Monday, October 18, 2004

Der Tag der offenen Türen im Museum für angewandte Kunst in Wien (26. Oktober, 10 bis 24 Uhr) steht heuer im Zeichen des Buches. Aus der Presseaussendung: "Tag und Nacht, bei freiem Eintritt, macht das MAK Kunst- und Literaturinteressierten mit einem breit gefächerten Rahmenprogramm nicht nur Lust auf Kunst, sondern auch Lust auf das Buch. (...) Der MAK-Büchermarkt in der MAK-Ausstellungshalle stellt ausgewählte Publikationen zu Design, Architektur, Fotografie und Kunst, russische und japanische Literatur, Comics sowie Kinder- und Jugendliteratur vor. (...) Natalia Stagl, Sammlerin und Expertin für russische Kinderbücher, spricht anlässlich der MAK-Ausstellung 'Schili-Byli' über russische Kinderliteratur zwischen 1920 und 1940." BesucherInnen können einen Blick in die Restaurierwerkstätte werfen, einen Rundgang durch die MAK-Bibliothek machen und sich mit Sammeln als Leidenschaft beschäftigen.
Als Elch- und Rentier-Sammlerin schließe ich mich der "campaign for more moose content in weblogs" des österreichischen Bibliothekars und Bloggers Horst Prillinger bzw. von Haldur Gislufsson gerne an:
More moose content in weblogs!
Eulen sammle ich aber auch, vielleicht sollte ich eine analoge Initiative für mehr Eulen in Weblogs ("BlOWLgs") starten.
Das Thema der diesjährigen Kribibi-Herbsttagung lautet "Lobby für Bibliotheken". Dabei sollen Rahmenbedingungen und Grundlagen von Lobbyarbeit geklärt, Modelle anderer Länder geprüft und realistische Schritte zu einer Praxis untersucht werden. Auftakt bildet eine Podiumsdiskussion, die in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik veranstaltet wird. Es diskutieren Alfred Pfoser (Büchereien Wien), Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren), Martina Schmidt (Deuticke Verlag), Rotraut Schöberl (Buchhandlung Leporello). Moderation: Gerald LEITNER (Büchereiverband Österreichs).

Friday, October 15, 2004

Martina Niedhammer erarbeitete im Rahmen des Proseminars "Geschichtliche Hilfswissenschaften" am Historischen Seminar der Universität München die Online-Ausstellung "Geheimschriften im Mittelalter". Redaktion: Georg Vogeler, Internetangebot: Monika Spindler.
Heute um 18.30 Uhr hält der Restaurator Peter Zehetmayer im Stadtarchiv Wiener Neustadt einen Lichtbildvortrag mit praktischer Vorführung zum Thema "Über die Herstellung von Büchern in früherer Zeit und deren Konservierung und Restaurierung heute". Übrigens: Falls jemand drauf kommt, mit welchem Browser die Website des Archivs voll funktionsfähig ist, dann mir bitte sagen. Hab's vergeblich mit Netscape 7.0, IE 6.0 und Opera 7.11 probiert.

