Thursday, July 08, 2010

Ich liebe meinen Job

Wer von meinen LeserInnen ärgert sich nicht hie und da über den Beruf oder die Arbeitsstelle? Da tut es manchmal gut, zu sehen, womit andere Leute ihren Lebensunterhalt verdienen. Dieses Fundstück hat ein Freund von mir gestern beim Durchsehen alter Jahrgänge der Monatshefte für Chemie entdeckt. Wäre eigentlich was für NCBI-ROFL, aber dort werden wohl nur englischsprachige Texte veröffentlicht.

"In dem letzten Hefte dieser Berichte findet sich die Mittheilung von M. Nencki und N. Sieber in Bern, dass bei der Gährung des Eiweisses oder des Leims unter den gasförmig auftretenden Producten sich constant Methylmercaptan vorfindet. Diese Beobachtung, die mir übrigens schon früher brieflich durch meinen Bruder mitgetheilt wurde, veranlasste mich, auch den menschlichen Darminhalt daraufhin zu untersuchen, da, wie bekannt, ein Theil des Speisebreies in unserem Darmcanal, namentlich im Dickdarm, durch die Microben zersetzt wird. (...) Da ... ich augenblicklich nicht im Besitze der Apparate zum Aufsammeln der Darmgase war, so habe ich mich auf die Untersuchung der menschlichen Exkremente beschränkt, die ich mir von den Patienten des hiesigen Spitals zum heiligen Geist leicht verschaffen konnte. Frisch gelassene Exkremente wurden mit Wasser zu einem dünnen Brei angerührt und aus tubulirten Retorten unter Zusatz von Oxalsäure (auf je 0.5 K. 15 g Oxalsäure), genau in der gleichen Weise, wie dies in der Mittheilung meines Bruders beschrieben ist, destillirt".

Quelle: Leon Nencki: "Das Methylmercaptan als Bestandtheil der menschlichen Darmgase". Vorgelegt in der Sitzung am 10. October 1889. In: Monatshefte für Chemie / Chemical Monthly 10 (1889) 1, S. 862-863 (DOI 10.1007/BF01516485). Leider nicht frei zugänglich (oder ich hab's nicht gefunden), bei SpringerLink um irre 34 Dollar erhältlich.

Wednesday, July 07, 2010

Luxus Museumsbesuch

Hedwig Kainberger schreibt anlässlich der Präsentation des Kulturberichts 2009: "Im Bildungsauftrag sind Museen den Bibliotheken ähnlich. Aber Eintrittspreise pro Erwachsenem von 12 Euro (KHM) oder 14 Euro (Belvedere) machen für viele den Museumsbesuch zum Luxus. Hingegen ist in öffentlichen Bibliotheken das kostenlose Lesen für jeden, der will, selbstverständlich. Das KHM mit der Jahreskarte um 29 Euro und der freie Eintritt in alle Bundesmuseen für Jugendliche sind Anfänge. Das Ziel muss aber sein: Staatliche Museen sollen für alle Österreicher so zugänglich sein wie Bibliotheken".

Aus: Hedwig Kainberger: "Museumsbesuch ist Luxus". In: Salzburger Nachrichten, Kultur 6. Juli 2010, S. 9

Neues Buch mit vermeintlicher "Librarian murderess"

"Twelve years ago librarian Betsy Treading was convicted of murdering her neighbor, the bohemian loner Linda Sue. After DNA testing finally exonerates Betsy, she returns to her suburban community determined to salvage her life and find the true killer. As she begins to pick apart the web of secrets, lies, and love affairs uncovered in the wake of her trial, Betsy suspects that her tight-lipped neighbors may know something that she has denied even to herself".

Cammie McGovern: Neighborhood Watch: A Novel. Viking Adult 2010

Tuesday, July 06, 2010

Sommerkleidung in der Bibliothek

Ich habe gerade gehört, dass bei uns unerwünscht ist, dass Kollegen bei ihrem Dienst am Infoschalter kurze Hosen tragen (trotz lamperlbedingter Extremhitze an eben diesem Ort). Gibt es auch in anderen Bibliotheken solche Vorschriften spezifisch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Benutzerkontakt? Z.B. keine Flip-Flops für die weiblichen Bibliothekswesen?

You think she's an open book

Da wünscht man sich dann manchmal hin... Aufgenommen von Giulio Bernardi am 15. Juli 2009 in Blankenberge (Creative Commons).

Photo Strandbibliotheek Katwijk

"De bibliothecaresse van de Katwijkse Strandbibliotheek doet haar werk op het terrasje, voor de bibliotheek", Wikimedia Commons (GNU Free Documentation License), 5. Juli 2006.

Monday, July 05, 2010

Neuerwerbung

Kurt Lüthi: Gottes neue Eva. Wandlungen des Weiblichen. Stuttgart: Kreuz-Verlag 1978

Friday, July 02, 2010

ÖH Innsbruck: Bibliothek als Lernort

"In vielen Heimen oder Wohngemeinschaften ist ein ungestörter Lernerfolg unmöglich. Nur die Bibliotheken geben den Studierenden Rückzugsmöglichkeiten", sagt der Vorsitzende der ÖH Innsbruck, Florian Ritter, heute in einer Presseaussendung und fordert: "Es braucht mehr Mittel seitens der Universität und des Landes um die Bibliotheken offen zu halten".

Trauerspiel Ankaufsbudget

Auf Forumoeb berichtete gerade eine Bibliothekarin aus einer Stadtbücherei (*), dass aufgrund des bescheidenen Ankaufsbudgets der Stadtrat der Großen Kreisstadt mit 52.000 Einwohnern vorgeschlagen habe, "dass die Bücherei neuwertige gebrauchte Bücher von Bürgern unter Ladenpreis abkauft". Ein Kollege kommentierte das mit "armes Deutschland, wie tief sind wir gesunken !!!" und sandte "mitfühlende[n] Grüsse[n]".

(*) Welche Bibliothek das ist, spielt eigentlich keine Rolle, da geht es ums Prinzip...

Thursday, July 01, 2010

Einladung: Bibliothek 2.0-Stammtisch

Der erste Wiener Bibliothek 2.0-Stammtisch soll der Vernetzung der Community von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren dienen, die an diesen neuen Technologien interessiert sind. Ziel ist ein Erfahrungsaustausch, was funktioniert, wo es Schwierigkeiten gibt oder auch nur welche Tools wie eingesetzt werden. Unser Vorbild ist der erfolgreiche Berliner Bibliothek 2.0-Stammtisch. Übrigens: WM gilt nicht als Ausrede, dieser Tag ist – extra für uns – matchfrei!

Ort und Zeit: Hollerei, Hollergasse 9, 1150 Wien, Donnerstag, 8. Juli, 19 – ca. 22 Uhr (erreichbar mit U4 Schönbrunn bzw. 57A Hollergasse).

Bitte um Anmeldung via Kommentar auf diesen Eintrag, per Mail bei Patrick Danowski (patrick.danowski@gmail.com) oder Monika Bargmann (monika.bargmann@gmail.com), um das Lokal nicht in die eine oder andere Richtung völlig zu überraschen ("vielleicht" ist auch okay)! Anmeldung auch über Facebook oder sonstige Web 2.0-Tools möglich ;-)

Tatort Hauptbücherei

Am Sonntag, dem 4. Juli, wird auf ORF2 und ARD die Tatort-Folge "Operation Hiob" ausgestrahlt, die teilweise in der Wiener Hauptbücherei gedreht wurde. Zum Inhalt: "Der Mord am Finanzchef jenes Syndikats, das den Heroinhandel in Österreich kontrolliert, wird zum Anlass genommen, Moritz Eisner einer verdeckten Operation des Bundeskriminalamtes, der 'Operation Hiob', zuzuteilen. Mit Eisners Hilfe soll der verdeckte Ermittler, der seit Jahren im Drogensyndikat arbeitet, an den Kopf der Organisation herangeführt werden, um diesen endlich zu Fall zu bringen".

Hinweis von Christian Jahl. Mehr dazu auf tv.orf.at/program/orf2/20100704/477009601/294768/, alles für Tatort-Fans generell auf www.tatort-fundus.de.

"gut auskennen mit Restriktionen"

Keine guten Erfahrungen in Archiven und Bibliotheken dürfte eine Berliner Studentin (oder ein Student) dem Blogbeitrag "Sommerhitze im Archiv" gemacht haben und aufgrund eben dieser Hitze auch gleich zu groben Verallgemeinerungen zurückgreifen: "Das [BibliothekarInnen] sind die unfreundlichsten, genervten Servicemitarbeiter, die sich zwar sehr gut mit den Restriktionen auskennen, aber kaum mit ihrer Arbeit. Sie arbeiten unzuverlässig und einfach nur schlecht". - Hinweis von EiserfeldWolf, siehe dazu auch Archivalia.

Tuesday, June 29, 2010

reading diary: queer movies and traffic planning

Jenni Olson: The Queer Movie Poster Book. Chronicle Books 2004 - mehr dazu

Hermann Knoflacher: Landschaft ohne Autobahnen. Für eine zukunftsorientierte Verkehrsplanung. Böhlau 1996 - ein ausgesprochen hellsichtiges Buch, bei dessen Lektüre ich mich ständig frage, warum niemand auf Knoflacher hört. "Die Bevölkerung und die Fremdenverkehrsbetriebe wurden belogen, weil man den seinerzeitigen Stau auf der schmalen Bundesstraße dazu mißbrauchte, um ihnen eine Autobahn einzureden, die in der Zwischenzeit die Lebensqualität des ganzen Tales zerstört hat und die Brieftaschen und die Urlauber an den Betrieben vorbeiführt" (S. 80).

Neuerwerbung

Ich bin gerade dabei, den Handapparat in der Plakatsammlung auszubauen, und dabei entdecke ich einiges, das ich mir dann auch privat kaufe, wie zum Beispiel Jenni Olson: The Queer Movie Poster Book. Chronicle Books 2004.
afterellen.com nennt das Buch "a colorful and often amusing look back at many of the images that have represented — or misrepresented — queer people over the past century". Sogar "Mädchen in Uniform" ist drinnen :-)

Zweierlei Maß

"Schon bald sei ihm aufgefallen, dass die Bauern zwei Arten der Produktion betreiben: Mit Chemie gedüngte Ware liefern sie im Lagerhaus ab, unbehandelte Lebensmittel aus dem eigenen Garten essen sie selbst".

Fritz Pessl in den Salzburger Nachrichten über Johannes Gutmann, den Gründer von Sonnentor.

Monday, June 28, 2010

Café au fair

Leicht veräppelt komme ich mir vor, wenn wir folgendes eMail kriegen: "Durch die Programme PUMA und 'ÖkoKauf Wien' wird angestrebt, dass im Magistrat möglichst nur effiziente und umweltfreundliche Geräte eingesetzt werden. Dies gilt auch für Espressomaschinen. Folgende Aspekte sollen beachten werden: (...) Einsatz von Kaffee aus fairem Handel und möglichst 'bio'", wenn mein Vorschlag, die Kaffeeautomaten im Rathaus mit Fairtrade-Kaffee auszustatten, abgelehnt wird mit der Begründung, man "könne das den Firmen nicht vorschreiben", obwohl es auf fairtrade.at eine Liste von Firmen gibt, die "Ihren Automat gerne mit FAIRTRADE Kaffee oder Kakao befüllen" und unser Anbieter darunter ist.

