Friday, April 29, 2011

Nur nicht lesen?

"Wer gerne liest, sollte alles mögliche werden, aber nicht Bibliothekar. Dieser Meinung ist Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). 'Ein Bibliothekar, der liest, ist verloren', sagt sie, 'Bücherwürmer scheitern in diesem Beruf'", schrieb die Berliner Zeitung im August 2002 (wahrscheinlich in Anspielung auf das berühmte Zitat im Kapitel 100 des "Mann ohne Eigenschaften").

Ich stimme dem so eigentlich nicht zu - ich denke, dass ziemlich viele Menschen diesen Beruf wählen, weil sie gerne mit Büchern zu tun haben. Vorausgesetzt, man merkt rechtzeitig, dass es mindestens genauso viel um den Umgang mit Menschen geht und dass man im Beruf nicht nur liest, finde ich das nicht einmal die blödeste Motivation. Was meint Ihr?

Thursday, April 28, 2011

Ich bin im falschen Film Buch

Nachdem ein Benutzer gegrantelt hatte, dass meine Kollegin und ich die Öffnungszeiten der nächstgelegenen BAWAG-Filiale nicht auswendig wissen (Zitat: "wer im Rathaus geht denn nicht zur BAWAG?". Na, ich zum Beispiel), bat er mich, ich möge ihm das doch im "Wurzbach" nachschauen... Zur Info: Unter "Wurzbach" versteht man gemeinhin das "Biographische Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 1856–1891". Ich hab dann doch die BAWAG-Website bevorzugt ;-)

Zahlen bitte! KRIBIBI-Frühjahrstagung

"Zahlen bitte!" heißt die Frühjahrstagung des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (Website; Facebook-Seite): "Bibliotheken - öffentliche wie wissenschaftliche - geraten in Zeiten der Ökonomisierung aller Lebensbereiche ebenso wie andere Bildungseinrichtungen zunehmend unter Druck, ihre Leistung anhand quantitativer Kennzahlen unter Beweis stellen zu müssen. So werden - von Trägerorganisationen, Behörden, Dachverbänden, aber auch privaten Institutionen - zahlreiche Kriterien und statistische Größen ersonnen, deren Messung sich Bibliotheken regelmäßig zu unterziehen haben, um ihre Existenzberechtigung als rentable und effiziente Dienstleistungsbetriebe nachzuweisen. Werden die vorgegebenen Bedingungen nicht erfüllt, drohen Budget- bzw. Förderungskürzungen, die im schlimmsten Fall sogar zur Schließung führen können. Das Seminar wird sich mit dieser Problematik auf verschiedenen Ebenen auseinandersetzen, wobei sowohl die dahinter stehende Ideologie analysiert als auch konkrete Auswirkungen beleuchtet werden sollen". Das Programm:

Freitag, 6. Mai 2011, Kulturzentrum Cafe 7*stern

  • Buchvorstellung mit Jörn Klare: Was bin ich wert? Eine Preisermittlung
  • Samstag, 7. Mai 2011, Renner-Institut

  • Karsten Schuldt: Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn sie ökonomisiert wird? (Referat und Diskussion)
  • Podiumsdiskussion: Christian Dandl (angefragt), Armin Gatterer, Gerald Leitner, Herlinde Lugstein: Modelle der Büchereiförderung
  • Sonntag, 8. Mai 2011, Renner-Institut

  • Ulrike Retschitzegger: Evaluation, die weiterhilft - das Qualitätssiegel des EB-Forums Öberösterreich für Öffentliche Büchereien (Referat und Diskussion
  • Reflexion, Vorschläge zum nächsten Seminar
  • Tuesday, April 26, 2011

    Katalogisieren, was ist das?

    Sind Basiskenntnisse im Katalogisieren wesentlicher Bestandteil einer MLIS-Ausbildung? J. McRee Elrod veröffentlichte auf der Mailingliste Autocat einen Leserbrief an American Libraries (via Karen Weaver auf stanleyk):

    "Periodically there is a post on Autocat, the cataloguer e-discussion list, with some variation on 'as a single professional in a <fill in type of library>, I am faced with having to catalogue. I did not take a cataloguing course in library school. How can I ...?'
    I've just been corresponding with one librarian with that problem, who did not even know that the Library of Congress Classification existed as a print publication. Fortunately, she is writing her Library School to express her dissatisfaction at being placed in this situation.
    Apart from knowing something about cataloguing making a better reference librarian or administrator, cataloguing is a basic skill of librarianship which every holder of an MLS or MLIS should have.
    Isn't it past time the American Library Association made providing a
    basic introduction to cataloguing a required course, as part of accreditation requirements?".

