Monday, October 04, 2004

Das Buch "Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen" - herausgegeben von Gert Tschögl, Barbara Tobler und Alfred Lang und erschienen 2004 im Mandelbaum-Verlag - wird am Donnerstag, dem 7. Oktober, um 19 Uhr im Wiener Jüdischen Museum vorgestellt. In über zweijähriger Arbeit hat die Burgenländische Forschungsgesellschaft Interviews mit 1938 aus dem Burgenland vertriebenen Juden und Jüdinnen geführt. 33 Personen erzählen über ihre Kindheit, die Vertreibung und Flucht, den Neubeginn in der Emigration und ihre Beziehungen zu Österreich heute.
Bei "Poodle" von GRI Technologies kann man mit den Augen einer Suchmaschine sehen - so schaut zum Beispiel eine Seite meiner Berufsbild-Bibliographie für einen Spider aus.

Friday, October 01, 2004

Die moderierte Mailingliste Mauvaisgenres befasst sich mit Krimis und Science Fiction in Bibliotheken: "Créée à l'origine pour les bibliothécaires, la liste s'est très rapidement ouverte à tous les passionnés des deux genres. En fait, Mauvais genres en bibliothèques prolonge sur Internet le travail qu'effectue tous les jours les bibliothécaires: mettre à disposition, faire connaître, être le médiateur entre le livre et le lecteur".
Das Washington Research Library Consortium betreibt ein Verzeichnis von "Library-Oriented Lists & Electronic Serials". Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin verzeichnet bibliothekarische Mailinglisten in den Sprachen Deutsch, Italienisch, Ungarisch, Englisch, Polnisch, Französisch, Spanisch, Indonesisch und Türkisch.

Thursday, September 30, 2004

Es gibt eine Verbunddatenbank für Auktionskataloge: "SCIPIO is a database containing bibliographic records for art and rare book sales catalogs dating from the late 16th century to the present, available exclusively through RLG. It is the only online union database of auction catalog records in existence". SCIPIO besteht seit 1980 und wird von rund 25 Organisationen gespeist. Die Suche ist kostenpflichtig, aber es gibt einen Testzugang.
Nachdem empirische Studien belegen, was unsere Berufsgruppe schon lange geahnt hat, dass nämlich BibliothekarInnen tatsächlich mehr Schokolade essen als andere (eigentlich hat jede Bibliothek, in der ich jemanden kenne, eine sogenannte Schoko-Lade), hier der Hinweis auf den österreichischen Chocolate Lovers Club, eine Initiative des Schokoladenkontors Xocolat in Wien.
Es gibt den Spruch "La betise humaine est la seule chose qui donne une idée de l'infini"; Albert Einstein sagte angeblich "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher"; und "Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit", lautet angeblich das Motto von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
Für diese Aphorismen findet man jeden Tag neue Belege. Zum Beispiel die Äußerungen von Johann Gudenus (Ring Freiheitlicher Jugend): "Homosexuelle Beziehungen haben für die Gesellschaft keinen Wert... Nicht jede dahergelaufene Erektion konstituiert gleich eine Ehe..." (Aus: Der Standard, September 2004).

Wednesday, September 29, 2004

Die Wanderausstellung "Kompetenz !! Karriere !? Kohle ?? : Frauenarbeit in Österreich" ist vom 6. bis 29. Oktober 2004 in der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek der AK Wien zu sehen. Die Ausstellung entstand im Rahmen der EU-Gemeinschaftsinitiative EQUAL als gemeinsames Projekt von Österreich und den Kanarischen Inseln. Ziel der Ausstellung ist es, Chancen und Hemmnisse für Frauen am Arbeitsmarkt entlang der Themen Ausbildung, Beruf und Einkommen aufzuzeigen. Die offizielle Eröffnung der Ausstellung gemeinsam mit der Präsentation des Bibliotheks-Jahrbuches "Frauen lesen und finden ihre verlorene Geschichte" findet am 8. Oktober 2004 um 10 Uhr statt.
Einer Tätigkeit, die mir besonders schwer fällt, widmet sich Jürgen Plieninger in der fünften Checkliste der Kommission für One-Person Libraries: der Aussonderung.

Tuesday, September 28, 2004

Ich lese gerade die Novelle "Fräulein Stark" von Thomas Hürlimann (Ammann 2001, Fischer 2003). Die Geschichte spielt in der Stiftsbibliothek St. Gallen, und vor allem die Schilderung der (Hilfs-)Bibliothekare und der Vorgänge in der Bibliothek ist wirklich sehr amüsant. So schreibt er, dass jeder neue Stiftsbibliothekar eine eigene Klassifikation einführe, "das Dumme war nur, daß noch kein System das Ganze, oder zumindest einen Teil des Ganzen, erfaßt hatte, eher im Gegenteil, je länger die Bibliothek bestand, desto komplizierter wurden die Systeme, desto zahlreicher die Bücher, so daß mit jedem Jahr, ja mit jedem Monat an dem unendlich sich verzweigenden Bücherbaum neue, jedoch bereits überfüllte Gestelle ausschlugen ..., Bücher Bücher Bücher, Abertausende von Titeln, niemals zu bewältigen, niemals zu katalogisieren ..." (S. 39)
Der Perlentaucher versammelt Rezensionen dazu; in der NZZ ist ein ausführliches Interview mit Hürlimann erschienen, das sich vor allem mit der (Nicht-)Rezeption des jüdischen Hintergrunds der Geschichte durch KritikerInnen befasst.
Auf www.plueschmikroben.de und www.giantmicrobes.com gibt es einen Bücherwurm (Anobium punctatum) als Stofftier zu kaufen. Besser kuschelnd im bibliothekarischen Bett als nagend im wertvollen Bestand, mag der Hintergedanke sein. Es handelt sich angeblich um eine-million-fach vergrößerte Nachbildungen der Originale. Neben dem herzigen Bücherwurm gibt es u.a. auch Ebola, Schwarzer Tod, Pfeiffersches Drüsenfieber, Magengeschwür und Grippe.
"Kalewala", DAS finnische Epos, ist in einer neuen deutschsprachigen Übertragung erschienen, berichteten die Presse am 25. September und die NZZ am 27. April. Elias Lönnrot / Gisbert Jänicke (Übers.): Kalewala. Das finnische Epos. Salzburg: Jung & Jung Verlag 2004, ISBN 3-902144-68-8, 38,00 Eur[A].

Monday, September 27, 2004

Bei der Eröffnung des Bibliothekartages in Linz vergangenen Dienstag wurde Bundespräsident Heinz Fischers Rede per Video eingespielt. Die Rede war an sich recht bemüht und nett, aber HeiFi hat das Medium "Buch" so stark betont, dass man annehmen könnte, wir hätten nix anderes in den wissenschaftlichen Bibliotheken. Wenn wir wirklich nur Bücher hätten, hätten wir uns zwei Drittel der Vorträge bei dieser Tagung ersparen können ;-)
Einer der amüsantesten literarischen Sätze für BibliothekarInnen (vor allem solche, die katalogisieren und klassifizieren): "Irgendwie geht Ordnung in das Bedürfnis nach Totschlag über". Aus: Robert Musil: "Der Mann ohne Eigenschaften", Kapitel 100 ("General Stumm dringt in die Staatsbibliothek ein und sammelt Erfahrungen über Bibliothekare, Bibliotheksdiener und geistige Ordnung"). Ich empfehle die Lektüre des ganzen Kapitels (natürlich des ganzen Buches, aber Kapitel 100 ist für den Anfang nicht schlecht).
"Ist Größe Argument genug? Oder braucht es nicht doch ein Konzept?" fragt sich Gerrit Bartels in einem taz-Artikel über das Internationale Literaturfestival in Berlin.
Drei Häppchen zum Thema Bibliotheksbrand: Die Verlustdatenbank der Anna Amalia-Bibliothek in Weimar ist nun online. In der Mitteldeutschen Zeitung ist im Zusammenhang mit diesem Brand ein Artikel über die Marienbibliothek in Halle erschienen, in dem der Direktor der Franckeschen Stiftungen, Thomas Müller-Bahlke, sagt, dass auch in der ältesten und größten evangelischen Kirchenbibliothek Deutschlands ein Brandschutzsystem fehle. Am Bibliothekartag in Linz vergangene Woche hat Elisabeth Raicher einen interessanten Vortrag über Katastrophenplanung gehalten, in dem festgestellt wurde, dass in Österreich die Gefahr eines Wasserschadens am größten sei, dass aber just die Brandschutzmaßnahmen am ausgefeiltesten seien.
In Graz sollen acht Zweigstellen der Stadtbibliothek geschlossen werden. Dazu nimmt der Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Renner-Institut (Kribibi) Stellung: Der beabsichtigte Schritt demonstriere einmal mehr auf drastische Art die Geringschätzung der Leistungen des öffentlichen Bibliothekswesens. Dabei solle sich jede Kommune gerade in einer Zeit der wachsenden finanziellen Belastung der Bevölkerung umso mehr bewusst sein, dass es ihre Aufgabe ist, den freien Zugang zu Bildung und Information sicherzustellen. Acht Zweigstellen mit je dreißig Öffnungsstunden pro Woche und über hunderttausend Medien könnten nicht von einem Bücherbus ersetzt werden.
Gestern hab ich zufällig auf VH1 ein Video gesehen, das in einer Bibliothek spielt und natürlich nicht ohne bebrillte, streng schauende Bibliothekarin (diesmal aber jung und reizvoll) auskommt: und zwar "Head over heels" von Tears for Fears.

