Monday, June 30, 2008

Bibliotheksbestand des Tages...

...ist heute der "Pfarrerbrief der Vereinigung österreichischer Industrieller" (Signatur B 147257). Als ich diesen Datensatz im Katalog entdeckt habe, habe ich einmal gestutzt. Jetzt hab ich mir die Zeitschrift ausheben lassen, um die Inhaltserschließung zu ergänzen, und es ist tatsächlich das, wonach es klingt. So heißt es in der Ausgabe vom Dezember 1957: "Die vielen ermunternden und zustimmenden Zuschriften aus Ihrem Kreise beweisen uns, daß der richtige Weg beschritten wurde, auch wenn die Herausgabe eines wirtschaftspolitischen Informationsbriefes für Seelsorger anfänglich ein Wagnis gewesen sein mochte". - Behandelt werden u.a. Themen wie "Ist Werbung 'Konsumterror'?", "Der Arbeiter als Unternehmer", "Unaufhaltsamer Kollektivismus?" und "Sozialisten glauben nur an den Apparat". Wir haben die Ausgaben aus den Jahren 1957 bis 1959.

Die Seuche der Comic-Hefte

"Ja, wie eine Seuche haben sich diese grellen Bilderhefte innerhalb einiger Jahre verbreitet. In anscheinend harmloser Form begann es. Es war die durch den Film schon so beliebt gewordene 'Mickymaus', die das Herz der Kinder - und oft auch die Geldtasche der Eltern (denn diese Hefte sind nicht billig!) - eroberte. Wir Erzieher wollen offen gestehen: Wenn es nur die Mickymaus-Hefte gewesen wären, hätten wir zwar gesagt: Schade, daß die Kinder um so viel Geld so wenig Nutzen haben (denn der groteske Humor ist auch nicht kindgerecht!), doch darüber hinaus hätten wir uns kaum aufgeregt. Nun aber leitet dieses Bilderhaschen auch im anscheinend harmlosen Heft eine Gewohnheit ein, die nach immer grelleren Farben, nach immer kürzeren Sätzen, nach immer gröberer Kost verlangt. Und so steigt die Gefahr... (...) Die Wirkung der Comic-Hefte und unserer Schundliteratur ist weniger - wie man allgemein annimmt - an der Jugendkriminalität zu messen (wenngleich manche Familie ohne Schundheft und Film nicht ins Unglück kommen würde!). Kriminell werden meist nur Menschen, bei denen die Anlage, die Umgebung und äußere Einflüsse zusammenwirken. Bei allen Kindern aber werden die schlechten Eigenschaften durch die schlechten Einflüsse gestärkt, ihre Phantasie wird abgestumpft, sie werden geistig träge, ihr Wille wird nach falschen Vorbildern gerichtet. Entscheidend aber ist, daß die guten Anlagen im Menschen, die Liebe zum Schönen, Guten und Wahren, unterdrückt werden, daß sie auch die Freude an wertvoller Lektüre verlieren und so nie die helfenden Kräfte des guten Wortes verspüren können".

Richard Bamberger: Dein Kind und seine Bücher. Von guten und schlechten Büchern für unsere Kinder. Jugend & Volk 1957, S. 11

BibliothekarInnen als Standesbeamte

Im Profil vom 22. Juni war zu lesen, dass aufgrund der endgültigen Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Kalifornien ein großer Ansturm an Braut- und Bräutigamspaaren erwartet wird und dass daher Bibliothekarinnen und Feuerwehrmänner in Schnellkursen zu Standesbeamten ausgebildet werden. Eine gute Sache! Interessant aber, dass gerade das Profil - gerade bei diesem Artikel - an stereotypen Zuschreibungen von Berufen zu Geschlechtern festhält: Bibliothekarinnen und Feuerwehrmänner.

Taschendiebstahl versus Tasche / Diebstahl

Was es alles gibt: Das Schlagwort "Taschendiebstahl" wird "benutzt für den Diebstahl aus Taschen. Für den Diebstahl von Taschen verknüpfe Tasche oder engeres SW mit Diebstahl".

Volkshochschule als Teilmenge der Neuen Medien

Mir ist aufgefallen, dass das Schlagwort Volkshochschule zweimal in unserem Katalog vorhanden war. Als ich beide Datensätze mal genauer unter die Lupe genommen habe, habe ich entdeckt, dass Volkshochschule einmal als "zusammenfassende Bezeichnung für die Teilmenge der Neuen Medien, die digital, interaktiv und im Online-Betrieb genutzt werden (z.B. Internet, Online-Dienste, Mailboxen, Video on demand u.ä.)" definiert wurde. Ein Check im Verbundkatalog ergab das Schlagwort zur Definition: Online-Medien. Anscheinend hat da irgendetwas beim Import der Normdaten nicht hingehauen.

