Thursday, August 07, 2008

Bibliotheksbestand des Tages

Nicolas Appert: Die Kunst alle animalischen und vegetabilischen Substanzen nähmlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildpret, Fische, Zugemüse, Küchen- und Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, schon zum Genusse völlig bereiteten Kaffeh, Thee u.s.w., in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten. Dritte vermehrte, und mit der Reduction der französischen Maße auf Wiener Maße versehene Auflage. Wien: Mörschner und Jasper 1832 [Signatur A 246430]

Wir übersiedeln gerade alle Bücher, die vor 1850 erschienen sind, in den klimakontrollierten, sauerstoffreduzierten Tiefspeicher. Wir haben Listen ausgedruckt, nach denen im Depot ausgehoben wird, dann wird abgesaugt und abgestaubt, dann kommen die Bücher zu uns herunter, und wir vermerken den Erhaltungszustand und den neuen Standort im Katalog. Ich trage außerdem noch Besitzvermerke ein, weil ich spannend finde, durch wieviele Hände (und Bibliotheken) so manches Buch schon gegangen ist - und wann, wenn nicht jetzt, soll man das erledigen. Ich hatte bisher nur zwei Bücher, die nicht in sehr gutem Zustand waren, und lasse mich immer wieder von Büchern aus dem 17. Jahrhundert mit fleckenlosem Papier und glasklarer Schrift begeistern. Die befürchteten Papierschnitzelberge unter meinem Schreibtischsessel sind jedenfalls bislang ausgeblieben.

3 comments:

  1. LonelyLibrarian8/8/08 11:03 am

    Ja, das mit den Papierschnitzeln und "zu Staub verfallen" hab ich auch schon oft gehört, aber noch nie wirklich gesehen (ausser einer alten, brüchigen Zeitung) - und wir haben in unserer Bibliothek Bücher aus 5 Jahrhunderten. Wie ich mal gehört habe, ist dieses "Gerücht" vor allem aufgrund einer Plakat-Kampagne der ALA(??), LoC(??) (ich kann mich nicht mehr erinnern, wer's war) entstanden. Man wollte damit auf das Papier-Problem aufmerksam machen um Gelder für die Entsäuerung etc. zu bekommen und hat dafür absichtlich etwas übertrieben - was bis heute hartnäckig hängen geblieben ist...

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  2. Ich kann das aber aus eigener Erfahrung bestätigen - ich habe einmal aus dem Handapparat mehrere Amtsschematismen aus dem 19. Jahrhundert geholt, und da fand nachher am Boden vor dem Regal eine Papierschnitzeljagd statt. - Bei Zeitungen hab ich das in Graz mal gesehen - da fielen richtig die Buchstaben raus, wegen der säurehaltigen Tinte. Die in Handschriften-Makulatur eingebundenen Bücher aus dem 16. Jahrhundert, mit denen ich gestern zu tun hatte, waren aber einwandfrei - und das nach 450 Jahren. Hat mich schon beeindruckt.

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  3. lonelylibrarian8/8/08 2:39 pm

    Ja, ganz unbegründet ist das Ganze leider schon nicht. Ich denke aber, das z.B. gerade Zeitungen wesentlich mehr betroffen sind, als Bücher, da diese ja sowieso nur für eine kurze Lebensdauer gedacht waren und dementsprechend billige Materialien verwendet wurden. Dass das Problem aber durchaus ernst zu nehmen ist - und genommen wird - zeigen ja auch die Entsäuerungsmassnahmen, die an vielen grossen Bibliotheken durchgeführt werden. Die Qualität und der guten Erhaltungszustand von vielen der sehr alten Bücher faszinieren und beeindrucken mich aber auch immer wieder.

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