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Thursday, January 16, 2020

Bundesheer verzichtet auf "geschlechterdifferenzierende Schreibweise"

Ein weiteres Beispiel für meine Sammlung von Erklärungen, warum auf geschlechtergerechte Sprache verzichtet wird, diesmal aus der Publikation "Sicher. Und Morgen? Sicherheitspolitische Jahresvorschau 2020" des Verteidigungsministeriums (2019):
"Zum Zweck der besseren Lesbarkeit dieser Publikation wird auf eine geschlechterdifferenzierende Schreibweise verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen".

Bisherige Beispiele hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier in diesem Blog. Gegenbeispiel hier, anderes Beispiel für "mitgemeint" hier.

Friday, January 10, 2020

Bibliotheken, Archive und offene Daten im Regierungsprogramm

Im Regierungsübereinkommen zwischen der ÖVP und den Grünen betreffen einige Abschnitte öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken, Archive, Dokumentationsstellen und auch den Bereich Open Data, Open Access, Open Source. Hier eine Übersicht (in der Reihenfolge, wie ich sie gefunden habe, mit der jeweiligen Kapitelüberschrift):
Flächendeckende Grundversorgung mit öffentlichen Bibliotheken
Bekenntnis zur Bedeutung von öffentlichen Bibliotheken: Entwicklung eines Masterplanes -- Unterstützung der Weiterbildung von (ehrenamtlichen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern -- Koordinierung der Bibliotheken bei der Anschaffung von Lizenzen. -- Erweiterung der Öffnungszeiten (Sonntagsöffnung) der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB).

Verwertungsgesellschaften: Umfassende Evaluierung der Verwertungsgesellschaften vor allem hinsichtlich wirtschaftlicher Synergien und Transparenz im Interesse der Urheberinnen und Urheber -- Stärkung der Aufsichtsbehörde. -- Vereinfachte Verfahren bei Lizenzvergaben. -- Kulturpass für Menschen mit finanziellen Engpässen in Anlehnung an das Konzept "Hunger auf Kunst und Kultur".


Universitätsfinanzierung, Governance und Karriereentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Die Bundesregierung unterstützt aktiv den Plan S zur Implementierung von Open Access. In weiterer Folge sollen die Prinzipien des Plan S auch von allen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Österreich umgesetzt werden.
Lebensbegleitendes Lernen: Gute Bildungsangebote für Erwachsene
Bibliotheksentwicklungskonzept nach internationalen Best-Practice-Beispielen, in dem der öffentliche Auftrag an die Bibliotheken formuliert wird unter Einbeziehung der Länder, Gemeinden und Trägerorganisationen
Innovative Forschung wird möglich, wenn Datenbestände kombiniert und analysiert werden können, die für die Wissenschaft bisher verschlossen sind. Auch evidenzbasierte Politik und wissenschaftliche Evaluierungen werden dadurch in einer deutlich verbesserten Qualität möglich. Daher soll in Österreich ein "Austrian Micro Data Center" und Datenzugänge für die Wissenschaft geschaffen werden: Der Datenzugang ist auf wissenschaftliche Zwecke beschränkt und erfüllt die (europarechtlichen) Vorgaben des Statistik- und Datenschutzrechts. -- Akkreditierte Wissenschafterinnen und Wissenschafter erhalten aufgrund eines geregelten Verfahrens (AVG) Zugang zu den Datenbeständen der Statistik Austria, die so anonymisiert wurden, dass keine Rückführung auf den Einzelfall möglich ist.
Open Data: Offene Daten als Chance für Transparenz
Die Bundesregierung bekennt sich zur umfassenden und rechtzeitigen Umsetzung der Public-Sector-Information (PSI)/Open Data-Richtlinie der Europäischen Union und wird die PSI-Taskforce tatkräftig unterstützen und im kontinuierlichen Austausch sein: Eine Öffnung der Verkehrsauskunft Österreich als Open Service und Open Data soll koordiniert durch den Bund ermöglicht werden.

Entwicklung einer Umsetzungsstrategie, um das Prinzip Open by Default für nicht personalisierte Daten des Bundes zu etablieren. Ausnahmen zum Schutz von Bürgerinnen und Bürgern sowie unternehmensspezifischen Daten sind zu definieren.

Basierend auf dem Open Data Screening 2017 erstellt die Bundesregierung einen Maßnahmenplan, um die Verwaltungstransparenz anzuheben: Unterstützungsangebote für Bundesinstitutionen, Länder und Gemeinden sollen erarbeitet werden. -- Ziel ist die Zurverfügungstellung der veröffentlichten Daten zum Budget in einer maschinenlesbaren Form.

Eine Teilnahme an Open Government Partnership wird geprüft.

Erstellung eines Masterplans (inklusive Machbarkeitsstudie), um eine Strategie zur Nutzung von Open Source Software im Bund zu entwickeln.

Prüfung der Digitalisierung/Erschließung von Archiven des Bundes

Aufbau eines Digital Data Hubs innerhalb der Open Data Struktur des Bundes, der kuratierte, aufbereitete und anonymisierte Daten für gemeinwohlorientierte Forschung und Entwicklung zur Verfügung stellt: Möglichkeit schaffen, dass Unternehmen hierzu ihre Daten (anonymisiert) miteinander auf freiwilliger Basis teilen können; -- Kriterien zur wirkungsvollen Anonymisierung von personenbezogenen Daten sind zu entwickeln.


Eine staatliche Verwaltung für das 21. Jahrhundert mit den Bürgerinnen und Bürgern im Mittelpunkt
Digitalisierung von Kunstschätzen: Durch virtuelle Darstellung von Sehenswürdigkeiten auf nationalen und europäischen Plattformen sollen in den nächsten Jahren die wertvollsten Teile unseres kulturellen Erbes weiter digitalisiert und so weltweit barrierefrei zugänglich gemacht werden.