Sunday, June 29, 2008

Neuerwerbungen

Neuerwerbungen beim Bücherflohmarkt der SPÖ Floridsdorf zugunsten der Gruft, einer Einrichtung der Caritas für Obdachlose.

  • Hellmuth Lange: Blumen wachsen im Himmel. Ein klassischer Science Fiction-Roman. Heyne 1976 (gestempelt mit "Leihbücherei Christa Hradsky, 1100 Wien, Knöllgasse 44, Tel. 64 12 31")
  • Robert Silverberg (Hrsg.): Die Mörder Mohammeds. Zeitreise-Stories. 2. Aufl. Heyne 1973
  • Isaac Asimov: Die nackte Sonne. Science Fiction-Roman. Heyne 1976
  • William Shakespeare: Wintermärchen. Nachdichtung und Spielfassung von Manfred Vogel. Wien: Jugend & Volk 1970
  • Friday, June 27, 2008

    "diese schrulligen Typen"

    "gibt es in der ÖNB noch diese schrulligen typen (ein bisschenlangsam im denken, schmudeliges äusseres ...) , die in der privatwirtschaft ansonsten nicht vorkommen?" - aus einem Kommentar zu einem Interview mit Johanna Rachinger im Standard.

    Verbot zum Quadrat

    "Dieses Material und seine Inhalte sind geistiges Eigentum der stadt wien marketing und prater service gmbh (STWM). Kein Teil dieses Materials darf ohne vorheriger schriftlicher Genehmigung der STWM verwendet werden (in welcher Form auch immer). Es ist strengstens verboten, dieses Material ohne die schriftliche Genehmigung der STWM zu vervielfältigen, vermieten, verkaufen, öffentlich darzustellen, senden, verteilen, auszustellen, übertragen oder in anderer Weise zu verwenden". Was ist "dieses Material" - die Formel für das Heilmittel gegen Krebs, die noch nicht patentiert ist? Der endgültige, unwiderlegbare Beweis für die Existenz von Außerirdischen? Nein, die Haus- und Platzordnung für die Wiener Fanzone. Ich hoffe, ich kriege jetzt keine Probleme, weil ich diesen Vermerk veröffentlicht habe.

    Professorin-Titel für Bibliothekarin

    Bundesministerin Claudia Schmied hat gestern den Berufstitel "Professorin" für "langjährige außerordentliche Verdienste um Bildung, Wissenschaft und Kultur" an die Bibliothekarin Geneviève Geffray verliehen: "Die französische Sprachwissenschafterin Geneviève Geffray kam nach dem Studium an der Universität Paris-Nanterre und einer ersten beruflichen Stellung als Produktionsassistentin für klassische Musik einer Münchener Schallplattenfirma 1973 nach Salzburg, wo sie seither als Chef-Bibliothekarin [den Ausdruck habe ich im Bibliothekswesen auch noch nie gehört] die Bibliotheca Mozartiana der Internationalen Stiftung Mozarteum leitet". - Quelle: APA OTS.

    Auf Drehpunkt Kultur ist ein Portrait von Geffray nachzulesen, das 2007 anlässlich der Verleihung des "Ordre des Arts et des Lettres" geschrieben wurde: "Die Bibliotheca Mozartiana der Internationalen Stiftung Mozarteum war 1973 noch eine Leih- und keine wissenschaftliche Bibliothek. Reine Bibliotheksarbeit stand denn zunächst auch auf der Tagesordnung der neuen Bibliothekarin. Dazu kam für gut zwölf Jahre die Mitbetreuung der damals jährlich wechselnden Ausstellungen in Mozarts Geburtshaus. (...) Als Bibliothekarin der Internationalen Stiftung Mozarteum ist Geneviève Geffray auch für die unschätzbare Sammlung von Mozart-Handschriften verantwortlich". - Siehe auch Landeskorrespondenz vom 10. Juli 2007. Geffray hat anscheinend auch einen Auftritt in Kurt Palms Mozart-Film "Der Wadenmesser".