Monday, September 20, 2004

Die neue Zweigstelle Philadelphiabrücke der Büchereien Wien (60.000 Medien, 900 m2, Jugendbereich) wurde kürzlich im Einkaufszentrum "Arcade Meidling" eröffnet. Franz Pascher hat die Bibliothek auf seiner Website mit Text und Photos dokumentiert. Auf der Website der Büchereien Wien hab ich die Zweigstelle allerdings nicht gefunden - hier steht nur, dass die Bücherei im Fuchsenfeldhof ab Mai 2004 geschlossen ist und in das Einkaufszentrum übersiedeln wird; und die letzte Presseaussendung ist von Jänner 2004.
Suhrkamp wird in Zukunft den Umschlag seiner Taschenbücher in einem "distinguierten Grau" statt dem bisher bekannten Blau, Grün, Rot... halten. Dazu Niklas Maak in der FAZ vom 18. September nicht ganz unbegründet: "Leider ist das Grau nicht distinguiert. Die grauen Cover haben den Charme einer ostdeutschen Industrielandschaft an einem unterbelichteten Januartag, die beigefarbenen Cover sehen aus, als habe man der Literatur einen orthopädischen Stützstrumpf übergezogen".

Friday, September 17, 2004

Der Standard hat zum Thema "Austrokoffer" ein eigenes Special angelegt. Hier noch Links zur Berichterstattung der "Presse", hier zur offiziellen Seite austrokoffer.at, hier zum Ueberreuter-Verlag, hier zur Stellungnahme des Literaturhauses.

Thursday, September 16, 2004

In Umberto Ecos neuem Roman "La misteriosa fiamma della regina Loana", der im Oktober bei Hanser auf Deutsch erscheinen wird, geht es um einen Archivar, der sein Gedächtnis verliert. In der FAZ vom 14. September 2004 ist ein Portrait des Autors von Volker Weidermann erschienen.

Tuesday, September 14, 2004

*schmunzel* Soeben erhielt ich einen Brief vom "American Bibliographical Institute", das mich anscheinend als eine von fünfhundert "noteworthy" Personen in das "World Book of Knowledge" aufnehmen will. "I admire your accomplishments and dedication to improving the lives of others", schreibt mir Präsident(in) J.M. Evans, "YOU have been chosen for this monumental publishing event because of your distinguished career. Readers will gain invaluable and critical insights into the men and women who are of the utmost significance to our world". Das Schöne daran ist, dass ich dieses Meisterwerk dann zum Sonderpreis von nur 795 Dollar erwerben kann... Eine Website dieses Instituts gibt es nicht.
Ich zitiere dazu den Blogger Hannes Gassert, dem es anscheinend ähnlich erging: "Alright, I'm rather credulous by nature, but heck, who would want the biography of a random 22-year old in an encyclopedia a the cost of $795 USD?"
Immer wieder nett: das "Museum of unworkable devices". Unter anderem gibt es hier eine Liste mit den Patenten, die für solche unworkable devices, zum Beispiel für ein Perpetuum mobile, vergeben wurden. Der Gestalter der umfangreichen Seite ist Donald E. Simanek, Physikprofessor an der Lock Haven University of Pennsylvania.
Im Journal of the hyperlinked organisation (JOHO) von David Weinberger erschien ein interessanter Artikel über "Why Dewey's Decimal System is prejudiced".

Monday, September 13, 2004

Hab über einen Link von Curmudgeony librarian folgenden netten Test entdeckt: Dante's Inferno Test. "This test is based on the description of Hell found in Dante's Divine Comedy. Answer the questions below as honestly as you can and discover your fate. Based on your answers, your purity will be judged and you will be banished to the appropriate level of hell. Abandon all hope."
Wie USA Today berichtet, wird im Dezember der Film "The Librarian" in die Kinos kommen. Zitat: "Instead of supersonic shushing, this librarian's job requires protecting mythological items, including Excalibur and the Ark of the Covenant, in a repository beneath the New York Public Library". Flynn Carsen wird von Noah Wyle gespielt, der seit 1994 als John Carter in der Fernsehserie Emergency Room auftritt.
Daniel Sokolov schreibt in netzkritik.de einen interessanten Artikel über das Ershov-Archiv für Computergeschichte, das sich in der sibirischen Wissenschafts-Stadt Akademgorodok befindet. Andrei Petrovich Ershov war ein Informatikpionier. In seinem Archiv befinden sich tausende Bücher, Zeitschriften, Konferenzberichte und fünfhundert Aktenordner, die seine wissenschaftliche Karriere und damit auch die Geschichte der Informatik in der Sowjetunion dokumentieren.

Wednesday, September 08, 2004

"Es kömt nur darauf an, daß der Bibliothecarius ein Gelehrter und discoursirter Mann sei". Zitat von Sigismund Streit, Titel eines Artikels von Susanne Knackmuß in den Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte 28 (2003) 1/2, S. 111 - 124

Tuesday, September 07, 2004

Die FAZ bietet online ein Special über den Bibliotheksbrand in Weimar an und spricht darin von einem "Weltgedächtnisverlust".
Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek erwirbt den literarischen Nachlass des im Jahr 2000 verstorbenen Dichters H.C. Artmann, berichtet die Rathauskorrespondenz.
Gestern habe ich auf Arte den wohl traurigsten Film meines Lebens gesehen: die Dokumentation "Asphaltkinder in Bukarest" (Original: "Children underground") von Edet Belzberg. Ein Interview mit der Filmemacherin gibt es bei Indiewire. Der Film war 2001 für einen Oscar nominiert.
Siehe auch Caritas und Romhelp.

Monday, September 06, 2004

Der britische "Freedom of information act" wird novelliert und als solcher am 1. Jänner 2005 in Kraft treten. Besonders interessant sind für mich immer die Ausnahmen von der Informationsfreiheit, in diesem Fall unter anderem "Information supplied by, or relating to, bodies dealing with security matters", "national security", "Defence" und "Communications with Her Majesty".
Die Restauratorin Karin Slenczka betreut beim Forum Bestandserhaltung eine Dokumentation des Bibliotheksbrandes in Weimar.
Bei der ZDF-Berichterstattung über die Geiselnahme in Beslan wurde darauf hingewiesen, dass die Kinder traumatisiert seien. Gut, das kann man sich wohl denken. Interessant ist das vom Moderator mitgelieferte Indiz eben dafür: Die Kinder konnten nicht einmal auf die Fragen der Fernsehreporter antworten. Karl Kraus, schau oba.

Friday, September 03, 2004

Eine Nachricht, bei der das bibliothekarische Herz blutet: In der Herzogin Anna Amalia-Bibliothek in Weimar hat ein Brand, mutmaßlich nach einem Elektroschaden, mehrere tausend wertvolle Bücher vernichtet und etliche zehntausend Bände beschädigt. Wohl nicht zu Unrecht fragen sich BibliothekarInnen aus dem In- und Ausland, wie es sein konnte, dass in einer der bedeutendsten Bibliotheken Deutschlands die Katastrophenplanung derart vernachlässigt werden konnte. Nun wird zu Spenden aufgerufen.

