem Bildschirmtext.

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", sagte – je nach Quelle – Mark Twain, Karl Valentin, Niels Bohr oder Winston Churchill. Und natürlich ist es leicht, rückblickend über nicht eingetretene Prophezeiungen zu schmunzeln. Die Welt ist noch immer nicht untergegangen, die kalte Fusion liefert uns auch heute keine Energie, der weltweite Bedarf an Computern hat fünf Stück bei Weitem überschritten – und Bildschirmtext in Bibliotheken setzte sich nie wirklich durch.

Bildschirmtext oder BTX war vor 35 Jahren "the next big thing". Für diese Anwendung – nicht zu verwechseln mit Teletext oder Telex – waren eine Telefonleitung, ein Fernseher und ein Computer erforderlich. Über die Telefonleitung wurden Texte oder einfache Bildsymbole von einem Computer der Senderin auf einen Fernsehschirm beziehungsweise Computermonitor der Empfängerin übertragen. Die Kosten wurden pro abgerufene Seite über die Telefonrechnung verrechnet. Sogar Chats, Online-Shopping und Online-Banking waren möglich. Wie konnten Bibliotheken BTX nutzen? "Wer ein besonders für Gelegenheits- oder Laien-Nutzer geeignetes 'Fenster' zur fachlich-sachlichen Information und Kommunikation benötigt, für den wird Bildschirmtext ein attraktives Instrument moderner Informationsvermittlung darstellen", schrieb Harald H. Zimmermann im Juni 1982. Clemens Deider beschrieb im Band 17 des "Bibliotheksdienst" vom Februar 1983 die speziellen Anwendungsmöglichkeiten für Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken: "Die augenfälligste Zielgruppe ist der Bibliotheksbenutzer, der über den Medien- oder Titelbestand einer Bibliothek, über seinen Standort und seinen augenblicklichen administrativen Zustand (z.B. ausgelehen, vorbestellt usw.) informiert sein möchte". Außerdem könnten die Bibliotheken das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) über BTX abrufen und hätten somit eine "schnellere und bequemere Erwerbungsart" zur Verfügung. "Nicht zuletzt dürfte die schlichte Information der Bibliothek über ihre Anschrift, Öffnungszeiten, besondere Schwerpunktsammelgebiete, Haltestellen und Zeiten von Bücherbussen, aktuelle Information über kurzfristige Schließungen, Terminänderungen usw. für den Bibliotheksbenutzer von Interesse sein". Es böte sich für die BenutzerInnen auch an, Ankaufsvorschläge, "die sonst aus Bequemlichkeit unterbleiben", so zu übermitteln.

In Österreich gab es Bildschirmtext von 1981 bis 2001, dann wurde der Dienst endgültig eingestellt. Das Internet und später das World Wide Web hatten dem BTX schon lange den Rang abgelaufen.

Klaus Nahr: Museum für Kommunikation - Depot Heusenstamm - Btx 03. Unser Btx - ruf doch mal ab. Flickr, 2010, CC-BY-SA

Quellen:

Tuesday, April 25, 2017

Das Berufsleben in 1200 Zeichen

Gestern musste ich für einen Projektantrag einen kurzen Lebenslauf von mir schreiben. Ich habe dafür recht lange gebraucht, weil ich viel herumbessere, aber eigentlich hat es mir Spaß gemacht, das zusammenzufassen, was ich im (Berufs-)Leben schon gemacht habe. Ich versuche dabei immer, etwas, was mich speziell für das jeweilige Projekt qualifiziert, und etwas "Schrägeres" unterzubringen. Hier das Ergebnis! Die Links habe ich für den Blogbeitrag ergänzt, die waren im Originaltext nicht drinnen. - Was betont Ihr in Euren Lebensläufen dieser Art?

// Monika Bargmann has over 20 years of professional experience in bringing people and information together [das war ein schöner Moment, als mir an einem Geburtstag vor ein paar Jahren plötzlich eingeschossen ist, dass alle Jobs, die ich bisher hatte, eben das gemeinsam haben, und dass alles einen Sinn ergibt ;-)]. Bargmann studied Library & Information Science in Eisenstadt and Stuttgart (MLIS; thesis about the Austrian legal information system RIS between public and commercial interests) and German Language & Literature in Vienna (MA; thesis about German-language Star Trek fan fiction). In addition, she attended courses about forestry, global warming, bat protection, soil conservation, energy transition, formica protection, and mobility. During her studies, she worked as a journalist and as a library assistant. Following her graduation, she was research assistant and librarian at the University of Applied Sciences Burgenland. Then she changed to the City of Vienna, where she served as a digital services librarian and web editor for the Vienna Provincial Library. In February 2017, she started working as the chief data officer of ZAMG.
Being an open access advocate, she volunteers as an editor for the open repository E-LIS and for academic library journals. Her areas of expertise are research data management, editorial work for web & social media, and public sector information. //