    Thursday, June 26, 2008

    Bücherei-Ecke in der Meinl-Kaffeewelt

    Heute habe ich die Meinl Kaffeewelt zwischen Naturhistorischem und Kunsthistorischem Museum besucht. Das war wirklich eine gute Idee, mit der der "Erfinder" Franz X. Brunner sicher zuerst ungläubige Blicke und "bist deppat, des geht nie, waunn då jeder kammat"-Kommentare geerntet hat. Man hat wirklich eine schöne Aussicht. Die Preise lassen zwar auch auf einen Euro-Zuschlag schließen, aber Kaffee und Mehlspeise waren, wie zu erwarten war, sehr gut. Der Kellner war ausgesprochen freundlich, kann daher eigentlich kein Wiener gewesen sein ;-) Hat uns auf die Sturmwarnung hingewiesen und uns einen Vorschlag für ein überdachtes Alternativprogramm gemacht, falls es noch während unseres Besuches zu regnen und zu stürmen beginnen sollte. Helmut Gansterer hat im Profil vorgeschlagen, das Bauwerk auch nach der Euro beizubehalten. Ich stimme ihm zu, auch die Ringstraße als Fußgängerzone bzw. zumindest ohne Autoverkehr wäre als Dauerlösung wünschenswert. Schließlich kommt man auf dem derzeit als Fanzone gewidmeten Abschnitt von einer baulichen Sehenswürdigkeit zur anderen: von der Hofburg über das Burgtheater bis zur Universität. Schön wäre auch, entlang dieser Zone Standeln mit österreichischen Spezialitäten aufzustellen. Glaube aber nicht, dass man das politisch durchbringt - die Wiener Grünen versuchen es jedenfalls gerade.
    Die Leseecke der Büchereien Wien (siehe Post vom 4. Juni) hab ich natürlich auch besucht:

    Noch ein paar vermischte Bemerkungen zur Euro: Sooo schlecht ist Carlsberg auch wieder nicht, aber in einem Bierland wie Österreich schmerzt es schon, wenn man dänisches Leichtbier ausschenken muss. In einer Zeitung fiel sogar das Urteil "Kaltgetränk ohne erkennbaren Geschmack". Ich glaube nicht, dass Carlsberg bei uns den Marktanteil nach der Euro erhöhen kann. - Ich bin offensichtlich ein Unglücksengel, denn alle Mannschaften, zu denen ich gehalten habe, sind ausgeschieden: Rumänien, Kroatien, Italien, Schweden, Russland... - Als gebürtige und gelernte Österreicherin fällt es mir etwas schwer, für Deutschland zu sein, aber, wie eine Freundin und ich festgestellt haben, hat der spielerische Erfolg unserer Lieblingsnachbarn den angenehmen Nebeneffekt, dass uns - hach - der überaus erfreuliche Anblick des deutschen Teamchefs noch etwas länger erhalten bleibt ;-)

    Is Personal Blogging Fast-Fading?

    ...fragt Rob Peters in Alternet: "Gone are the days when 'I already read that on your blog' was a common conversation killer. So what's happened?"

    Senate House Library vor dem Aus?

    Leslie Crang, den ich als Autor des Weblogs librarytwopointzero kenne, hat ein Weblog namens Save Senate House gestartet, in dem die mögliche Schließung der Senate House Library der University of London: "My reasons for starting this blog is not to save my own job (well maybe slightly), but to give a view point and to stop the closure of a fantastic academic resource, which has many students, researchers and writers coming there". Das Higher Education Funding Council for England hat nämlich den "review of special funding for research libraries" verfasst und darin das Budget von Senate House drastisch gekürzt, weil die Bibliothek nicht ausreichend von Nicht-Londonern verwendet werde.

    Tuesday, June 24, 2008

    Bibliotheksbestand des Tages

    Neu-Wien im Jahre Zweitausend. Eine Vision. Leipzig: Literarische Anstalt August Schulze 1891 (in Wien gedruckt, anonym erschienen, der Website von Ivo Gloss zufolge von Eduard Loewenthal, einem Friedensaktivisten und Freidenker). Signatur A 7248. Zitat:

    Mit Ernst und Würde
    Doch baar besond'rer Zierde,
    Präsentiret sich die Universität.
    Sie will von Innen nur heraus erglänzen,
    Und der Welt credenzen,
    Worin die höchste Wissenschaft besteht. (...)

    In den Hörsälen der Professoren
    Gibt's kein Lärmen, kein Rumoren,
    Und doch gibt es hier nicht einen leeren Sitz!
    Stolpert g'rad' der Vortrag,
    Wird widerkäut auch das vom Vortag,
    Verstummet doch ein jeder Witz. (...)

    Zu des Geistes Erfrischung
    Dient hier nur die Arbeits-Mischung,
    Und vornehmer Sport.
    Willst Du bei Tag, bei Nacht durchgehen
    Bibliotheken und Museen,
    Du findest sicher die Studenten dort.

    Lesen und Studiren,
    Seh'n und Memoriren,
    Präparate, Apparate
    Alles dieses ja erweitert
    Den Gesichtsblick und erheitert
    Den künft'gen Doctor wie Abbate.

