Friday, April 06, 2007

Ich als DAU

Es ist durchaus nützlich, als BibliothekarIn andere Bibliotheken zu besuchen - so kann man feststellen, dass man sich auch nach mehrjähriger Ausbildung wie ein DAU vorkommen kann, und so kann man etwas mehr Verständnis für die eigenen BenutzerInnen entwickeln. Beispiel zur Illustration: Ich besorgte mir am Mittwoch wieder Bücher aus einer großen Wiener Bibliothek und kopierte mir gleich neben der Leihstelle einige Seiten heraus. Als die Kopierkarte zur Neige ging, las ich auf einem Schild über dem Kopierer "Automat Foyer/Lesesaal". Gut, ich stapfte den Halbstock zum Lesesaaleingang hinauf - allein, kein Automat zu erblicken. Was macht man da? Man fragt natürlich den Bibliothekar, der sich dann besonders freut, dass er mit seiner Ausbildung (s.o.) den ganzen Tag solche Dummy-Fragen beantworten muss, für die man wahrscheinlich auch einen trainierten Affen einsetzen könnte (was der Tierschutz natürlich zurecht niemals zulassen würde). Der war aber sehr höflich und es blitzte auch nur ein minimales Verzweifeln aus den Augen - für Eingeweihte wie mich leicht zu erkennen ;-) Der Automat sei "unten neben der Glastür". Von dort kam ich ja gerade. Sprich: Ich hätte mich am Kopierer nur um ca. 100 Grad drehen müssen. Aaah! Zu meiner Ehrenrettung (oder auch nicht) muss ich sagen, dass ich den Automaten von der Entfernung auch nicht als solchen identifiziert hätte - er hatte eher Ähnlichkeit mit einem Sicherungskasten... Ich sollte mich wohl nie wieder aufregen, wenn Leute mich fragen, ob wir auch Zeitschriften haben, wenn sie direkt vorm Zeitschriftenregal stehen.

5 comments:

  1. Mir ging es in der BSB München mal so, als ich verzweifelt auf der Suche nach einer Zeitschrift war - und mir war es zu peinlich an der Auskunft zu fragen, obwohl man es einem ja nun nicht an der Nasenspitze ansieht, dass man selbst Bibliothekarin ist. Nach x-maligem Hin- und Herrennen war ich sehr erleichtert, als ich die ZS dann doch noch selbst gefunden hatte ;-)

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  2. Bekennender BibUser11/4/07 7:36 pm

    Haha, schadenfroh bin! Endlich, mal jemand der erntet was er säht, der bekommt was er verdient, haha! Naja mal im Ernst, ich denke das sollte halb- oder jährliches Pflichtprogram für Bibliothen sein. Ich als geschundener, gebeutelter Tempelgänger, erlebe euren Spott und eure Arroganz, der/die meistens auch nur aus den Augen blitzt zur genüge. Aber es sind ja nicht alle Bibis schlecht, der eine oder ander Nette soll ja schon gesichtet worden sein. So, aber jetzt mal wirklich ganz im Ernst, ich mag euch ja eigentlich, aber das ich vor Jahren aus der DB in Leipzig wegen einer Erkältung rausgebeten wurde hab ich bis heut nicht verwunden ...

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  3. ...nicht doch, bekennender BibUser! Man erntet, was man sät - und wer letzteres Verb mit "h" schreibt, der verdient es, von Bibliothekaren verspottet zu werden ...

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  4. Ich kann "bekennender bibuser" nur recht geben. Und ich bin selbst Bibl.! Ich gehe gern privat an die örtliche Zweigstelle meiner Stadtbücherei, und was ich da erlebe... Kundenservice ist leider allzu häufig ein Fremdwort in deutschen Bibliotheken. Seufz

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  5. ich kann mich über das "Kunden"service in der UB Wien gar nicht beklagen - der Bibliothekar hat mir höflich und rasch die gewünschte Antwort gegeben (wollte ich nur klarstellen).
    Aber es gibt meiner Meinung nach - auch wenn einem Leute immer wieder einreden wollen, es gebe nur blöde Antworten - blöde Fragen... nein, blöd ist ein zu hartes Wort, ich meine Fragen, die davon zeugen, dass die Leute vorher nicht eine Sekunde nachgedacht haben. Wobei ich jemandem, der im Umgang mit Bibliotheken unsicher oder unerfahren ist, natürlich gerne helfe und manche Sachen auch mehrmals erkläre, klar. Aber aus reiner Faulheit zu fragen statt selber nachzuschauen bei Leuten, die es besser wissen, das nervt mich schon ein wenig.

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