Wednesday, September 01, 2004

"You know perfectly well that the surest way to your heart is through conversation".
Aus: Andrew J. Robinson: A stitch in time. Pocket books 2000, S. 352 (hervorragender Star Trek-Roman über Garak)
Die "Bibliothek des Tages" ist diesmal die barocke Kulissenbibliothek in den Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale). Die hab ich im Urlaub besichtigt. Auch abgesehen davon waren es (leider nur) zwei Tage, die einer Bibliothekarin und angehenden Germanistin würdig sind ;-) Ich hab die Merseburger Zaubersprüche, das einzige erhaltene althochdeutsche Sprachdenkmal aus vorchristlicher Zeit, im Original gesehen! In Merseburg findet nämlich zur Zeit die Ausstellung "Zwischen Kathedrale und Welt" anlässlich des tausendjährigen Jubiläums des Domkapitels statt. Und in Leipzig waren wir im Schillerhaus, wo Schiller 1785 immerhin fünf Monate zugebracht hat. In dieser Zeit hat er angeblich "An die Freude" verfasst und am "Don Carlos" gearbeitet.
Zugegeben, nicht alles war so kopflastig - der Besuch im Schokomuseum der Schokoladenfabrik Halloren in Halle und der kleine, unbedeutende Abstecher zum Fabriksverkauf durften auch nicht fehlen. Mein persönlicher Tipp: die Mokketten und die Halloren-Kugeln Schoko-Eierlikör.

Tuesday, August 24, 2004

Die Stadtgemeinde Hollabrunn erhält für das Projekt "Mediathek" im Rahmen der Stadterneuerungsaktion des Landes eine Förderung in Höhe von 32.500 Euro. Zusätzlich wurde eine Förderung in der Höhe von 32.500 Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gewährt. Die Mediathek soll die bestehende Bibliothek ergänzen und durch moderne Kommunikationsmöglichkeiten neue KundInnen ansprechen, berichtet der Pressedienst der NÖ Landesregierung.

Monday, August 23, 2004

"Wer Langtexte liebt, lebt ein lohnenderes Leben", war gemäß einem Artikel in der Leipziger Volkszeitung das Credo des kürzlich verstorbenen Buchwissenschaftlers Dietrich Kerlen.
Der finnische Parlamentspräsident Paavo Lipponen sagt in einem Artikel in der Wiener Zeitung vom 21. August: "Mein Architekur-Mekka liegt in Österreich. Wenn ich nach Wien komme, führt mich mein Pilgerweg zur Nationalbibliothek, zum Loos-Haus und zur Postsparkasse!"
Über einen Hinweis von netbib bin ich auf die Seite whichbook.net gestoßen, die außergewöhnliche Kriterien für die Suche nach Büchern anbietet. Man kann z.B. eingeben, dass eine lesbische Frau über 50 mit schwarzer Hautfarbe oder ein nicht-menschlicher, heterosexueller Mann unter 26 darin vorkommen soll. Man kann auch auf Skalen die gewünschte Ausrichtung des Buches einstellen, z.B. expected - unpredictable, beautiful - disgusting, easy - demanding. An whichbook.net arbeiten 150 Personen aus Bibliotheken und Literatur-Organisationen, die Bücher lesen und dann entsprechend den Kategorien bewerten.
Ich kann mich an einen Bibliothekskatalog erinnern, bei dem man nach der Farbe des Schutzumschlages suchen konnte, aber leider finde ich diese Seite nicht mehr. Dafür habe ich in einem Weblog ein Photo eines Bücherregals gefunden, in dem die Bücher nach Farbe geordnet sind.
Nicht uninteressantes bibliothekarisches Weblog: "sex and the library", "detailing the glamour, fashion, and humor of the public library".

Wednesday, August 18, 2004

Vor kurzem habe ich das Tagebuch meines Onkels Helmut aus dem Jahr 1955 entdeckt. Die Lektüre ist sehr spannend. Abgesehen vom Eintrag am 21. Jänner, demzufolge ihm mein damals siebenjähriger Vater einen Bleistift gemopst haben dürfte (es kommt eben alles irgendwann ans Licht), sind vor allem die Angaben über den Deutschunterricht sehr interessant. Als Schularbeitsthemen wurden die Fragen "Warum reist man nach Österreich?" und "Ist Professionalsport erwünscht?" gestellt. Im Mai dürfte der Deutschlehrer sich diesbezüglich allerdings nicht durchgesetzt haben - Zitat: "In Deutsch wollte er Schularbeit machen, konnte nicht, weil wir nicht wollten". Und über Literaturpflege hieß es: "Fuhr in Litpflege um eine Stunde früher ab. Hoffe, daß er es nicht bemerkte." Am 2. Juni wird von einem Streich berichtet: "Legten in Deutsch statt Klassenbuch Atlas auf Katheder. Als er jemand eintragen wollte, konnte er nicht". Vier Tage später: "Heute wieder Wirbel in Deutsch (...) folgende Streiche: krochen auf Kommando unter Bänke, stiegen alle auf Stuhl und standen alle auf. Er stieß 7 Flüche aus". Und am 13. Juni: "Heute liefen wir in Deutsch alle aufs Klo – Furchtbarer Lärm".
Werde Tagebuch gut aufheben für den Fall, dass ich jemals bereuen sollte, von Lehramt auf Diplom umgesattelt zu haben.

Tuesday, August 17, 2004

Auf www.jugendliteratur.org findet sich die aktuelle Nominierungsliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis, der als einziger Staatspreis für Literatur in Deutschland seit 1956 jährlich verliehen wird. Ausgezeichnet werden herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Heuer wurden in den Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch 29 Titel nominiert. Die PreisträgerInnen werden am 7. Oktober 2004 auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.
Weitere Links zum Thema Kinder- und Jugendliteratur: Das Institut für Jugendliteratur, die STUBE (Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur), das Kinderliteraturhaus in Wien, die AG Kinder- und Jugendliteratur des Österreichischen Bibliothekswerks, Österreichischer Kinder- und Jugendliteraturpreis.

Monday, August 16, 2004

Google gibt's auch auf Klingonisch.
Will Manley befasst sich in seiner Kolumne in der Zeitschrift American Libraries mehrmals mit dem Thema "Sexual harassment by patrons". Darin wird eine Umfrage zum Thema "Librarians and Sex" zitiert, derzufolge 78 Prozent der befragten Frauen angeben, bereits von einem Bibliotheksbenutzer sexuell belästigt worden zu sein. Zitat aus einem Abstract: "Sexual Harassment by patrons is a serious problem for those who work in libraries, and administrators do not help with the problem. There has even been the perception that administration will be hostile towards library employees who report harassment by patrons."
Will Manley: "No laughing matter this month". In American Libraries 24 (1993)1, S. 68. Ders.: "Sexual harassment by patrons II". In: American Libraries 24 (1993) 7, S. 652. Ders.: "Sexual harassment by patrons III". In: American Libraries 24 (1993) 8, S. 756. Ders.: "Sexual harassment by patrons IV". In: American Libraries 24 (1993) 9, S. 828
Über die höchstgelegene Bibliothek Europas schreibt das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels am 11. August: "Dünne Luft für 240 Bücher" heißt es da. Die Bibliothek mit 240 Bänden befindet sich in einer Berghütte auf 4552 Metern Seehöhe, und zwar auf dem Monte Rosa in der Capanna Margherita, und wird vom italienischen Alpenverein CAI betreut. Sie dürfte gar nicht so wenige potentielle BenutzerInnen haben: "Il rifugio più alto d’Europa, infatti, è frequentato ogni anno nella stagione estiva da centinaia di alpinisti molti dei quali si fermano a pernottare. Oltre allo stupendo ed unico panorama che si gode da lassù, in futuro molti alpinisti, in attesa della sera, potranno impegnare il tempo libero sfogliando un libro", heißt es im CAI-Newsletter. Hinweis kam aus dem Netbib-Newsletter.