Bug-Bounty-Programme für mögliche vom Bund eingesetzte Open Source Software


Forcierung eines wettbewerbsfähigen und verantwortungsvollen Tourismusstandorts
Sicherstellung des Zugangs der Wissenschaft zu verknüpfbaren anonymisierten Registerdaten durch eine Novellierung des Bundesstatistikgesetzes

Verstärkt Datenallianzen bilden zwischen Einrichtungen im Einfluss des Bundes zur strategischen Weiterentwicklung und gemeinsamen Problemlösung im Rahmen der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen

Tourismus-Open Data-Leuchtturmprojekt der ÖW

Sonderbudgets in Zukunft vorranging für nachhaltigen Tourismus, im Sinne von Klima- und Umweltschutz sowie Digitalisierung (Data Hub)


Forschungspolitik für zukünftige Herausforderungen gestalten und FTI-Strategie erstellen
Aktive Beteiligung an Plattformen und Netzwerken im Bereich des gesellschaftlichen Wandels, beispielsweise Beteiligung an europäischer Time Machine Organisation im Bereich Artificial Intelligence und Kulturerbe, Consortium of European Social Science Data Archives (CESSDA) und European Holocaust Research Infrastructure (EHRI)
Kulturelles Erbe sichern und weiterentwickeln
Die Einrichtung eines Film Preservation Centers umsetzen und Anpassung im Bundesarchivgesetz

Digitalisierungsoffensive zum Kulturerbe vorantreiben

Prüfung einer neuen Organisationsform des Österreichischen Staatsarchivs in eine wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts des Bundes

Verantwortung gegenüber den durch Gewalt und illegalen Handel bedrohten Kulturgütern verstärkt wahrnehmen


Gedenkkultur
Entwicklung einer Gedenkstrategie mit dem Ziel, die unterschiedlichen Rechtsträger der österreichischen Gedenkstätten, Sammlungen und Museen zusammenzuführen unter dem Dach des Parlaments und die dauerhafte Finanzierung sicherzustellen

Stärkung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) und Schaffung einer Forschungs- und Dokumentationsstelle für Antisemitismus, für den religiös motivierter politischer Extremismus (politischer Islam) und für den Rassismus im 21. Jahrhundert


Bundeskunst- und -kultureinrichtungen
Bundesmuseen: Stärkung der Bundesmuseums-Direktorenkonferenz durch gesetzliche Verankerung mit klar definierter Zielsetzung und Geschäftsordnung – mit dem Ziel, die inhaltliche Autonomie der einzelnen Häuser sicherzustellen. -- Schaffung einer Bundesmuseums-Holding mit klar definierten wirtschaftlichen Aufgaben (z.B. Übertragung des Gebäudemanagements, Ticketing, IT in der Verwaltung, Kollektivvertragsfähigkeit, Stärkung der Digitalisierung, umfassende Barrierefreiheit in Museen und bei Museumswebsites) -- Stärkung der Eigentümervertreterverantwortung durch Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit kompetitiven Anteilen und durch transparente, nach inhaltlichen Kriterien zu erfolgende Kuratoriumsbesetzungen (Frauen-Männer-Quote 50:50) -- Digitalisat der Bestände vervollständigen -- Verstärkte Kooperationen zwischen Bundesmuseen, Ländern und Privaten (u.a. ein abgestimmter Kulturkalender und gemeinsame Schwerpunktsetzungen).

Weiterführung und Ausbau Provenienzforschung: Provenienzforschung und Kunstrückgabe sind ein weltweites Erfolgsmodell und sollen jedenfalls aufgrund des Kunstrückgabegesetzes auch in der Stiftung Leopold weitergeführt werden. Die Provenienzforschung sollte jedenfalls auch bei Dauerleihgaben stattfinden. -- Ein zusätzlicher Bereich soll für die postkoloniale Provenienzforschung und den Umgang mit human remains etabliert werden. -- Die Provenienzforschung sollte in Zukunft im BDA angesiedelt sein.


Wenn ich etwas übersehen haben sollte, bitte um Mitteilung!

Tuesday, October 31, 2017

UN GGIM Fundamental Geospatial Datasets - Bericht über ein Webinar

Am 16. August 2017 habe ich das Webinar über das United Nations Committee of Experts on Global Geospatial Information Management (UN GGIM) und die "Fundamental Geospatial Datasets" besucht. Mir war diese Initiative neu und vielleicht ist das auch für meine Leser_innen interessant, daher hier meine Notizen mit ein paar Ergänzungen. Hinweis: Das Webinar war eine Einführung in das Thema – Leute, die damit schon vertraut sind, werden hier wohl nichts Neues entdecken! - Für alle, die dann weiterlesen wollen: Ich sammle zu diesem Thema übrigens auch Tweets. Siehe Twitter-Moment "Sustainable development goals & data".

Entstehungsgeschichte

2009 gab es erste Vorgespräche, initiiert von der Statistik-Abteilung der UNO, die die verschiedenen regionalen und globalen Aktivitäten auf dem Gebiet der Geoinformation besser koordinieren wollte. 2010 befasste sich der Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC, Economic and social council) mit der Bedeutung von Geoinformation für die nationale und globale Entwicklung. Nachdem die Mitgliedsstaaten konsultiert worden waren, wurde 2011 GGIM (Committee of Experts on Global Geospatial Information Management) eingerichtet – allerdings ohne Budgetmittel.
Die Mitgliedsstaaten werden zu "regular high-level, multi-stakeholder discussions on global geospatial information" und einem "comprehensive dialogue" angehalten.
Ziel: "to play a leading role in setting the agenda for the development of global geospatial information and to promote its use to address key global challenges".
2016 wurde das Mandat von GGIM erneuert und verstärkt, allerdings weiter ohne Budgetmittel.

Organisation und Treffen

  • GGIM Meetings finden jährlich im August statt, heuer zum siebten Mal.
  • 4 high-level forums bisher
  • 11 working groups / expert groups. Derzeit:
    • United Nations Expert Group on the Integration of Statistical and Geospatial Information
    • United Nations Expert Group on Land Administration and Management
    • Working Group on Global Geodetic Reference Frame
    • Working Group on Development of a Statement of Shared Principles for the Management of Geospatial Information
    • Working Group on Trends in National Institutional Arrangements in Geospatial Information Management
    • Working Group on Geospatial Information and Services for Disasters (WG-Disasters)
    • IAEG-SDGs Working Group on Geospatial Information
  • 5 regional committees – analog zur UN-Struktur
    • Africa
    • Americas
    • Arab States
    • Asia-Pacific
    • Europe
  • Über die networks sollen Personen und Organisationen außerhalb der Regierungs-/Verwaltungsebene einbezogen werden.
    • Private sector network
    • Academic network
    • Geospatial society coalition
  • Partnerschaft mit der Weltbank

Europa hat eine Art Themenführerschaft übernommen (aufgrund der Erfahrungen mit INSPIRE), innerhalb Europas wurde Großbritannien mit der Führung betraut, also mit der Koordination der Aktivitäten, mit der Erstellung einer "minimum list" bis zum GGIM7-Treffen etc. Diese Aufgaben nimmt Ordnance Survey (britische Behörde zuständig für Landesvermessung, Kartenherstellung etc.) wahr.

