Thursday, April 17, 2008

Ökologiegespräch mit interessanten Aussagen

Gestern war ich beim von der Raiffeisen Leasing veranstalteten Ökologiegespräch zum Thema Nachhaltigkeit, an dem Alexander Van der Bellen (Grüne), Josef Penninger (Institut für Molekulare Biotechnologie), Michael Landau (Caritas) und Christian Konrad (Raiffeisenverband) teilnahmen. Durch die starke Moderation kam es zwar nicht zu einer richtigen Diskussion zwischen den Teilnehmern, eher zu einer gesitteten Abfolge einzelner Beiträge, aber es war auch so sehr spannend, und das Gespräch war von gegenseitigem Respekt geprägt, was man auch nicht so oft sieht. Ein paar Erinnerungen:
Landau stellte fest, dass zwar die Wirtschaft globalisiert worden, aber ethisch-moralisch provinziell geblieben sei. Er regte an, eine Nachdenkpause bei Biosprit einzulegen, um nicht "volle Tanks mit leeren Tellern" zu erkaufen. Schön fand ich auch den Satz "Der Glaube ersetzt nicht das Denken, er gibt zu denken". Landau kritisierte auch den Versuch, den Tschad-Einsatz unter Entwicklungshilfe zu verbuchen, und forderte für die EZA "frisches Geld". Für die Hungerhilfe sei ein globaler Kraftakt erforderlich. Auf jeden Fall wären seine luziden Stellungnahmen Grund alleine, den Kirchenbeitrag zu bezahlen ;-) - Josef Penninger hatte es als Naturwissenschaftler nicht ganz leicht auf dem Podium. Er ist von der Innovationskraft der Menschen überzeugt und wünscht sich, dass Politik nicht mehr so oft aus Angst heraus agiert, sondern sich eher ein "we act out of love" als Motto aneignet und daran glaubt, dass wir eine Lösung finden können. Man müsse aber der Industrie Anreize setzen, um neue Technologien zu entwickeln. Als Beispiel nannte er Forschung über Bakterien, die aus Zellulose Treibstoff produzieren können. Laut Penninger leben wir im gentechnischen Zeitalter; und gerade weil die Gentechnik so wichtig sei, sollten die Leute wissen, worum es dabei geht, was es z.B. bedeutet, wenn sie eine Genanalyse bei 23andMe machen lassen und erfahren, dass sie ein um zwei Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt aufweisen. Deswegen habe sein Institut ein offenes Labor eingerichtet, das bereits sechstausend Leute besucht hätten. - Alexander Van der Bellen setzt sich dafür ein, die Agrotreibstoffe (ein besserer Ausdruck als "Biosprit") zu beschränken, um nicht mit dem Lebensmittelmarkt zu konkurrieren - Holzabfälle ja, Mais nein. Österreich nehme seine Chancen auf dem Gebiet der Öko-Energie nicht wahr. Die Grünen seien nicht schlechthin gegen Gentechnik, aber sehr wohl gegen deren Einsatz im österreichischen Agrarsektor, weil so eine bedeutende Marke aufs Spiel gesetzt würde. Außerden seien die Haftungsfragen nicht geklärt. Auf die Frage, ob GVOs zur Linderung des Welthungers beitragen könnten, erwiderte VDB, dass der Hunger meist andere Ursachen hätte als ein Mengenproblem. - Konrad betonte, dass ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen wie Raiffeisen von der Konzeption her auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sei, die Prinzipien seien Hilfe zur Selbsthilfe und Solidarität.

O-Töne

  • Konrad: "Prof. Van der Bellen würde sich in vielen Dingen eignen als Konsulent des Raiffeisenverbandes".
  • Als Van der Bellen sich für Gentechnik-Forschung im Medizinbereich aussprach, kommentierte Moderator Engert: "Ich habe die Grünen aber noch nicht 'Freiheit für die Forschung brüllen hören". Darauf VDB: "Haben Sie mich jemals brüllen gehört?"
  • VDB, auf den hohen Benzinverbrauch der neuen Automode anspielend: "SUV - das heißt ja nicht umsonst so. Wenn Sie täglich auf die Alm fahren, ist es was anderes, aber mit einem SUV in Wien herumzufahren, ist skandalös".
  • Penninger: "In der Politik wird oft aus Angst heraus regiert. Wir sollten das umdrehen und glauben, dass wir es schaffen können".
  • Penninger: "Genanalysen zeigen, dass wir Menschen uns nur in 0,01 Prozent unterscheiden. Das ist ein genetisches Argument gegen Rassismus".
  • Landau: Dereinst werden nicht unser Titel, Gehalt oder Prestige wichtig sein, sondern "was zählt, ist die Frage, ob wir aufeinander geachtet haben, ob wir als Menschen gelebt haben".
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