    "Haus der Weisheit" in Dubai

    Muhammad Bin Raschid al-Maktum, Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate, will in die Wüste von Dubai eine neue Stadt bauen lassen. Darin soll sich neben dem Haus der Menschlichkeit mit gemeinnützigen Einrichtungen, dem Haus des Handels und dem Haus der Natur auch ein "Haus der Weisheit" befinden, das "Übersetzungseinrichtungen, eine große Bibliothek, einen Garten des Wissens, internationale Universitäten, Hochschulen für Geschichte und Naturwissenschaften und eine Moschee sowie Büros etlicher internationaler akademischer Einrichtungen" umfassen soll.- Quelle: APA OTS vom 23. Juni 2008.

    Monday, June 23, 2008

    Ich und die Zeitschriften. Statusbericht

    Heute habe ich die Karteikarten, die ich im Depot überprüfen muss, in fünf Stapel geteilt:
  • einzelne Bände sind nicht im Katalog aufgenommen - das ist reine Katalogisierungs-Nacharbeit
  • im Katalog sind gar keine Bände angeführt, es gibt keine Bestellmöglichkeit (das kommt häufig bei dünnen Zeitschriften vor, die nur sehr selten erschienen sind, sodass es sich bisher nicht ausgezahlt hat, sie binden zu lassen - es werden aber nur Bände in den Katalog aufgenommen)
  • es gibt Dubletten - entweder laufen verschiedene Hefte derselben Zeitschrift unter verschiedenen Signaturen (Rekord: vier Signaturen) oder dieselbe Signatur wurde zweimal für unterschiedliche Zeitschriften vergeben
  • Sonderhefte sind zwar auf den Karteikarten, nicht aber im Katalog vermerkt. Diese gehören angeführt (dazu muss ich nachschauen, wo sie dann wirklich beigebunden wurden) und sacherschlossen bzw. mit dem Haupteintrag verknüpft.
  • Zeitschriften sind nur auf den Karten und nicht im OPAC zu finden.

  • Heute habe ich übrigens einen Datensatz gefunden, der nur aus einer Signatur besteht... (für größeres Bild einfach klicken)

    Friday, June 20, 2008

    Bestand des Tages

    Neulerchenfeld. Daguerrotypirt von einem frohsinnigen Wiener zum Besten der Kinderbewahranstalt daselbst. - Wien : A. Pichler's Witwe, 1854

    Thursday, June 19, 2008

    "schwere Polizey-Uebertretung"

    "Der Mißbrauch der Presse durch Verbreitung unzüchtiger Schriften oder Dar­stellungen, oder zu andern gröblichen Angriffen auf die Sittlichkeit ist als schwere Polizey-Uebertretung mit Arrest von drey Tagen bis zu Einem, nach Umständen bis zu drey Monathen zu bestrafen" (Preßgesetz 1848, § 22). Passt zu unserer Kribibi-Tagung im November.

    Neuerwerbungen

    Frisch vom Bücherflohmarkt in der Bücherei Erdbergstraße sind folgende Werke in meine Sammlung geflattert:
  • Michele Weldon: Writing to save your life. How to honor your story through journaling. Center City: Hazelden 2001
  • Anne Lamott: bird by bird. Some instructions on writing and life. New York: Anchor Books 1995
  • Bruce Sterling (Hrsg.): Spiegelschatten. Die große Cyberpunk-Anthologie. Heyne 1988
  • Arthur C. Clarke: Der Hammer Gottes. Heyne 2000
  • H.D. Klein: Googolplex. 2. Aufl. Heyne 2006
  • Da haben BibliothekarInnen gefehlt - oder gefehlt

    Im EM-Blog der Sportredaktion der Kleinen Zeitung schreibt Thomas Plauder über eine Fehlleistung des Schweizer Fernsehens: "Wer die Teletextseite 777 wählte, bekam bei den Hymnen, am unteren Rand des Bildschirms, die Texte geliefert. Karaoke für Eidgenossen quasi. Bei den Deutschen stand zu lesen: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt. . . Die erste Strophe des Deutschlandliedes, sie war die Hymne der Nazis und ist seither in Deutschland verboten. Man singt nur die dritte Strophe (Einigkeit und Recht und Freiheit). Offizielle Erklärung des Schweizer Fernsehens. 'Zwei Mitarbeiterinnen haben bei der Recherche versagt".

    Wednesday, June 18, 2008

    reading diary

  • recently finished (private): J.B. Stanley: Fit to die; J.B. Stanley: Chili con corpses
  • recently finished (studies): Hilde Spiel, die grande dame. Gespräch mit Anne Linsel in der Reihe "Zeugen des Jahrhunderts"
  • currently reading (job): Übersichten Dewey-Dezimalklassifikation DDC 22 Deutsch