Monday, March 30, 2020

Neuerscheinung: Entwicklung des archivarischen Berufsstandes nach 1945

In der Reihe "Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte" ist soeben der Band "Was von Preußen blieb. Das Ringen um die Ausbildung und Organisation des archivarischen Berufsstandes nach 1945" von Philip Haas und Martin Schürrer erschienen.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte die preußische Archivverwaltung für die Archivistik im deutschsprachigen Raum und phasenweise europaweit Maßstäbe. Doch endete in Folge des Zweiten Weltkriegs mit der Auflösung des Staates Preußen auch das Bestehen seiner Archivverwaltung. Zwischen den verbliebenen Archivleitern setzte unter Beteiligung der Besatzungsmächte ein Ringen um Macht und Einfluss auf das sich neu konstituierende Archivwesen ein. Ausgefochten wurde dieser Kampf über die Fragen: Wie und wo sollte in Zukunft die Ausbildung der jungen Archivare stattfinden? Was bleibt von der preußischen Archivtradition – was bleibt von Preußen? Vorliegende Monografie untersucht erstmals vergleichend die widerstreitenden Pläne und Bemühungen der unmittelbaren Nachkriegszeit um die Gründung von Archivausbildungsstätten in Berlin, Münster, Marburg, Hannover, Bonn und München. Das Ringen um die Ausbildung verband sich mit grundsätzlichen Fragen nach der Organisation und zukünftigen Ausrichtung des Berufsstandes der Archivare. Zugleich wies der weitgehend homogene und elitäre Berufsstand der Staatsarchivare eine enge Verflechtung zur universitären Geschichtswissenschaft auf, die ebenso Gegenstand der Untersuchung ist wie die damaligen Ansätze zur Herausbildung einer Archivwissenschaft. Die zwischen 1945 und 1949 getroffenen Weichenstellungen prägen bis heute das deutsche Archivwesen.

ISBN 978-3-88443-338-6, erhältlich im Buchhandel oder bei der Historischen Kommission für Hessen.

Friday, March 20, 2020

Little Free Library mit neuer Aufgabe

Thursday, February 27, 2020

Weiterbildung: Universitätskurs One Person Libraries

An der Universität Innsbruck findet im Mai 2020 geblockt an vier Tagen ein Universitätskurs One Person Libraries statt. Der Kurs umfasst 4 ECTS und kann als Wahlmodul im ULG Library and Information Studies angerechnet werden. Die Teilnehmenden sind nach Abschluss des Universitätskurses in der Lage
  • ein OPL-Bibliothekskonzept zu erstellen und umzusetzen
  • Arbeitsabläufe zu definieren und zu optimieren
  • eine OPL selbstständig zu organisieren und zu verwalten
  • zielgruppenspezifische Services zu entwickeln und zu etablieren
Der Universitätskurs wird vom Land Tirol mit 30% der Kurskosten über Update+ gefördert.

Die Kurstage sind auf 7. und 8. sowie 28. und 29. Mai 2020 gelegt. Der Kurs kann als Wahlmodul für den Universitätslehrgang Library and Information Studies an den Universitäten Wien, Graz oder Innsbruck angerechnet werden.

Informationsfolder (PDF). Anmeldung und weitere Details.

Wednesday, February 19, 2020

Alf und das Bibliozid-Ritual

Ich schaue gerade die "Alf"-Folge "Der Pechvogel". Alf hat Brians Geschichtsbuch ins Aquarium fallen lassen, und beim Besuch, es im Backrohr zu trocknen, geht es in Flammen auf. Alf ist stark verunsichert, denn auf Melmac bringt es vierzehn Jahre Unglück, wenn man ein Geschichtsbuch zerstört. Abhilfe bringt nur das Bibliozid-Ritual, aber dabei müssen die Teilnehmenden in Fleisch gekleidet sein. Willy hält davon natürlich nicht viel. Als aber Alfs Unglückssträhne sich auf alle anderen ausdehnt, stimmt die Familie dem Ritual zu :-D

Thursday, January 16, 2020

Erfreuliche Auswahl bei SantaThing

Heuer war das Buchwichteln bei LibraryThing AKA SantaThing besonders erfolgreich: meine Wichtelin hat vier Volltreffer ausgesucht! :-)
Powers, Richard: The Overstory - "about nine Americans whose unique life experiences with trees bring them together to address the destruction of forests" (Wikipedia)