Bücher vor Gericht

"Dieser an Seltsamkeiten und kafkaesken Absurditäten überreiche Tierschutz-Prozess hat nun auch was für uns BibliothekarInnen: Der Hauptangeklagte musste über seine privaten Bücher Rede und Antwort stehen", schreibt Wolfgang Kauders in Haftgrund und zitiert dabei aus tierschutzprozess.at/tierschutzprozess-34-tag/. Wenn sich also in der Privatbibliothek eines Angeklagten fünfzig von eintausenddreihundert Büchern mit dem Nationalsozialismus befassen, kann das anscheinend für die Richterin relevant sein, auch wenn man wegen eines ganz anderen Delikts angeklagt wurde...

Sunday, June 27, 2010

Festplattenplatzräuber

17 MB Update, "um bei der Installation von .NET Framework 4 und späterer Versionen die Notwendigkeit eines Neustart in den meisten Fällen zu verhindern". Argl.

Friday, June 25, 2010

Wasserbibliothek

Eine Freundin hat mir geschrieben, dass sie bei ihrem Island-Urlaub in der Wasserbibliothek war. Bei einer schnellen Googelei bin ich darauf gestoß:en: "Mit der SIMATIC Wasserbibliothek V7.1 bietet Siemens eine kostenfreie Bausteinbibliothek als effiziente Engineeringunterstützung für das Prozessleitsystem SIMATIC PCS 7 V7.1 und das Visualisierungssystem SIMATIC WinCC V7.0" (Quelle).

Okay, das ist es wohl nicht ;-) Über den Marco Polo-Reiseführer Island in Google Books und die Marco Polo-Website bin ich auf die richtige "Vatnasafn" gestoßen. "VATNASAFN / LIBRARY OF WATER is a long-term project conceived by Roni Horn for a former library in the coastal town of Stykkishólmur in Iceland. The building stands on a promontory overlooking the ocean and the town, and houses three related collections - of water, words and weather reports - which reflect Roni Horn's intimate involvement with the singular geography, geology, climate and culture of Iceland... Water, Selected is a constellation of 24 glass columns containing water collected from ice from some of the major glaciers around Iceland. The glass columns refract and reflect the light onto a rubber floor embedded with a field of words in Icelandic and English which relate to the weather – inside or outside". Quelle und mehr dazu siehe www.libraryofwater.is.

Thursday, June 24, 2010

Boden als Archiv der Kulturgeschichte

Coverbild Buch Boden-MarkierungenIch lese gerade Gerlind Weber (Hrsg.): Boden-Markierungen. Ausgabe 8 (2004) der Zeitschrift Wissenschaft & Umwelt interdisziplinär - erfreulicherweise als pdf downloadbar. Interessant u.a. der Beitrag "Boden als Archiv der Kulturgeschichte" von Christoph Blesl.

Widerstand durch Bildung

"Wir leisten Widerstand durch Bildung" - so heißt ein Beitrag (pdf) der Vorstandsmitglieder der Grünen Bildungswerkstatt in der Zeitschrift Planet Burgenland. Mein Teil: "Barrieren bei der Suche nach Information und Wissen sind vielfältig: Kosten, Zensur, mangelnde Unterstützung, Nichternstgenommenwerden, bewusstes Kleinhalten, Unwissen über Rechte, technische und räumliche Hürden. Widerstand durch Bildung zu leisten bedeutet für mich als Bibliothekarin, Menschen den barrierefreien Zugang zu Literatur - auch zu widerständiger - zu ermöglichen".

BibliothekarInnen und Modebewusstsein

"Try to bear this in mind. Lady Gaga didn't get famous dressing like a librarian. Some people dress fashionably and other people create their own fashion. It ain’t always a bad thing. Could be worse". Mechelle Fogelsong in ihrem Blog Passing Love Notes.

Die hohe Kunst der Selbstablenkung

"Es nutzt auch nichts, von Twitter loszukommen, weil man dann bei Facebook herumlungert. Es nutzt nichts, die Kartenspiele auf dem Computer zu löschen, weil man dann halt bunte Kügelchen abschießt. Wer ein Aufschieber ist, wird immer etwas finden". Und weiter über das Los der Freiberuflerin, die zuhause arbeitet: "Die protestantische Ethik sitzt tief, scheint's, und wer nicht um acht irgendwo sein muss, um einem Chef zu dienen, der arbeitet nicht. Da muss man sich dann schon mal Sätze anhören, die mit 'solange du Hausfrau bist' anfangen. Oder solche, in denen die Formulierung 'ein bisschen was dazuverdienen' vorkommt".

Zitat aus: Isabel Bogdan: "Lotterleben". In: Titel Kulturmagazin, 10. Mai 2010 (via digiwis).

Monday, June 21, 2010

Neuerwerbungen

  • Frank Wedekind: Mine-Haha: or On the Bodily Education of Young Girls. Hesperus Press 2010 (Hesperus Modern Voices) [gewonnen bei der Aktion Early Reviewers von LibraryThing]
  • Angelo Giuseppe Roncalli: Für das Glück geschaffen: Die zehn Regeln der Gelassenheit. St. Benno 2006
  • Mark Reinfeld, Jennifer Murray: The 30-Minute Vegan: Over 175 Quick, Delicious, and Healthy Recipes for Everyday Cooking. Da Capo Lifelong Books 2009
  • George M. Eberhart: The Librarian's Book of Lists. ALA 2010
  • Mathias Ullmann: Ohne Engel. Verlag André Thiele 2009 [Rezensionsexemplar für die AKMB-News]
  • Benutzungsordnung für ORF-Archiv ab 1. Juli

    Vor kurzem hab ich über die fehlende Zugänglichkeit des ORF-Archivs geschrieben, weil die Publikumsrätin Eva Blimlinger bei einer Veranstaltung am Samstag darauf aufmerksam gemacht hat, und nun hat mich ein Kommentator darauf hingewiesen, dass in der Wiener Zeitung eine Benutzungsordnung veröffentlicht wurde, die am 1. Juli in Kraft tritt: "Das Archiv des ORF ist ein reines Arbeitsarchiv auf Basis des ORF-Gesetzes, das audiovisuelle Werke, wie Film- und Videomaterial, Lichtbilder (Bildmaterial), Werke der Tonkunst (Tonmaterial), aber auch rein literarische Werke, Schriftgut iS des Bundesarchiv- bzw. Denkmalschutzgesetzes, welche in Wahrnehmung seiner Aufgaben anfallen, für den zum Zugang berechtigten Personenkreis, unter Einhaltung gerechtfertigter Interessen der Zutrittsberechtigten (einerseits zur Erfüllung ihrer Arbeitsaufgaben bzw. zur Darlegung der Legitimation gemäß Punkt IV), bereit hält. (...) Der ... legitimierte Personenkreis, der berechtigte Interessen als Betroffener nachweist, hat für die Benutzung des ORF-Archives im Anlassfall ein dem Arbeits- und Materialaufwand des ORF-Archivs entsprechendes Entgelt zu bezahlen (...) Archivbenützer, die wissenschaftliche, universitäre und schulische Zwecke verfolgen, müssen einen Antrag auf Archivzugang beim Administrator der zuständigen Direktion stellen". Immerhin, aber ganz zufrieden kann mich das noch nicht stimmen - nach welchen Kriterien entscheidet denn der "Administrator der zuständigen Direktion" über die Benutzung? Mit dem Argument "nicht vertretbarer Verwaltungsaufwand" kann man doch ziemlich viel abwürgen...

    Bibliothek im Flüchtlingslager?

    In einer Presseaussendung über eine Ausstellung von Marlene Hausegger in der MUSA-Startgalerie wird über das Buch "Traiskirchen" (Metro Verlag, Erscheinungstermin: August 2010) berichtet, bei dem ein Teil des Erlöses "dem Aufbau einer Bibliothek im dortigen Flüchtlingslager dienen" soll. Gute Idee! Da muss aber wohl noch mehr investiert werden...

    Sunday, June 20, 2010

    Bücher, die man nicht liest

    "Eines wurde an diesem Bloomsday deutlich; Kaum ein Buch wird so gern nicht gelesen wie der 'Ulysses' von James Joyce! Er habe zur Vorbereitung auf den von Wien live organisierten Abend im Café Korb noch einmal kurz hineinlesen wollen, erklärte Erich Schirhuber - und als Lektoratschef der Städtischen Büchereien sitzt er ja an der Quelle. Siehe da: Der Band war tatsächlich nicht entlehnt!"

    Aus: "'I did it': Wer Ulysses wirklich gelesen hat", in: Die Presse, Menschen, 19. Juni 2010, S. 14

    Öffnung des ORF-Archivs für die Wissenschaft?

    "Der ORF hätte daher dem Bundesarchivgesetz folgend seit dessen Inkrafttreten im Jahr 2000 unverzüglich mit der Erfassung, Ordnung, Erschließung und Nutzbarmachung seiner Archivbestände beginnen und diese Tätigkeiten im Hinblick auf frei zugängliches Material so bald wie möglich abschließen müssen. Nichts ist passiert, denn Informationen zum Archiv gibt es für potenzielle Benützer und Benützerinnen nicht, eine Internetrecherche bleibt ohne Ergebnis, unter orf.at findet sich alles mögliche, nur kein Hinweis aufs Archiv, nirgendwo sind Standort, Zugangsmöglichkeiten, Öffnungszeiten oder gar Nutzungsbedingungen veröffentlicht", schrieb die ORF-Publikumsrätin Eva Blimlinger in ihrem Standard-Artikel "Das Phantom-Archiv des ORF" - am 25. März 2009. Anscheinend hat sich seitdem - trotz neuer Leitung - immer noch nicht viel getan...

    Dazu noch der Hinweis auf ein Kamingespräch mit dem früheren Leiter Peter Dusek an der Donau-Uni im Jahr 2005: "Derzeit lagern bereits über 2 Mio. Bewegtbilder und Fotografien im audiovisuellen Archiv, 15.000 Fotografien werden in Kooperation mit der Nationalbibliothek digitalisiert. Das Bewusstsein, dass das Archiv einen Wert darstellt, musste erst geschaffen werden. Im Vergleich zu den Kosten der Produktion stellt die Nutzung von Archivmaterial nun einen Bruchteil dar, deshalb dürfe Archivierung und die Benutzung des Archivs auch nicht kostenlos sein".

