Monday, December 21, 2015

Weiter VÖB-Kritik an zunehmenden prekären Arbeitsverhältnissen im österreichischen Bibliothekswesen

Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB) unterstützt Forderung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst nach kollektivvertraglichen Regelungen

Lena: DSC_9968. Flickr, CC-BY-SA
//zitat// Graz/Wien/Bregenz - Schon auf dem Österreichischen Bibliothekartag im Herbst 2015 in Wien wurden die verstärkt negativen Auswirkungen prekärer und atypischer Arbeitsverhältnisse an österreichischen Bibliotheken kritisiert, gravierende Missstände anhand konkreter Beispiele besprochen und die Notwendigkeit von Maßnahmen seitens der Berufsvereinigung diskutiert. Denn anhaltende prekäre Dienstverhältnisse bieten keinerlei Perspektive auf eine berufliche Weiterentwicklung und ein existenzsicherndes Einkommen und sind daher aus Sicht der VÖB sowohl im Hinblick auf die persönlich Betroffenen als auch aus volkswirtschaftlichen Gründen abzulehnen. Im Rahmen der Auseinandersetzung mit Arbeitssituation und Berufsbild hat sich die VÖB daher nunmehr auch in die Diskussion um den Abschluss eines von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst vorgelegten Kollektivvertrags eingeschaltet.

Brief an Bundesminister Josef Ostermayer

In einem Brief an den zuständigen Bundesminister Josef Ostermayer erkundigt sich VÖB-Präsident Werner Schlacher nach der Entwicklung der Verhandlungen und tritt namens des VÖB-Präsidiums für einen raschen positiven Abschluss des von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst vorgelegten Kollektivvertrags für die Bediensteten der Österreichischen Nationalbibliothek und der Bundesmuseen ein. Da die Situation auf dem Arbeitsmarkt vermehrt Arbeitsuchende nach Absolvierung ihres Studiums und nach Abschluss einer bibliothekarischen Ausbildung in prekäre oder atypische Dienstverhältnisse zwingt, sollte der rasche Abschluss eines Kollektivvertrags einen wichtigen Beitrag dazu leisten, insbesondere dieser Personengruppe eine größere Sicherheit bei ihrer persönlichen Karriere- und Lebensplanung zu geben. Ein Kollektivvertrag für Nationalbibliothek und Bundesmuseen hätte wiederum eine grundsätzlich positive Aus- und Beispielwirkung gegen prekäre Beschäftigung für das gesamte Bibliothekswesen.

VÖB-Arbeitsgruppe konstituiert sich im Jänner

Im Auftrag der Jahreshauptversammlung der VÖB wird im Jänner 2016 auch eine Arbeitsgruppe zur Beschäftigung mit allen mit Berufsbild und Arbeitsverhältnissen verbundenen Themen und Problemstellungen gebildet. Diese wird die Grundlagen für weitere konkrete Verhandlungen und Aktionen der VÖB erstellen und eine langfristige Auseinandersetzung mit dem Thema gewährleisten. //zitatende//

Quelle: APA OTS.

Thursday, December 17, 2015

Hugo Hayn - Bibliograph der Liebe

Hayn war ein deutscher Bibliograph erotischer und kurioser Literatur, unter anderem - gemeinsam mit dem Sammler Alfred N. Gotendorf - Kompilator und Herausgeber der bedeutenden Bibliographie "Bibliotheca Germanorum erotica". Im Jahr 2008 habe ich mich für die Tagung "Giftschrank oder Freihand? Über 'Schmutz und Schund' in Bibliotheken" mit Hayn beschäftigt. Er war mir bei meiner Lektüre des "Centralblatt für Bibliothekswesen" aufgefallen, in dem seine Werke öfters rezensiert wurden - es wurde ihm zwar "bienenartiger" Sammelfleiß attestiert, gleichzeitig wurde aber seine Arbeit wegen ihrer thematischen Ausrichtung mit recht herablassenden Bemerkungen bedacht.

Mein Beitrag bei der Kribibi-Tagung konnte dann erfreulicherweise gedruckt erscheinen, und zwar in Ausgabe 58 (2008) 2 von "Biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek und Schrift", die sich dem Thema "Liebe - Leidenschaft" widmet. Sieben Jahre später habe ich den Artikel nun in E-LIS eingestellt und freue mich über Rückmeldungen. Mir ist gerade auch aufgefallen, dass Hugo Hayn keinen Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia hat und der französischsprachige Eintrag etwas ungenau ist - das nehm ich mir als nächstes vor! Ich würde mich sehr gerne weiter mit Hayn beschäftigen - soll ich doch noch den Germanistik-Master inskribieren? ;-)

Zum Nachlesen: der Tagungsbericht (PDF) von Heimo Gruber aus den Büchereiperspektiven.