Miller, Madeline: Circe - "told from the perspective of Circe, a character in the Odyssey" (Wikipedia)

Sullivan, Matthew: Midnight at the Bright Ideas Bookstore - "When a bookshop patron commits suicide, his favorite store clerk must unravel the puzzle he left behind" (GoodReads)

Deakin, Roger: Wildwood: A Journey Through Trees - "In Deakin's glorious meditation on wood, the 'fifth element' as it exists in nature, in our culture, and in our souls the reader accompanies Deakin through the woods of Britain, Europe, Kazakhstan, and Australia in search of what lies behind man's profound and enduring connection with trees" (GoodReads)

Ich hoffe, mein Bewichtelter ist mit meiner Auswahl auch zufrieden.

BBB news: Neue Einträge in der Bibliographie Berufsbild Bibliothekar_in, 2020/1

Die neuesten Einträge in der Bibliographie Berufsbild Bibliothekar_in. Die gesamte Bibliographie findet sich auf library-mistress.net/berufsbild. - Für alle, die nicht wissen, was das ist: Seit meiner Studienzeit befasse ich mich mit Berufsbild, Tätigkeiten, Image von und Klischees über Bibliothekar_innen und andere Informationsarbeiter_innen. In der Bibliographie Berufsbild Bibliothekar_in verzeichne ich Publikationen zu Ausbildung, Außenwahrnehmung, Bezahlung, Berufsbezeichnungen, Berufsbild(er), (Auto-)Biographien, Darstellung in Literatur und Film, geschlechtsspezifische Unterschiede, Image, Jobaussichten, Karrierechancen, Klischees, Minderheiten, Lebensverläufen, Recruiting, Selbstverständnis, Tätigkeiten, Zertifizierung etc.

Stefan Kramer / Wolfram Horstmann: "Perceptions and beliefs of academic librarians in Germany and the USA: a comparative study". In: LIBER Quarterly 29 (2020) 1, S. 1–18

Felicity Hayes-McCoy: The library at the edge of the world. Hachette Ireland 2016 (Finfarran Peninsula, 1)

Felicity Hayes-McCoy: Summer at the Garden Café. Hachette Ireland 2017 (Finfarran Peninsula, 2)

Felicity Hayes-McCoy: The Mistletoe Matchmaker. Hachette Ireland 2017 (Finfarran Peninsula, 3)

Felicity Hayes-McCoy: The Month of Borrowed Dreams. Hachette Ireland 2018 (Finfarran Peninsula, 4)

Felicity Hayes-McCoy: The Transatlantic Book Club. Hachette Ireland 2019 (Finfarran Peninsula, 5)

Bundesheer verzichtet auf "geschlechterdifferenzierende Schreibweise"

Ein weiteres Beispiel für meine Sammlung von Erklärungen, warum auf geschlechtergerechte Sprache verzichtet wird, diesmal aus der Publikation "Sicher. Und Morgen? Sicherheitspolitische Jahresvorschau 2020" des Verteidigungsministeriums (2019):
"Zum Zweck der besseren Lesbarkeit dieser Publikation wird auf eine geschlechterdifferenzierende Schreibweise verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen".

Bisherige Beispiele hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier in diesem Blog. Gegenbeispiel hier, anderes Beispiel für "mitgemeint" hier.

Friday, January 10, 2020

Bibliotheken, Archive und offene Daten im Regierungsprogramm

Im Regierungsübereinkommen zwischen der ÖVP und den Grünen betreffen einige Abschnitte öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken, Archive, Dokumentationsstellen und auch den Bereich Open Data, Open Access, Open Source. Hier eine Übersicht (in der Reihenfolge, wie ich sie gefunden habe, mit der jeweiligen Kapitelüberschrift):
Flächendeckende Grundversorgung mit öffentlichen Bibliotheken
Bekenntnis zur Bedeutung von öffentlichen Bibliotheken: Entwicklung eines Masterplanes -- Unterstützung der Weiterbildung von (ehrenamtlichen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern -- Koordinierung der Bibliotheken bei der Anschaffung von Lizenzen. -- Erweiterung der Öffnungszeiten (Sonntagsöffnung) der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB).