Monday, April 03, 2017

Die Bibliothek vor ... Jahren. Kolumne 3/2016

Ausgabe 3 meiner Kolumne "Die Bibliothek vor ... Jahren" in den Büchereiperspektiven befasst sich mit alten und neueren Verhaltensvorschriften.

Das Verhalten in Bibliotheken unterlag von jeher bestimmten Regeln. Essen, Trinken, Rauchen und Lärmen zählen wohl zu den am meisten verpönten Handlungen an einem Ort, der vornehmlich dem Lernen und der Stille dient. Gemäß den Regeln, die der Hyde Institute Library im britischen Barnet Vale zugeschrieben werden und aus dem Jahr 1930 stammen, durften die BibliotheksbenutzerInnen dort folgendes NICHT: die Bibliothek betreten, wenn ihre Gesichter anstößig schmutzig sind, an den Tischen einschlafen, Jause essen, während sie Zeitungen, Bücher etcetera lesen, im Gebäude rauchen, geschäftliche Visitenkarten zurücklassen, lästig fallen, gegen die Möbel treten oder sie beschädigen, Hunde in den Innenbereich bringen, die Bibliothekarin oder den Bibliothekar anlügen, in betrunkenem Zustand eintreten oder eintreten, wenn sie an Pocken erkrankt sind.

In der Bodleian Library in Oxford mussten BenutzerInnen traditionellerweise den folgenden Text laut vor einer Bibliothekarin oder einem Bibliothekar vorlesen: "Ich verspreche hiermit, keinen Band, kein Dokument und kein anderes Objekt, das sich im Besitz oder in der Obhut der Bibliothek befindet, aus der Bibliothek zu entfernen oder zu markieren, zu verunstalten oder in irgendeiner Weise zu beschädigen; in die Bibliothek kein Feuer zu bringen, nicht ein Feuer oder irgendeine Flamme in der Bibliothek zu entzünden, und nicht zu rauchen; und ich verspreche, alle Bibliotheksvorschriften einzuhalten".Verbote sind aber nur so gut wie das Bewusstsein, dass sie kontrolliert werden und ein Übertreten bestraft wird. Daher hatten die Sumerer vor 5.000 Jahren nicht nur die Schrift im Allgemeinen, die Keilschrift im Besonderen und die Buchhaltung noch dazu entwickelt. Sie hatten auch einen Fluch verfasst für Leute, die mit den Tontafeln nicht pfleglich umgingen: "Wer diese Tafel bricht oder sie ins Wasser legt oder auf ihr herumschabt, bis man sie nicht mehr entziffern und verstehen kann, den mögen Assur, Sin, Shamash, Adad und Ishtar von Bit Kidmurri, die Götter des Himmels und der Erde und die Götter Assyriens mit einem Fluch strafen, der nicht mehr getilgt werden kann, schrecklich und gnadenlos, solange er lebt, und sein Name, seine Nachkommen sollen vom Land hinweggefegt und sein Fleisch den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden!"
Auch der folgende modernere Reim appelliert an die Angst vor göttlichem Zorn, wenngleich etwas weniger drastisch: "Steal not this book my honest friend / For fear the gallows should be your end, / And when you die the Lord will say / And where's the book you stole away?"
Regeln, Flüche und Reime können unter folgenden Links nachgelesen werden:

Thursday, December 22, 2016

Kolumne zum Bildschirmtext in Bibliotheken erschienen

Die neue Ausgabe der "Büchereiperspektiven", diesmal mit dem Schwerpunkt "Ausgezeichnet! Neue österreichische Literatur", ist erschienen. Mit dabei wieder meine Kolumne "Die Bibliothek vor ... Jahren" - diesmal zum Thema Bildschirmtext. Ein Thema, das ich gerne in einem längeren Artikel aufarbeiten würde, vor allem als Vergleich der Erwartungen an das neue Medium Bildschirmtext und das neue Medium Internet/Web.

Verfügbar als E-Paper oder PDF-Download.