Sustainable Data for sustainable development

Geospatial data can support monitoring in many aspects of development, from health to natural resources management.

Sustainable Development Agenda der UNO

Zum Nachlesen auf http://www.un.org/sustainabledevelopment/development-agenda/ und http://www.un.org/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/70/1.

"The SDGs [Sustainable Development Goals], also known as Global Goals, build on the success of the Millennium Development Goals (MDGs) and aim to go further to end all forms of poverty. The new Goals are unique in that they call for action by all countries, poor, rich and middle-income to promote prosperity while protecting the planet. They recognize that ending poverty must go hand-in-hand with strategies that build economic growth and addresses a range of social needs including education, health, social protection, and job opportunities, while tackling climate change and environmental protection".

Sustainable Development Goals

  • Goal 1. End poverty in all its forms everywhere
  • Goal 2. End hunger, achieve food security and improved nutrition and promote sustainable agriculture
  • Goal 3. Ensure healthy lives and promote well-being for all at all ages
  • Goal 4. Ensure inclusive and equitable quality education and promote lifelong learning opportunities for all
  • Goal 5. Achieve gender equality and empower all women and girls
  • Goal 6. Ensure availability and sustainable management of water and sanitation for all
  • Goal 7. Ensure access to affordable, reliable, sustainable and modern energy for all
  • Goal 8. Promote sustained, inclusive and sustainable economic growth, full and productive employment and decent work for all
  • Goal 9. Build resilient infrastructure, promote inclusive and sustainable industrialization and foster innovation
  • Goal 10. Reduce inequality within and among countries
  • Goal 11. Make cities and human settlements inclusive, safe, resilient and sustainable
  • Goal 12. Ensure sustainable consumption and production patterns
  • Goal 13. Take urgent action to combat climate change and its impacts
  • Goal 14. Conserve and sustainably use the oceans, seas and marine resources for sustainable development
  • Goal 15. Protect, restore and promote sustainable use of terrestrial ecosystems, sustainably manage forests, combat desertification, and halt and reverse land degradation and halt biodiversity loss
  • Goal 16. Promote peaceful and inclusive societies for sustainable development, provide access to justice for all and build effective, accountable and inclusive institutions at all levels
  • Goal 17. Strengthen the means of implementation and revitalize the Global Partnership for Sustainable Development
siehe http://ask.un.org/faq/97134

Fundamental Themes / Core data

Quelle: Core Data Scope, http://un-ggim-europe.org/sites/default/files/UN-GGIM-Europe%20WGA%20Core_Data_Scope-v1.2.pdf
Aufgabe war, zu definieren, was diese fundamental themes sind. 2015 gab GGIM Europe einen Bericht dazu heraus und stellte einen dringenden Bedarf an "a set of global fundamental geospatial data themes that could be harmonized in order to enable the measurement, monitoring and management of sustainable development in a consistent way over time and to facilitate evidence-based decision-making and policy-making" fest. Bei der Erstellung einer Liste der wichtigsten Themen war es Aufgabe, "to ensure that the data themes should be technical in nature so as not to raise political concerns". [Anm.: Ob das funktioniert? Alleine die Sprache der Bezeichnung für geographische Einheiten kann eine politische Diskussion bedeuten (vgl. zweisprachige Ortsnamen, Ländernamen, Eigenständigkeit von Ländern)].
Eine Arbeitsgruppe mit ca. zwanzig Personen erarbeitete diese Liste, die als kleinster gemeinsamer Nenner zu verstehen ist. Grundlagen dafür waren regional vorhandene Aktivitäten wie INSPIRE, "Fundamental datasets for Africa", Pan-American Institute of Geography and History (PAIGH), ein Mapping von INSPIRE-Themen und SDGs durch die Europäische Umweltagentur EEA etc. Dahinterstehende Frage: Welche Daten werden für die Erreichung der SDG gebraucht?
Die Beschreibungen der einzelnen Themen und Richtlinien (Possible sources, existing data standards, why fundamental, why important for SDG) ist noch in Arbeit, sie sollen auch von Nicht-Geo-Menschen verstanden werden.
GGIM7 segnete die Liste im wesentlichen ab – kleinere Änderungen werden auf ExpertInnenebene abgehandelt. Auftrag: Promotion, Kommunikation, Implementierung.

Links

GGIM: http://ggim.un.org/ -- https://twitter.com/UNGGIM
GGIM Europe: http://un-ggim-europe.org/ -- https://twitter.com/UNGGIMEurope
Sustainable Development Goal indicators website: https://unstats.un.org/sdgs/
Harnessing the power of data for sustainable development: https://unstats.un.org/sdgs/report/2017/harnessing

Monday, August 07, 2017

Daten und Metadaten im Blitzlicht. Beitrag aus dem ZAMG-Newsletter

Für den neuen ZAMG-Newsletter (S. 24) habe ich einen kurzen Beitrag über das Datenmanagement geschrieben, den ich auch bloggen möchte. Der Titel ist "Daten und Metadaten im Blitzlicht" - seht Ihr, wie ich urgeschickt einen Wetterbezug hergestellt habe? ;-)
Weitere Beiträge im Bereich Datenmanagement / Bibliothek / Archiv:
  • "Dynamic Data Citation – für NetCDF Klimadaten" von Chris Schubert et al. (S. 22-23)
  • Digitalisierung historischer ZAMG-Jahrbücher von Anita Paul (S. 25)
  • Aktivitäten des Nationalen Datenzentrums [CTBT] von Ulrike Mitterbauer (S. 17)
Newsletter im PDF-Format.

Daten und Metadaten im Blitzlicht

Satellitenbilder, TAWES-Messungen, Seismogramme, Radardaten, Klimabögen, Ceilometerwerte, Meldungen von Citizen Scientists und vieles mehr... Daten (und das, was daraus gemacht wird) sind das Herzstück der Arbeit an der ZAMG. Im Arbeitsprogramm 2017-2021 nimmt das Datenmanagement daher einen besonderen Platz ein. Der Bereich umfasst den gesamten Lebenszyklus von Daten und Metadaten, von der Gewinnung, Aufbereitung, Speicherung und Sicherung, Veröffentlichung, Wiederverwendung und Langzeitarchivierung.
Um organisatorisch gerüstet zu sein, wurde im Bereich IKT die Abteilung "Infrastruktur, Security, Datenmanagement" mit einem sechsköpfigen Datenmanagement-Team eingerichtet und eine Datenmanagerin mit dem Fokus auf Koordination und Organisation eingestellt.