Thursday, October 14, 2004

Mehr als 10.000 Bücher gibt es in der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek der Wiener Arbeiterkammer zum Thema Frauen, Frauenforschung und Feminismus. Daraus wurde eine kleine Anzahl von wichtigen und interessanten Werken ausgewählt und im Bibliotheksjahrbuch 2004 in Wort und Bild vorgestellt. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich unter 01/50165/2452, bibliothek@akwien.at und über die Website.
Habe in Abebooks gerade entdeckt, dass es einen Roman von K.H. Scheer namens "RAK 1212 überfällig" gibt. Nachdem wir BibliothekarInnen schon recht lange auf eine Aktualisierung der RAK (= Regeln für die Alphabetische Katalogisierung) warten, ein netter Titel. K.H. Scheer ist nebst vielem anderen der Begründer der Perry Rhodan-Reihe und nicht zu verwechseln mit A.W. Scheer.
Neuerscheinungen im Verlag EDITION DOPPELPUNKT und seine AutorInnen werden am Freitag, dem 22. Oktober, um 19 Uhr im Literaturhaus Mattersburg vorgestellt. Dabei wird auch die Ausstellung "Botschaften" mit Graphiken von Tonia Kos, Rudolf Svoboda, Walter Wittmann und Ernst Zdrahal zu sehen sein. Es lesen Dieter Berdel, Liane Presich-Petuelli und Petra Sela.
Gerald Leitner, Geschäftsführer des Büchereiverbandes Österreichs, meldet soeben, dass die Grazer Stadtregierung beschlossen hat, doch keine Bücherei-Zweigstellen zu schließen. "Widerstand ist NICHT zwecklos".
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg bietet auf ihrer Website mit "Stella" eine neue Form der Auskunft an. Stella ist ein Chatbot - ein Roboter, mit dem man ähnlich wie beim Chatten Gespräche führen kann. Grundlage dafür ist eine Datenbank, die allen möglichen Eingaben geeignete Antworten zuordnet. Ich habe Stella mit mehreren Fragen getestet und sehr hilfreiche, korrekte Antworten bekommen. Das Dortmunder Pendant dazu heißt übrigens ASKademicus.

Tuesday, October 12, 2004

In der vorher erwähnten Serie "Wien in der Literatur" ging es am 23. Juli 2004 übrigens um die "Sirk-Ecke": "Sie ist erstens rund und zweitens nicht dort wo sie sein sollte: die Sirk-Ecke, die Karl Kraus in den 'Letzten Tagen der Menschheit' beschrieb". Weil ich gerade dabei bin: Im kommenden Jahr erscheint der zweite Band der Kraus-Biographie von Edward Timms bei Yale University Press. Titel: "Karl Kraus: Apocalyptical Satirist. The German-Jewish Dilemma between the World Wars". Und heute um 18 Uhr spricht Valérie Robert im Theatersaal der Akademie der Wissenschaften zum Thema "Der Kampf um ein Komma oder Trauriges Ende des Karl Kraus. Schmähstrategien im Diskurs der Exilierten gegenüber Karl Kraus 1933 - 1934".
Im Rahmen der Serie "Wien in der Literatur" in der Tageszeitung "Der Standard" nehmen Roman David-Freihsl und Christian Fischer heute auf Gerhard Roths Roman "Der Plan" Bezug. Der Artikel heißt "Die Stimme aus dem Boden der Nationalbibliothek".
Heutiger Buchtipp: "IA UND NEIN" von Albert Drach, erschienen 1992 im Hanser-Verlag, ISBN 3-446-17206-8. Vor allem die erste Erzählung "IA" reißt mich zwischen Lachen und Grausen hin und her. Der Verlag schreibt darüber: "Niemand erzählt so schonungslos von den abwegigen Gelüsten und der seelischen und körperlichen Brutalität wie Drach mit seinem unverwechselbaren Protokollstil".
Die GPA-StudentInnen schreiben in einem offenen Brief an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer: "Vielleicht sind Sie darüber informiert, dass wir als Gewerkschaft der Privatangestellten an der Universität Innsbruck für dortige Bibliotheksbeschäftigte die ihnen zustehenden Entgelte erstreiten mussten. Alle diese Einzelerscheinungen haben unseres Erachtens nach eine gemeinsame Ursache: Der österreichische Hochschulbereich ist massiv unterfinanziert!" (Quelle: APA OTS)