Verwertungsgesellschaften: Umfassende Evaluierung der Verwertungsgesellschaften vor allem hinsichtlich wirtschaftlicher Synergien und Transparenz im Interesse der Urheberinnen und Urheber -- Stärkung der Aufsichtsbehörde. -- Vereinfachte Verfahren bei Lizenzvergaben. -- Kulturpass für Menschen mit finanziellen Engpässen in Anlehnung an das Konzept "Hunger auf Kunst und Kultur".


Universitätsfinanzierung, Governance und Karriereentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Die Bundesregierung unterstützt aktiv den Plan S zur Implementierung von Open Access. In weiterer Folge sollen die Prinzipien des Plan S auch von allen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Österreich umgesetzt werden.
Lebensbegleitendes Lernen: Gute Bildungsangebote für Erwachsene
Bibliotheksentwicklungskonzept nach internationalen Best-Practice-Beispielen, in dem der öffentliche Auftrag an die Bibliotheken formuliert wird unter Einbeziehung der Länder, Gemeinden und Trägerorganisationen
Innovative Forschung wird möglich, wenn Datenbestände kombiniert und analysiert werden können, die für die Wissenschaft bisher verschlossen sind. Auch evidenzbasierte Politik und wissenschaftliche Evaluierungen werden dadurch in einer deutlich verbesserten Qualität möglich. Daher soll in Österreich ein "Austrian Micro Data Center" und Datenzugänge für die Wissenschaft geschaffen werden: Der Datenzugang ist auf wissenschaftliche Zwecke beschränkt und erfüllt die (europarechtlichen) Vorgaben des Statistik- und Datenschutzrechts. -- Akkreditierte Wissenschafterinnen und Wissenschafter erhalten aufgrund eines geregelten Verfahrens (AVG) Zugang zu den Datenbeständen der Statistik Austria, die so anonymisiert wurden, dass keine Rückführung auf den Einzelfall möglich ist.
Open Data: Offene Daten als Chance für Transparenz
Die Bundesregierung bekennt sich zur umfassenden und rechtzeitigen Umsetzung der Public-Sector-Information (PSI)/Open Data-Richtlinie der Europäischen Union und wird die PSI-Taskforce tatkräftig unterstützen und im kontinuierlichen Austausch sein: Eine Öffnung der Verkehrsauskunft Österreich als Open Service und Open Data soll koordiniert durch den Bund ermöglicht werden.

Entwicklung einer Umsetzungsstrategie, um das Prinzip Open by Default für nicht personalisierte Daten des Bundes zu etablieren. Ausnahmen zum Schutz von Bürgerinnen und Bürgern sowie unternehmensspezifischen Daten sind zu definieren.

Basierend auf dem Open Data Screening 2017 erstellt die Bundesregierung einen Maßnahmenplan, um die Verwaltungstransparenz anzuheben: Unterstützungsangebote für Bundesinstitutionen, Länder und Gemeinden sollen erarbeitet werden. -- Ziel ist die Zurverfügungstellung der veröffentlichten Daten zum Budget in einer maschinenlesbaren Form.

Eine Teilnahme an Open Government Partnership wird geprüft.

Erstellung eines Masterplans (inklusive Machbarkeitsstudie), um eine Strategie zur Nutzung von Open Source Software im Bund zu entwickeln.

Prüfung der Digitalisierung/Erschließung von Archiven des Bundes

Aufbau eines Digital Data Hubs innerhalb der Open Data Struktur des Bundes, der kuratierte, aufbereitete und anonymisierte Daten für gemeinwohlorientierte Forschung und Entwicklung zur Verfügung stellt: Möglichkeit schaffen, dass Unternehmen hierzu ihre Daten (anonymisiert) miteinander auf freiwilliger Basis teilen können; -- Kriterien zur wirkungsvollen Anonymisierung von personenbezogenen Daten sind zu entwickeln.


Eine staatliche Verwaltung für das 21. Jahrhundert mit den Bürgerinnen und Bürgern im Mittelpunkt
Digitalisierung von Kunstschätzen: Durch virtuelle Darstellung von Sehenswürdigkeiten auf nationalen und europäischen Plattformen sollen in den nächsten Jahren die wertvollsten Teile unseres kulturellen Erbes weiter digitalisiert und so weltweit barrierefrei zugänglich gemacht werden.