Der neue Datenmanagementplan, der bei den Entwicklungsprojekten 2018 erstmals zum Einsatz kommt, umfasst den gesamten Lebenszyklus von Daten. Quelle: ZAMG

Im Mai 2017 wurde ein Datenmanagementplan (DMP) für Projekte an der ZAMG eingeführt. Der DMP kommt erstmals bei den Entwicklungsprojekten 2018, deren Begutachtung und Auswahl gerade läuft, zum Einsatz. Sechs Bereiche werden damit abgedeckt: Daten; Dateiformate und Datenmengen; Metadaten und Dokumentation; Veröffentlichung und Nachnutzung; Verantwortlichkeit und Ressourcen; Speicherung und Langzeitarchivierung.
Die Planung und Umsetzung von Maßnahmen in diesen Bereichen – im besten Fall bereits, bevor überhaupt Daten erhoben werden – ist Teil der guten wissenschaftlichen Praxis, erhöht die Nachnutzung und Reproduzierbarkeit, spart langfristig Zeit, Geld und Mühe und wird zunehmend von FördergeberInnen und wissenschaftlichen Journals verlangt.

Die ZAMG stellt einen Teil ihrer Ergebnisse als offene Daten zur Verfügung. "Offen" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur, dass sie kostenlos bezogen werden können, sondern vor allem, dass sie unter einer Lizenz stehen, die das Weiterverarbeiten und Weitergeben erlaubt. Informationen über offene ZAMG-Daten finden sich unter anderem in unserem eigenen Datenkatalog, der derzeit auf eine neue Version umgestellt wird, auf data.gv.at, dem Portal für offene Verwaltungsdaten, im CCCA-Datenzentrum und bei Pangaea, einem Verlag für Daten aus den Erd- und Umweltwissenschaften.


50 einfallsreiche Köpfe entwickelten am ersten Create Camp, das am 2. Februar 2017 an der ZAMG stattfand, innovative Ideen für die Verwendung offener Daten. Quelle: Open Data Portal / Georg Schütz, CC-BY-SA

Wie findige Köpfe solche offenen Daten nutzen können, zeigte sich am "Data Pioneers Create Camp", das im Februar 2017 bei uns im Haus stattfand. Drei der sieben an diesem Tag entwickelten Projektideen basieren auf ZAMG-Daten.
Patrick Wolowitz, Kerstin Zimmermann, Alexander Ostleitner und Jasmin Berghammer schufen mit "Botti for Klamotti" einen Chatbot für das Heimassistenzsystem Alexa, der mit Hilfe von ZAMG-Daten eine dem Wetter angepasste Kleidung empfiehlt. Beispiel: "Alexa, was soll ich heute anziehen?" "Es ist kalt. Nimm einen Schal und eine Haube".
Mit dem Datenformat netCDF befassten sich Julia Diessl, Dominika Heller und Franz Rinnerthaler. netCDF ist in unseren Fachbereichen üblich, aber außerhalb der Wissenschaft wenig bekannt und daher auf den ersten Blick nicht leicht zu verarbeiten. Mit dem netCDF-Viewer Panoply exportierte die Gruppe die Daten der Klimaindizes für Globalstrahlung in ein gängiges Format, damit sie auch in einfachen Scripts weiterverarbeitet werden können.
Das Projekt "Sentinel Wetland Monitoring" nutzt die Daten der europäischen Sentinel-Satelliten. Andreas Trawöger fand hier eine Möglichkeit, um Feuchtgebiete im Wiener Umland, vor allem die durch Dammbau verursachte Austrocknung im Randbereich, kontinuierlich zu beobachten. Diese Anwendung wird am Satellite Soil Moisture Validation and Application Workshop im September 2017 weiterentwickelt werden.

Friday, July 28, 2017

My year in first lines

In den letzten Jahren öfters gemacht: "My year in first lines", entdeckt bei Librarians Matter. Interessant, das Blogjahr Revue passieren zu lassen. 2016 war mein Jahr mit den wenigsten Einträgen, seit ich 2003 das Blog begonnen habe (*). Daher sind viele "erste Einträge" Tweets. Was mich offensichtlich mehrmals beschäftigt hat, war meine Ausbildung zur Waldameisenhegerin (Bild) und meine neue Kolumne in den Büchereiperspektiven.
(*) Heuer geht es aber wieder aufwärts! :-)


Dezember: Ein Tweet, der nicht von mir ist, den ich aber ausnahmsweise bringen will, weil ich ihn so mag: "'Du bist hässlich.' vs. 'Wegen Dir ist der Trojanische Krieg jedenfalls nicht ausgebrochen.' Mit Bildung disst man ja viel eleganter." (Quelle: Artefacta)

November: Meine zweite Kolumne in den Büchereiperspektiven zum Thema "Die Bibliothek vor ... Jahren" - dieses Mal geht es um Er-/Beleuchtung ;-)

Oktober: "Seit heuer heißt meine Kolumne in den Büchereiperspektiven 'Die Bibliothek vor ... Jahren'. Hier Ausgabe 1".

September: "Am 29. und 30. September 2016 findet 'mitSprache 2016. Literatur - Ideal & Gesellschaft. Enquete zur Literaturvermittlung in Österreich' im Odeon (1020 Wien, Taborstraße 10) statt. Eintritt frei"

August: Abwandlung eines Tweets von James Brackwell: "Me: I have so much to get done - I need to write a paper and a review, finally decide on the archives' tectonics, clean up the house, weed the garden, make chutney out of the tomatoes - but no time to do it. - Friend: You played FarmVille two hours today, read the newspaper, and watched TV. - Me: Not a second to spare."

Juli: Da ging es um "Ausstauben von Tüchern aus dem Fenster. Polizeiberichte im 19. Jahrhundert": "Die Wienbibliothek im Rathaus legt bei der Digitalen Bibliothek einen Schwerpunkt auf Verwaltungsliteratur. So können z.B. das 'Handbuch der Stadt Wien' und der 'Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch' online nachgelesen werden."