Monday, October 11, 2004

Texte brauchen Luft, Licht und vor allem Publikum. "Raus aus den Laden" holen die Teilnehmerinnen der Frauenschreibwerkstatt daher am Freitag, dem 15. Oktober, ihre Texte und präsentieren sie um 19.30 Uhr im Literaturhaus Mattersburg der Öffentlichkeit. Fini Zirkovich, langjährige Leiterin von Frauenschreibwerkstätten, moderiert die Lesung.
"Die Brille zur Macht" heißt das Kabarettprogramm von Mathias Tretter, in dem er - man glaubt es kaum - einen Bibliothekar verkörpert. Zitat: "Tretter spielt Lorenz Lauer, M.A., einen radikalisierten Bibliothekar, der zum Äußersten bereit ist im Kampf gegen die alles verschlingende Massenkultur. Er bombt, er zündelt, er schmuggelt Bändchen mit lesbischer Lyrik ins Kochbuch-Regal".
Dazu schreibt die Allgemeine Zeitung unter dem Titel "Haie im Buchdeckel": "Das Bibliothekswesen kollabiert. Auf jede freie Stelle kommen 900 Bewerbungen. Mit 45 folgt die Frühverrentung wegen Staublunge und Burnout-Syndrom. Der Buchmarkt ist ein Haifischbecken, in dem nur große Namen wie Bohlen und Reich-Ranicki planschen. Über vier Millionen Analphabeten - das sind grausame Einzelschicksale, von denen Tretters Alter Ego Lauer die härtesten Fälle in der Gefängnisbibliothek betreut". Hinweis von Netbib.
In der Generali Foundation hab ich bei der Langen Nacht der Museen am Samstag eine Installation gesehen, die ich spontan in den Kreis meiner liebsten Kunstwerke aufgenommen habe. Es stammt vom polnischen Künstler Jarosław Kozłowski, heißt "Physik" und ist aus dem Jahr 1973. In den 68 Photographien (Texttafeln, Schreibmaschinentext und schwarzer Filzstift auf Papier, auf Karton montiert, hinter Plastikfolie) werden logische Schlußfolgerungen variiert. Das reicht vom vergleichsweise einfachen "This is the room if and only if this is the room" bis hin zu meinem Lieblingssatz: "This is the room, if and only if this is the room or this is the room and the table is under the ashtray".
Besonders interessant waren auch Dalibor Martinis' "I Am Addressing You Man to Man. Stations on the Road to Democracy" und die UFO-Nauten-Serie von Julius Koller. Die Ausstellung "Collected views from East or West" ist noch bis 19. Dezember 2004 zu sehen.
Ähnlich wie bei Amazon gibt es auch bei der Internet Movie Database die Funktion "If you like this title, we also recommend...". Letztens hab ich entdeckt, dass beim Film "Der Feind in meinem Bett" (im Original "Sleeping with the enemy") als Empfehlung "Fight Club" angegeben war. Es erschien mir ziemlich geschmacklos, von einem Film, in dem eine junge Frau von ihrem Ehemann brutal geschlagen wird, auf einen Film zu verweisen, in dem sich frustrierte, gelangweilte junge Männer freiwillig gegenseitig verprügeln. Vielleicht sind diese Empfehlungen aber einfach Werbemaßnahmen ohne inhaltliche Hintergedanken, denn mittlerweile wird auf die "Der Pate-Trilogie" verwiesen...

Friday, October 08, 2004

Interessantes Buch: Christoph Neidhart: Ostsee. Das Meer in unserer Mitte, marebuchverlag 2003, ISBN 3-936384-83-5.
Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Unser Beruf ist der leichteste. "Holzfäller gelten als echte Kerle - und das völlig zu Recht, wenn man nach der Rangliste der Schwerarbeit geht. Ganz anders die Bibliothekare: Sie liegen im Ranking ganz am Ende, haben demnach also den - zumindest körperlich - leichtesten Job Österreichs". Danke für den Hinweis auf diesen Artikel an Marion Götz.
Dass wir und die uns anvertrauten Bücher manchmal - wenn schon nicht von der Arbeit, so doch vom Schicksal - hart getroffen werden, zeigen die Photos vom Erdbebenschaden in der Engineering Library der University of Washington und die Bilder der vormals-Buch-nunmehr-Kohle der Anna Amalia-Bibliothek.