    21. Juni 2010: Update!

    Saturday, June 19, 2010

    Bodenmanagement in der Gemeinde

    Ich besuche gerade den Lehrgang "Bodenmanagement in der Gemeinde", der von Klimabündnis und Umweltberatung organisiert und gestaltet wird und mit dem Zertifikat "Kommunale Bodenbeauftragte" abschließt. Der erste intensive Block, in dem die Grundlagen vermittelt werden, fand Donnerstag und am Freitag in Purkersdorf statt; für den zweiten Block fahren wir im Oktober nach Oberösterreich, und dazwischen erarbeiten wir ein Konzept für ein Bodenschutzprojekt in einer Gemeinde. Das bisherige Programm:

  • Europäisches Bodenbündnis und Aktivitäten der Länder OÖ und NÖ / Christian Steiner
  • Grundlagen Bodenkunde, Bodenfunktionen / Gerald Stradner
  • Bodenschutz, Bodengefährdung, Klimaschutz, Bodenrechte: national und international / Nora Mitterböck
  • Böden als Kohlenstoffspeicher – Chancen und Risiken / Alex Dellantonio
  • Vom Regen zum Hochwasser. Die Gefahren, Folgen und Gegenmaßnahmen der Bodenversiegelung beispielhaft erklärt / Ulrike Pitha und Bernhard Scharf
  • Regenwassermanagement / Anita Peintner
  • Örtliche Raumplanung und Hochwasserschutz / Walter Seher
  • Wasserschutzgebiete / Martina Kainz
  • Raumplanung, Besiedelung, Infrastruktur / Gerlind Weber
  • Handlungsfelder und Instrumente für Bodenmanagement in der Gemeinde / Gerlind Weber
  • Energieausweis für Siedlungen – Optimierung in der Siedlungsentwicklung anhand von Beispielen aus NÖ / Hans Emrich
  • In der Ankündigung des Lehrgangs heißt es: "Die Gemeinde hat dank ihrer Entscheidungskompetenzen wesentlichen Einfluss auf den Flächenverbrauch, die Bodengüte und den vorsorgenden Hochwasserschutz". Mir war gar nicht klar, wieviele Themen mit dem Boden zu tun haben - Natur-, Landschafts-, Hochwasser-, Klimaschutz, Ernährung, Mobilität. Bei Prof. Webers Vortrag über Raumplanung erfuhren wir zum Beispiel, dass der Transport einer Person mittels PKW ZEHNMAL so viel Fläche beansprucht wie mit Bahn oder Bus, dass in Österreich zwölf Prozent der Wohnungen Zweitwohnsitze sind und dass in Österreich 4,9 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen sind.
    Auch die Arbeitsatmosphäre beim Kurs ist sehr angenehm, und es ist eine sehr vielseitige Gruppe - von der Landschaftsplanerin über die Umweltjuristin und die Umweltgemeinderätin bis zum Bürgermeister, vom Vorarlberger bis zur Burgenländerin.

    Friday, June 18, 2010

    Einblick ins fürstliche Archiv

    Beim "Expert Day" auf Burg Forchtenstein am Samstag, dem 26. Juni 2010, geben "die wissenschaftlichen Experten der Esterházy Privatstiftung interessierten Besuchern detaillierte Einblicke in die reichhaltigen Sammlungen, die Burg Forchtenstein beherbergt. Sehen Sie Burg Forchtenstein aus dem Blickwinkel eines Wissenschaftlers: erfahren Sie Interessantes aus der Welt der kunsthistorischen Forschung, Wissenswertes zu einzelnen Exponaten und besichtigen Sie Bereiche der Burg, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind".

    Führungen und Termine:

  • Wandermalereien im Spiegel von 400 Jahren Burggeschichte - Dr. Florian Bayer. Beginn: 11.00 und 13.00 Uhr
  • Fürstliches Archiv der Burg Forchtenstein - Dr. Gottfried Holzschuh. Beginn: 11.15 und 13.15 Uhr
  • Das ungarische Insurrektionsdepot auf Burg Forchtenstein - Dr. Herbert Zechmeister. Beginn: 11.30 und 13.30 Uhr
  • Wednesday, June 16, 2010

    Nationalbibliothek und Google Books

    Ich verweise auf die umfangreiche Berichterstattung im VÖB-Blog (www.univie.ac.at/voeb/blog/?cat=54) und zitiere aus dem Artikel "Der große Coup in der Nationalbibliothek" von Norbert Mayer, der in der heutigen Presse erschien: "Wer noch mithilfe von Zettelkästen ergründen musste, was Weltbewegendes über 'Das Insekt bei Goethe' geschrieben wurde, wer wissen wollte, ob Schopenhauer Hegel erwähnt hat und in welchem Kontext oder warum auch nicht, weiß: Es kommen goldene Zeiten für die Philologie".

    Tuesday, June 15, 2010

    Alter Bücherbus zu verkaufen

    "Die Stadt Wien mustert mehrmals im Jahr alte Fahrzeuge und Geräte, die am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und für den städtischen Intensivbetrieb nicht mehr geeignet sind, aus. Diese werden jedoch nicht sofort verschrottet oder entsorgt, sondern zuerst zwei- bis dreimal jährlich privaten Interessenten zum Verkauf angeboten. (...) Die Highlights der jetzigen Aktion sind u.a. ein Büroanhänger - als Campinganhänger durchaus vorstellbar - , ein Omnibus, ehemals verwendet als fahrbare Bücherei und eine auf einem LKW montierte Hubarbeitsbühne".

    Hinweis aus einer Presseaussendung der MA48, mehr zum Verkauf auf www.wien.gv.at/umwelt/ma48/fuhrpark/fahrzeugverkauf/.

    Monday, June 14, 2010

    ABC No Rio Zine Library braucht Geld

    "The ABC No Rio Zine Library is one of the best keep secrets around. Located in ABC No Rio, New York City's Lower East Side radical community center, the library houses over 12,000 items. While the focus of the collection is fanzines, it also contains thousands of publications from anarchist, left anti-authoritarian and grassroots community groups. It is one of the very few places in the US (alongside KSL and the Labadie collection) where anarchist print publications from 1970 to the present are actively collected and made accessible to the public. All of the librarians are volunteers, and everything in the library has been donated - the library has no budget. But it desperately needs to purchase preservation materials to help protect the collection; specifically acid-free boxes and plastic sleeves for the periodicals. So we're holding a party to help raise money".

    Hinweis aus Infoshop via Google Alert.

    Friday, June 11, 2010

    Die politische Gesichtslosigkeit

    "Wahrscheinlich trifft die Medien aber auch ein Teil der Schuld an der akuten Gesichtslosigkeit. Wer den verunglückten Nebensatz eines Politikers über ganze Legislaturperioden wiederkäut, muss sich nicht wundern, wenn menschgewordene Sprechautomaten leichter den Weg nach oben schaffen. Wo schon kleine Sünden die Karriere gefährden können, gehört die Welt den grauen Erbsenzählern, denen zum Sündigen die Fantasie fehlt".

    Rosemarie Schwaiger: "Joachim Gauck: Die gar nicht graue Eminenz". In: Die Presse, Außenpolitik, 9. Juni 2010

    Die Bücherei: ein Ort zum Lernen in Goma

    "Vor allem die Bücherei wird dringendst benötigt, da Bücher in dieser Region schwer zu bekommen sind und 95% der Bevölkerung sich diese nicht leisten können. Da die meisten Familien in Einraumhäusern leben - was ein konzentriertes Lernen zu Hause fast unmöglich macht - ist die Bücherei auch der einzige Ort, an dem die Kinder in Ruhe studieren können", schreibt die Caritas über das Jugendzentrum in Goma im Kongo.

    Tuesday, June 08, 2010

    Einsparen bei der Bibliothek

    "Libraries face funding challenges – in that they are more discretionary than other services, usage has declined, the unit cost of lending a book can be more expensive than the wholesale price of a book and customers have new book and information media and services (e.g. Amazon, social networking sites, etc) [...] Giving councils total freedom on libraries could mean that they create huge social value from engaging a community in running its own library, backed up with some modern technology, whilst also saving large amounts of money on over-skilled paid staff, poor use of space and unnecessary stock".

    Aus: Alan Downey, Paul Kirby and Neil Sherlock: Payment for Success (pdf), KMPG, Juni 2010 (via SmilyLibrarian).

    Monday, June 07, 2010

    Feminismus: "a word that for 40 years has been kicked around"

    "Take 'feminism' itself, a word that for 40 years has been kicked around by the right, especially by women on the right. The word, which indicates a movement that enfranchised and liberated women - professionally, personally, socially, sexually and economically - was, in the hands of its opponents, efficiently inverted to indicate sexlessness, humorlessness, and something fundamentally unfeminine".

    Rebecca Traister: "Sarah Palin's grab for feminism". In: salon.com, 1. Juni 2010, http://www.salon.com/life/broadsheet/2010/06/01/palin_feminism (Hinweis von Diedre Conkling)

    Frauenforschungsbibliothekswesenforschungsbibliographie

    Hinweis von Jennifer Gilley (via Kathleen de la Peña McCook): "The Bibliography of Scholarship on Women's Studies Librarianship has been updated! It is available from the Women's Studies Section homepage or directly at: http://www.libr.org/wss/committees/research/bibmain.html. Titles have been added for 2008, 2009, and 2010. Please take a look and see what exciting new research is available in our field. (...) I compile the list by searching Library Literature and LISA, so book chapters don't show up unless I find out about them some other way. Please let me know!"

    Premiere

    Notar sieht meinen akademischen Titel und fragt: "Was haben Sie denn für eine FH besucht?". Ich: "Ich habe Bibliothekswesen studiert". Er: "Na, da sind Sie ja sicher auch eine EDV-Fachfrau". Diese Assoziation kam mir bisher noch nie unter ;-)

    Beförderungsfall

    Der scheidende Magistratsdirektor Ernst Theimer über die in seiner Amtszeit vorgenommene Restrukturierung der Wiener Stadtwerke: "Als man dort erstmals von Fahrgästen statt von Beförderungsfällen sprach, wusste ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind". Quelle: Rathauskorrespondenz, 7. Juni 2010, http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/06/07015.html

    Friday, June 04, 2010

    Wer will mit zu "Dingen, die im Kopf passieren"?

    Ich habe aufgrund verschiedener Absagen noch eine Karte für Peter Kliens Kabarett "Geist ist geil" (Theater am Alsergrund, Samstag, 5. Juni, 19.30 Uhr, 12€) übrig. Es gibt nur mehr Restkarten für diesen Termin - eine einmalige Chance also ;-) wer sich kurzfristig entschließt, mitgehen zu wollen, bitte kommentieren! Bei mehreren InteressentInnen lose ich unter notarieller Aufsicht aus und gebe so schnell wie möglich Bescheid - fürs Schneuzen und Kampeln soll ja genügend Zeit bleiben.

    Zum Programm: "Viele Dinge gibt es, von denen jeder glaubt, zu wenig davon zu haben: Ruhm, Geld, Affären, Urlaubstage. Da ist es umso tröstlicher zu wissen, dass eine Sache existiert, bei der sich jeder sicher ist, im Übermaß damit gesegnet zu sein: Intelligenz. Grund genug also, sich einen Abend lang geistigen Freuden hinzugeben.
    Nur soviel sei vorab verraten:
    Wir werden gemeinsam Intelligenz gebrauchen.
    Wir werden aber auch zum Zahnarzt müssen.
    Es geht um Dinge, die im Kopf passieren".