Juni: "Das Rote Kreuz versendet per eMail interessante und nützliche Erste-Hilfe-Tipps. Angesichts der heutigen Hitze wurde folgender Tipp versandt: 'Kühle oder klimatisierte Orte wie Kirchen, Büchereien, Schwimmbäder, Supermärkte, Einkaufszentren, Kinos, Plätze im Uferbereich von Gewässern oder auch einfach schattige Grünflächen oder Parks (Brunnen!) bieten sich für Abkühlung an'." (ab diesem Wochenende wieder aktuell!)

Mai: "Am Donnerstag und Freitag habe ich das zweite Modul der Ausbildung zur Ameisenhegerin in der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl besucht und verfüge damit über den 'Befähigungsnachweis zur Rettungsumsiedelung von Waldameisen' - sobald der Ausweis von der Naturschutzabteilung der Steiermärkischen Landesregierung eingetroffen ist :-)"

April: "Am Freitag habe ich das erste Modul der Ausbildung zur Waldameisenhegerin an der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl besucht :-)"

März: ein Tweet und ein Youtube-Video, kein eigener Beitrag.

Februar: "Im Lokalteil der Salzburger Nachrichten vom 29. Jänner und 5. Februar hab ich von einer reizenden Initiative gelesen: In den städtischen Seniorenheimen wurden 'Kurrentgruppen' initiiert, bei denen die Bewohner_innen den Bürger_innen beim Entziffern der Kurrentschrift helfen". Zuerst waren noch zwei Tweets.

Jänner: "Gender and sexuality organize much of social life". Zitat aus der Ankündigung des Gender & Sexuality in Information Studies Colloquium 2016 in Vancouver.

Bisherige Jahre: 2015, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2003.

Monday, April 10, 2017

Public consultation on Building the European data economy

Noch bis 26. April kann man an der öffentlichen Konsultation zum Aufbau einer europäischen Datenwirtschaft teilnehmen:

// This public consultation on Building a European data economy will help shaping the future policy agenda on the European data economy. This dialogue with stakeholders follows the adoption of the Communication on Building a European data economy and its accompanying Staff Working Document. Results will feed into the Commission's possible future initiative on the European Data Economy in 2017.

Data has become an essential resource for economic growth, job creation and societal progress. Data analysis facilitates better decision-making, innovation and the prediction of future events. Europe aims to exploit this potential without infringing the rights and freedoms of people or damaging economic investments made into generating data. Within this context, the Commission aims to foster an efficient, competitive single market for data services including cloud-based ones. It needs to identify the legal, economic, and regulatory challenges, and to launch a discussion with stakeholders on future action.

On 10 January 2017, the Commission adopted the "Building the European Data Economy" package consisting of a Communication and a Staff Working Document. These policy documents give an overview of issues at stake, and of the context of this consultation. Respondents are invited to read them prior to completing the questionnaire.

Charis Tsevis: Digilant: Above and beyond the data (1). Flickr, 8. November 2013, CC-BY-NC-ND

The public consultation will help shape the future policy agenda on the European data economy. It will feed into a possible Commission's initiative in 2017 on Building the European Data Economy.

The objective of the consultation is to collect information on:

  • whether and how local or national data localisation restrictions inhibit the free flow of data in Europe
  • whether and to what extent digital non-personal machine-generated data are traded and exchanged
  • the nature and magnitude of any barriers to accessing such data
  • ways of tackling those barriers
  • emerging Internet of Things and robotics liability challenges
  • practices and issues relating to data portability, interoperability and standards.

You can reply in any EU language, even in the online English version of the questionnaire. For your convenience, the questionnaire is now available in the other official EU languages. //

Quelle: ICTscienceEU/Twitter.

Saturday, February 25, 2017

A librarian by any other name...

Am 1. Februar war mein erster Arbeitstag als Datenmanagerin an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Wer mich kennt, kennt mich als Hardcore-Bibliothekarin und Bibliotheksnerd und wird vielleicht etwas überrascht über meinen Wechsel sein - ganz weg von der Bibliothek...

Als ich meinen Noch-KollegInnen in der Bibliothek von meinem Wechsel erzählt habe, klang ein typisches Gespräch so:

  • Also, Du arbeitest dort dann in der Bibliothek.
  • Nein, in der IT-Abteilung.
  • OK, also mehr als Systembibliothekarin.
  • Nein, gar nicht in der Bibliothek.
  • Haben die etwa keine?
  • Oja, eine große mit 85.000 Bänden sogar, aber ich hab damit nichts zu tun.
  • Wie jetzt???


Panoramablick von unserer "Dachterrasse" neben meinem Büro - leider weiß ich noch nicht, welche Messgeräte das sind.

Ich höre jetzt häufig "ich wusste gar nicht, dass Du was anderes suchst". Das hab ich auch nicht aktiv, der Job hat mich einfach gefunden. Ich hatte mir zwar schon länger überlegt, dass ich mit 40 gerne etwas anderes machen würde. Da mich die Bundesforste nicht gefragt haben, ob ich ihnen die Social-Media-Betreuung mache, und mir für die Frühstückspension am Bauernhof doch irgendwie der Bauernhof fehlt, kam die Ausschreibung der ZAMG gerade recht ;-) Viele von Euch wissen, dass ich mich in den letzten Jahren aus privatem Interesse in den Bereichen Naturschutz, Forstwirtschaft, Klimaschutz, Energiewende etc. weitergebildet habe, und ich hatte die Möglichkeit, dieses Wissen auch einmal in irgendeiner Weise beruflich nutzen zu können, schon lange im Hinterkopf.

Das naturwissenschaftlich-technische Umfeld hier finde ich reizvoll. Die ZAMG macht sehr viel mehr als Wettervorhersagen - nur ein paar Beispiele: Die Abteilung für Angewandte Geophysik kartiert im Boden verborgene archäologische Spuren ohne Grabung. - Es gibt eine Stelle für historische Erdbebenforschung. - Es gibt ein Informationsportal zum Klimawandel.- In mehreren Citizen-Science-Projekten liefern Nicht-WissenschaftlerInnen Daten - das reicht vom 82jährigen Vorarlberger, der seit zwanzig Jahren mehrmals täglich das Wetter in seinem Tal durchgibt, bis zur Schulklasse, die Pflanzen, die sensibel auf Klimaveränderungen reagieren, regelmäßig photographiert.