Sunday, December 13, 2015

CfP: Emerging Trends in Agricultural Information Systems Worldwide

Hinweis auf den Call for papers: Special Session on Emerging Trends in Agricultural Information Systems Worldwide sus der AGRILIBS IFLA mailing list for Agricultural Libraries.

//zitat// It is our pleasure to invite you to London (24-27 May 2016, Senate House, University of London, UK) for the 8th Qualitative and Quantitative Methods in Libraries International Conference QQML2016, http://www.isast.org which is organized under the umbrella of ISAST (International Society for the Advancement of Science and Technology).
You are invited to submit your structured abstract, not exceeding 500 words, on any of the topics listed below for consideration.
Over the years enough of discussion on major agricultural information systems such as AGRIS, Agricola, CRIS of USDA, and CARIS of FAO has taken place. it is noticed that several commodity/mission/product oriented information systems as well as other internet-based systems are in vogue.
This special session is aimed at focusing on:

  • Fertilizer information systems
  • Pesticide information systems
  • Irrigation information systems
  • Soil information systems
  • Seed information systems
Other possible topics for consideration include: Important dates:
Deadline of abstracts submitted: 30 December 2015
Reviewer's response: in 3 weeks after submission
Early registration: 30th of March 2016
Full papers (not exceeding 7,000 words.
Paper and Presentation Slides: 1st of May 2016
Conference dates: 24-27 May 2016
Looking forward to welcoming you in London, The QQML2016 Conference Poster is available at: http://www.isast.org/images/Poster_QQML2016.pdf

Please send the abstract to: Deva E. Reddy, PhD, dereddy@tamu.edu. //zitatende//

Wednesday, December 09, 2015

My private little Hinterholzacht

Ich bin gerade über einen Artikel auf meiner Festplatte gestolpert, den ich 2011 für die Zeitschrift topIQ geschrieben habe und den ich nun auch hier teilen möchte - es ist alles wahr :-)

My private little Hinterholzacht. Über die Haus-Arbeit

Seit einigen Monaten bin ich stolze Besitzerin eines 35 Jahre alten Hauses. Seitdem bin ich in meiner Freizeit mit Haus-Arbeit beschäftigt. Demnächst muss ich sogar einen Meldezettel im Baumarkt ausfüllen. Der Tragödie erster Teil.
B wie Bodenverlegen. Bodenverlegen ist eine besondere Herausforderung, wenn der Raum bei jeder einzelnen Reihe unterschiedlich breit ist. Meine Großeltern dürften anscheinend einen ausgesuchten Profi als Maurer beschäftigt haben.
D wie Dampfbremsfolie. Man lernt beim Umbauen ständig neue Wörter. Und als angehender Germanistin fällt mir natürlich gleich auf, dass "Dampfbremsfolie" fünf Konsonanten hintereinander aufzuweisen hat. Den netten Herrn im Baumarkt hat das nicht so interessiert. Versteh ich nicht.
G wie Geschlechterrollen. Wenn die Alternative darin besteht, mit Schleifpapier Farbe von der Wand zu kratzen, gewinne selbst ich plötzlich Gefallen an klassischer Aufgabenteilung und verbringe liebend gerne Zeit in der Küche.
H wie Handwerker. Nicht nur wenn ich mein Auto von der Werkstatt abhole und über die Rechnung weine, gewinne ich den Eindruck, dass ich doch was Sinnvolleres hätte lernen sollen. Ich bin mittlerweile auch überzeugt, dass das Handwerk von der Wirtschaftskrise nicht betroffen gewesen sein kann. Beispiel Spengler: Ich habe über mehrere Tage x-mal angerufen, bis überhaupt jemand abgehoben hat, dann insgesamt drei Nachrichten bei der Sekretärin deponiert und habe den versprochenen Rückruf "vom Chef" noch immer nicht erhalten. Verständlich, dass ein kleiner Handwerksbetrieb keine Ganztagssekretärin beschäftigen kann, aber wie wär's mit einem Band, auf dem die Handynummer angesagt wird, oder einem Anrufbeantworter? Beispiel Fensterfirma: Eine Freundin von mir wartet seit Monaten auf ein Angebot für Jalousien. Beispiel Maler: Auf eMails wird anscheinend überhaupt nicht reagiert. - Ich wäre ja schon dankbar, wenn man mir – wie der Zimmermann – zumindest mitteilt, dass man im Moment keine neuen Aufträge mehr bewältigen kann.
K wie Kosmetik. Sie leiden unter fettem Haar? Dann empfehlen wir Ihnen die erprobte und besonders wirksame "Baustellen-Kur"! Unser einzigartiger Staub setzt sich tief im Inneren der Haare fest und verhindert zuverlässig rasches Nachfetten. Außerdem sorgt er durch seine besondere Klebrigkeit für außergewöhnlichen Schwung im Haar (wenn unsere Mitbewerber behaupten, dass die Haare nach dem Aufstehen einfach zu Berge stehen, haben sie eben keinen Geschmack). Für die innere Anwendung in Nase und Lunge empfehlen wir zusätzlich unser spezielles Leimfarben-Inhalationsgerät. Jetzt probieren in Monikas Baustellen-Beauty Parlour - Sie erhalten bei einem Besuch bis 28. Februar 2011 kostenlos eine Spachtel Ihrer Wahl dazu!