    Schallplatten in der Schulbibliothek

    Bettina Balàka beschreibt in den Salzburger Nachrichten vom 22. Mai 2010 ihre Schulzeit bei den Ursulinen in Salzburg: "In der gemütlichen Bibliothek gab es nicht nur Bücher, sondern auch Schallplatten von Deep Purple, den Rolling Stones oder Boney M.".

    Die aktiven Latzhosen

    Beim Altpapieraufräumen bin ich auf den Artikel "Initiativ sind nicht nur Latzhosenträger" von Conrad Seidl gestoßen (Der Standard, Inland, 20. Mai 2010, S. 7), in dem der BIV vorgestellt und die Erfolge von Bürgerinitiativen gegen Verkehrsprojekte beschrieben werden. "Das wird von den Grünen gern gesehen - ist aber längst nicht nur ein grünes Anliegen, sagt Ennöckl: 'Das Vorurteil, dass Bürgerinitiativen aus latzhosentragenden Bio-Lehrern bestehen, stimmt nicht mehr. Da sind jetzt oft Wirtschaftsanwälte und Höchstrichter dabei'.". Abgesehen davon, dass ich mich frage, was an latzhosentragenden Bio-Lehrern so schlimm sein soll, frage ich mich auch, ob Wirtschaftsanwälte und Höchstrichter nicht grün sein können...

    Monday, May 31, 2010

    Eduard Paryzek: Buchpräsentation & Filmnacht

    Wien nach 1945: Bunte Filmplakate durchbrechen die graue Umgebung der von Schutt und Ruinen gezeichneten Stadt. An den Bretterzäunen der eingeplankten Baustellen, an den Fassaden der in Eile wiedereröffneten Kinos, an immer mehr Orten sind jene großformatigen Ankündigungen zu sehen, die ersehnte Abwechslung im für viele schwierigen Alltag verheißen. Die Plakate stammen nicht selten aus dem Atelier von Eduard Paryzek (1915–1998), einem der produktivsten Filmplakatmaler der Nachkriegszeit. Als Vertreter eines heute ausgestorbenen Berufsstandes gehörten seine charakteristischen Pinselstriche bis Anfang der 1970er-Jahre zu den eindrucksvollsten "Eyecatchern" in der Stadt. Sie begleiteten Aufstieg und Niedergang der Wiener Kinolandschaft und sind nicht zuletzt beredtes Zeugnis der sich ausbreitenden Populärkultur US-amerikanischen Zuschnitts.

    Im Juni 2010 erscheint das Buch "Filme malen. Der Wiener Plakatmaler Eduard Paryzek im Salzburger Verlag Anton Pustet (ISBN 978-3-7025-0622-3). Es wird von Peter Payer herausgegeben und enthält Beiträge von Robert Buchschwenter, Robert Gokl, Julia König-Rainer, Christian Maryska und Ilse Nerber. Die Publikation, die in enger Kooperation mit der Plakatsammlung der Wienbibliothek im Rathaus entstand, analysiert Leben und Werk des heute vergessenen Filmplakatmalers vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Populärkultur. Dabei spielt auch der Aufstieg und Niedergang der Wiener Kinolandschaft eine wichtige Rolle.

    Am 22. Juni 2010 werden im Filmarchiv Austria / Metro Kino (Johannesgasse 4, 1010 Wien) das Buch präsentiert und drei Filme gezeigt, zu denen Paryzek die Plakate gestaltete. Plätze sind begrenzt (vor allem für die ersten beiden Filme liegen schon viele Anmeldungen vor), Anmeldung für Präsentation und Filme am besten sofort bei Barbara Brunner, office@barbara-brunner.at. Kartenausgabe ab 17.30 Uhr.
    Programm:
    * 18.30 Uhr Buchpräsentation "Filme malen. Der Wiener Plakatmaler Eduard Paryzek"
    * 20.00 Uhr: Schuss durchs Fenster (Ö 1950)
    * 21.45 Uhr: The man in the iron mask (US 1939, OF)
    * 00.00 Uhr: Bob le flambeur (F 1956, OmU)

    "Lehre für 21,40 Euro Stundenlohn"

    "Für das, was viele Hochschuldozenten pro Stunde bekommen, würden die meisten Handwerksmeister nicht einmal ihr Werkzeug auspacken", schreibt Susanne Kailitz heute im Unispiegel.

    Tuesday, May 25, 2010

    Der diskrete Charme des Formulars

    Peter Becker spricht am IFK zum Thema "Der diskrete Charme des Formulars. Kommunikation und Verwaltungsrationalisierung aus technologiegeschichtlicher Perspektive". Ort und Zeit: 31. Mai 2010, 18 Uhr c. t. am IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien. Freier Eintritt.

    "Formulare sind ein unverzichtbares Instrument der modernen Verwaltung. Sie hatten deshalb einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des modernen Staates. Heute sind Formulare komplexe Instrumente, mit denen die Verwaltungsabläufe innerhalb der Behörde rationalisiert und gesteuert werden. Im Vortrag von Peter Becker geht es nicht nur um einen historischen Blick auf die Entwicklung dieses "Fließbandes" der Verwaltung, sondern auch um eine Auseinandersetzung mit der Kommunikationsfunktion des Formulars. Der Steuer- und Sozialstaat der Nachkriegszeit benötigte neue Instrumente für die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern zur Erledigung massenhafter Verwaltungsaufgaben. Das Formular war dazu hervorragend geeignet, weil es ein formalisiertes Interview mit AntragstellerInnen und Auskunftspersonen ermöglichte. Der Charme des Formulars besteht in dieser Perspektive in der Übertragung von Kompetenzen an die BürgerInnen. Das stellt Männer wie Frauen vor erhebliche Herausforderungen, weil sie ihre Anliegen in die abstrakten Kategorien der Verwaltung übersetzen müssen, ohne die Folgen hinreichend beurteilen zu können. Das Formular behält daher den Reiz des Relikts einer autoritativen Einstellung der Verwaltung gegenüber dem Publikum, die dem Beamten eine absolute und uneingeschränkte Deutungshoheit zugestand".

    Friday, May 21, 2010

    Grüne Straßenbibliothek in Eisenstadt eröffnet, Teil 2

    In Ergänzung zu meinem vorigen Eintrag hier noch die "Anleitung" für die Grüne Straßenbibliothek von der Website der Grünen Bildungswerkstatt, deren Motto ja "Widerstand durch Bildung" ist.

    Wie funktioniert's?
    Nimm Dir ein Buch. Ja, greif zu. Einfach so. Ohne Kosten, ohne Anmeldung, ohne Verpflichtung. Und dann: Lies los! Oder blättere – oder schau Dir einfach nur die Bilder an!
    Wie geht's weiter?
    Wir freuen uns, wenn Du dafür bei Gelegenheit ein anderes gutes Buch in den Kasten stellst – so kann der Bücherschrank auch für später kommende Leseratten offen bleiben.
    Wer macht's?
    Die Grünen und die Grüne Bildungswerkstatt Burgenland stiften für den Offenen Bücherschrank Bücher, die ihnen wichtig sind. Deswegen findest Du in manchen Büchern auch eine persönliche Widmung. Im Lauf der Zeit entsteht eine bunte Mischung aus Literatur für alle Interessensrichtungen und jedes Alter.

    Grüne Straßenbibliothek in Eisenstadt eröffnet

    Ich weise sehr gerne auf die neue Grüne Straßenbibliothek in Eisenstadt hin, die gestern eröffnet wurde, nachdem ich an der Entstehung nicht ganz unbeteiligt war :-) Ich würde mich freuen, wenn dieser Offene Bücherschrank gut angenommen wird und wenn wir ihn vielleicht einmal als offizielle Bookcrossing-Zone anmelden können, derer es im Burgenland noch keine gibt.
    Aus der Presseaussendung: "Unter dem Motto 'Bildung zählt!' eröffneten die Burgenländischen Grünen die erste Straßenbibliothek in der Eisenstädter Fußgängerzone, direkt vor dem Café Steiner, Hauptstraße 33. 'Die Eröffnung der ersten Grünen Straßenbibliothek ist nicht nur ein Angebot für Interessierte, sondern auch ein symbolischer Akt für freie Bildung', erklärte Spitzenkandidat Michel Reimon. Bildung werde in der Gesellschaft immer wichtiger und dürfe nicht vernachlässigt werden. Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise müsse in die Bildungsmöglichkeiten in allen Bereichen investiert werden, daher wolle man mit dieser Straßenbibliothek ein Zeichen setzen".

    Photo Grüne Straßenbibliothek Eisenstadt
    Bild (von links): Klubobfrau Grete Krojer, Spitzenkandidat Michel Reimon, Jugendkandidatin Julia Tinhof.

    Tuesday, May 18, 2010

    Publizistik: zu wenig Platz für die Bibliothek

    "Die Mitarbeiter des Instituts sind momentan auf drei Adressen aufgeteilt. Das macht die Kommunikation unter den Mitarbeitern schwer. Für die Studierenden bedeutet es, dass sie ununterbrochen pendeln müssen, weil die Lehrveranstaltungen an vielen unterschiedlichen, zum Teil sehr weit voneinander entfernten Orten stattfinden. Das dritte Problem im Haus ist die Bibliothek. Wir haben Kapazitätsprobleme, allein was den Bestand der Bücher und Zeitschriften betrifft", sagt Institutsvorstand Hannes Haas im Interview "Publizistik ist seit über 20 Jahren überlaufen" mit Fabian Kretschmer, erschienen im Standard vom 14. Mai 2010.

    Studis: besser mehr Zeit in der Bibliothek

    "Ich würde den Universitäten empfehlen, ihren Studenten weniger Semesterwochenstunden in den Seminaren zu verordnen und dafür mehr in den Bibliotheken".

    Aus: "Master-Studium. 'Ich kann nicht monatelang Foucault lesen'". Interview mit dem Studenten Jörn Meyn von Lydia Harder und Eckart Lohse, erschienen in der FAZ vom 18. Mai 2010. - Hinweis von Eric Steinhauer.

    Friday, May 14, 2010

    BibcÖmp in Wien? #bib3

    Beim Bibcamp kam von verschiedenen Seiten die Idee, einmal ein Bibcamp in Wien zu organisieren (also vielleicht ein BibcÖmp), und Patrick Danowski und ich haben während unseres gemeinsamen Rückfluges nach Wien einen Bibliothek 2.0-Stammtisch hierorts angedacht. Wer ist dabei?