Friday, August 13, 2004

Der Wolfenbütteler Arbeitskreis für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte veranstaltet im November ein Symposion zu Paul Schwenke. Paul Schwenke (1853 - 1921) war eine der großen Gestalten im deutschen Bibliothekssystem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Er machte sich besonders um das historische Buch und die Einbandkunde verdient. Die Vorträge finden in der Bibelsammlung (Bibliotheca Augusta) der Herzog August-Bibliothek Wolfenbuettel statt. Die Tagung wird von Friedhilde Krause (Berlin) und Wolfgang Schmitz (Köln) geleitet.

Thursday, August 12, 2004

Apropos John Sinclair: Man kann sich jetzt gegen eine Spende von 50 € an das Kölner Literaturhaus als Figur in einen Sinclair-Roman einkaufen: "Mit einer Spende von 50 Euro erwerben Sie die einmalige Chance, als Romanfigur im Halloween-Sonderheft namentlich genannt zu werden. Die Anzahl der Romanfiguren ist auf 100 begrenzt: Nur die ersten 100 Spender können im Romanheft erscheinen. Alle, die zu spät kommen, erhalten ihre Spende zurück." Der Aktionszeitraum läuft vom 27. Juli bis zum 20. September 2004, das Sonderheft wird am 9. November erscheinen.
Ich persönlich hätte dann doch lieber eine Statistinnenrolle in einem Star Trek-Film, aber mir fiele für John Sinclair eine tolle Location ein: Man gehe an einem Sonntag, bevorzugt bei Nebel und/oder in der Dämmerung, durch den Alberner Hafen in Wien Richtung "Friedhof der Namenlosen" - da wartet man förmlich darauf, dass hinter einer der einsamen Industrieruinen ein Dämon herausspringt. In einigen Sinclair-Romanen kommt tatsächlich ein Hafen vor, zum Beispiel in "Der Vampirpakt" und "Das Geheimnis des Spiegels". Sinclair könnte ja mal einen Fortbildungskurs für das österreichische Bundeskriminalamt halten o.Ä. Wien-Bezug gibt es: Über die ganz tolle European Vampire Bibliography von Melinda K. Hayes hab ich herausgefunden, dass es einen Roman namens "Die Werwölfe von Wien" gibt, und auf gruselromane.de fand ich noch "Die Pestklaue von Wien" und "Der Pestvogel".
Die österreichische Literaturzeitschrift Volltext ist seit 1. August auch im Radio vertreten. Die einstündige Sendung "Radio VOLLTEXT" ist auf dem Internet-Radiosender Radio McShark zu hören, wird von Thomas Heher moderiert und bleibt immer einen Monat online. In diesem Monat: Ernst Molden liest aus seinem im September bei Deuticke erscheinenden Buch "Wien. Hinweise zum Umgang mit einer Seele" und spielt Lieder aus seiner für den Herbst geplanten CD "Haus des Meeres".
Volltext hat die nette Rubrik "Unwürdige Lektüren", darin z.B. Franzobel liest "News", Thomas Glavinic liest Karl May, Norbert Müller liest das Goldene Blatt. Im Prinzip werden Bücher / Medien vorgestellt, die "man nicht liest", aber eigentlich ja doch - so wie ich *psst* "Geisterjäger John Sinclair".

Monday, August 09, 2004

Eine kleine Werbeeinschaltung: Bei dieser Tagung werde ich einen Vortrag über "Das Berufsbild von BibliothekarInnen im Kinderbuch" halten und die Ausstellung "Jenseits von Spitzweg. BibliothekarInnen in Karikatur und Cartoon" zusammenstellen.
Bibliothekartag-Logo
E-LIS is an open access archive for scientific or technical documents, published or unpublished, on Librarianship, Information Science and Technology, and related application activities. E-LIS archive's goal is to promote communication in this field by the rapid dissemination of papers.
Die UB Bielefeld hat in ihrer Digitalen Bibliothek Zeitschriften der Aufklärung, etliche Autographen und mehrere ältere Drucke online gestellt. Zum Beispiel einen Baseler Druck von Thomas Morus' "Utopia" aus dem Jahr 1518 und eines meiner Lieblingsbücher, Grabbes "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung".
Der Chefkonservator der Bibliothèque nationale de France wurde verhaftet, weil er jahrelang hebräische Handschriften aus dem Bestand der frz. Nationalbibliothek gestohlen, zerstückelt und verkauft hat, berichten die Saarbrücker Zeitung am 6. August und die Netzeitung am 5. August 2004.
Der Informationsdienst Wissenschaft weiß über die wohltuende Wirkung von Homer zu berichten. Ich zitiere: " 'Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes.' So beginnt das wohl bedeutendste Heldenepos der abendländischen Kulturgeschichte, die 'Odyssee' des griechischen Dichters Homer. Wer weiterliest, erfährt viel über die Irrfahrten des Odysseus und die Ursprünge westlicher Literatur. Wer die Verse zudem laut vorträgt, und es müssen dabei nicht unbedingt alle 12.000 sein, kann auch etwas für seine Gesundheit tun. Eine Forschergruppe unter Beteiligung der Universität Witten/Herdecke hat jetzt herausgefunden, wie sich der besondere Rhythmus der antiken Strophen auf ein positives Zusammenspiel von Herzschlag und Atmung auswirkt. Die Studie ist in der August-Ausgabe der Fachzeitschrift 'American Journal of Physiology' veröffentlicht."
Penny Garrod fragt in ihrer Kolumne "Public libraries" in der Zeitschrift Ariadne: "Weblogs: Do they belong in libraries?"

Tuesday, August 03, 2004

Auf Ö1 war letzte Woche eine interessante Sendung zu "Der erste Satz oder Wie Autoren ihre Romane beginnen" zu hören. Das brachte mich dazu, über meinen liebsten literarischen "ersten Satz" nachzudenken. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde" ist in seiner grundlegenden Art an sich nicht schlecht. Auch der erste (Ab-)Satz von "Der Mann ohne Eigenschaften" hat gute Chancen ("Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum..."). Aber ich denke, mein Favorit bleibt der erste Satz von Katherine Mansfields "The garden party", der thematisch durchaus mit Musils Einleitung verwandt ist: "And after all the weather was ideal". Einen Text mit "and after all" zu beginnen, das gefällt mir. Und die letzten Sätze derselben short story zählen zu meinen absoluten Lieblingsschlüssen: "Isn't life," she stammered, "isn't life--" But what life was she couldn't explain. No matter. He quite understood. "Isn't it, darling?" said Laurie.

Monday, August 02, 2004

Tippfehler des Tages: Im Bezirksblatt Eisenstadt-Mattersburg wurde der neue Science Fiction-Film nach Isaac Asimov folgendermaßen angekündigt: "I, Robert" (statt "I, Robot"). Wobei Robert kein unwitziger Name für einen Roboter wäre. Das Wort Roboter kommt übrigens aus dem Tschechischen und wurde als erstes von Karel Capek in seinem Roman R.U.R. verwendet. Capeks berühmtestes Werk ist wahrscheinlich "Der Krieg mit den Molchen", aber mein Tipp ist "Krakatit". Dieses Buch ist aber auf Deutsch leider nicht im Buchhandel erhältlich, in Antiquariaten aber ziemlich oft zu bekommen.
Batgirl was a librarian! Deswegen gibt es auch so ein wunderschönes Poster von der American Library Association, das Batgirl recte Barbara Gordon in der Gotham Public Library zeigt.
Spam wird auch immer blöder (wenn da eine Steigerung noch möglich ist). Heute bekam ich ein Mail mit dem Subject "smoking kills - see the smoked salmon and smoked bacon?" (ha!) und folgendem poetisch anmutenden Text:
"suonidib.klklrisk-adjusted arnel, start placing your order for meeds here,overn,itedelivery!_ bezeqmacsyma-net http://ffd.ukj.retyping8911rneds.us/f74/ In a few moments he had slowed up and stopped, when he found himself suspended above another stretch of sandy plain Svvsjkbumodemedi.cal breathroughBfeulkasb duality-surmounting'rfelixcllowup As he spoke the voice came so near to Zeb that he jumped back in alarm. Finally a brave rally by the Americans sent their foes to the cover of the woods, where they scattered in every direction, only to form again in a deep valley hidden by high hills hemiciclo16saltaprados05nata,manera previsio`n."
Vielleicht wäre die sprachwissenschaftliche Untersuchung solcher Texte auch ein Thema für eine Diplomarbeit. Ich hab allerdings schon eine ganze Liste von (noch nicht auf ihre Umsetzbarkeit überprüften) Diplomarbeitsthemen. Je nachdem, was ich gerade auf der Uni besuche, fallen mir andere Sachen ein, die unbedingt untersucht werden wollen. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, in welchem Fach ich sie schreiben will. Mein aktueller Favorit wäre ja "Die Rolle der Religion bei Star Trek: Deep Space Nine", aber den Konnex zur Germanistik hab ich noch nicht ganz hingekriegt, und die Mag.a SF. wurde - zumindest in Wien - leider noch nicht eingeführt.