Das Grüne Archiv habe ich mit Ende Jänner übergeben, in der Wienbibliothek werde ich noch bis ca. Mitte März sein. Ich bin jetzt über neun Jahre dort, und der Abschied fällt mir gar nicht leicht. Ich werde sogar schon sentimental, wenn ich die Essensmarkerl sehe... Und ich bedauere, nicht schon viel früher mit dem Paternoster gefahren zu sein! Meine Kündigung habe ich erst einmal eine Stunde lang angeschaut, bevor ich sie in die Kanzlei getragen habe.

Klarstellung

Zwei wichtige Anmerkungen zur Vorbeugung: 1. Ich kann nichts fürs Wetter - Beschwerden bitte an höhere Etagen! In den geheimen Standort der Wetterwunschabteilung wird man erst nach viiiielen Jahren eingeweiht.
2. Quaxi habe ich noch nicht gesehen, der ist noch in Winterstarre. (Auch auf die Gefahr hin, Illusionen zu zerstören, erlaube ich mir die Anmerkung, dass es sich vermutlich schon um Quaxis Urururenkel handelt).

Aufgaben

Für die besonders Interessierten meine künftigen Aufgaben laut der Stellenausschreibung: Erfassung von Daten und Datenbeständen an der ZAMG und zuliefernden Organisationen; Entwicklung von Metadatenstandards; Entwicklung von Datenstrategien; Entwicklung von Datenmanagementplänen; Mitarbeit bei der Inbetriebnahme und dem Monitoring von Datenportalen; Mitarbeit bei der Entwicklung von Lizenzen und Routinen; Mitarbeit bei der Entwicklung von Schnittstellen; Diskussion und Strategien zu den Themen: OGD, OD, PSI, INSPIRE, IWG...; Community Building; Dokumentation, Benutzerberatung, Troubleshooting. - Ich bin fürs erste im Rahmen des FFG-Projekts "Data Market Austria" angestellt. Vielleicht klingt es auf den ersten Blick nicht so, aber ich finde, das ist ein ur-bibliothekarischer Job :-) Ich habe aber trotzdem jetzt einen zweiten Twitter-Account unter dem Namen "metadata mistress" angelegt (gute Idee, Wolfgang!), der sich auf Datenmanagement, Wetter, Erdbeobachtung, Verwaltungsdaten, Open Data etc. fokussiert. Handle ist metadatamrs.

Wetterwitze

Wenn man bei einem Wetterdienst zu arbeiten beginnt, sind die Witze jedenfalls nicht weit. Mein bisheriger Favorit ist der Schüttelreim "Auf Wetterdaten / tät er warten". Auf den Plätzen landeten "In Deiner Branche bist Du ja den Umgang mit Unsicherheit gewöhnt" (pfff!) und der Vorschlag, die Ordner mit "Schnee von gestern" zu beschriften.

Ein Klassiker



Wednesday, August 24, 2016

durchschnittlich Gewichtszunahmen von 5 kg

Ich habe hierblogs schon einmal darüber geschrieben, dass wir derzeit daran arbeiten, das Amtsblatt der Stadt Wien in unsere Digitale Bibliothek zu bringen. Dafür müssen die Digitalisate mit VLM Visual Library strukturiert werden. Ich habe dabei viele Artikel und Bilder abgespeichert. Manchmal sind es die kleinen Notizen, die mir ins Auge gestochen sind. Am 1. September 1948 erschien zum Beispiel dieser Beitrag, der mich sehr berührt hat:

Artikel aus dem Amtsblatt der Stadt Wien: Ein Erholungsheim für Naziopfer

Ein Erholungsheim für Naziopfer

In der Nähe der bekannten Lungenheilstätte Grimmenstein, in Hochegg, befindet sich in landschaftlich schöner und ruhiger Umgebung ein Erholungsheim, das die Stadt Wien von der "Volkssolidarität" übernommen hat. Das Heim, das im Krieg ein Luftwaffenlazarett gewesen ist, beherbergt gegenwärtig rund 70 Männer und Frauen, die lange Zeit im KZ waren und in 850 Meter Höhe bei zureichender Verpflegung die Folgen ihrer schweren Haftzeit überwinden sollen. Die Pfleglinge in Hochegg, die durch den Magistrat ausgewählt werden, erhalten die Verpflegung eines Schwerarbeiters und bekommen außerdem täglich Vollmilch. So sind bei einem dreiwöchigen Kuraufenthalt durchschnittlich Gewichtszunahmen von 5 kg zu verzeichnen.

Bürgermeister Dr. h.c. Körner und Vizebürgermeister Honay besuchten vor kurzem das Heim, um sich über seine Führung und das Wohlbefinden seiner Gäste zu informieren.

Thursday, July 14, 2016

Ausstauben von Tüchern aus dem Fenster. Polizeiberichte im 19. Jahrhundert

Nationalität, Muttersprache, Sprachkenntnisse
der Polizeibeamten (1879)
Die Wienbibliothek im Rathaus legt bei der Digitalen Bibliothek einen Schwerpunkt auf Verwaltungsliteratur. So können z.B. das "Handbuch der Stadt Wien" und der "Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch" online nachgelesen werden. Im Herbst wird das Amtsblatt online gehen. "Verwaltungsliteratur" klingt zunächst vielleicht nicht so prickelnd. Aber alleine über die Freuden des Amtsblatts, das ich gerade mit einer Kollegin bearbeite, könnte ich stundenlang schreiben - und tue es auch immer wieder auf unserer Facebookseite.

Heute hab ich noch etwas Interessantes entdeckt. Ich habe zum ersten Mal in "Die Polizeiverwaltung Wiens im Jahre..." reingeschaut. Dieser Bericht wurde vom Präsidium der K.K. Polizei-Direction zusammengestellt und erschien von 1876 - 1892. Darin wird beispielsweise über die Anzahl von inspectionirenden Organen bei Circusvorführungen, Bicycle-Preisrennen, Productionen durch Gymnastiker, Tanzkränzchen, Mastviehausstellungen, Affentheater und anderen oeffentlichen Belustigungen berichtet.