L wie Leimfarbe. Könnte ich in der Zeit zurückreisen, würde ich die Erfindung der Leimfarbe verhindern - oder zumindest meine Großeltern davon abhalten, sie in meinem nachmaligen Haus aufzutragen. Tausende HausbesitzerInnen, die in Unkenntnis ihrer Tücke ahnungslos über Leimfarbe drübermalen, würden mir ersteres danken. Beim ersten Kontakt von Disper-sionsfarbe mit Leimfarbe fiel mir ahnungsloser Ausmalerin zunächst gar nichts auf. Nach einer Stunde bildeten sich erste Risse, und über Nacht fiel die neue Farbe in langen Streifen ab. Der Ratschlag "Leimfarbe einfach abwaschen" kostet mich nur ein müdes Lachen. Da half nur Abspachteln und Abkratzen. Da der händische Gebrauch von Schleifpapier auf Dauer ziemlich anstrengend für Armmuskeln und Fingerkuppen ist, wollten wir zur elektrischen Variante greifen und liehen uns Vatterns Bandschleifer aus. Der schleift sehr gut (fast schon zu gut - ein bisschen länger und ich hätte eine zweite Durchreiche gehabt). Leider riss nach fünf Minuten der Antriebsriemen.

P wie Palatschinkenteig. Spachtelmasse ist wie Palatschinkenteig. Zu dick. Zu dünn. Zu dick. Zu dünn. Zu dick. Zu dünn. Wird schon passen.
S wie Skisport. Skisport im Fernsehen ist leicht hinderlich bei der Haus-Arbeit, vor allem wenn sich alle Beteiligten dafür interessieren. Da hört man ständig Sätze wie "Gut, den einen Nagel schlag ich ein, aber nachher läuft das Dreikönigsspringen" oder "Schauen wir doch noch den zweiten Durchgang an, bevor wir die Leiste montieren" oder "Biathlon ist so faszinierend, da vergesse ich ganz darauf, dass ich die Tapete ablösen wollte".
V wie Vorher und Nachher. Eigentlich ist die Sache klar: Vorher = altes Haus = schlecht. Nachher = renoviertes Haus = gut. Leider wird bei dieser grob vereinfachten Perspektive das lange "Zwischendurch" vergessen. Ich hatte anfänglich eigentlich ein funktionsfähiges Haus. Es gab Bodenbeläge und Farbe auf den Wänden und Möbel. Jetzt habe ich blanken Putz und blanken Estrich und tonnenweise Staub. Aber die gehören immerhin mir...


Tuesday, December 08, 2015

Hölderlin über seine Zeit als Twitterer

Dezember: Science Fiction im Radiokolleg

Von 28. bis 31. Dezember 2015 ist das "Radiokolleg" (9:05 Uhr, Ö1) dem Thema "Science Fiction in Österreich" gewidmet. In der von Ulrike Schmitzer gestalteten Sendereihe gibt es folgende Schwerpunkte:

  • 28.12. Franz Rottensteiner über seine Literaturzeitschrift QUARBER MERKUR und seine Herausgeberschaft im Insel- und im Suhrkamp-Verlag.
  • 29.12. Helmuth W. Mommers, Hermann Urbanek, Hans Langsteiner und Alexander Dolezal über Science Fiction, Gründerzeit und die VILLA FANTASTICA.
  • 30.12. Frauen und ihre Bedeutung in der Science Fiction, am Beispiel von Alice B. Sheldon alias James Tiptree jr. im Septime Verlag, Wien.
  • 31.12. Franz Rottensteiner über die polnische SF-Ikone Stanislaw Lem und dessen Zeit in Wien.