Friday, July 30, 2004

Auf eine A4-Seite sollen alle zwei Millionen Bücher der Österreichischen Nationalbibliothek passen, wenn man sie mit der neuen "Nano-Keilschrift" schreibt, sagen ForscherInnen vom Institut für Elektronenmikroskopie und Feinstrukturforschung (FELMI) der TU Graz. Dabei werden mit einem sieben Nanometer feinen Ionenstrahl Schriftzeichen in eine Materialoberfläche, zum Beispiel einen Edelstein, graviert.

Thursday, July 29, 2004

Bei der kürzlich veröffentlichten "Hitliste der Wiener Sehenswürdigkeiten 2003" liegt der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek mit 125.848 BesucherInnen an 23. Stelle. Spitzenreiter ist der Tiergarten Schönbrunn mit über zwei Millionen BesucherInnen, gefolgt von Schloss Schönbrunn und der Albertina.
Nochmal zur Stadtbücherei Salzburg: In den Salzburger Nachrichten erschien am 20. Juli 2004 der Artikel "Bücherei wird teurer", in dem die FPÖ-Klubobfrau Doris Tazl wie folgt zitiert wird: "Wir haben nicht einmal das Geld, undichte Schulfenster zu reparieren, aber zehn Millionen für eine Bücherei (...) Da frage ich mich, was sind unsere kommunalen Kernaufgaben?" Offensichtlich ist sie der Ansicht, dass die Erhaltung einer Stadtbibliothek nicht zu den kommunalen Kernaufgaben gehört. Oh Mann. Wie heißt es doch bei Shakespeare: "God give me patience!"
Im Hamburger Abendblatt erschien heute ein Artikel über die Gemeindebücherei Seevetal im Ortsteil Meckelfeld, auf die nun zum zweiten Mal ein Brandanschlag verübt wurde. Zitat: "'Wir waren gerade mit dem Austrocknen nach dem letzten Brand fertig', sagt Büchereileiterin Gabriele Maidorn (41), noch völlig von der neuen Tat erschüttert". Die Wände sind völlig verrußt, das Löschwasser bildet Lacken in der Bibliothek. Bilder gibt es auf der Website der Gemeinde Seevetal.
Ich lese derzeit regelmäßig in alten Ausgaben des "Centralblatts für Bibliothekswesen". Es ist immer wieder ein Genuss - vieles kommt der heutigen Bibliothekarin sehr bekannt vor.
So konnte ich zum Beispiel erfahren, dass im Jahre 1900 in der Universitätsbibliothek Berlin ein Frühstückszimmer für Studierende eingerichtet wurde. Das erinnert mich sofort an die vehemente Pizza-in-24h-geöffneter-UB-Konstanz-Debatte in der Mailingliste Inetbib...

Monday, July 26, 2004

Nur damit man sieht, womit wir BibliothekarInnen uns (auch) beschäftigen: Derzeit läuft bei der Arbeitsstelle für Standardisierung der Deutschen Bibliothek ein öffentliches Stellungnahmeverfahren zur "Angleichung der Ansetzung von Personennamen nach RAK-WB und RSWK" (Details als pdf). RAK-WB = Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken, RSWK = Regeln für den Schlagwortkatalog.
In der Presse ist am 9. Juli 2004 ein interessanter Artikel von Claudia Lagler über die Salzburger Stadtbücherei erschienen: "Proteste gegen Bücherei im Fußballstadion". Für das Stadion im Salzburger Ortsteil Lehen, nach dem Umzug der Fussballer verwaist, wird eine neue Nutzung gesucht. Zitat: "Herzstück der aktuellen Planung ist eine moderne Stadtbücherei für Salzburg. Lesen statt Fußball lautet das Konzept, das ganz Lehen attraktiver machen soll. Während dort Unternehmer und Anrainer begeistert sind, laufen Kaufleute der Altstadt Sturm gegen die Übersiedlung. Sie fürchten um einen Frequenzbringer. Immerhin nützen pro Tag rund 1000 Menschen die bestehende Stadtbücherei im Zentrum."

Sunday, July 25, 2004

Der Rektor der früheren Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen in Stuttgart (nunmehr Hochschule der Medien = HdM, Fachbereich IuK), Peter Vodosek, ging kürzlich in Pension. Für mich interessant, weil ich dort ein Auslandssemester gemacht habe und weil wir als Gaststudierende von ihm begrüßt wurden. Und willkommener Anlass, wieder ein bisschen Werbung für Stuttgart zu machen. Ich würde ganz gerne - zumindest für einige Zeit - wieder zurück...
Besonders in Erinnerung ist uns das Blockseminar mit Prof. Rafael Capurro zum Thema "Informationsethik in der Aufklärung" geblieben, das im idyllischen Dörfchen Vorderbüchelbergstattfand. Wer nicht weiß, wo das ist: Das liegt gleich neben dem ebenfalls idyllischen Dörfchen Wüstenrot, und dort wurde tatsächlich das Bausparen erfunden, woran heute das Bausparmuseumerinnert. Dank unseres lieben Professors Alexander Roos (wir wussten vorher gar nicht, wie spannend BWL sein kann - danke!) haben wir auch recht schnell Schwäbisch gelernt. Tipps zur Freizeitgestaltung: die Terrasse des Café Nil im Schlossgarten, das Kommunale Kino, das Lokal "Eimer" im Stadtteil Vaihingen (besonders empfehlenswert die Maultaschen Mexicana); die Württembergische Landesbibliothek und die Stadtbücherei (praktischerweise gleich nebeneinander); das Albquell-Bräuhaus in Trochtelfingen; donnerstägliche Cocktailbar im Studierendenheim; ein Blick vom Fernsehturm; Einkaufen in der Stuttgarter Einkaufsmeile Nr. 1, der Königstraße; Ausflug ins wunderschöne Tübingen; Strassburg ist übrigens auch nicht weit (außerdem hatten wir dort Erfolgserlebnisse wie nach vier Jahren Schulfranzösisch ein Bier bestellen zu können)... Nach vier Monaten mussten wir leider sagen: tschüsle, Stuttgart! Aber irgendwann wird es sicher wieder heißen: Maultaschen, wir kommen!

Friday, July 23, 2004

Auch eine Möglichkeit zum Geldverdienen: "Die Untersuchung gegen den russischen Philologen Alexander Jazomirsky, welcher in der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften in Bukarest beim Diebstahl wertvoller altslavischer Manuskripte ertappt worden ist, hat die überraschende Thatsache ergeben, daß der russische Gelehrte den Diebstahl seit Jahren an verschiedenen Bibliotheken Europas professionell betrieb und dafür von einigen Antiquaren ein festes Monatsgehalt von 400 Rubeln bezog. Der Manuskriptendieb ist ein Mann von tiefem Wissen und zeigt ein elegantes Auftreten". Quelle: CfB XVI (1899), S. 429
Schönes Zitat von Melvil Dewey aus dem Jahr 1897: "To my thinking, a great librarian must have a clear head, a strong hand, and, above all, a great heart. He must have a head as clear as the master in diplomacy; a hand as strong as he who quells the raging mob, or leads great armies on the victory; and a heart as great as he who, to save others, will, if need be, lay down his life. Such shall be the greatest among librarians; and, when I look into the future, I am inclined to think that most of the men who will achieve this greatness will be women".
Quelle: Bericht über die "Transactions and Proceedings of the second international Library Conference held in London July 13 - 16, 1897" im Centralblatt für Bibliothekswesen XV (1898), S. 588

Monday, July 19, 2004

Mein Urlaub am Wochenende war LAET: Leipzig an einem Tag. Wie es sich für eine Bibliothekarin gehört, war ich an diesem Tag selbstverständlich auch bei der Deutschen Bücherei und bei der "Bibliotheca Albertina, der Universitätsbibliothek Leipzig. Nach ersterer ist auch die Straßenbahnhaltestelle benannt, zweitere hat sogar entsprechend beschriftete Fahrradständer. Die Stadtbibliothek ging sich leider nicht mehr aus.