    Bibliothekarin will schlafen

    "I'd go to a workshop on our new CD-ROM databases, which seemed destined never to function properly, or enter data about the library's new acquisitions into our new online catalogue, which was also always on the blink, and all I could think about was that I wanted to lie down on the floor behind the circulation desk where no one could see me and take a nap, or maybe cry".

    Aus: Abby Bardi: The book of Fred. New York: Washington Square Press 2001, S. 58

    Saturday, April 23, 2011

    Ef-Ha und A - das alte Leiden

    In der neuen Ausgabe der FSG-Zeitschrift "teamwork" ist der Artikel "Gleich und gleicher" von Norbert Pelzer erschienen, in dem es zum Thema A-Wertigkeit von FH-Studien u.a. heißt: "Der Bachelor-Titel (...) findet zur Überraschung aller keinen Niederschlag im Gehalts- bzw. Besoldungssystem [des Magistrats der Stadt Wien]. (...) Gesetzlich sind FH-Abgänger als Bachelors Akademiker. Trotzdem dürfen sie aus noch undurchsichtigen Gründen nicht in den A-Dienst aufsteigen". Das Problem, das hier angesprochen wird, besteht aber schon seit zehn Jahren, kommt also zumindest für mich keineswegs überraschend - es betrifft ja nicht nur AbsolventInnen der (dreijährigen) Bachelorstudiengänge, sondern auch jene der (vierjährigen!) Diplomstudiengänge. Die anscheinend geplante Initiative erfreut mich als Betroffene grundsätzlich, kommt aber vielleicht doch etwas spät...

    Friday, April 22, 2011

    Verlage versagen im Marketing

    "With publishing houses slashing their marketing budgets, it often falls to writers themselves to make the most of every reading opportunity, from cozy gatherings of just a few fans at smaller booksellers to major events at chain stores that can draw upwards of 10 people". Schriftstellerin Francine Massey im Artikel "Author Promoting Book Gives It Her All Whether It's Just 3 People Or A Crowd Of 9 People" auf TheOnion.com ;-)

    Die Titanic und die Monarchie

    Das Österreichische Staatsarchiv hat einige interessante Archivalien zu den österreichischen Opfern der Titanic-Katastrophe im April 1912 online bereitgestellt. Interessant finde ich zum Beispiel, dass im "Bericht des österreichischen Generalkonsuls" so genau unterschieden wird, ob die Reisenden in Ungarn oder in Österreich wohnten und innerhalb dessen noch, ob sie Kroaten, Ungarn oder Slowenen waren. Die bei weitem größte Gruppe stellten übrigens die Kroatinnen und Kroaten aus Ungarn.

    Wanderweg nach Bibliothekar benannt

    "Er wurde von den meisten Kolobrzegern (Kolbergern) einfach nur Opa genannt, egal, in welchem verwandtschaftlichem Zusammenhang man stand: Der Bibliothekar Jan Frankowski", schreibt Jens Hansel in der Touristiklounge, "nicht nur, dass er in 'seiner' Stadt vor seinem Tod 1972 sehr beliebt war, er hat auch einige Dinge beeinflusst. Unter anderem deswegen wurde ein Wanderweg nach ihm benannt".

    Thursday, April 21, 2011

    QR-Codes in Bibliotheken

    Auf Inetbib wird gerade eine interessante Diskussion über die Verwendung von QR-Codes in Bibliotheken geführt.

  • Die Stadtbibliothek Springe verwendet die Codes probeweise auf Veranstaltungsplakaten anstelle einer URL, berichtet Tibor Maxam.
  • Die Bibliothek der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg nutzt "QR-Codes um die E-Books neben die fachlich zugehörigen Print-Exemplare ins Regal zu stellen: Die Regalbeschriftung zu bestimmten Systemstellen wird um einen Code ergänzt, der zu den E-Books führt, die mit der entsprechenden Notation erschlossen sind. So sollen die Bibliotheknutzer beim Stöbern am Regal mit dem Smartphone auch den elektronischen Content zu Ihrem Fachgebiet entdecken", schreibt Christoph Ackermann.
  • In der Zentral- und Landesbibliothek Berlin verlinken QR-Codes an den Menütafeln der Freihandregale zur Eingabemaske für den Auskunftsdienst.
  • Eine umfangreiche Beispielsammlung findet sich im Library Success Wiki, zum Beispiel "Contra Costa County Library is using QR codes to market downloadable audiobooks to people using public transit".