Thursday, December 03, 2015

Wenn man die Augenlider von innen auf Löcher kontrolliert

Sunday, November 29, 2015

Bibliothekar_innen: Vogelscheuchen am Feldesrand?

Durch einen Edlef Stabenau bin ich an Heinz Marloth erinnert worden (da sieht man, wie lange ich schon Inetbib lese - Marloth ist 2004 verstorben) und auf ein Marloth'sches Zitat zum bibliothekarischen Berufsbild aufmerksam geworden:

//zitat// was kann getan werden, um fehleinschätzungen und klischees (z.b. bibliothekare sind die geborenen informationsvermittler oder bibliothekare sind die navigatoren auf der datenautobahn, waehrend sie in wirklichkeit allenfalls vogelscheuchen am feldesrand sind) abzubauen. //zitatende// (Quelle: Inetbib-Listenarchiv, 6. März 1997.

Friday, November 27, 2015

Über verständliche Sprache in der Politik

Die grüne Sommerakademie widmete sich heuer dem Thema "Politik, wie sag ich's?" Nun ist die Dokumentation online abrufbar (PDF 2,7 MB) bzw. kann gedruckt in der Grünen Bildungswerkstatt bestellt werden.
Meine Lieblingspassage gibt einen Redebeitrag von Thomas Waitz, grüner Landwirtschaftskammerrat in der Steiermark, wieder:

//zitat// Ich bin auf einer Landwirtschaftsveranstaltung in der Oststeiermark. Hier im Umfeld der Grünen Bildungswerkstatt könnte ich nun sagen: Die Hegemonie der derzeitigen Herrschaftsverhältnisse impliziert die Degradierung des Bewirtschafters zum Maschinenführer. Wenn ich das dort so sage werde ich erstens nicht verstanden und zweitens habe ich mords einen Grant auf mir hocken, denn wer lässt sich schon gerne als Idiot von mir vorführen. Also – und das ist jetzt eine Frage von Sprache! –sagte ich: Schau, du fährst wie ein Trottel den ganzen Tag am Acker hin und her (für den "Trottel" habe ich mich danach entschuldigt) und der einzige, der am Ende des Tages was verdient hat, ist das Lagerhaus. Und damit habe ich nichts vereinfacht, aber der Schweinebauer sitzt da und sagt: Joh eh! Und die Botschaft ist angekommen. //zitatende//

Ein weiteres Highlight war der Poetry Slam als Ergebnis eines Workshops mit Mieze Medusa. Victoria Vorraber hat sich in ihrem Beitrag ganz besonders der grünen Kommunikationsstrategie angenommen ;-) Auf YouTube nachzusehen.

//zitat// Komm, komm, kommunizier mit mir! / Und sag mir wie! / Wie erreich ich dich, du normaler Mensch! / Du Hakler, du Prolet! / Jeden Abend beim Gebet, / frag ich mich, wann kommt jener Prophet, / der mir jene Gabe gibt / und mich zu dir sprechen lässt. / Ich kann es nicht, ich stecke fest //zitatende//

Erwartungen an Websites von Verlagen

Ich bewege mich jobbedingt in letzter Zeit noch mehr als sonst auf Verlagswebsites und ärgere mich oft über die schlechte Bedienbarkeit. Ich habe ein paar Erwartungen und Wünsche zusammengetragen und freue mich über Ergänzungen:

* jedes Buch braucht eine eigene verlinkbare, stabile Seite, nicht nur einen Eintrag auf der Seite "Neuerscheinungen", die sich immer ändert

* ich möchte das Coverbild druckfähig (oder zumindest "besser-als-Thumbnail") downloaden können, ohne mich zuerst als Pressemitarbeiterin registrieren oder ein Mail schreiben zu müssen

* das Erscheinungsjahr/-datum soll dabeistehen (eh klar? ha!)

* Wunsch der Bibliothekarin: ISBN bitte _mit_ Bindestrichen

* noch ein Wunsch als Bibliothekarin: Vergriffene Bücher sollten weiterhin angeführt werden. Die Frage ist, ob das Buchkäufer_innen tendentiell verärgert, wenn sie solche Bücher noch finden...