Friday, July 16, 2004

Ich überlege mir, ob ich nicht - analog zu den ausgebrannten Phaserspulen bei Deep Space Nine - die verbrauchten Rollen Barcodes aufheben soll, sozusagen als Erinnerung an glorreiche Katalogisierungs-Schlachten.

Thursday, July 15, 2004

In der NZZ erschien unter dem Titel "Forschen mit Aussicht" ein Artikel über das Prager Literaturarchiv. Dieses verfügt über eine nicht unkomplizierte URL, nämlich www.pamatniknarodnihopisemnictvi.cz.

Tuesday, July 13, 2004

Kleiner Ausflug in die historische Bibliotheksgesetzgebung in Österreich: Am 30. April 1889 wurde das Gesetz, betreffend den Rang und die Bezüge der Beamten an den Universitäts- und Studienbibliotheken, sowie an den Bibliotheken der technischen Hochschulen, dann die Pensionsbehandlung von Wittwen derselben, erlassen. Kundgemacht im RGBl vom 9. Mai 1889, XXVIII. Stück, Nr. 67; abgedruckt im Centralblatt für Bibliothekswesen 6 (1889), S. 315 - 316
Zitat: "§ 7: Die Wittwen der Universitäts-Bibliothekare, sowie die Wittwe des Bibliothekars an der technischen Hochschule in Wien erhalten eine charaktermässige Pension von 500 Gulden jährlich; jene der Custoden an Universitäts- und Studien-Bibliothek sowie an den Bibliotheken der technischen Hochschulen eine solche von 400 Gulden".
Ich habe gerade eine interessante Seite entdeckt: "bugmenot" verzeichnet Accounts zu Seiten, wo man sich für einen kostenlosen Zugang registrieren muss, z.B. bei der Washington Post oder der NY Times. Dabei geht es nicht darum, Accounts für kostenpflichtige Inhalte zu veröffentlichen, sondern nur solche, die im Rahmen von reinen Datensammel-Registrierungen verlangt werden. Zitat: "BugMeNot.com was created as a mechanism to quickly bypass the login of web sites that require compulsory registration and/or the collection of personal/demographic information". Bei poynter online wird darüber eifrig diskutiert.
Über eine etwas eigenartige Umfrage, die der Online-Buchhändler Amazon unter über zehntausend Deutschen durchführte, berichtet der Standard im Artikel "Bohlen im Bücherregal törnt ab" vom 12. Juli 2004. Zitat: "Dabei bezeichneten 43 Prozent der Frauen Bücher gar als lebensnotwendig. Sie legen beim ersten Date besonderen Wert darauf, welche Buchtitel im Bücherregal des Traumpartners stehen. Im Gegenzug glauben immerhin fünf Prozent der Männer, dass lesende Frauen die besseren Liebhaberinnen seien." Die Berliner Morgenpost nennt ihren entsprechenden Artikel vom 13. Juli vergleichsweise un-locker-flockig "Bücherleser sind die besseren Gesprächspartner". Im Kurier heißt es "Bücherleser sind begehrter", bei Rheinpfalz online wurde der Artikel mit "Leseratten sind die besseren Gesprächspartner" betitelt. So gesehen gebührt dem Standard ja fast ein Preis für Originalität.

Monday, July 12, 2004

Buchtipp des Tages: Suzanne Hildenbrand (ed): Reclaiming the American library past: Writing the women in. Norwood, NJ: Ablex 1996

In den "Salzburger Nachrichten" vom 2. Juli 2004 war ein Interview mit der Historikerin Brigitte Hamann zu lesen, in dem sie sagt:
"Karl Kraus bleibt als Anti-Kriegs-Herold sehr wichtig. Er hatte aber auch seine Eigenheiten. Mir liegt besonders Alice Schalek am Herzen, die er fürchterlich verhöhnt hat als das Kriegsweib schlechthin. Aber Sie müssen einmal die Reportagen der Schalek von der Isonzo-Schlacht oder von der Ostfront lesen. Das sind die besten Kriegsreportagen, die ich je gelesen habe. Wenn man sich dagegen anschaut, was die Leute vom Kriegspresse-Quartier geschrieben haben, die in ein Offiziers-Kasino geschickt wurden und dann etwas geschrieben haben über die Gräueltaten der Feinde, sehen die Reportagen der Schalek einzigartig aus. Sie war wochenlang allein als Frau an der Front am Isonzo und hat den Alltag gekannt. Sie hat wahrheitsgetreue Reportagen geschrieben und das war Karl Kraus auch wieder nicht recht."

Das machte mich neugierig - war sie jetzt "so" oder nicht? - deswegen las ich letzte Woche den Sammelband "Tirol in Waffen" aus 1915, da ich bisher immer nur über Schalek gelesen hatte, aber nie etwas von ihr. Ich möchte ihr durchaus zugute halten, dass die Reportagen wirklich spannend geschrieben sind [That Alice Schalek certainly can write!] und dass ihre männlichen Kriegsberichterstatter-Kollegen um nichts besser waren, aber jedenfalls nach den ersten paar Seiten kam ich aus dem Kopfschütteln kaum mehr heraus. Im folgenden möchte ich zur Illustration einfach einige Passagen aus dem Buch zitieren:
"Romantischer als die Etappenstation kann sich der anspruchsvollste Kriegsberichterstatter die Szenerie nicht wünschen und den Kulissen entsprechend sind auch die Gespräche" (S. 35/36).
"Das Herz blutet mir oft und wie von Sinnen bin ich, denke ich über dies alles nach. Aber wenn ich auf einem Stützpunkt stehe und das ungeheure Verteidigungswerk überschaue – wahrlich, die fabelhaftesten Augenblicke sind das in meinem Leben" (S. 48)
"Oben auf einem Joch fühle ich zum erstenmal etwas wie Genugtuung über die Verwandlung eines Dolomitenhotels in ein Militärquartier. Wie verächtlich hatte seinerzeit der vornehme Wirt uns Bergsteiger abgefertigt… und da wir nicht nur schäbig aussahen, die wir durchnäßt und zerzaust von der Marmolata kamen, sondern auch Deutsch sprachen, wurden wir in Bodenkammern gesteckt und bei Tische nicht ordentlich bedient. ... Wo ist jetzt der welsche Hotelier? Spurlos verschwunden. Ah! Das tut wohl!" (S. 63)
"Gesund und ehrlich und wunderbar hart hat der Krieg die Menschen gemacht. (...) Nennt es Vaterlandsliebe, ihr Idealisten; Feindeshaß, ihr Nationalen; nennt es Sport, ihr Modernen; Abenteuer, ihr Romantiker; nennt es Kraftgefühl, ihr Seelenkenner: ich nenne es freigewordenes Menschentum" (S. 72/73)

Literaturhinweise:
- Alice Schalek: Tirol in Waffen. Kriegsberichte von der Tiroler Front. München: Hugo Schmidt-Verl. 1915. "Herrn Generalmajor Maximilian R. v. Hoen, dem Chef des Kriegspressequartiers, in Verehrung und Dankbarkeit zugeeignet von der Verfasserin" [UB Wien, Signatur I 415.397]
- Nachzulesen in Auszügen auch bei Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Suhrkamp 1986 [div.Bibl.]
- Marie Röbl: "Von Samoa zum Isonzo. Die Fotografin und Reisejournalistin Alice Schalek (1874 - 1956). Rezension der Ausstellung im Jüdischen Museum Wien, 09.11.1999 – 30.01.2000". In: Camera Austria 70/2000, S. 83f. [online] - gesteht Berechtigung der Schalek-Kritik zu, schreibt aber auch, Kraus habe ein konservatives, patriarchales Frauenbild
- Bernhard Grundner: "Das haben se gut getroffen". Zur Darstellung der Kriegsberichterstatter und ihrer Berichte in Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit". Universität Graz, Dipl.-Arb., 1991
- Ursula Bachinger: Alice Schalek - Feministin (?), Kriegsberichterstatterin (?), Revolutionärin (?). Universität Salzburg, Dipl-Arb., 1990 - interessante Passagen über Schaleks Ehrenbeleidigungsprozess gegen Kraus und ihren Kampf um eine militärische Auszeichnung

Wie war das noch mit Kraus' angeblich letzten Worten: "Wem hab ich jemals Unrecht getan?"