    Eindrücke vom Bibcamp #bib3

    Am Freitag und Samstag habe ich zum ersten Mal an einem Barcamp bzw. einer Unconference teilgenommen, und das war natürlich beim BibCamp, das auf der FH in Hannover stattgefunden hat. Hier einige meiner Eindrücke:

  • Das größte Erlebnis war für mich, viele virtuelle Kontakte zum ersten Mal persönlich zu sehen. Da waren Leute drunter, die ich seit über zehn Jahren über Mailinglisten und/oder Twitter "kenne" und noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Ich hab's auch lustig gefunden, wie am ersten Tag alle auf den Twitternamen am Namenskärtchen geschielt haben. Motto: "Ach, Du bist das!" Interessant war für mich, dass sich meine Einschätzungen bestätigt haben - sprich, wer mir online sympathisch ist, war es auch in echt (trifft auch auf die mir persönlich Unsympathischen zu, auch wenn das wenige Ausnahmen sind). Kommt über Text in Mails und Tweets so viel von der Persönlichkeit herüber und/oder war ich einfach voreingenommen?
  • Teilweise ist so eine Veranstaltung natürlich Predigen zu den Bekehrten.... Und das trifft sogar auf die Verteilung innerhalb der einzelnen Sessions zu, daher gefällt mir Dales (@daskey) Idee, zumindest eine Session zuzulosen, gar nicht schlecht. So könnte vielleicht vermieden werden, dass man sich nur Themen widmet, wo man sich schon auskennt. Allerdings ist es natürlich sinnvoll, dass man sich schon ein bisschen auskennt, wenn man mitmachen und sich nicht nur belehren lassen will.
  • Wie Anne (@xenzen) feststellte, waren die meisten TeilnehmerInnen "jung und nicht in einer Führungsposition". Aber immerhin war die Hälfte auf Dienstreise dabei.
  • Ich habe mich sehr wohlgefühlt und die Arbeitsatmosphäre als sehr angenehm empfunden. Auch organisatorisch gibt's nix zu meckern. Kleiner Kritikpunkt: Für mich waren die Informationen zu stark verteilt - im Blog, im Wiki, auf Facebook und Twitter, bei Eventbrite. Ich hätte mir da eine einheitlichere Oberfläche gewünscht. Und dem Vorschlag eines Teilnehmers, sich für eine Vorstellungsrunde etwas Originelles - und bei 150 TeilnehmerInnen Machbares - einfallen zu lassen, kann ich auch etwas abgewinnen.
  • Die Ergebnisse bzw. Diskussionen der einzelnen Sessions werden im Bibcamp-Wiki dokumentiert. Ich hab auch noch einige Beiträge in Vorbereitung. Ich hab an folgenden Runden teilgenommen: "Warum wollen Bibliotheken nicht ins Netz?" (sondern sitzen auf ihren Katalogdaten) (@tillk und @xenzen); "Crowdsourcing in Bibliotheken" (@mendeley_com); "Professionalisierung von Bibliothek 2.0" (@lambo); "Kommunikation mit und Überzeugungsarbeit bei KollegInnen" (@bibliothekarin); "Medienpädagogik / Lehre" (@lambo, @wruge). Außerdem hab ich selbst ein Thema vorgeschlagen, das sich in der Medienpädagogik-Session nicht mehr ausging und daher auch hier im Weblog diskutiert wird.
  • Mein Eindruck war, dass Sessions mit über fünfundzwanzig Personen nicht mehr so konstruktiv sind. Das führt bei vielen zu Passivität - was ja grundsätzlich okay ist, man kann, aber muss sich ja nicht unbedingt einbringen, aber das war teilweise schade.
  • Peter Klien: Geist ist geil

    Zu sehen ab 1. Juni im Theater am Alsergrund: "Viele Dinge gibt es, von denen jeder glaubt, zu wenig davon zu haben: Ruhm, Geld, Affären, Urlaubstage. Da ist es umso tröstlicher zu wissen, dass eine Sache existiert, bei der sich jeder sicher ist, im Übermaß damit gesegnet zu sein: Intelligenz. Grund genug also, sich einen Abend lang geistigen Freuden hinzugeben - mit Peter Kliens erstem Kabarettprogramm".

    Thursday, May 13, 2010

    Das Allesfresser-Dilemma

    Ich lese gerade "The omnivore's dilemma" von Michael Pallon. Sicher eines der augenöffnendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe - und das sag ich schon nach dem ersten Drittel. Zeigt anhand von vier Mahlzeiten (von industriell über biologisch bis selbst gejagt/angebaut) unheimlich plastisch und lebendig den Zusammenhang von Agrarpolitik, industrieller Tierhaltung, industriellen "Lebens"-Mitteln, Maisüberschuss, Bodenausbeutung und dem Erdöl, das wir alle - zum Großteil wohl unbewusst - mit unserer täglichen Nahrung zu uns nehmen.

    Beispiel aus dem Kapitel "Corn": Man muss keine Vegetarierin sein, dass einem das Grausen bei dem Gedanken kommt, dass wir Rinder mit Mais vollstopfen, den sie normalerweise nie fressen würden, und dass wir sie dann mit Medikamenten vollstopfen müssen, damit sie das überhaupt irgendwie vertragen.
    "'You are what you eat' is a truism hard to argue with, and yet it is, as a visit to a feedlot suggests, incomplete, for you are also what what you eat eats, too" (S. 86)
    "Part of the appeal of hamburgers and nuggets is that their boneless abstractions allow us to forget we're eating animals" (S. 114)

    Tuesday, May 11, 2010

    Bibliothekarische Fachkommunikation: Mailinglisten, Weblogs #bib3

    Schmunzeln musste ich gerade bei Christian Hauschkes Kommentar zur Begründung der Nichtnutzung von Weblogs mit dem Argument "die veröffentlichten Informationen sind nicht qualitätsgesichert":

    "Ein sehr lustiger Einwand. Wo bekommt man denn 'qualitätsgesicherte' Informationen? Im Bibliotheksdienst? In BIT Online? Oder den anderen, einem knallhartem Double-Blind-Peer-Review unterworfenen Cutting-Edge-Zeitschriften im deutschsprachigen Raum?" :-)

    Der Artikel verlinkt übrigens auch zur Session "Bibliothekarische Fachkommunikation" am Bibcamp. #bib3

    Monday, May 10, 2010

    Offiziell = neutral?

    Ich finde Formulierungen wie "Die mit großem Aufwand kandidierenden Freiheitlichen erreichten magere 2,89% bei den Dienststellenvertretungswahlen" nicht angemessen für die offizielle Bekanntgabe des Ergebnisses auf der Gewerkschaftsseite - unabhängig von der persönlichen Bewertung des Ergebnisses.

    Bibliothek vor zweitausend Jahren

    / I'll bet even the staff at the Royal Library at Alexandria had to deal with people with their togas in a twist. "I returned that scroll last week!!"... "Sir, you can't carry your olympic torch in here."... "I think someone's looking at erotic urns in the Reference Section..." and so it goes. /

    Anonymer Kommentar zum Artikel "Miss Information has a close encounter with the law" von Miss Information vom 8. Mai 2010.

    Neuerwerbungen

  • Meinungs-Bilder. Politische Plakate 1900-2000. Katalog zur Ausstellung im Historischen Museum Hannover vom 03. März bis 19. September 2010. Mit Beiträgen von Tabea Golgath, Thomas Schwark und Andreas Urban. Hannover 2010
  • Georg Ruppelt: "Keiner, den ein Weib geboren". Von schönen neuen Menschen und Klonen in der Literatur. Hameln: Niemeyer 2002 (= Lesesaal. Kleine Spezialitäten aus der Niedersächsischen Landesbibliothek ; 1)
  • Bibliothek als Kompetenzzentrum für Web 2.0? #bib3

    Beim Bibcamp (#bib3) in Hannover hab ich die von mir vorgeschlagene Session aus Zeitgründen (und mangelndem Durchsetzungsvermögen meinerseits ;-) nicht mehr untergebracht. Daher möchte ich meinen Themenvorschlag einfach hier zur Diskussion stellen - er richtet sich an alle, die Schulungen für Studierende anbieten oder in der Lehre tätig sind.

    Wie können Bibliothek und BibliothekarInnen sich - hochschulintern, in der bibliothekarischen Ausbildung und bei BenutzerInnen-Schulungen - als Web 2.0-ExpertInnen etablieren? Zwei Beispiele aus anderen Bereichen zur Verdeutlichung, was ich meine: Beim Thema Open Access KANN eine Bibliothek hochschulintern als Kompetenzzentrum für wissenschaftliches Publizieren anerkannt sein. Oder, damit verwandt: Eine Bibliothek KANN die Stelle sein, wo sich WissenschaftlerInnen für szientometrische Analysen hinwenden. Wie sieht das bei Web 2.0 aus? Kauft man uns das ab? Wenn wir Web 2.0-Schulungen für BenutzerInnen anbieten, verstehen diese, warum gerade WIR das Thema behandeln?

    Hintergrund meiner Frage: Ich unterrichte selber ja seit acht Jahren in verschiedensten Settings Social Software, auch an einem bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Studiengang. Bei jüngeren Studierenden habe ich zunehmend die Erfahrung gemacht, dass sie nur schwer zu motivieren sind, sich mit dem professionellen Umgang mit Social Software zu beschäftigen - vielleicht weil die Studis privat ohnedies mit diesen Tools umgehen und der Ansicht sind, dass sie eh schon alles wissen, und/oder weil es mir anscheinend nicht gelingt, den Unterschied klar zu machen. Nach dem, was ich bei Tagungen so mitbekomme, nehmen Studierende Schulungsangebote der Unibibliotheken im Bereich Literaturverwaltung sehr gut an - würde das mit Web 2.0 auch funktionieren?

    Merkel über Informationsbeschaffung in der DDR

    "Es gab ja Israel für die DDR gar nicht. Wir hatten nicht einmal Postverkehr mit Israel. Immer wenn wir Sonderdrucke von Arbeiten über physikalische Chemie aus Israel haben wollten, dann haben wir an Amerikaner geschrieben, die wir kannten, und die haben das nach Israel weitergeleitet".

    Evelyn Roll: "Angela Merkel über Antisemitismus". In: Süddeutsche Zeitung, 8./9. Mai 2010, S. V2/8

    Sunday, May 02, 2010

    Neuerwerbungen

    Mein Glück beim Besuch des Berliner Büchertisches war, dass die Science Fiction-Bücher nur mit einer Leiter zu erreichen waren und ich mich diesbezüglich zurückhalten konnte. Daher habe ich nur fünf Bücher erstanden.

  • Stanisław Lem: Die Ratte im Labyrinth. Suhrkamp 1982 (= Phantastische Bibliothek 806)
  • Claude Courouve: Les homosexuels et les autres. Une enquête. Athanor 1977
  • Jean-Marie Chappé: L'infographie de presse. 1993 (= Les guides du centre de formation et de perfectionnement des journalistes ; 38)
  • Jennifer Schwamm Willis (Hrsg.in): The Book of Wizards: Stories of Enchantment From Near and Far. Thunder's Mouth Press 2004
  • M.S. Murdock: Das Netz der Romulaner. 8. Aufl. Heyne 1995 (= Star Trek Classic Black Edition ; 1)

  • Thursday, April 29, 2010

    Die Liebe nur aus Büchern kennen

    Wer spontan Lust auf einen Besuch in Berlin hat, kann morgen beim Fest zu zwanzig Jahre Gender-Bibliothek meinen Vortrag "Die Liebe nur aus Büchern kennen. Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer BibliothekarInnen zur Paarungszeit" anhören und anschauen :-)

    Für Antworten siehe Katalog?