* Wunsch an die SEOs der Verlage (nochmal ha!) und ans Google-Ranking: Bei der Suche nach einem Buch ist die eigentliche Verlagsseite oft gar nicht so leicht zu finden - stattdessen blättert man sich durch Seiten um Seiten von Online-Shops. Fast immer muss man den Verlag suchen und dann auf der Verlagsseite das Buch.

me and the sysop / pyxopotamus: "134", Flickr, 12. August 2008, CC-BY-ND

Was sagt Ihr dazu - was nervt Euch, was gefällt Euch auf Verlagswebsites, was erwartet Ihr?
edit: Ich will nicht nur jammern, sondern auch ein Positivbeispiel nennen: Böhlau und Mandelbaum.

Wednesday, November 25, 2015

Voller Mistkübel - volles Boot?

Tuesday, November 24, 2015

Bibliotheken, der Bundeskongress und ich #buko15

Am Wochenende war ich zum ersten Mal Delegierte zum Grünen Bundeskongress, dem höchsten Gremium der Grünen. Zur Info: Der Bundeskongress setzt sich zusammen aus den Delegierten der neun Bundesländer und des "zehnten Bundeslandes", den Abgeordneten des Europaparlaments, des Nationalrats, des Bundesrats, der Landtage, den Regierungsmitgliedern, dem Bundesvorstand der Grünen und dem Bundesvorstand der Grünen Bildungswerkstatt.​ Eigentlich war ich ja dort, um am Stand des Grünen Archivs Werbung für unser Projekt 366xgrün zu machen (dazu demnächst mehr), aber ich sprang dann auch als Ersatzdelegierte für das Burgenland ein, da viele andere verhindert waren. Ich wohne zwar wieder in Niederösterreich, bin aber immer noch im Burgenland politisch engagiert. Was nebenbei bemerkt schon mehrmals zu Dialogen wie diesem geführt hat: Und wo arbeitest Du im Burgenland? - Ich arbeite in Wien. - Ach so, Du wohnst nur im Burgenland. - Nein, in Niederösterreich ;-)

Stand des Grünen Archivs und der Grünen Bildungswerkstatt am Bundeskongress in Villach

Leitantrag Bildung

Eine größere Gruppe brachte den Leitantrag "Bildungsgerechtigkeit schaffen, Chancen eröffnen" ein. Dieses elfseitige Grundsatzpapier wurde zuvor auch in allen Bundesländern diskutiert. Mir ist natürlich sofort aufgefallen, dass das Wort "Bibliothek" völlig fehlte (sagt das mehr über die Grünen oder mehr über den Status des Bibliothekswesens aus?) und der Schwerpunkt - wie auch im Grünen Bildungsprogramm - auf der Schule liegt. Meine Rückmeldung floss in die Stellungnahme der Grünen Bildungswerkstatt ein, und so wurde dann in der überarbeiteten Version im Abschnitt "Bildungsgerechtigkeit" als eine der angestrebten Maßnahmen "flächendeckende, dezentrale Versorgung mit Erwachsenenbildungseinrichtungen und Bibliotheken für den freien und gleichen Zugang zu Bildung" angeführt. Nicht wirklich prickelnd, aber ok, dachte ich zunächst. Aber mit der Zeit wurde ich zunehmend unzufriedener damit. Ich finde, dass EIN Absätzchen von ELF Seiten der Bedeutung, die das öffentliche Bibliothekswesen hat bzw. haben könnte, nicht gerecht wird. Ermuntert von einer Delegationskollegin, habe ich mich dann am BuKo als eine von achtzehn Personen zu diesem Antrag zu Wort gemeldet. Ich möchte meinen Redebeitrag hier gerne wiedergeben (100%ig genau hab ich ihn wahrscheinlich nicht mehr im Kopf).

Wortmeldung

//anfang// Was mir im Leitantrag fehlt: In dem elfseitigen Dokument wird die wichtigste und größte außerschulische Bildungseinrichtung gerade mal so nebenbei erwähnt: die öffentliche Bibliothek. 2014 waren in Österreich fast 900.000 Menschen in einer öffentlichen Bibliothek eingeschrieben, davon 45 Prozent Kinder und Jugendliche1. Sie haben 2014 22 Millionen Medien ausgeliehen (ob sie sie auch gelesen haben, weiß ich nicht, aber ich bin Optimistin)2.
Bibliotheken sind die wichtigsten Bündnispartnerinnen der Schulen bei der Leseförderung. PISA-Gewinner-Länder haben immer auch ein professionelles und gut ausgebautes Bibliothekswesen. Sie leisten soziale und integrative Bibliotheksarbeit. Sie stehen allen Bevölkerungsgruppen offen - unabhängig vom sozialen und ökonomischen Status, von Alter, Geschlecht und Herkunft. Bibliotheken sind einer der letzten Gemeinschaftsorte ohne Konsumzwang3.
Diese wichtige Arbeit beruht aber zu 80 Prozent auf Ehrenamt - das hauptsächlich von Frauen geleistet wird - und hängt vom Wohlwollen der Gemeinde ab. So kam es etwa in einer burgenländischen Gemeinde dazu, dass das Ankaufsbudget der Bücherei aus dem Donauland-Abo des Bürgermeisters bestand: vier Bücher pro Jahr4. Es gibt keinerlei gesetzliche Vorgaben - die einzigen Bibliotheken, deren Existenz gesetzlich vorgeschrieben ist, sind Gefängnisbibliotheken5.
Ich wünsche mir von uns Grünen, dass wir auch hier die Themenführerschaft übernehmen - Bildung ist auch außerschulische Bildung. //ende//