Friday, July 09, 2004

Mir ist gerade sooo fad in der Bibliothek - ich hab mich ja eigentlich auf die Ferien gefreut, weil ich dachte, da krieg ich endlich beim Katalogisieren was weiter, und dem ist auch so, aber nach dem dreiundfünfzigsten Kodex Handelsrecht reicht's mir schon. Die Tatsache, dass ich da alleine herumsitze, weil mein Chef auf Urlaub ist und mein zweiter Kollege schon Schluss hat und die Studis uns derzeit nicht gerade die Bude einrennen, macht den Dienst auch nicht spannender. Deswegen erstelle ich gerade nebenbei eine Übersicht darüber, was die Wörter "Bibliothek" und "Buchhandlung" in verschiedenen Sprachen heißen. Beim Herumstöbern findet man interessante Dinge wie "Dictionary of the Elvish Language", den "Online translator for Klingon, Romulan, and Vulcan" und das Wörterbuch Romulanisch-Englisch.
Die Nationalbibliothek im Fernsehen: Am Sonntag, dem 18. Juli, um 11.05 Uhr wird die 100. Folge von "Klingendes Österreich" wiederholt, in der Sepp Forcher auch den Prunksaal der ONB besucht.

Tuesday, July 06, 2004

L'anima ho stanca

Die passende Arie nach einem langen Semester: "L'anima ho stanca, e la meta è lontana" (die Seele ist müde, das Ziel ist fern o.Ä.). Dazu einige Opernlinks: Vollständiger Text, Synopsis und Einordnung bei der Aria Database, leider nichts beim sehr empfehlenswerten Operaglass der Stanford University; Notenkauf bei Classical Vocal Repertoire; mehr über den Sänger, dessen Interpretation ich derzeit im Kopf habe; mehr über Verismo bei OperaWorld und bei der italienischen WikiPedia; nichts im Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper; mehr über die Oper, aus der die Arie stammt, nämlich Adriana Lecouvreur, im Dizionario dell'Opera.
Gestern wurde in Hannover der "Gemeinnützige Verein zur Förderung der Suchmachinen-Technologie und des freien Wissenszugangs" (SUMA e.V.) gegründet. In der Presseerklärung heißt es: "Der 'Verein zur Förderung der Suchmaschinentechnologie und des freien Wissenszugangs' sieht in der Machtposition einzelner weniger Unternehmen eine Gefährdung des freien Zugangs zum Wissen". Denn dieser Zugang erfolge heutzutage zu einem großen Teil über die Suchmaschinen des Internets, sagt Wolfgang Sander-Beuermann, Leiter des Suchmaschinenlabors am Regionalen Rechenzentrum, Uni-Hannover und ebenfalls Gründungsmitglied des Vereins. Diese Suchmaschinen hätten damit eine Schlüsselrolle in der Informationsgesellschaft übernommen.
Folgende Meldung kam soeben über frida: Im Februar 2004 wurden die Datensätze der Ariadne-Datenbank von Allegro auf Aleph500 migriert. Nach einer Umstellungsphase sind die Datensätze der Ariadne-Datenbank ab sofort via Aleph-OPAC abrufbar. Die Allegro-Datenbank bleibt für gewisse Zeit noch online.
Ariadne ist eine Kooperationsstelle für frauenspezifische Information und Dokumentation an der Österreichischen Nationalbibliothek. Derzeit gibt es übrigens die Online-Ausstellung "Frauen wählet!" zum Thema 85 Jahre allgemeines Frauenwahlrecht in Österreich zu sehen. Die Ausstellung ist ein Abschlussprojekt im Rahmen des Grundausbildungslehrgangs für den Bibliotheks-, Informations- und Dokumentationsdienst und wurde von vier meiner früheren Kurskolleginnen gemacht.

Monday, July 05, 2004

Abgeordnete aller vier Parlamentsparteien haben einen Antrag auf Aufhebung der Befristung der Buchpreisbindung eingebracht, der am 2. Juli im Kulturausschuss beschlossen wurde. Die Buchpreisbindung wurde ursprünglich bis 30. Juni 2005 befristet.
In der NZZ vom 3. Juli 2004 ist der Artikel "Das Horoskop des 19. Jahrhunderts. Walter Mehrings Rekonstruktion der väterlichen Bibliothek" von Andreas Kilcher erschienen. Mehring lese in seiner Autobiographie "Die verlorene Bibliothek" von 1952 "die Bibliothek seines Vaters als eine bestimmte historische Konfiguration, als ein 'Horoskop des 19. Jahrhunderts'".
Bibliothek und Brand kommen ja häufig gemeinsam vor (Alexandria, Die Blendung & Co.), daher ein entsprechendes Zitat aus "Die Fahrt im Einbaum" von Peter Handke: "Dazu die Silhouette des DICHTERS: Wenn ich Kind sage, meine ich Angst. Wenn ich Bibliothek sage, meine ich Feuer" (S. 47).
Noch eine zweite Stelle aus demselben Drama: "FREMDENFÜHRER: nimmt sich die schlohweiße Perücke ab, reißt sich Masche und Schärpe ab Und ich hasse "Liebe", "Gott", "Garten", "Quelle", "Apfel", "Zwetschke", "Nationalbibliothek" - Er hat einen Rückfall in die Urlaute." (S. 20)
Und noch eine: "IRRER: Die Leichen vom angeblichen Massaker kamen aus dem Leichenschauhaus. Die Nationalbibliothek ist von selber verbrannt. In der angeblich zerstörten Perle der Adria qualmte nur ein Stapel von Autoreifen. Die toten Kinder waren auch die unsrigen. Die weinenden Mütter auf dem Friedhof: es waren unsere Mütter - CHOR: - und es war unser Friedhof" (S. 67).
Zum Nachlesen: Peter Handke: Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg. Suhrkamp 1999, ISBN = 3-518-41029-6, € 17,30 / Elias Canetti: Die Blendung. 36. Aufl. Fischer 2004, ISBN = 3-596-20696-0, € 10,20

