Friday, April 10, 2015

Von Bücherfeen und Bibliotheksvampiren, Kolumne 2/2014

Bibliotheken sind in der Kriminalliteratur durchaus beliebte Tatorte. Ob es an den Regalen liegt, zwischen denen man sich hervorragend verstecken und anschleichen kann? An der leichten Zugänglichkeit der Leseräume? Der dunklen Abgeschiedenheit von Magazinen und Depots? Oder lässt der Ärger, wenn ein gesuchtes Buch gerade ausgeliehen oder das Abo der begehrten Zeit schrift ausgelaufen ist, alle Hemmungen schwinden und die Aggression steigen? Willkommen zu einem Streifzug durch "mörderische" Bibliotheken!

In der Episode "Mord im Kloster" der deutschen Fernsehserie "Agathe kann’s nicht lassen" wird gleich in den ersten Minuten ein Mönch von einem umstürzenden Bücherregal erschlagen – eine Todesart, über die wohl die meisten Bibliothekarinnen und Bibliothekare schon einmal nachgedacht haben. In Agatha Christies zweitem Miss-Marple-Roman, "Die Tote in der Bibliothek", wird eine junge Frau in einer Privatbibliothek erdrosselt aufgefunden.

Ian S.: Scene of the crime (novels) at Hay on Wye, 4. Mai 2013, Flickr, CC-BY-NC

Der Hausmeister der Bücherei in "Miss Zukas and the library murders" von Jo Dereske stolpert eines Morgens in der Belletristikabteilung über einen erstochenen jungen Mann. Durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf nimmt ein Forscher und Bibliothekar in Margaret Trumans "Murder at the Library of Congress" ein vorzeitiges Ende; einen ähnlichen Tod erleidet ein Journalist in der Episode "Familiengeheimnisse" der Krimiserie "Mord ist ihr Hobby". Zyanid wird einem Mitglied des Bibliotheksfördervereins in Zana Harts E-Book "Dead in the Stacks" zum Verhängnis. Im "Buch des Todes" von Jørgen Brekke wird eine Frau in der Universitätsbibliothek Trondheim gar bei lebendigem Leib gehäutet und anschließend enthauptet.

Manche Krimis beruhen sogar auf realen Ereignissen: Am 28. November 1969 wurde die 22-jährige Studentin Betsy Aardsma in der Bibliothek der Staatlichen Universität von Pennsylvania erstochen aufgefunden. Bis heute ist der Mordfall ungeklärt. Das Doku-Drama "Betsy" von Tommy Davis, das noch heuer in die Kinos kommen soll, versucht, diese Geschichte aufzuarbeiten. Auch Künstler fühlen sich inspiriert: Vladimir Sitnikov verwandelte 2009 in seiner Kunstinstallation "Mord in der Bibliothek" die Universitätsbibliothek Kiel in einen fiktiven Tatort. Und der niederländische Musiker Phalangius veröffentlichte 2007 das Synthesizer-Album "The Cambridge library murders" mit dem gleichnamigen, Gänsehaut erzeugenden Instrumentalstück.

Hier alle bisher erschienenen Kolumnen zum Nachlesen:

  • Bibliothek als...: 4/2014 (Bibliothek als Treffpunkt, S. 21), 3/2014 (Bibliothek als Arbeitsplatz, S. 59), 2/2014 (Bibliothek als Tatort, S. 61), 1/2014 (Bibliothek als Paradies, S. 63).
  • Film und Fernsehen: 4/2013 (Science Fiction, S. 45), 3/2013 (Krimiserien, S. 53), 2/2013 (Horror, S. 65), 1/2013 (Komödien, S. 59).
  • Belletristik: 4/2012 (Krimis, S. 59), 3/2012 (Comics, S. 57), 2/2012 (Horror, S. 71), 1/2012 (Liebesromane, S. 53).

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