Fußnoten

1: Büchereiverband Österreichs, Statistik Öffentlicher Bibliotheken in Österreich 2014
2: Das bezieht sich auf eine launige Bemerkung von Harald Walser, der bei der Vorstellung des Antrags sinngemäß meinte, als Schuldirektor gehe er davon aus, dass nicht alle Delegierten den Leitantrag gelesen hätten.
3: Büchereiverband Österreichs: Öffentliche Bibliotheken als Menschenrecht; Kribibi: Ziele
4: Was einige offensichtlich als Scherz oder griffige Formulierung verstanden, basiert auf Tatsachen: Ein studentisches Projekt am Fachhochschulstudiengang Informationsberufe hat vor einigen Jahren den Status Quo des burgenländischen Bibliothekswesen erfasst und dabei tatsächlich eine Bücherei gefunden, deren Ankaufsbudget so gestaltet war. Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, welche es war, und es spielt auch keine Rolle. Ich hätte auch von der Bibliothek in der Aufbahrungshalle erzählen können ;-)
5: Ich habe 2007 die Diplomarbeit "Bibliotheken in österreichischen Justizanstalten" von Verena Kern betreut, die erfreulicherweise auch online nachzulesen ist. Dabei habe ich viel gelernt. Die Gefangenenbibliotheken sind in §59 des Strafvollzugsgesetzes geregelt: "In jeder Anstalt zum Vollzug von Freiheitsstrafen ist eine Bücherei einzurichten, aus der die Strafgefangenen Bücher und Zeitschriften entlehnen können. Bei der Ausstattung der Büchereien ist auf den Standard öffentlicher Büchereien Bedacht zu nehmen". - Und in den European Prison Rules heißt es: "28.5 Jede Anstalt hat eine angemessen ausgestattete Bibliothek einzurichten, die allen Gefangenen zur Verfügung steht. Sie soll über eine Vielfalt an Büchern und sonstigen Medien verfügen, die sowohl für Unterhaltungs- als auch für Bildungszwecke geeignet sind. 28.6 Die Anstaltsbibliothek soll wenn immer möglich in Zusammenarbeit mit öffentlichen Bibliotheken geführt werden".

Rückmeldungen

Erfreulicherweise habe ich von verschiedensten Leuten sehr positive Rückmeldungen bekommen und - viel wichtiger - auch das Versprechen, sich des Themas bei der Weiterentwicklung des Papiers anzunehmen, da die Arbeitsgruppe "erfolgreich anlobbyiert" worden sei ;-) In einem Mail heißt es zum Beispiel: "die sache mit den büchereien hast du richtigerweise vorgebracht, noch dazu sehr klar und sehr sympathisch für unsere bibliotheken!" Besonders gefreut hat mich, dass mich der frühere Leiter der Stadtbücherei Mürzzuschlag angesprochen hat, der - wie sich rasch herausgestellt hat - bis zu seiner Pensionierung bei Kribibi aktiv war. Er meinte, er habe im Laufe seines politischen Engagements (damals noch SPÖ) schon viele "Brandreden" dieser Art gehalten ;-)

Rückmeldungen auf Twitter

Monday, November 23, 2015

Der neue Generationenvertrag

Thursday, November 19, 2015

Flugbegleiterin oder Bibliothekarin?

Neulich bei der Episode "Phoenix rising" aus der Serie "Rizzoli &, Isles":

"Wieso bist Du angezogen wie eine Flugbegleiterin?" - "Bibliothekarin, Mum!"

"Ich sehe aus wie eine Bibliothekarin. Ich trage eine Brille an einer Kette. Warst Du noch nie in einer Bücherei?"

Was man hat...

Bibliotheken ohne Bücher, Kolumne 2/2015: Xylotheken

Seit Beginn 2015 habe ich ja eine neue Kolumne in den Büchereiperspektiven, die "Bibliotheken ohne Bücher" heißt. Hier die zweite Ausgabe.