    "All of a sudden it hit me. I'd thought about it for a long time, but hadn't yet be able to articulate the idea in words: the catalog has always been a holdings interface. Yet, many people expect it to be a reference interface". Interessante Beobachtung im Weblog "From the catalogs of babes".

    Tuesday, April 27, 2010

    Ausstellung "Menschen in der Hauptbücherei"

    Die Ausstellung "Menschen in der Hauptbücherei" mit Photographien von Petra Rainer wird am Mittwoch, dem 5. Mai 2010, um 19 Uhr in der Wiener Hauptbücherei eröffnet und ist bis Samstag, den 3. Juli, zu sehen.

    Wir lesen und hören Musik, arbeiten und spielen am Computer, lernen und suchen was, treffen uns und reden, schauen und beobachten, lernen Leute kennen, wie in einem großen Wohnzimmer sitzen wir zusammen und tun was allein oder gemeinsam, auf jeden Fall ein guter Platz für Gedanken, Bilder, Bücher. Ein Jahr lang hat die Wiener Fotografin Petra Rainer regelmäßig die Hauptbücherei besucht, mit LeserInnen und MitarbeiterInnen geredet, die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Daraus entstand eine Serie ganz besonderer Porträts, die das große Spektrum der Nutzungen des "Bücherschiffs" ebenso darstellen wie die Vielfalt der BesucherInnen aller Altersgruppen, Sprachen, Kulturen...

    Thursday, April 22, 2010

    "Begriffsverwirrung um vermeintlich unbekannte Tiere"

    Wir haben gerade eine Führung für Studierende der Finno-Ugristik im Haus, und das hat mich auf die Idee gebracht, mir einmal die Website des Instituts anzuschauen. Dabei bin ich auf das "Repertorium zur Preßburger Zeitung 1764-1774 gestoßen. Neben Einträgen zu Bibliotheken und Bücherverbrennung hab ich auch Moose Content gefunden, und zwar in der Preßburger Zeitung vom 21. Oktober 1767: "Begriffsverwirrung um vermeintlich unbekannte kanadische Tiere, die nach England gebracht worden sind und als Mousee-Deer bezeichnet wurden. Es handelte sich dabei um Elche. Neckarstrohm, 25. September".

    More moose content in weblogs!

    Blättern und träumen in Berkeleys Bibliotheken

    "Man geht gern über den Campus von Berkeley. Die Universität ist stolz auf ihre zweitausend Bäume. Am Morgen schwärmen Gärtner aus, um die Anlagen zu pflegen. Und die Bibliotheken! Sie sind ein Paradies für Studenten und Professoren. Nehmen wir die Rechtswissenschaftliche Bibliothek. Sie ist von acht Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet. Wenn ich in die Bibliothek kam, fand ich oft einen Zettel der Bibliotheksangestellten an meinem Arbeitsplatz mit einem Hinweis auf ein Buch oder einen Aufsatz. Die Studenten verbringen viel Zeit in der Bibliothek. Dies liegt nicht nur an der hervorragenden Sammlung und der kompetenten Hilfe, die sie hier finden, sondern auch an der Art der Räume und Arbeitsplätze. Das Licht ist gut, die Sitze bequem, die Anschlüsse für den Computer funktionieren, und wird man müde, dann gibt es die Möglichkeit, in einem der dafür vorgesehenen, richtig gemütlichen Sessel eine Pause einzulegen und in der leichten Literatur, die hier in den Regalen steht, zu blättern oder auch nur zu träumen".

    Christine Landfried: "Was wir von Berkeley lernen können". In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. April 2010 (Hinweis von Eric Steinhauer)

    Wednesday, April 21, 2010

    Mahngebühren "ablesen"

    "Audrey Conner owed about $7 in fines to the Salt Lake City public library system, but the voracious reader was a little short of funds. It didn't matter. Her nearby library branch had an alternative: Kids who can't pay the fine can do the time. So Audrey sat in a room reading a book of her choice, earning $1 for every 10 minutes. She paid her debt in a little over an hour", berichten die Beacon News (via topix).

    Entschleunigung mit #ashtag

    "Einmal abgesehen von den bedauernswerten Menschen, die an irgendeinem Punkt der Welt festsitzen, weil der Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist, drängen sich einige Fragen auf. Muss wirklich erst ein Vulkan ausbrechen, um uns vor Augen zu führen, welch absurdes Leben wir teilweise führen? Ist es wirklich eine mittlere Katastrophe, wenn man einen Termin in einer anderen Stadt verpasst, wenn die Sitzung eines x-beliebigen Gremiums nicht stattfindet oder ein Wochenendtrip ganz einfach ausfällt?", schreibt Richard Wiens in seinem Kommentar "Wir sollten uns bei den Isländern bedanken" in den Salzburger Nachrichten.

    "emotionale Suche" nach Musik

    Preiser Records bietet eine emotionale Suche nach Musik an. Suchkriterien umfassen Stimmungen/Empfindungen (Freude, Aufbruch, traurig/betrübt, ernst/bedeutungsvoll...), Anlass/Inhalt (Musik zum Träumen, melancholischer Rückblick, leichte Unterhaltung, Sehnsucht/Verlangen...), Leisten für Zeit und Tempo (getragen, schreitend, flott, sehr schnell...) und Auswahlmenüs für Werkart, KomponistIn, Instrument und Land an.
    Bei einer Abfrage nach "nicht zu schnell", "romantisch/idyllisch", "Schönes und Bekanntes" und "Österreich" wird u.a. Schuberts "Wandern" und "Der Einsame" gefunden; bei "flott", "heiter/fröhlich" und "Humor und Spaß" kommen Treffer von Bronner, Kreisler, Benatzky und Rossini.

    Video zur Bibliotheksbenützung in Gebärdensprache

    Eines der Videos aus dem YouTube-Channel der Büchereien Wien. Weitere Videos in Österreichischer Gebärdensprache behandeln u.a. die Entlehnung, die Angebote für Kinder, die Computerwerkstatt und den Onlinekatalog.

    Tuesday, April 20, 2010

    The Particular Sadness of Lemon Cake

    Beim Lesen des Newsletters von Random House wurde ich auf ein interessant klingendes Buch mit einem genialen Titel aufmerksam: "The Particular Sadness of Lemon Cake" von Aimee Bender. Zum Inhalt: "On the eve of her ninth birthday, unassuming Rose Edelstein, a girl at the periphery of schoolyard games and her distracted parents' attention, bites into her mother's homemade lemon-chocolate cake and discovers she has a magical gift: she can taste her mother's emotions in the cake. She discovers this gift to her horror, for her mother—her cheerful, good-with-crafts, can-do mother—tastes of despair and desperation. Suddenly, and for the rest of her life, food becomes a peril and a threat to Rose".
    Von Bender besitze ich bereits den schrägen, empfehlenswerten Geschichtenband "The Girl in the Flammable Skirt", wo es in einem Text darum geht, dass "A grief-stricken librarian decides to have sex with every man who enters her library".

    Ungelesen an Ort und Stelle

    "Wer zu den Dingen in seinem Zimmer eine persönliche Beziehung gewonnen hat, rückt sie nicht gern von der Stelle. Ehe ich ein Buch aus meiner Bibliothek leihe, kaufe ich lieber ein neues. Sogar mir selbst, dem ich auch nicht gern ein Buch aus meiner Bibliothek leihe. Ungelesen an Ort und Stelle, gibt es mir mehr als ein gelesenes, das nicht da ist". Karl Kraus, Die Fackel 259+260, 13. Juli 1908, S. 36

    Monday, April 19, 2010

    ZARA Talk: Rassismus und Medien

    Am Dienstag, dem 27. April 2010 um 19 Uhr, widmet sich der ZARA Talk in der Wiener Hauptbücherei dem Thema "Rassismus und Medien: Zwischen Kriminalisierung und politischer Korrektheit". Bei der Podiumsdiskussion sind Radica Jankovic (biber), Erich Koczina (Die Presse), Petra Herczeg (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Uni Wien) beteiligt, die Moderation übernimmt Sonja Fercher (ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit).

    "Geht es um die Produktion und Reproduktion von rassistischen Stereotypen in Medien, denken die meisten Menschen an die Kronen-Zeitung, doch sind Qualitätsmedien wirklich davor gefeit? Mit welchen Armuts-Klischees operiert ein Journalismus des Mitgefühls? Können folkloristische oder exotische Erzählungen des Andersseins ungewollt Rassismus bedienen? Oder verhindert 'political correctness' wichtige Diskussionen über reale Probleme? Stets mitgedacht und mitdiskutiert wird auch die Nutzbarmachung ebendieser Stereotype zu unterschiedlichen politischen Zwecken".

    Friday, April 16, 2010

    reading diary

    currently re-reading:
    Jo Dereske: Miss Zukas and the library murders. Avon 1994
    Christian Wagenknecht (Hrsg.): Karl Kraus für Gestreßte. Aphorismen. Insel 1997

    recently finished::
    Julia Harper: Hot. Forever 2008

    Masterarbeit über Image im dt.-nl. Vergleich

    Die Master Thesis "Das Image von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren im Spiegel zeitgenössischer belletristischer Darstellungen. Ein deutsch-niederländischer Vergleich", geschrieben am Master-Zusatzstudiengang "Bibliotheks- und Informationswissenschaft" der FH Köln, wurde vor kurzem im VDM-Verlag veröffentlicht.
    Zum Inhalt: "Bibliothekarinnen und Bibliothekare haben bezüglich ihres Berufes immer wieder mit Imageproblemen zu kämpfen, was sicherlich einer der Gründe dafür ist, dass die Auseinandersetzung mit dieser Thematik für den Berufsstand dauerhaft interessant bleibt. Images entstehen und verfestigen sich unter anderem durch Massenmedien, zu denen in diesem Zusammenhang auch die belletristische Literatur zu zählen ist. In diesem Buch wird deswegen untersucht, welches Bild von BibliothekarInnen die zeitgenössischen belletristischen Darstellungen aufzeigen und inwiefern dieses mit dem in der Gesellschaft vorherrschenden Bild des bibliothekarischen Berufsstandes übereinstimmt. Des Weiteren wird ein Vergleich zwischen Deutschland und den Niederlanden gezogen, um festzustellen, ob BibliothekarInnen in beiden Ländern ein unterschiedliches Image anhaftet, und ob sich dieses in der Literatur widerspiegelt. Abschließend führt die Autorin Katharina Perlbach einige Überlegungen dazu auf, wie es möglich sein könnte, der Gesellschaft dauerhaft ein positiveres und aktuelleres Bild von BibliothekarInnen zu vermitteln".

    Leider kostet die Arbeit 49 Euro, und das übersteigt im Moment meinen Etat. Schade, dass die Arbeit anscheinend nicht bei einem fachspezifischen Online-Repositorium eingestellt wurde. Vielleicht kommt das ja noch!