Thursday, July 01, 2004

Klaus Graf führt in seinem Weblog Archivalia ein "Verzeichnis deutschsprachiger Drucke des 16. Jahrhunderts als frei zugängliche Faksimiles im Netz". Über diese Liste fand ich folgendes interessantes Buch aus 1591:
Bodin, Johann: De Magorvm Daemonomania : Vom Außgelasnen Wütigen Teuffelsheer Allerhand Zauberern, Hexen vnnd Hexenmmeistern, Unholden, Teuffelsbeschwerern, Warsagern, Schwartzkünstlern, Vergifftern, Augenverblendern e[t]c. Wie die vermög aller Recht erkant, eingetrieben, gehindert, erkündigt, erforscht, peinlich ersucht vnd gestrafft werden sollen. Übersetzt von Johann Fischart. Gegen des Herrn Doctor J. Wier Buch von der Geisterverführungen / durch ... Johann Bodin ... außgangen. Vnd nun erstmals durch ... Johann Fischart ... auß Frantzösischer sprach trewlich in Teutsche gebracht, vnd nun zum andernmahl an vilen enden vermehrt vnd erklärt. Dieser Druck wurde für das Projekt "Deutsches RechtsWörterbuch" online gestellt.
Apropos Zauberer: Heute habe ich nach einem Hinweis im Volltext-Newsletter im Standard gelesen, dass der Name für den 6. Harry Potter-Band feststeht: "Harry Potter & the half-blood prince".
Die gestrige Pressekonferenz zur Studie "Entwicklungskonzept für das öffentliche Bibliothekswesen im Burgenland", mit der der Landesverband Burgenländischer BibliothekarInnen LVBB eine StudentInnengruppe unseres Studiengangs beauftragt hat, schlug sich in einigen Presseberichten wieder. Der ORF Burgenland berichtete televisionell und online, letzteres unter dem Titel "Bibliotheken leiden unter Geldknappheit". Auf den Burgenland-Seiten des Kurier nennt Viktoria Erdélyi ihren Artikel "Der Großteil der burgenländischen Bibliotheken leidet unter Geldnot. Studenten erstellen Entwicklungskonzept".
Anmerkung: Als ich soeben in Google News nach "burgenländische bibliotheken" suchte, erhielt ich als Antwort: "Meinten Sie: morgenländische bibliotheken". Sollte das bezeichnend für den aktuellen Zustand des hiesigen Bibliothekswesens sein? Gut, von Tirol aus gesehen ist das Burgenland ja als durchaus orientalisch zu betrachten.
P.S. Das eigens angebotene "morgenländische bibliotheken" ergibt auch keinen Treffer. Das wiederum erinnert mich an eine Szene aus "Pension Schöller" - eine junge Dame fragt den Ober: "Was gibt es denn für Torten?" Er: "Es gibt Sachertorten, Malakofftorten, Topfentorten..." Sie: "Ich hätte gerne eine Sachertorte". Er: "Da müssen gnädiges Fräulein ins Café Sacher gehen". Sie: "Aber Sie haben doch gesagt..." Er: "Gnädiges Fräulein haben mich gefragt, was es für Torten GIBT. Darauf habe ich gesagt: Es gibt - Sachertorten, Malakofftorten, Topfentorten...". Sie: "Und welche haben Sie?". Er: "Gar keine". Oh je, hab ich mich jetzt als Fan der leichten Theatermuse geoutet? Na, die Aufführung aus anno dazumal mit Maxi Böhm, Alfred Böhm, Alexander Wächter, Marianne Chappuis etc. ist als Familienfernsehprogramm auf einer sogenannten "Dauerkassette", die wir früher entsprechend oft angeschaut haben. Ich denke, meine Familie kriegt das Stück mittlerweile aus dem Stegreif hin. Wenn nicht, kann man sich das zugrundeliegende Buch ja vielleicht in einer burgenländischen Bibliothek ausleihen (nochmal die thematische Kurve gekratzt).
Ehrung für einen Bibliothekar: Das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse erhielt Hofrat i. R. Dr. Manfred Stoy, der viele Jahre die Bibliothek und die Sammlungen des Institutes für Osteuropäische Geschichte und Südost-Forschung leitete, ehe er 1979 zum Leiter der Bibliothek und Sammlungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung bestellt wurde, meldet das bm:bwk via APA OTS. Stoy unterrichtet(e) übrigens am Institut für Geschichte der Universität Wien das Fach "Bibliothekskunde".

Monday, June 28, 2004

Über die Mailingliste wissen2 bekam ich den Hinweis auf "das Kollektiv", ein offenes Weblog für Medien- und Technikgeschichte. Es gibt diverse Kategorien wie Druck & Druckerzeugnisse, Fernsehen, Film, Mediengeschichte, Photographie, Telegraphie und auch Science Fiction.
Hier fand ich einen sehr interessanten Link zum mehr als fünfhundert Seiten umfassenden Text "Das Dokument des Grauens. Eine Chronik des Horrorfilms" von Ralf Ramge, online als pdf-Datei. Der Text beginnt mit Marie Georges Jean Méliès und seinem frühen Film "Le manoir du diable" aus dem Jahr 1896 und reicht bis zum spanischen "Drácula" (1931) von Paul Kohner. Empfehlenswert.
Der Kunst- und Kulturbericht der Stadt Wien 2003 ist ab sofort unter www.wien.gv.at/ma07/kunstbericht.htm verfügbar. Er enthält auch entsprechende Passagen über die Wiener Stadt- und Landesbibliothek, die Österreichische Exilbibliothek, das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, die Photodokumentation des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung etc.
The Periodicals Service Company offers interesting services: "we are major reprinters of academic journals and specialize in the supply of antiquarian backsets, back volumes and back issues of out-of-print journals and serials. Our carefully selected stock of reprints and antiquarian backsets is the largest in the world. Housed in the USA and Germany, we hold backstock of journals in the major western languages, some 3.000.000 back volumes covering all subject areas." For a list of available reprints in the field of book and library science, look here.
Die Bertelsmann Stiftung und die Stadt Wroclaw eröffneten am 25. Juni die erste "Modellbibliothek für Jugendliche" in Polen, kann man dem Informationsdienst Wissenschaft idw entnehmen. "Wir wollen mit unseren Projekten in Polen die Rolle der Bibliotheken als moderne Informationsdienstleister gerade für junge Menschen stärken. Die "Mediateka" leistet dafür einen elementaren Beitrag - sie ist das altersgerechte Fenster zum jungen Europa", sagte Johannes Meier bei der Eröffnungsfeier.
Eine Besonderheit der Bibliothek in Breslau wird ein integrierter Berufs-Beratungsservice für Jugendliche sein, der in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt angeboten wird. Zusätzlich bietet die "Mediateka" Serviceangebote wie Themenwochen oder einen Literaturclub an. Der Medienbestand besteht je zur Hälfte aus traditionellen und Neuen Medien. Insgesamt stehen den jungen Kunden zwölf Computerplätze zur Verfügung. Mehr Informationen unter www.bertelsmann-stiftung.de/bibliotheken-polen.
"Die drohende Schließung der basis wien steht exemplarisch für die Situation der Kulturdokumentation in Österreich. Generell kämpfen Kunstinstitutionen mit Unverständnis von Seiten der Kulturpolitik, wenn es um neue Herausforderungen für Datenerhebungs- und Dokumentationsverfahren im Kunst-, Design- und anderen Kreativbereichen geht", schreibt basis wien am 22. Juni in APA OTS.
Der Kunstbeirat stufe Kunstdokumentation als nicht förderungswürdig ein. Unter dem Motto "diese basis braucht jede/r" werden Unterstützungserklärungen gesammelt.
Aus Anlass der drohenden Schließung führt das Künstlerduo Deutschbauer/Spring eine Kunstinspektion zur gründlichen Protokollierung des Diskussionsverlaufs durch. Termin: 29. Juni 2004, 10.30 Uhr, basis wien Infopool im Museumsquartier.

Friday, June 25, 2004

Die deutsche Kommission für One-Person Libraries veröffentlicht in lockerer Folge "Checklisten", die bei Alltagsproblemen einer OPL eine Hilfestellung geben sollen. Bisher sind vier Checklisten erschienen, und zwar zu den Themen Bibliotheksumzug; Ein Intranet erstellen; Sparen; Bibliothekssoftware.

Thursday, June 24, 2004

Im Rahmen des Bibliothekskongresses des Büchereiverbandes Österreichs (BVÖ), "Die Bibliothek - ein Paradies für Leser", fand am 23. Juni 2004 am Vorplatz des Salzburger Kongresszentrums das erste österreichische Bücherbustreffen statt. Bücherbusse aus ganz Österreich präsentierten sich für die Salzburger Öffentlichkeit.
Werbung in eigener Sache: Wien bietet neben den Universitätsbibliotheken und der Nationalbibliothek eine Fülle von fachlich spezialisierten und öffentlich zugänglichen Informationseinrichtungen, die zu wenig bekannt sind und daher von StudentInnen kaum genutzt werden. Diesem Informationsproblem wollte ich abhelfen und beauftragte daher gemeinsam mit einer Kollegin am Studiengang Informationsberufe eine Gruppe von Studierenden mit der Erstellung eines Führers.
Der "Bibliotheksführer Wien 2004" erschien soeben im Phoibos-Verlag. 96 Bibliotheken und Informationseinrichtungen werden hier beschrieben, mit aktuellen und überprüften Angaben wie Adresse, Kontakt, Öffnungszeiten, Beschreibung, Fachgebieten, Zugänglichkeit, Entlehnmöglichkeit und Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nähere Informationen gibt es hier.
In the nextgen-list, a discussion about library cats is currently going on. Gary Roma has compiled a world-wide library cat map and has also shot a documentary called "Puss in books. Adventures of the Library Cat". Also starring: Dewey Readmore Books, the resident cat at Spencer Public Library. Please note that there is also a library cat society.
I'd love to have a cat around me, especially on lonesome library evenings. But an article in San Diego Union Tribune from 2003 shows that feline librarians can also cause troubles: It says, "a former journalist who claims his assistance dog was attacked by a cat that lived at the Escondido Public Library describes his $1.5 million lawsuit against the city as a 'David vs. Goliath' battle"