Nichtsperrung des Hausthores

Man kann aber auch nachlesen, wie oft strafbare Handlungen wie unanständiges Benehmen im Amte, Theater- oder Circusbilleten-Agiotage, Betteln mit verstellten körperlichen Gebrechen, zu frühes Oeffnen der Kaffee- und Branntweinschenken, Curpfuscherei, Baden an verbotenem Orte, Nichtsperrung des Hausthores, Einmengung in den Vollzug öffentlicher Dienste, Ausstauben von Tüchern und dergleichen aus dem Fenster, Nichtfolgeleistung den behördlichen Anordnungen bei einem Auflaufe, Beleidigung der Mitglieder des kaiserlichen Hauses, unbefugtes Halten einer Winkelpresse oder Thierquälerei vorkamen. Wie oft gegen "arbeitsscheue Individuen" amtsgehandelt wurde, wie oft Menschen wegen Bettelns "der häuslichen Züchtigung" und Obdachlose "dem Gericht als Vagabunden übergeben" wurden. Inkludiert ist eine Aufstellung über "persönliche Verhältnisse und Provenienz der Arretirten".

Es sprechen Englisch: 2

Interessant finde ich auch die statistischen Daten zu den Polizei- und Verwaltungsbeamten. Da stoße ich zum Beispiel auf Bezeichnungen wie "Hilfsämterdirections-Adjuncten" oder "Diurnisten". Bei den Fremdsprachenkenntnissen (Bild) fällt auf, dass praktisch niemand Englisch konnte.

Friday, April 10, 2015

World-Check: Datenbank mit Menschen auf "Sanktionslisten"

Der Berliner Arbeitskreis Information (BAK) lädt am 23. April 2015 (17.30 Uhr, Hörsaal 14 der Universitätsbibliothek der TU Berlin) zu einer Informationsveranstaltung über die Datenbank "World-Check":

"World-Check - eine Datenbank über Personen und Organisationen, die auf Sanktionslisten stehen. Seit 2002 müssen Industriefirmen, Dienstleister und Banken in der EU und in den USA sicherstellen, dass sie Personen, die auf Anti-Terror-Listen stehen, weder ein Gehalt auszahlen, noch Geschäfte mit ihnen machen. Bewusste Verstöße gegen diese Vorschriften (Anti-Terror-Verordnung von 2002) werden als Straftat eingestuft, bei Fahrlässigkeit gelten sie als Ordnungswidrigkeit. Das soll verhindern, dass Terroristen über Lohnzahlungen von der Wirtschaft finanziert werden. Ebenfalls seit 2002 werden sogenannte Sanktionslisten veröffentlicht, in denen sich die Namen gesuchter Terroristen finden.
Die Datenbank World-Check konsolidiert die Inhalte aus Sanktionslisten, Strafverfolgungsbehörden und Regulatoren und ergänzt diese um Politisch Exponierte Personen (PEP) und staatseigene Betriebe. Den Großteil der Inhalte bestimmen jedoch eigene Recherchen des Unternehmens. Abgedeckt werden Bereiche wie z. B. organisierte Kriminalität, Terrorismus, Betrug, Korruption, Geldwäsche und Drogenkriminalität
".

Auf der Website von Thomson-Reuters heißt es dazu:
"Wir beobachten mehr als 400 Sanktions-, Watch-, aufsichtsbehrdliche und vollstreckungsbehördliche Listen sowie Hunderttausende Informationsquellen und identifizieren Personen und Organisationen mit hohem Risiko oft Monate oder Jahre, bevor sie auf einer dieser Listen erscheinen. Allein im Jahr 2012 haben wir mehr als 180 Personen und/oder Organisationen identifiziert, bevor sie in der Liste des US-amerikanischen Office of Foreign Assets Control (OFAC) vermerkt wurden".

Jordi Martorell: One nation under CCTV, 15. April 2008, London, CC-BY-NC-ND

Ich würde mir da eine ergänzende Diskussionsveranstaltung über solche Sanktionslisten und die Frage "wie kommt man wieder von der Liste, wenn man nicht raufgehört" wünschen...

Wednesday, March 12, 2014

Ausstellung: Wie das Lesen zum Buch wird

Die Ausstellung "DAS BUCH. Wie das Lesen zum Buch wird – eine Literaturausstellung zwischen zwei Buchdeckeln" wird am Donnerstag, dem 13. März 2014 um 19 Uhr in der Fachbereichsbibliothek Bildungswissenschaft, Sprachwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaft eröffnet.
Museen und Bücher haben vieles gemeinsam. Beide bewahren Vergangenes, beide dienen als Quelle des Wissens. Aber kann ein Buch auch ein Museum, und ein Museum ein Buch sein? Diese Frage hat eine Gruppe Studierender der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft wörtlich genommen. Im Rahmen eines Projekts des Konversatoriums "Literatur und Museum" unter der Leitung von Dr. Christine Ivanovic haben sie im vergangenen Wintersemester ein Buch erstellt, das zugleich ein Literaturmuseum ist. Man kann es an einem beliebigen Ort aufschlagen oder der Reihe nach durchblättern und durchstreifen wie auf einem Rundgang durch ein Museum, bei dem man da und dort stehen bleibt – und schaut und liest. Man kann aber noch mehr tun.

DAS BUCH lädt die BesucherInnen/LeserInnen ausdrücklich zur Interaktion ein. Als "lebendes Objekt" für Lesende soll es von den Besuchern in die Hand genommen und weiterentwickelt werden, so dass am Ende der Ausstellung ein anderes BUCH stehen wird als zu Beginn. DAS BUCH ist vom 14. März bis zum 12. Juni 2014 während der regulären Öffnungszeiten allen Interessierten zugänglich.
Quelle: UB Wien

Friday, February 28, 2014

Büchereien ressortmäßig nun bei Bundeskanzleramt

Gerald Leitner, der Geschäftsführer des Büchereiverbandes, informierte in Bibmail:
"Mit In-Kraft-Treten des Bundesministeriengesetzes am 1. März 2014 wechseln die Kunstsektion und die Kultursektion(und damit auch die Öffentlichen Bibliotheken) in die Zuständigkeit des Bundeskanzleramts.
Die Sektion V des BMUKK (Kunstsektion) wird als Sektion II – Kunst in das Bundeskanzleramt eingegliedert. Web: www.kunstkultur.bka.gv.at/kunst (erreichbar ab 1. März 2014)
Die Sektion IV des BMUKK (Kultursektion) wird zur Sektion VI – Kultur des Bundeskanzleramts. Hier ist das Referat für Öffentliche Büchereien angesiedelt. Web: www.kunstkultur.bka.gv.at/kultur (erreichbar ab 1. März 2014)".

Nicolas Nova: "404 not found", 9. Oktober 2010, Flickr, CC-BY-NC

Ich frage mich, wieviele Informationen bei jeder Regierungsbildung verloren gehen, weil die Ressorts verschoben, die Ministerien umbenannt und die Websites komplett neu gestaltet werden. Die Links funktionieren nicht mehr, die alten URLs leiten irgendwann nicht mehr um, Texte von den Vorgängerinnen sind plötzlich pfui...