    Läuterung durch Lektüre

    "Schiller statt Schnee schippen: Ein Richter in Fulda verurteilt jugendliche Straftäter nicht mehr zu gemeinnütziger Arbeit - er lässt sie stattdessen Bücher lesen", berichtet Marc Widmann in der Süddeutschen vom 15. April. (via ArminWolf)

    Thursday, April 15, 2010

    Bibliotheksverbote

    "Marianne contempla les panneaux qui recouvraient la presque totalité des murs. Interdiction de fumer. Escalier A, direction B, bâtiment C. Silence. Sortie de secours. Ne pas déranger. Portables interdits. Interdiction de manger. Ne pas parler. Rollers interdits. Cris et crachats prohibés.
    - Il y a des choses qu'on a le droit de faire?
    - Baisser la tête et faire semblant de travailler, j'ai connu pire, chuchota la jeune fille".

    Aus: Sophie Avon: La bibliothécaire. Roman. Paris: arléa 2006, S. 15 - 16

    Wednesday, April 14, 2010

    Ich will rein...

    Stadt- und ÖGB-Bücherei Melk, aufgenommen am 21. März 2010

    Bücher - wohin damit?

    "Oft wissen wir nicht mehr, wohin damit. 'Buchdruck' hat in meinem Leben mehrere Bedeutungen" - Buchhändlerin Petra Hartlieb in einem Interview mit Daniel Glattauer (Der Standard, 5. Oktober 2007).

    Comics als Literatur?

    Die Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher lädt zu einer Entdeckungsreise in die Welt der Comics mit Special Guest Sebastian Broskwa, Betreiber des Comicvertriebs Pictopia Comics: "Comics als Literatur? Vom Erzählen im literarischen Zwielicht", Dienstag, 27. April 2010, um 19.30 Uhr, Hartliebs Bücher, Währinger Straße 122, 1180 Wien. Um Anmeldung unter office@hartliebs.at wird gebeten. - Hinweis aus buecher.at.

    Literaturgeschichte des Burgenlandes

    Das Literaturhaus Mattersburg lädt zur Buchpräsentation
    "Beiträge zu einer Literaturgeschichte des Burgenlandes" am Dienstag, den 20. April, um 19 Uhr.
    Seit kurzem verfügt auch das Burgenland über eine chronologisch gesammelte Literaturgeschichte. Das Wissen über die Literatur in unserem Raum, das bislang nur punktuell vorhanden war, wurde vom burgenländischen P.E.N.-Club unter der Leitung von Helmut Stefan Milletich zusammengetragen und im heurigen Frühjahr herausgegeben. Von mittelalterlichen Augenzeugen über die Reformation bis zu den vielfältigen Publikationsmöglichkeiten in den 70er- und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts reicht die Palette der Beiträge. Dabei wird vor allem die kulturelle und sprachliche Vielfalt des Landes berücksichtigt. Im Literaturhaus werden neben Helmut Stefan Milletich, auch Karl Hofer, Sabine Milletich und Gerhard Winkler lesen.

    Tuesday, April 13, 2010

    Neu: Beirat der Wirtschaftskammer zur sexuellen Orientierung

    Die Queer Business Women, Interessengemeinschaft lesbischer Führungskräfte, Unternehmerinnen, Expertinnen und Selbstständiger, und die ag-pro, Vereinigung schwuler und bisexueller Unternehmer, (angestellter) Führungskräfte und Freiberufler in Österreich, wurden in den neuen Beirat der Wirtschaftskammer Wien zum Themenfeld "sexuelle Orientierung" berufen: "Aufgabe des Beirats ist es, der WKW, und hier insbesondere dem Diversity-Referat der WKW, Expertisen zu Verfügung zu stellen und eine Brückenfunktion zwischen der WKW und den lesbisch-schwulen Communities einzunehmen. Zu diesem Zweck unterstützt der Beirat die Entwicklung von Serviceleistungen, wie auch die inhaltliche Konzeption von Veranstaltungen, über welche die WKW lesbisch-schwule UnternehmerInnen ansprechen will".

    Monday, April 12, 2010

    The Library Gingerbread Man

    "The exasperating Gingerbread Man, famous for leading a host of townsfolk and animals in a wild chase about the countryside, lives at 398.2 on the library shelves. But the Gingerbread Man is not the type of cookie that stays in one place for very long, and one day, he just can’t help himself. With a leap and a whoosh, he escapes the librarian's grasp, and the chase for the wily Gingerbread Man is on again!" (ISBN 978-1-60213-048-7)

    Friday, April 09, 2010

    Freud'scher (?) Verhörer

    Ich werde wohl wirklich alt: heute hab ich auf Ö1 verstanden "Malcolm McLaren, Bank-Ikone" :-)

    Laufkunde geringer einzuschätzen als "wahrhaftiger Bücherfreund"

    Ich habe unseren Handapparat mit Plakat-Büchern durch einige antiquarische Bestellungen ergänzt:

  • Priess, Heinrich G. P.: Lernt Plakat-Malen : neueste Plakat-Mal-Schule zum Selbstunterricht ; moderne Schriften mit Plakat-Entwürfen für das Schaufenster / H. Priess. Hamburg : Verlag Heinrich G. P. Priess, [ca. 1924].
  • Das Gas in der Plakatkunst : Geschichte und Gestaltung / Herausgeber: Ruhrgas AG, Essen. Konzeption und Texte: Frieder Mellinghoff, Heino Stens
    München : R. Oldenbourg Verlag, 1990
  • Hoester, Paul: Vollständiger Lehrgang für Flachpinsel-Einstrich-Schriften sowie einer Anzahl Schriften für spitze und stumpfe Pinsel : illustriert durch mehr als 200 Abbildungen, unter anderem 50 große und kleine Alphabete der schönsten Schriften, 20 Sätze Zahlen, ca. 70 Preisschilder und Plakatvorlagen, sowie zahlreiche Abbildungen von Umrahmungen, Randleisten, Zierat und vielen praktischen Beispielen. Hamburg: Verlag von Höster's Internation. Schaufenster-Dekorations-Lehrinstitut (Hösters Plakatmal-Kursus zum Selbstunterricht ; 2)
  • The Golden Age of the Poster : 70 European and American Posters of the 1890's in Color / Selected and edited by Hayward and Blanche Cirker. New York : Dover Publications Inc., 1971
  • Kauft Bücher! : Verlagsplakate um die Jahrhundertwende. Dortmund : Harenberg, 1982 (Die bibliophilen Taschenbücher ; 347)
  • Anschläge : Deutsche Plakate als Dokumente der Zeit 1900 - 1960 ; 122 Blatt in den Druck- und Papierfarben der Originale / hrs. von Friedrich Arnold. Einbandentwurf: Gerhard M. Hotop. Druck der Plakate: Pera-Druck Hanns Haug. Druck des Begleittextes: Graphische Werkstätten Kösel. Ebenhausen bei München : Langewiesche-Brandt, 1963
  • Biegel, Helmut: Das Plakat im Schaufenster : ein Handbuch für Kaufleute, Gewerbetreibende, Angestellte, Dekorateure, Handelsschulen und Berufsschulen ; mit etwa 600 praktischen Plakattexten für alle Branchen und sechs Plakattafeln / Helmut Biegel. Hamm : Reimann & Co., 1932
  • Im letztgenannten Buch - "Das Plakat im Schaufenster" - gibt es einen Abschnitt für Buchhandlungen: "Der sogenannte Laufkunde ist geringer einzuschätzen als der wahrhaftige Bücherfreund, der in regelmäßigen Abständen vorspricht, um sich nach Neueingängen zu erkundigen. Auf diese Leute muß aber ganz besonders eingewirkt werden, ihnen gehört eine besondere Ecke im Schaufenster und ein sehr nachhaltiger Hinweis durch das Schaufensterplakat. (...) Ein sehr wichtiges Moment in der Werbung der Buchhandlung ist die Behandlung des Käufers. Nur keine Schablone. Jeder will vollkommen individuell behandelt werden. Man stürze sich nicht wie ein Habicht auf jenen Menschen, der selber suchen will und der sich Zeit läßt, das richtige Buch herauszufinden. Man werde nicht nervös, wenn dieser Besucher nun schon eine Stunde lang in Büchern herumkramt, man meine nicht, daß er in so kurzer Zeit 'das Beste aus den Büchern herausgelesen habe'. Verständnisvolles Fragen, Hilfsbereitschaft und - notabene! - die eigene Belesenheit wirken Wunder" (S. 77).
    Biegel schlägt auch einige Werbeslogans für die Schaufensterplakate vor: "Wenn Sie Bücher von den Freunden entleihen - so bringen Sie sich um die eigene Besitzfreude. Das Buch, das Ihnen gehört, ist Ihnen weit wertvoller" (S. 78). Oder: "Prüfen Sie sich selbst! Wollen Sie teilnehmen am geistigen Leben ihres Landes, so müssen Sie auch Bücher lesen. Bücher bilden und bereichern das Allgemeinwissen" (S. 78). Und: "Können Sie mitreden? Es ist peinlich, in einer Gesellschaft zu sein, wenn gerade über neue Bücher gesprochen wird. Sie können nur zuhören - denn Sie kaufen ja keine Bücher! Besser ist es, Sie opfern monatlich einen kleinen Betrag, um ein gutes Buch zu erwerben!" (S. 77) :-)
    Interessant ist aber auch, welche Geschenke den Frauen und welche den Männern zugedacht werden: "Was kann man Männern schenken? Einen Rauchverzehrer? Fein! Einen elektronischen Anzünder? Praktisch! Eine schöne Leselampe? Wundervoll! Sehen Sie - das sind Geschenke, über die sich Männer wirklich freuen können" (S. 48), "Eine gute Zigarre gibt jeder Unterhaltung die freundliche Note! Wo Männer beieinander sind: Die 'Saide" anbieten!" (S. 33), "Ach - wie reizend! Das hört jede Mutter gern. Mit Kleidern von ... sieht jedes Kind reizend aus" (S. 37), "Was für die Frau der entzückende Schirm - das ist für den Mann der praktische Spazierstock" (S. 43), "Aerger macht häßlich! Und Aerger mit einem schlechten Herd macht vorzeitig alt. Daran denken und von vornherein einen XY-Herd kaufen. Der XY-Herd sorgt stets für die gute Laune der Hausfrau" (S. 49). Schmunzeln musste ich auch beim Hinweis: "Daß man allen Verlobten (Aushänge an den Standesämtern auswerten!) selbstverständlich Matratzen anbietet, braucht hier wohl kaum betont zu werden" (S. 47).