Wednesday, November 02, 2016

Die Bibliothek vor ... Jahren. Kolumne 2/2016

Meine zweite Kolumne in den Büchereiperspektiven zum Thema "Die Bibliothek vor ... Jahren" - dieses Mal geht es um Er-/Beleuchtung ;-)

5. Juli 1916

Liebes Tagebuch, heute war ein aufregender Tag in der Bibliothek. Wir haben in allen Arbeitsräumen und im Lesesaal elektrisches Licht bekommen, sogar im Magazin! Unsere Kollegen, vor allem die Herren Professoren, haben ja schon oft die mangelnde Helligkeit beklagt. Die Petroleumlampen in unseren Bureaus, die mir immer schon ungeheuerlich vorkamen, waren bei den vielen Büchern einfach zu gefährlich. Kollegen aus anderen Bibliotheken, die mit der Gasbeleuchtung Erfahrung gewonnen haben, äußerten sich dahingehend, dass sie die Luft verderbe. Einige unserer Custoden sind geradezu enerviert – sie fürchten, dass durch die neue Beleuchtung unsere Betriebszeiten stark erweitert werden, wir aber nicht mehr Personal bekommen. Ich bin aber froh, dass unsere Vorgesetzten diesen Schritt in die Zukunft gewagt haben.

2. September 1966

Liebes Tagebuch, heute habe ich wieder meine alte Bibliothek besucht. Ich bin ja schon seit ein paar Jahren in Pension, aber ich schaue immer noch gerne vorbei und fachsimple ein bisschen mit den Jungen. Heute habe ich deutlich gemerkt, dass ich doch schon vom alten Schlag bin. Im Lesesaal gibt es nämlich etwas Neues: Leuchtstoffröhren. Meine Kollegen sind ganz begeistert, sie seien so modern und ein schlichter Kontrapunkt zur üppigen Einrichtung, aber ich finde die neue Beleuchtung mit einem Wort: scheußlich. Der historische Raum wird in seiner Wirkung auf die Menschen ganz verdorben.

Jeff Blum: Library Lamp, Flickr, CC-BY
1. Mai 2046

Liebes Tagebuch, was die Medizin doch für Fortschritte macht. Dass ich mit 150 Jahren noch die Geschehnisse in meinem Alltag aufzeichnen kann, hätte ich mir in meiner Jugend nie träumen lassen. Und schon gar nicht, dass ich dazu nicht Tinte und Papier brauche, sondern einfach einer kleinen Brosche an meinem Kragen diktiere... Die automatische Textanalyse hat ergeben, dass ich schon mehrmals über die Lichtverhältnisse in meiner Bibliothek geschrieben habe. So will ich es auch heute halten: Unsere Regierung hat mit den SomniluxianerInnen eine interstellare Vereinbarung getroffen. Diese haben kürzlich bei der Erdregierung um dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung angesucht. Sie schlafen 18 Stunden pro Tag und geben dabei Licht ab. Deswegen wurden ihnen Quartiere in allen öffentlichen Gebäuden angewiesen. Wie nannte man das in den 2010er Jahren? "Win-Win-Situation". Wenn im Lesesaal diese flauschigen Wesen herumschweben, ist das durchaus gewöhnungsbedürftig, das muss ich ehrlich zugeben. Die Frequenz des Lichtes ist aber äußerst angenehm und konzentrationsfördernd.

Tuesday, October 04, 2016

Die Bibliothek vor ... Jahren. Kolumne 1/2016

Seit heuer heißt meine Kolumne in den Büchereiperspektiven "Die Bibliothek vor ... Jahren". Hier Ausgabe 1.

Katy Tresedder: Reading. Flickr, CC-BY-NC-ND
Guten Abend, es ist der 4. April 2116, und hier spricht Robo-Mod BibX6FY, Ihre automatische Moderatorin am Spartensender "Bibliotheken einst und jetzt". Wie immer werden unsere Sendungen direkt in Ihren Gehirnchip übertragen - danke, dass Sie an uns denken! Heute beschäftigen wir uns mit dem Bibliothekspersonal - Sie sich vorstellen, dass es eine Zeit gab, in der der bibliothekarische Beruf Frauen nicht offenstand? Ja, Sie haben richtig gehört.

Fragen wir doch jemanden, der es genau wissen muss. Wir sind über unsere Zeitleitung direkt mit Bibliotheksdirektor Hans Müller im Jahr 1916 verbunden.