Dass Bibliotheken und Bücher mit Bäumen zu tun haben, ist bekannt – nicht nur wegen des Wortes „Buch(en)stabe“, sondern auch weil Papier ja aus Holzschliff beziehungsweise Zellstoff hergestellt wird. Es gibt aber Bücher, die einfach holziger sind als andere – diese sollen hier vorgestellt werden.
Es gibt wohl kaum Bibliotheken, bei denen die äußere Form so sehr mit dem Inhalt korrespondiert wie bei den "Xylotheken".

Reinhard Stiksel: Ein Stück aus der "Xylothek" - Aus der Sammlung der Sternwarte im Stift Kremsmünster, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0.

Die Bände dieser Holzbibliotheken bestehen nämlich aus jenen Materialien, mit denen sie sich beschäftigen: Jeder Holzkasten ist aus einer anderen Baumart gefertigt. Vorder- und Rückdeckel der Kästen sind aus Holz, der Buchrücken wird mit Rinde, Moos, Schwämmen oder Flechten verziert. Im Inneren verbergen sich übersichtlich arrangierte Zweige desselben Baumes mit Blättern oder Nadeln, Blüten und Früchten, teilweise auch mit Holzwürfeln und Sägespänen. In kleinen Döschen können Blütenstaub, Samen oder Holzasche aufbewahrt werden. Manchmal wurden sogar die für den jeweiligen Baum typischen Forstschädlinge beigegeben – als Beispiel seien die so passend benannten Käferarten "Buchdrucker" und "Kupferstecher" genannt, die Fichten bevorzugen. Abgerundet wird der Inhalt der "Buchattrappen" durch die lateinische und deutschsprachige Bezeichnung der dargestellten Pflanze und eine Kurzbeschreibung. Diese Holzbücher richten sich vor allem an Menschen, die in der Forstwirtschaft und der Holzverarbeitung tätig sind, und zeigen ihnen anschaulich die wichtigsten Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten von Baum und Holz. Gleichzeitig ist jeder Band in einer Xylothek ein kleines Kunstwerk, dessen sorgfältige und detailreiche Verarbeitung auch Nicht-Forstleute beeindruckt.
Xylotheken sind ein Phänomen der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Da die Herstellung aufwendig und der Preis hoch war, wurden die meisten Exemplare von großen Forstbetrieben und forstlichen Ausbildungsstätten erworben. Umfangreiche Beispiele sind unter anderem im Biologiezentrum des Oberösterreichischen Landesmuseums, in der Botanik-Abteilung des steirischen Landesmuseums Joanneum, in der Sternwarte im Stift Kremsmünster, im Naturhistorischen Museum des Stifts Admont und im Museum für das forstliche Versuchswesen in Wien-Mariabrunn erhalten.

Links

Verzeichnis von Holzbibliotheken: www.specula.at/adv/monat_9712.htm
Aufbau eines Holzbuches: www.naturkundemuseum-kassel.de/museum/wissenswert/holzbuch/index.php
Hohenheimer Xylothek digital: www.uni-hohenheim.de/uniarch/Xylothek%20_%20Seite/Xylothek_index.html

Wednesday, November 18, 2015

Tagung "Integration durch Bildung", 3.12.2015, Eisenstadt

//zitat//Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht, zu dem eine moderne, demokratische Gesellschaft allen ihren Mitgliedern bestmöglichen Zugang schaffen muss. Integration bedeutet, dass Menschen, die in einer Gesellschaft leben oder neu ankommen, die Möglichkeit der Teilhabe an Bildung nicht aufgrund individueller Merkmale oder ihrer Herkunft verwehrt werden darf. Im Gegenteil - Bildung, Weiterbildung und Ausbildung vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit, ermöglichen Reflexion und Verständnis für die Lage anderer und erweitern die Möglichkeit der Teilhabe.
Bildung und Integration sind also entscheidend für unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft. Bei der diesjährigen Tagung beschäftigen wir uns mit dieser Thematik und gehen der Frage nach, wie Bildung Integration fördern kann.//zitatende//

Ort und Zeit


Termin: Do. 03.12.2015, 9:30 – 16:00 Uhr. Tagungsort: Haus der Begegnung, Kalvarienbergplatz 11, 7000 Eisenstadt.

Programm

9:00 - 9:30 Anmeldung

9:30 – 9:45 Eröffnung

9:45 – 10.45 Vortrag Bernhard Heinzlmaier, Institut für Jugendkulturforschung: Was Jugendliche von Bildung halten. Die Einstellung zu Schule und Ausbildung in unterschiedlichen Jugendmilieus.