Monday, January 06, 2014

BMF bemüht um "inhaltliche Verständlichkeit" ;-)

"In der gesamten Broschüre werden, soweit dies möglich ist, ohne die inhaltliche Verständlichkeit zu beeinträchtigen, auch die weiblichen Formen genannt. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle nur in der männlichen Form niedergeschriebenen Formulierungen selbstverständlich auch Frauen gegenüber gelten" (Finanzministerium, Steuerbuch 2012).

Weitere Beispiele hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier in diesem Blog.

Monday, October 14, 2013

RIS mit IALL Website Award 2013 ausgezeichnet

Das österreichische Rechtsinformation des Bundes (RIS) wurde mit dem Website Award der International Association of Law Libraries ausgezeichnet. Begründung: "RIS is an excellent open-access official government website managed by the Austrian Federal Chancellery that provides comprehensive access not only to national laws, but also to European community law, and the judicature of high courts, commissions and tribunals". Die Jury bestand aus Ligita Gjortlere (Riga Graduate School of Law), Teresa Miguel-Stearns (Yale Law School), Mirela Roznovschi (New York University School of Law) und Ivo Vogel (Staatsbibliothek zu Berlin). - Quelle: Rechtsinformatik-Rundschreiben.

Friday, October 04, 2013

Die RDA-Verschwörung

Wednesday, April 17, 2013

Der Kärntnerische Sumpf

Im Katalog des Kärntner Landesarchivs habe ich heute den Bestand "Entsumpfung von Klagenfurt" entdeckt. Dauerte eine Weile, bis ich gemerkt habe, dass es dabei gar nicht um Politik geht ;-)


Arkomas: The swamp bar sign - New Orleans, aufgenommen am 13. November 2011, Flickr, CC-BY-NC

Sunday, March 10, 2013

Herrschaft durch Sprache #leseliste

"Herrschaft durch Sprache wird heutzutage viel weniger durch das Behördendeutsch ausgeübt als durch Computerprogramme, deren Sprache, von nicht immer kommunikativ begabten Fachleuten ersonnen, ein Heer von Nutzern zu einem manchmal aberwitzigen Sprachgebrauch zwingt" (Löffler: Germanistische Soziolinguistik, 4. Aufl., Erich Schmidt Verlag 2010, S. 109) *schmunzel*

Wednesday, April 06, 2011

Amtstafel 2.0 - wie geht das?

Wie die Rathauskorrespondenz am 1. April meldet, startete der Städtebund eine Social Network-Plattform für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Städten. Deren Titel "Amtstafel 2.0" finde ich etwas missverständlich, denn schließlich kommunizieren die Gemeindebediensteten untereinander ja üblicherweise nicht via Amtstafel, oder? Ist nicht eine Amtstafel ein hoheitliches Informationsmedium, das nur in die Richtung von "oben" nach "unten" funktioniert, und somit genau das Gegenteil von freiem gegenseitigem Austausch? [und nein, ich glaube nicht, dass das etwas mit dem 1. April zu tun hat, es gab nämlich auch eine Pressekonferenz dazu].

Nun gut, als Gemeindebedienstete und Social Software-Interessierte wollte ich mich da natürlich sofort registrieren. Ja, das schaffe ich aber nicht. Ich komme immer nur zur Anmeldemaske #fail. Und als ich über "Kontakt" eine Anfrage schreiben wollte, erhielt ich nur die Rückmeldung, ich müsse mich einmalig registrieren. Anscheinend kann man unregistriert keinen Kontakt aufnehmen, und ohne Kontakt kann ich mich nicht registrieren :-o Dass die "News" in einem Popup-Fenster im Miniaturformat aufgehen, ist unpraktisch as unpraktisch can be. Und ist diese Seite wirklich barrierefrei? Eure Meinung zu www.amtstafel.at?

Update: Heute komme ich zur Registrierungsmaske!

Wednesday, March 30, 2011

Public Sector Information in Österreich

Heute möchte ich ein schon älteres, aber immer noch betreutes Projekt von mir vorstellen: Es ist die Sammlung "Public Sector Information" auf Connotea. Ich hab mich ja unter anderem in meiner Diplomarbeit mit Informationsangeboten des öffentlichen Sektors beschäftigt (siehe dazu "Das österreichische Rechtsinformationssystem im Spannungsfeld von privatem und öffentlichem Interesse" und "A Citizen's Perspective on Public Sector Information"). Und nachdem ich in der Lehrveranstaltung "Fachinformation" diesen Bereich unterrichtet habe, habe ich begonnen, entsprechende Seiten zusammenzutragen.
Diese Sammlung von Links auf Connotea soll Datenbanken, Websites, GIS-Karten, Amtsbibliotheken-/archive und andere Informationsangebote des öffentlichen Sektors in Österreich verzeichnen. Der Schwerpunkt liegt auf kostenlosen Angeboten, die über das WWW abrufbar sind. Alle Einträge werden nach vier Kriterien getaggt:
  • 1. inhaltlich, derzeit analog zu den Ressorts der Bundesministerien (z.B. Umwelt, Inneres, Familie)
  • 2. nach der Trägerorganisation (z.B. dem zuständigen Bundesministerium oder der Bundesanstalt)
  • 3. ggf. nach der speziellen Zielgruppe (z.B. Eltern, Lehrerinnen & Lehrer, Kinder, Jugend)
  • 4. ggf. nach geographischer Dimension (Bundesland)

  • Beispiele für hier erfasste Angebote: Feuchtgebietsinventar (Umweltbundesamt), Filmdatenbank der Jugendmedienkommission (Bildungsministerium), Regionale Rinderbestände (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft), Tiroler Kunstkataster (Land Tirol), Karte zur Cäsium-Belastung (Umweltbundesamt), Lehrpfade-Portal (Lebensministerium), Länderspezifische Reiseinformation (Außenministerium).

    Thursday, February 03, 2011

    Betulicher Polit-Plunder

    Alexander Purger in den Salzburger Nachrichten über unsere JungpolitikerInnen bei einer Fernsehdiskussion: "Die kommenden besten Köpfe der Nation waren allesamt unter 30, redeten aber einen betulichen Plunder wie 70-jährige Landeshauptmannstellvertreter daher".