    Thursday, April 08, 2010

    reading diary

    finished yesterday:
  • Kathy Love: Wanting What You Get. Zebra 2004 (Stepp Sisters ; 2) - Bibliothekarin und Bürgermeister finden zueinander, wobei sich Bibliothekarin ständig "owituat", weil Bürgermeister ja soooo toll ist und sie so "chubby", und Bürgermeister sehr lange nicht checkt, dass er ein gröberes Problem hat, aber, soviel sei verraten: Ende gut, alles gut
  • Francis Spencer: Geheimnis einer Unbekannten. Books on Demand 2007 - bin normalerweise skeptisch bei Eigenverlag, aber das Büchlein ist reizend und die Hauptfigur liebenswert... Verarmte Adelige bewirbt sich "undercover" als Bibliothekarin auf einem Schloss mit einem Familiengeheimnis
  • currently read:
  • Julia Harper: Hot. Forever 2008 - Bibliothekarin, die nebenbei noch auf der Bank arbeitet, wird überfallen und nutzt den Tumult dazu, selbst auch etwas einzustreifen. Es ist nicht sehr unwahrscheinlich, dass sie dem ermittelnden FBI-Agenten näher kommen wird ;-)
    Bibliothekarin und Polizist - das kommt so oft vor, dass ich darüber mal einen Artikel schreiben sollte. Beispiele: Jo Dereske: Miss Zukas Mystery-Reihe; Marion Moore Hill: Scrappy Librarian-Reihe; Linda Howard: Auch Engel mögen's heiß; Tracy Montoya: Next Of Kin; Miriam Grace Monfredo: Glynis Tryon-Reihe... Die umgekehrte Geschichte - also Bibliothekar und Polizistin - gibt es bei der Supper Club Mystery-Reihe von J. B. Stanley.
  • Wednesday, April 07, 2010

    Rätsel Garderobekasten

    Ich glaube, alle Menschen, die Auskunftsdienst in Bibliotheken machen, können zahlreiche Anekdoten zum Themenkreis "BenutzerInnen und Garderobekasten" beisteuern. Mein bisheriger Favorit war der Benutzer, der in aufgebrachtem Tonfall monierte, dass bei mehreren Schließfächern immer die Münzen durchfallen. Nachdem bei uns die Schlösser wirklich regelmäßig kaputt sind, ging ich mit, um mir das mal anzusehen. Und dann zeigte mir der Benutzer (übrigens ein regelmäßiger Gast unserer Bibliothek), wie er zwei Ein-Euro-Münzen in ein Schloss wirft, auf dem "2€" steht. Wahrscheinlich kennt er nur die kostenpflichtigen Gepäckschließfächer von Flughäfen und Bahnhöfen, und nicht den ganz simplen Spind... Nach meinem höflichen Hinweis, dass er eine Zwei-Euro-Münze braucht, ging ihm offensichtlich ein, dass er auch selber auf die Idee kommen hätte können, und das war ihm wohl ein bisschen peinlich, wohl deswegen wurde er gleich wieder laut und meinte, wegen ihm sei es ja nicht (neeeein), aber ausländische Benutzer - zum Beispiel aus Großbritannien - würden sich da sicher schwer tun, und wir sollten das dreisprachig anschreiben. Seitdem überlege ich krampfhaft, wie wir "2€" so anschreiben könnten, dass sich unsere englischsprachigen BenutzerInnen damit nicht so schwer tun...

    Unlängst kam ein pensioniertes Ehepaar zu einer Führung, der Mann stürmte herein und beschwerte sich, dass seine Münze feststeckt. Kein Problem, kommt öfters vor - ich bewaffnete mich also wie gewohnt mit einer langen Schere und versuchte, die Münze aus dem Münzschlitz zu stochern. Die beiden schauten mir dabei etliche Minuten zu. Irgendwann wurde ich skeptisch und fragte vorsichtig, ob es denn sicher dieses Schließfach gewesen sei. Darauf sie: "Schon, aber ich hab die Münze nicht da oben reingesteckt". Sondern? "Na, ins Schloss". Ins Schloss? Ah. Tatsächlich. Dort in den schmalen Raum, wo sich das Ding dreht, das dann zusperrt. Dort, wo man die Münze nur mit Gewalt reinkriegt. Dort, wo ich mit der Schere nicht hinkomme. Dort, wo man was reinsteckt und dann den Schlosser rufen muss. Dem Mann, der dann noch ewig herummoserte, hätte ich übrigens gerne die Rechnung für den Handwerker geschickt...

    Ich habe übrigens großes Verständnis dafür, dass man mal auf der Leitung stehen kann oder sich unsicher fühlt, wenn man das erste Mal in einer Bibliothek ist (siehe dazu "Ich als DAU"), ich halte mich für grundsätzlich geduldig und hilfsbereit, und ich liebe Infodienst, aber mich nervt, wenn genau die Leute, die nicht recht haben, gleich von vornherein diesen unwirschen Tonfall an den Tag legen...

    Neuerwerbungen

    Thalia-Taschenbuchabverkauf ist tödlich für das Budget ;-) diesmal die schnelle Liste ohne Links und genaue bibliographische Angaben

  • Harry Potter, You're the Best! A Tribute from Fans the World Over by Sharon Moore
  • Sacrifice of Angels (Star Trek Deep Space Nine: The Dominion War, Book 4) by Diane Carey
  • Immortal Coil (Star Trek The Next Generation) by Jeffrey Lang
  • The Fate of the Phoenix (Star Trek) by Sondra Marshak
  • Mosaic (Star Trek Voyager) by Jeri Taylor
  • Gemworld Book Two of Two (Star Trek The Next Generation, No 59) by John Vornholt
  • Tuesday, April 06, 2010

    Einladung zur Tagung "Aus Spaß an der Freud'"

    Der Arbeitskreis kritischer BibliothekarInnen lädt zur Frühjahrstagung unter dem Titel "'Aus Spaß an der Freud'. Ehrenamt zwischen Selbstausbeutung und Selbstverwirklichung?", die von 7. bis 9. Mai in Wien stattfindet. Die Tagung wird von Birgit Kramreither und Nikola Staritz geleitet. - Kontakt für organisatorische Fragen hier; für inhaltliche Fragen hier. Anmeldung bis 30. April.

    Im Bibliotheksbereich spielt ehrenamtliche Arbeit eine wesentliche Rolle - nicht nur was ihre quantitative Verbreitung sondern auch was ihre Verknüpfung mit Fragen von Geschlechterverhältnissen, kapitalistischer Arbeit und Neoliberalismus betrifft. Das Ehrenamt bewegt sich im Spannungsfeld von behaupteter Selbstverwirklichung jenseits von Lohnarbeit - durchaus nicht frei von Hierarchie und Weisungsgebundenheit - und (Selbst-)Ausbeutung, die nicht zuletzt eine Öffentlichkeit aus der (finanziellen) Verantwortung nimmt, indem wichtige bildungspolitische und emanzipatorische Arbeit "freiwillig", jedenfalls aber ohne Bezahlung, geleistet wird. Gerade im Kontext aktueller Debatten um "Selbstverantwortung", "BürgerInnengesellschaft" und andere neoliberale Schlagworte scheint also eine Auseinandersetzung mit dem Ehrenamt wichtig. Diese und ähnliche Fragen, sowie eigene (auch verschiedene) Umgänge, Zugänge und Betroffenheiten, aber auch die Suche nach Veränderungen und Utopien im Anschluss an eine Analyse und Kritik aktueller Arbeitsverhältnisse, werden deshalb Thema des KRIBIBI-Frühjahrsseminars 2010 sein. Da Ehrenamtlichkeit aber nur ein Aspekt ist, wird uns das Überthema "Arbeitsverhältnisse" auch im Herbstseminar dieses Jahres weiter beschäftigen. Dort werden wir uns dann spezifischer den Prekären Arbeitsverhältnissen widmen, die gerade auch in Form von immer neuen befristeten und wenig abgesicherten Projekten die Arbeitswelt verunsichern.

    Freitag, 7.5.2010
    Ort: AK Bibliothek für Sozialwissenschaften, 1040 Wien, Prinz-Eugen-Straße 20-22
    19.30 Uhr Vortrag und Diskussion - Magdalena Freudenschuß (Politologin, schreibt in Berlin ihre Doktorarbeit in Soziologie zu Prekarisierungsdiskursen und arbeitet als Referentin in der politischen Bildungsarbeit): Geld oder Ehre/namt? Paradoxe Konstellationen von Arbeit im Neoliberalismus

    Samstag, 8.5.2010
    Ort: Renner-Institut, 1120 Wien, Eingang Hoffingergasse 26
    09.00 Uhr: Begrüßung und Vorstellungsrunde
    09.45 Uhr: Referat und Diskussion - Nikolaus Hamann (Büchereien Wien): Freiwilligenarbeit in Österreich. Begriffe - Fakten - Schlussfolgerungen
    10.30 Uhr: Referat und Diskussion - Franz Pascher (Büchereiverband Österreichs): Österreichische Büchereien zwischen Hauptberuf und Ehrenamt
    12.30 Uhr: Mittagessen
    14.30 Uhr: Arbeitsgruppen zu den drei Themenbereichen: Ehrenamts-Biographien; Ausgebildetes Ehrenamt? Die (Re-)Produktion von Haupt- und Ehrenamtlichkeit in der Ausbildung; Mehr als Verbesserungen. Versuche über (Arbeits-)Utopien
    17.00 Uhr: Diskussion der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen
    18.30 Uhr: Abendessen

    Sonntag, 9.5.2010
    Ort: Renner-Institut, 1120 Wien, Eingang Hoffingergasse 26
    09.00 Uhr: Asghar Eslami, Ferdos Mirabadi, Sorur Sahebi (Iranische Bibliothek Hannover): "Auf dem Weg zu einer weltoffenen und lebendigen Bibliothek" - Iranische Bibliothek und Dokumentationszentrum in Hannover - die Geschichte und Entwicklung
    10.30 Uhr: Fazit, Seminarkritik
    12.00 Uhr: Mittagessen
    14.00 Uhr: Ende der Tagung

    Beim Auskunftsdienst

    Benutzer: "Ich brauche das Wiener Adressbuch".
    Ich: "Welchen Jahrgang?"
    Benutzer: "Ach, ist das nach Jahr sortiert, nicht nach Adressen?"

    Friday, April 02, 2010

    Thriller mit Bibliothekarin

    Heute hab ich Richard Laymons Thriller "Das Spiel" (8. Aufl. München: Heyne 2009) fertiggelesen. Eigentlich gar nicht mal so gut geschrieben (oder übersetzt), gleichzeitig aber ein richtiger "page-turner", bei dem ich gestern bereut habe, vorm Waldspaziergang bei einbrechender Dunkelheit darin gelesen zu haben - aber immerhin hat sich mein Schritt deutlich beschleunigt ;-) Noch mehr bereut habe ich, vorm Schlafengehen noch ein paar Seiten gelesen und dabei gerade die grauenvollste Szene des ganzen Buches erwischt zu haben. Wirklich spannend. Hauptfigur ist übrigens eine Bibliothekarin.

    Thursday, April 01, 2010

    Neuerwerbungen

  • Kathy Love: Wanting what you get. New York: Zebra Books 2004 ("Is he flirting with me? I must be imagining things. Why would Mason Sweet, the man I've secretly been in love with since seventh grade, flirt with me? He's the town golden boy, and I'm, well, the town librarian" - Klappentext)
  • Diana Duncan: Full exposure. Don Mills: Harlequin 2007 (= Mediterranean nights) ("To the passengers aboard the cruise ship Alexandras Dream, Ariana Bennett appears to be an unassuming librarian. But her real mission is to probe the underworld of antiquities smuggling and find the criminals who framed her father and caused his death" - Klappentext)
  • Lori Copeland: Monday morning faith. Zondervan 2006 ("Librarian Johanna Holland likes her simple life in Saginaw, Michigan. So why is she standing in the middle of the New Guinea jungle?" - Klappentext)