11:00 – 12:30 Inputs:

  • Eva Haubner-Hufnagl, Industriellenvereinigung: Bildung und Integration. Der Beitrag von Bildung zu erfolgreicher Integration im Übergang von Schule zu Beruf.
  • Ursula Sagmeister, Österreichischer Integrationsfonds: Integration von Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten. Prioritäre Maßnahmenempfehlungen für den Bildungsbereich des Expertenrats für Integration.
12:30 - 13:30 Mittagspause (Buffet)

13:30 - 14:00 Norbert Darabos, Landesrat für Soziales, Integration und Asyl: Aspekte der Integration im Burgenland

14:00 - 16:00 Gespräche über Erfahrungen und Chancen. Wie kann Integration gelingen? Beispiele aus der Praxis

  • Heribert Strobl, Jasin Mohammadi, Melanie Lustig, David/Reza Ahmadi, TeilnehmerInnen und AbsolventInnen von Pflichtschulabschluss-Lehrgängen der Burgenländischen Volkshochschulen
  • VertreterIn von Diakonie Flüchtlingsdienst/ Haus der Jugend in Rechnitz, Edith Ivancsits, Caritas/ Haus Sarah Neudörfl
  • Andrea Triebl, Krisztina Wolf, Margit Poandl, Manuela Frey, TrainerInnen und LehrgangsleiterInnen der Burgenländischen Volkshochschulen
  • Wolfgang Hauptmann, Flüchtlingskoordinator Land Burgenland
  • Christine Teuschler, Burgenländische Volkshochschulen

Anmeldung

Burgenländische Volkshochschulen, Pfarrgasse 10, 7000 Eisenstadt, Tel.: +43 2682 61363, eMail: info@vhs-burgenland.at.

Tuesday, November 17, 2015

gute Idee: Webcast-Serie mit abgelehnten Bibliothekartagsvorträgen

Felix Lohmeier hat eine interessante Initiative gestartet: eine Webcast-Serie mit Beiträgen, die am Deutschen Bibliothekartag abgelehnt wurden. Noch bis 30. November können sich die interessierten Abgelehnten auf pad.okfn.org/p/bibtag16-reject eintragen. Was steckt dahinter?

//zitat//Für die AutorInnen ist es oft nicht nachvollziehbar, warum der Beitrag abgelehnt wurde. Die Auswahlkriterien sind allgemein gehalten und die kurzen Abstracts reichen für die GutachterInnen nicht immer aus, um fair urteilen zu können. Jedes Jahr gibt es dazu kritische Kommentare bei Twitter & Co. Sind unter den abgelehnten Beiträgen vielleicht gerade diejenigen Perlen, die abseits des Mainstreams schwimmen? Um dieser Hypothese nachzugehen, könnten wir eine Serie von Webcasts machen, in denen die Vortragenden selbst Ihren Beitrag streamen.//zitatende//

-- Hinweis von Adrian Pohl in Inetbib.


Sean McEntee: rejected, 5. April 2010, CC-BY

Monday, November 16, 2015

Was tun mit Zettelkatalogen?

Zettelkatalog mit vielen Laden in einer Bibliothek
Monika Bargmann: "Alphabetischer Katalog bis 1961", aufgenommen in der Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover, 5. Mai 2010, CC-BY-SA

Wednesday, November 11, 2015

Librarian burnout - share your story!

Maria Accardi, Coordinator of Instruction and Reference at Indiana University Southeast, has started a weblog called "Librarian Burnout" about burnout especially in academic library instruction, but also in libraries in general. Her goals: to "solicit and publish personal narratives about burnout from librarians" (real name, anonymously, confidentially), to "analyze the collected stories, identifying common themes, and situating them in the context of discussions of the literature on burnout in the profession" and to "discuss the current philosophies, practices, and professional culture of librarianship as they relate to burnout, and whether a cultural shift in the profession is necessary".

Dennis Skley: "Burnout!", 10. August 2014, Flickr, CC-BY-ND

I read about the blog in Meredith Farkas' blog post "Should the horrible first job search be seen as a rite-of-passage?". Farkas gives advice about how to make job hunting and job interviews an experience as positive as possible. She concludes that "we should advocate to decrease the number of people going into LIS programs" which is really interesting as we are discussing the same in Austria at the moment: Is it still responsible to educate that many young people when the job market is that tough? But isn't it possible that we miss the librarian of the century if we skip education for a year or some years?