Bug-Bounty-Programme für mögliche vom Bund eingesetzte Open Source Software


Forcierung eines wettbewerbsfähigen und verantwortungsvollen Tourismusstandorts
Sicherstellung des Zugangs der Wissenschaft zu verknüpfbaren anonymisierten Registerdaten durch eine Novellierung des Bundesstatistikgesetzes

Verstärkt Datenallianzen bilden zwischen Einrichtungen im Einfluss des Bundes zur strategischen Weiterentwicklung und gemeinsamen Problemlösung im Rahmen der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen

Tourismus-Open Data-Leuchtturmprojekt der ÖW

Sonderbudgets in Zukunft vorranging für nachhaltigen Tourismus, im Sinne von Klima- und Umweltschutz sowie Digitalisierung (Data Hub)


Forschungspolitik für zukünftige Herausforderungen gestalten und FTI-Strategie erstellen
Aktive Beteiligung an Plattformen und Netzwerken im Bereich des gesellschaftlichen Wandels, beispielsweise Beteiligung an europäischer Time Machine Organisation im Bereich Artificial Intelligence und Kulturerbe, Consortium of European Social Science Data Archives (CESSDA) und European Holocaust Research Infrastructure (EHRI)
Kulturelles Erbe sichern und weiterentwickeln
Die Einrichtung eines Film Preservation Centers umsetzen und Anpassung im Bundesarchivgesetz

Digitalisierungsoffensive zum Kulturerbe vorantreiben

Prüfung einer neuen Organisationsform des Österreichischen Staatsarchivs in eine wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts des Bundes

Verantwortung gegenüber den durch Gewalt und illegalen Handel bedrohten Kulturgütern verstärkt wahrnehmen


Gedenkkultur
Entwicklung einer Gedenkstrategie mit dem Ziel, die unterschiedlichen Rechtsträger der österreichischen Gedenkstätten, Sammlungen und Museen zusammenzuführen unter dem Dach des Parlaments und die dauerhafte Finanzierung sicherzustellen

Stärkung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) und Schaffung einer Forschungs- und Dokumentationsstelle für Antisemitismus, für den religiös motivierter politischer Extremismus (politischer Islam) und für den Rassismus im 21. Jahrhundert


Bundeskunst- und -kultureinrichtungen
Bundesmuseen: Stärkung der Bundesmuseums-Direktorenkonferenz durch gesetzliche Verankerung mit klar definierter Zielsetzung und Geschäftsordnung – mit dem Ziel, die inhaltliche Autonomie der einzelnen Häuser sicherzustellen. -- Schaffung einer Bundesmuseums-Holding mit klar definierten wirtschaftlichen Aufgaben (z.B. Übertragung des Gebäudemanagements, Ticketing, IT in der Verwaltung, Kollektivvertragsfähigkeit, Stärkung der Digitalisierung, umfassende Barrierefreiheit in Museen und bei Museumswebsites) -- Stärkung der Eigentümervertreterverantwortung durch Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit kompetitiven Anteilen und durch transparente, nach inhaltlichen Kriterien zu erfolgende Kuratoriumsbesetzungen (Frauen-Männer-Quote 50:50) -- Digitalisat der Bestände vervollständigen -- Verstärkte Kooperationen zwischen Bundesmuseen, Ländern und Privaten (u.a. ein abgestimmter Kulturkalender und gemeinsame Schwerpunktsetzungen).

Weiterführung und Ausbau Provenienzforschung: Provenienzforschung und Kunstrückgabe sind ein weltweites Erfolgsmodell und sollen jedenfalls aufgrund des Kunstrückgabegesetzes auch in der Stiftung Leopold weitergeführt werden. Die Provenienzforschung sollte jedenfalls auch bei Dauerleihgaben stattfinden. -- Ein zusätzlicher Bereich soll für die postkoloniale Provenienzforschung und den Umgang mit human remains etabliert werden. -- Die Provenienzforschung sollte in Zukunft im BDA angesiedelt sein.


Wenn ich etwas übersehen haben sollte, bitte um Mitteilung!