BibX6FY: Herr Müller, gehen wir in medias res: Wie hoch ist denn der Anteil an Bibliotheksdirektorinnen in Ihrer Zeit?
Müller (lacht): Direktorinnen? So weit wollen wir doch nicht gehen. Es gibt in den Bibliotheken aber eine Fülle von Arbeit, für die das weibliche Personal sich gut eignet: bei den Zugangsverzeichnissen, im Signierdienst, in der Ausgabe, beim Kollationieren antiquarischer Erwerbungen, beim Verzetteln etwa deutscher, englischer Schriften, überall ist es unter einigermaßen verständiger Leitung gut verwendbar.
B1126FY: Ich verstehe nicht ganz — Sie unterscheiden bei der Postenvergabe nach Geschlecht?
Müller: Natürlich! Was denken Sie denn? Ich möchte besonders die Verwendbarkeit da Frauen für den mittleren Dienst hervorheben und zugleich betonen, dass Damen auch in pekuniärer Beziehung viel leichter zufrieden gestellt werden können als männliche Arbeitskräfte; desgleichen sind ihre Kenntnisse auf dem Gebiete der modernen Sprachen und Literatur wie auch ihr Taktgefühl im Verkehr mit dem Publikum ein nicht geringer Vorzug. Gerade für den Dienst an den kleineren Bibliotheken mit beschränkter Selbstständiglceit sind in erster Linie Frauen berufen, die ihre Lebensarbeit ausschließlich dem bibliothekarischen Berufe widmen und nicht allzu hohe Gehaltsansprüche stellen.
BibX6FY: Und die Frauen des 20. Jahrhun-derts beschweren sich nicht über diese Ungleichbehandlung?
Müller: Wenn Sie so fragen — die armen Damen klagen Stein und Bein über die jämmerliche Besoldung.
BibX6FY: Sie lobten den Umgang mit den Benutzerinnen und Benutzern...
Müller: Der Verkehr mit den entleihenden Studenten ist entfernt von etwa zu vermutenden Auswüchsen galanter Art. BibX6FY: Herr Direldor, herzlichen Dank für diese Einblicke in die Vergangenheit, die uns nachdenklich zurücklassen.

Anmerkung: Die Antworten basieren auf Zitaten verschiedener Autoren aus der deutschen Bibliothekszeitschrift "Centralblatt für Bibliothekswesen" um 1900.








Thursday, September 29, 2016

Editorial zum Themenheft Gender & Diversity im Bibliothekswesen

Das Themenheft "Gender & Diversity" ist als Ausgabe 2 (2016) der VÖB-Mitteilungen erschienen. Hier mein Editorial mit einer Übersicht über alle Beiträge.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

"[u]m Inklusion zu fördern und Diskriminierung zu beseitigen, setzen sich Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte dafür ein, dass das Recht auf Zugang zu Informationen nicht verweigert wird und dass identische Dienstleistungen für jeden zugänglich sind – unabhängig von Alter, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung, körperlichem oder geistigem Vermögen, Geschlechtsidentität, Kulturzugehörigkeit, Bildung, Einkommen, Einwanderungs- oder Asylantragsstatus, Familienstand, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung. Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte respektieren die sprachlichen Minderheiten eines Landes und ihr Recht auf Zugang zu Informationen in der eigenen Sprache. […] Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte lehnen Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von Alter, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung, physischem oder geistigem Vermögen, Geschlecht, Familienstand, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung ab".

Diese Passagen aus dem IFLA-Ethikkodex für Bibliothekar_innen und andere im Informationssektor Beschäftigte stecken den Rahmen des vorliegenden Schwerpunktheftes "Gender & Diversity" ab. Das Thema wird aus drei Perspektiven – Bibliotheksmitarbeiter_innen, Bibliotheksnutzer_innen und Bibliotheksbestände – beleuchtet. Der Schwerpunkt umfasst folgende Beiträge und Berichte:

Margit Hauser und Marius Zierold stellen den "Meta-Katalog des I.D.A.-Dachverbandes" vor. Diese neue zentrale Datenbank auf Basis von VuFind ermöglicht einen Einblick in die Bestände von dreißig FrauenLesben-Informationseinrichtungen im deutschen Sprachraum.

Die fast 25 Jahre von "Ariadne" als Fraueninformations- und -dokumentationsstelle an der Österreichischen Nationalbibliothek lässt Lydia Jammernegg in ihrem Beitrag "Ariadne – work in progress. Über die Arbeit der 'frauenspezifischen Information und Dokumentation' an der Österreichischen Nationalbibliothek" Revue passieren.