    Update: Viola Voß hat die vielen Beispiele in Netbib zusammengefasst.

    Wednesday, April 20, 2011

    Alte Jungfer, die x-te

    The Annoyed Librarian schreibt in der heurigen Kolumne über eine Bibliothekarin in der Werbung: "In 1972, Nabisco placed advertisements in McCall's, Redbook, and Better Homes and Gardens for Korkers, Flings, and Corn Diggers, which were snack foods at the time, though forty years on they all sound rather rude. Some of the ads were full of beautiful people fondling Korkers, having Flings, and munching on Corn Diggers. Well, they weren't completely full of beautiful people. One person in particular was old, withered, scowling, and dressed like a nineteenth century spinster. She was identified as 'Mildred Mason, town librarian'".

    Tuesday, April 19, 2011

    Staubige Archivluft

    Ich hab gerade zufällig ARD aufgedreht und bin wegen Johannes Silberschneider (*seufz*) bei "Die göttliche Sophie - Das Findelkind" hängengeblieben. Da warnte Silberschneider als Pfarrer gerade einen Kollegen vor einer Strafversetzung: "Die Luft in unseren Kirchenarchiven kann staubig sein. Sehr staubig sogar".

    Bibliothekar Feuerbach

    Das schöne am Bücherübersiedeln ist, wie ich gerade feststellen kann, dass man Bücher wieder in die Hand nimmt, die man schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Mir war z.B. bisher gar nicht aufgefallen, dass der Erzähler in Alois Brandstetters Roman "So wahr ich Feuerbach heiße" Bibliothekar ist: "ich, Primus Feuerbach, Bibliothekar in der bescheidenen Volksbibliothek einer mittleren Kleinstadt im Kleinstaat Österreich" (dtv, 1992, S. 5). Über das Gehalt im Vergleich zu Würstelstandlbesitzern schreibt Brandstetter: "Ein Volksbibliothekar ist, verglichen mit diesen, ein armer Schlucker, sozusagen ein Feuerschlucker oder überhaupt ein Hungerkünstler und Bettler neben dem Kotelettkönig oder Burenwurstkaiser" (S. 43).

    "an sich bin ich ein Buchfan"

    "Also an sich bin ich ein Buchfan und habe daher natürlich auch eine sehr hohe Affinität zu Büchern als physische Objekte. Daher stöbere ich auch immer sehr gerne in Bibliotheken. Allerdings ist es zunehmend so, dass ich über das Internet recherchiere, weil für mich quasi alle relevante Fachliteratur über das Internet, also elektronisch verfügbar ist". Aus einem Interview mit dem Informatiker Günther Haring, Leiter des wissenschaftlicher Leiter des Universitätslehrganges "Library and Information Studies". - Hm.

    Saturday, April 16, 2011

    Hamlet und Faust

    Photo aus dem Theatermuseum: Schädel, Krone, Spiegel, Buch auf einem Tisch

    Photo aus dem Düsseldorfer Theatermuseum, aufgenommen am 20. Jänner 2011.

    Friday, April 15, 2011

    reading diary

    Last week, I began relocating my books starting with the science fiction shelve. As I can't pack books without at least looking at them I'm currently always seen with a Star Trek novel in my hands ;-)


  • recently finished: Esther Friesner: Kriegskind. Heyne 1996 (= Star Trek Deep Space Nine ; 7) [Warchild]

  • recently started reading: Dean Wesley Smith / Kristine Kathryn Rusch: The escape. Pocket Books 1995
  • Thursday, April 14, 2011

    Bibliotheksbestand des Tages

    Bei der Suche nach Lehrmittelkatalogen für einen Benutzer bin ich im Druckschriftenkatalog auf folgende interessant klingende Lehrmittel gestoßen:

    Verzeichnis der mit dem Erlasse des k.k. n.-ö. Landesschulrathes vom 16. Februar 1887, Z. 849, in sämmtlichen Bürger- und allgemeinen Volksschulen des städtischen Schulbezirkes Wien zum Gebrauche vorgeschriebenen Schreibhefte, Linienblätter, Zeichenhefte, Blocks und Schiefertafeln (1887) // Sign.: A 309301

    Amalie Kamler: Kostümkunde. Zum Gebrauche an Frauengewerbeschulen für Weißnähen und Kleidermachen sowie an fachlichen Fortbildungsschulen für Lehrmädchen des Kleidermacherinnen-Gewerbes und ähnlichen Lehranstalten (1912) // Sign.: A 295442

    Johann S. Petri: Anweisung zum regelmäßigen und geschmackvollen Orgelspielen ür neuangehende Organisten und solche Klavierspieler, welche dieses wichtige Instrument oder das Positiv spielen lernen, es ordentlich stimmen, behandeln, und in Ermangelung eines Orgelbauers, kleine Fehler an demselben verbessern wollen (1802) // Sign.: A 202617

    Heinrich Maresch: Der Schulgarten als landwirtschaftliches Lehrmittel an der Volksschule (1897) (= Handbuch der speciellen Methodik ; 14) // Sign.: A 289050

    G. Escher: Noth- und Hilfsbüchlein für Mütter, die ihre Kinder selbst lesen lehren wollen. Nebst Fibel und Buchstabentafel (1833) // Sign.: A 190842

    Facebook und die Diätprodukte

    Ich habe mir gerade durchgelesen, welche Inhalte in Werbeanzeigen Facebook verbietet. Neben den zu erwartenden Punkten wie Werbung für alkoholische Getränke, die sich an unter21jährige US-AmerikanerInnen richtet, und Tabakprodukte generell finde ich den Abschnitt "Health and diet" sehr interessant:

    "The text and image on a diet ad should present realistic accurate information about weight in a neutral manner. Content may not depict health conditions in a derogatory or inflammatory manner. Health ads may not:
    * single out individuals or degrade the viewer of the ad.
    * guarantee or claim specific weight loss results.
    * imply that certain body types are more desirable than others.
    * present weight conditions or any other health conditions in a negative light".

    Zumindest den Abschnitt mit "guarantee or claim specific weight loss results" würde ich mir von anderen Medien auch wünschen. Ich meine vor allem die inflationären "Essen Sie weiter wie bisher und nehmen Sie 20 Kilo in einem Monat ab"- und "Mein Mann schaut mich nicht mehr an, weil ich nach fünf Geburten ein wenig zugenommen habe"-Inserate. Aber das ist halt "gutes" Geld, und wo macht man Halt? Akzeptiert man auch keine "Wenn Sie dieses Rasierwasser kaufen, fallen die Engel vom Himmel"-Anzeigen, wenn sie den Wahrheitsbeweis nicht antreten können? Und dass "Red Bull verleiht Flügel" auch gar nicht stimmt, schrieb ein Twitterer mal, der sich dort vergeblich ein Klavier borgen wollte.

    Wednesday, April 13, 2011

    Achtung Blumenwiese

    Ein Kollege von der Grünen Bildungswerkstatt hat mich auf einen interessanten Artikel in der Zeitschrift Die Landwirtschaft, herausgegeben von der niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer, aufmerksam gemacht: "Aus ungedüngten Wiesen werden schnell Blumenwiesen - mit unrentablen Unkräutern, Wild- und Giftpflanzen. Und solche Flächen laufen Gefahr, unter Naturschutz gestellt zu werden. Düngen zahlt sich daher aus vielen Gründen aus".

    Tuesday, April 12, 2011

    Raumfahrt in der Wienbibliothek

    Zum fünfzigjährigen Jubiläum von Juri Gagarins Erdumrundung hat die Wienbibliothek im Rathaus eine Galerie mit Beständen zur Raumfahrt auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht.
    Links Rütters' Plakat "SOS Raumschiff" aus dem Jahr 1958 zum US-amerikanischen Film "The invisible boy", in dem ein Bub mit Robby, dem Roboter, einen Supercomputer bekämpfen muss, der von einem Satelliten aus die Erde in seine Gewalt bringen will.

    P.S. Das ist mein 3500. Eintrag in diesem Weblog. Okay, genau genommen ist es der 3501., aber ich habe das Jubiläum übersehen, und deswegen erkläre ich ihn zum 3500., okay? :-)