Drei Beiträge widmen sich dem Thema gerechter Sprache bei der Inhaltserschließung: Jasmin Schenk beschäftigt sich in ihrem Artikel "Konzept Gender Thesaurus: Zur Bedeutung einer gemeinsamen Dokumentationssprache für Forschung und Informationseinrichtungen" mit der Frage, wie man die verschiedenen Schlagwortlisten und Thesauri, die derzeit in Frauen- und Gender-Informationseinrichtungen verwendet werden, in einen gemeinsamen Thesaurus überführen kann. Sandra Sparber reflektiert in "What's the frequency, Kenneth? Eine (queer)feministische Kritik an Sexismen und Rassismen im Schlagwortkatalog" den diskriminierenden Sprachgebrauch in der Gemeinsamen Normdatei und in den Regeln für den Schlagwortkatalog. Rosa Zechner schildert in "Zwischen Anspruch und Möglichkeit. Frauen*solidarität: ein Beispiel aus der Beschlagwortungspraxis" die praktische Anwendung gerechter Sacherschließung in der entwicklungspolitischen Bildungsorganisation Frauen*solidarität.

Drei spezialisierte Informationseinrichtungen werden vorgestellt: Tina Klemsch gibt einen Einblick in die Angebote der "Hörbücherei des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich (BSVÖ)", die Hörbücher verleiht und auch selbst produziert. Andreas Brunner stellt mit dem "Zentrum QWIEN – das Gedächtnis der LGBT-Geschichte Wiens" das einzige für alle zugängliche Archiv zur Lesben-, Schwulen- und Transgeschichte Österreichs vor. Sibylle Zwins führt uns in "Die Bibliothek Denk/Raum Gender and beyond an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW) am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM)".

Katelyn Browne präsentiert das "Women of library history project", in dem die Feminist Task Force der American Library Association bedeutende, berühmte und zu Unrecht vergessene Bibliotheksmitarbeiterinnen ins Rampenlicht rückt.

Albert Weber stellt "Minorities Records", ein neues Weblog zur Digitalisierung des Kulturerbes ethnischer Minderheiten, und ein Digitalisierungsprojekt zu deutschsprachigen jüdischen Zeitungen vor. Außerdem wird über den Aufbau eines Repositoriums für die Geschlechterforschung und das Digitale Deutsche Frauenarchiv berichtet.

Abgerundet wird der Schwerpunkt durch einen Bericht über die Präsentation von "biografiA: Lexikon österreichischer Frauen", der auch die Reden von Edith Stumpf-Fischer, Waltraud Heindl und Ilse Korotin über das Zustandekommen und die Bedeutung dieses Werkes für die feministische Geschichtsschreibung in Österreich beinhaltet.

Auch außerhalb des Themenschwerpunkts haben wir spannende Beiträge in diesem Heft: Johanna Felsner, David Fließer, Valentino Massoglio, Livia Neutsch und Anna Spitta berichten über eine Vorstudie zur "Erschließung der Exilbibliothek" von Charlotte und Karl Bühler, die 2014 an die Universität Wien kam.

Veranstaltungsberichte führen uns zur Tagung "Vernetzte Welten – Digitales Kulturerbe als öffentliches Gut", zur Jahrestagung der internationalen Confederation of Open Access Repositories (COAR), zur WissKom2016 am Forschungszentrum Jülich, zur 3. Informationsveranstaltung des Open Access Netzwerk Austria und zum 6. Treffen der AGMB.at – Forum österreichischer Medizinbibliothekarinnen und -bibliothekare.

Vier KollegInnen haben für uns Bücher rezensiert: Stefan Alker "Autorenbibliotheken. Erschließung, Rekonstruktion, Wissensordnung", Livia Neutsch "Vermittler des Rechts. Juristische Verlage von der Spätaufklärung bis in die frühe Nachkriegszeit", Josef Pauser "Erfolgreich recherchieren Jura" und Klaus Werner Ulrich "Vernetztes Wissen. Online. Die Bibliothek als Management aufgabe. Festschrift für Wolfram Neubauer zum 65. Geburtstag".

Den Abschluss bildet Denksport mit der "Bibliothekarisch-informationswissenschaftlichen Eieruhr" von Otto Oberhauser.

Eine bereichernde Lektüre wünscht Ihnen Monika Bargmann für das Redaktionsteam und die VÖB-Kommission für Genderfragen.